++ München: Mit der 293:10-Außenseiterin La Ballade gewinnt Elisabeth Höll ihr erstes Rennen - Lehmann-Einlauf bei den Trotteur Francais durch Dream Gibus und Birdy de Neuilly - Doppelerfolg für Gerd Biendl mit Rapido Ok und Troublemaker ++ ++ Jägersro: Siegreiches Schweden-Debüt von Gestüts Lasbeks Piccadilly mit Peter Ingves in 1:14,1/2140 Meter - Stallgefährte Jairo Vierter in 1:10,9/1609 Meter - Halva von Haithabu mit Fieber gestrichen ++ ++ Chataillon: Classic Connection mit Jean-Pierre Dubois im Grand Prix Dynavena Maisagri (34.000 Euro) beim Sieg von Valzer di Poggio (Jean-Michel Bazire) Dritter in 1:14,2/2650 Meter ++ ++ Freitag: Zehn Rennen ab 18:30 Uhr in Dinslaken ++ ++ Sonntag: Adbell-Toddington-Rennen in Berlin mit Top-Besetzung - Wild West Diamant (Robin Bakker) vs. Keytothehill (Roland Hülskath) ++
Vorlauf-Niederlagen gründlich revidiert
29. Oktober 2019

Nicht mehr in Woodbine, das mittlerweile zur reinen Galopprennbahn geworden ist, sondern im Woodbine Mohawk Racepark quasi um die Ecke, dem ohnehin bedeutendsten Hippodrom der Ahornblätter.

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Ramona Hill revidiert ihre Vorlaufniederlage (Foto: ustrottingnews.com)

Der Auftakt der „Crowns“ auf dem 1408 Meter weiten Oval westlich von Toronto blieb den zweijährigen Traber-Ladys vorbehalten, von denen Ramona Hill ihre einzige Niederlage im Vorlauf vor einer Woche spektakulär richtig stellte. Die hatte gewaltige Folgen, denn weil nur die beiden Vorlaufsiegrinnen Sister Sledge und Ms Savannah Belle von vornherein in den Genuss eines günstigen Finalstartplatzes kamen, spielte das Los-Schicksal der Muscle-Hill-Tochter auf die übelst mögliche Weise mit: Der äußerste Platz „10“ ist so gut wie für alle ein Schreckensszenario. Nicht so für Catchdriver Andrew McCarthy. „Natürlich ist ‚hole 10‘ gerade für Youngster alles andere als ideal, aber eben auch nur eine Nummer, aus der es das Beste zu machen gilt“, und das zelebrierte der seit einigen Jahren in Nordamerika seine gut belegten Brötchen verdienende Australier von Beginn an.

Mit dem ersten Schritt ließ er das 70.000-Dollar-Schnäppchen (Lexington, 2. Oktober 2018) fliegen. Sah es zunächst danach aus, als solle die diesmal Tim Tetrick anvertraute Ms Savannah Belle von der „5“ das Kommando leicht und locker an sich reißen, so hatte er gegen Ramona keine Chance. Noch vorm Eintauchen in die erste Kurve saß das Girl von Trainer Tony Alagna felsenfest auf dem Regiestuhl vor Sister Sledge, für die sich Yannick Gingras entschieden hatte, Ms Savannah Belle, der für 27:10 auf den Favoritenschild gehobenen Hypnotic Am, May Baby und Dip Me Hanover. Kurz vor Halbzeit befand es Brian Sears an der Zeit, der Pilotin mal ein wenig auf den Zahn zu fühlen. McCarthy fand daran gar keinen Geschmack und ließ sie freiwillig auf den Platz an der Sonne, was sich Mitte der Zielgeraden als ebenso gewagter wie glänzender Schachzug entpuppen sollte.

Dort streckte May Baby, die kurz nach dem freundlichen Kommandowechsel in zweiter Spur aktiv geworden war, gründlich die Waffen, so dass die Tür zum Ausstieg für McCarthy und seine Schutzbefohlene groß wie ein Scheunentor wurde. Wie sie den Spieß zu ihren Gunsten umdrehte, war imponierend und ließ nicht die Spur eines Zweifels aufkommen, sie sei die würdige und wahre Königin des Jahrgangs. Im Sauseschritt ließ sie trotz des geharnischten Spurts zu Beginn die gebürtige Schwedin links liegen, die vier Längen zurück auch noch von Sister Sledge um eine Nüsternbreite erwischt wurde und mit Ach und Krach wenigstens „Bronze“ gegen die von ganz hinten mit dem schnellsten „final quarter“ heranfliegende Madame Sherry festhielt. „Muscle Hill vor Father Patrick, Chapter Seven und Father Patrick“ lautete der erste BC-Einlauf, was die Väter betrifft, Tony Alagna vor Ron Burke, Marcus Melander und James „Jim“ Campbell jener seitens der Übungsleiter, womit die „american natives“ den ersten Sturm der Skandinavier gründlich lahmgelegt hatten.

„Ich hab solch einen Gewaltmarsch an die Spitze nie zuvor mit ihr probiert, weil ich wusste, dass ich eine außergewöhnliche Stute in Händen hatte, die unterwegs aus dem Mittelfeld prächtig einzusetzen ist. Aber gegen diese Rivalinnen mit dieser Nummer musste ich etwas Verrücktes probieren, wollte ich nicht zu sehr ins Hintertreffen geraten. Prächtig hat sie mitgespielt, obwohl sie im Vorlauf nicht gut drauf war und in Galopp zu fallen drohte. Tony hat einige kleine Änderungen vorgenommen - diesmal lag sie wieder wie ein Brett und hat ihre ganze Klasse aufs Tapet gezimmert. In der Breeders Crown dabei zu sein, ist ein tolles Ding, selbst bei mir zu Hause in Australien. Eine zu gewinnen, das Nonplusultra“, sprudelte es aus einem strahlenden McCarthy hervor.

 

Breeders Crown - Trot - (zweijährige Stuten)

1609m Autostart, 600.000 USD

Wert: 300.000 - 150.000 - 72.000 - 48.000 - 30.000 USD

1.      Ramona Hill                    10,5    Andrew McCarthy          159

         2j.dklbr. Stute von Muscle Hill a.d. Lock Down Lindy von Lucky Chucky

         Be: Bradley Grant, Crawford Farms, Robert Leblanc & In the Gym Partners; Zü: Crawford Farms; Tr: Tony Alagna

2.      Sister Sledge*              

3.      Hypnotic Am               

4.      Madame Sherry         

5.      Wine Rack Hanover    

6.      Dip Me Hanover        

7.      Ms Savannah Belle*   

8.      May Baby                   

9.      Violet Stride                

10.    Shishito                          

11,0    Yannick Gingras              

11,0    Brian Sears                      

11,0    Matthew Kakaley        

11,1    Sylvain Filion                 

11,1    David Miller                    

11,6    Tim Tetrick                        

11,6    James Yoder                 

11,6    Tyler Buter                      

11,7    Dexter Dunn                  

44

27

1340

167

379

28

485

368

178

*Vorlaufsiegerinnen                                                                            

Sieg: 159; Richter: überlegen 4 - k.Kopf - Kopf - ¼ - 1¼ - Kopf - 3¼ Längen; 10 liefen

 

 

„Copy and paste“ bei den männlichen Youngsters

„Was Andrew kann, kann ich schon lange“, mag sich zwei Rennen oder 40 Minuten später Dexter Dunn gedacht haben. Auch der sein erstes komplettes Rennjahr in Nordamerika absolvierende Neuseeländer, der wohl so bald nicht in die südliche Hemisphäre zurückkehren wird - derzeit ist er hinter den seit Jahren etablierten Tim Tetrick und Yannick Gingras die Nummer drei der dortigen „money ranking list“ der Piloten - bzw. sein Amigo Volo hatten die (einzige) Elimination nicht gewinnen können, waren nach einem frühen Aussetzer als 15:10-Favoriten sogar haarscharf am „Cut“ vorbeigeschrammt und hatten das Finale als Siebenter und damit Letzter der Qualifizierten erreicht. Glück hatte der Father-Patrick-Wallach bzw. sein Mitbesitzer und „Home-Trainer“ Carter Pinske - in Kanada übernahm wieder Richard Norman die Verantwortung als Übungsleiter - bei der Startplatzauslosung, die ihm die „4“ bescherte. Besser konnte es kaum kommen, der Wallach zeigte sich auf jedem Zoll von seiner Schokoladenseite und zerpflückte das Feld ganz nach Belieben.

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Auch Amigo Volo korrigiert sich im Finale (Foto: ustrottingnews.com)

Schon der Start war ein Genuss: Der am 3. Oktober 2018 als Los 194 für schmale 42.000 Dollar versteigerte Braune schoss los wie ein Pfeil, riss ratzfatz vor Third Shift, Capricornus, Vorlaufsieger Synergy und Rome Pays Off den Taktstock an sich und schlug ein „molto vivace“ an, das den zur Hälfte der Strecke von letzter Position in der Außenspur aktiv werdenden Weltrekordler Real Cool Sam wie alle anderen vor enorme Probleme stellte. Fünf Längen betrug der Vorsprung des quirligen Amigo nach 1200 Metern, 6½ waren es zu Beginn der Zielgeraden, als die hinterdrein Hechelnden in breiter Phalanx für den Fight um den Ehrenplatz ausschwärmten. Vier Längen waren es schließlich im Ziel, weil Dunn seinen Partner, der sein Konto im Eiltempo um 300.000 auf 514.696 USD ausbaute, nur noch lässig austrudeln ließ.

Rome Pays Off, den es im Schlussbogen in die dritte Spur verschlagen hatte, vor Chestnut Hill, der sein Pulver an letzter Position ewig und erfolgreich für das letzte Viertel aufgespart hatte, Real Cool Sam und Synergy lautete die Reihenfolge hinter dem Überflieger - bzw. „Father Patrick vor dreimal Muscle Hill und Father Patrick“ die Serie der ersten Fünf, was ihre Erzeuger anbelangt. Marcus Melander auf Platz zwei, Åke Svanstedt Fünfter - die schwedischen Übungsleiter bekamen die nächste Zigarre verpasst.

„Ein irres Gefühl, eine Breeders Crown zu gewinnen, und noch dazu für Nifty Norman, der mir als Trainer vom ersten Tag in Nordamerika an viele Chancen gegeben und fest an mein Können geglaubt hat“, kommentierte der zehnfache Champion der „Kiwis“, der in seiner Heimat sämtliche Rekorde gebrochen hat, „als er so hinter dem Auto losschoss, sah ich keinen Grund, die Fahrt wesentlich herauszunehmen, und als ich mich an der letzten Ecke umschaute und die Gegner nur mit dem Fernglas sah, wusste ich, es könne nichts mehr schief gehen, auch wenn Amigo Volo am Ende ein klein wenig müde wurde.“ Richard Norman resümierte: „Dexter hat all mein Vertrauen in ihn vollauf gerechtfertigt. Er hat sich in seiner ersten Saison geradezu unglaublich durchgesetzt. So etwas gelingt nur wirklich brillanten Fahrern. Dass Amigo Volo zu den Besten seiner Generation zählt, hat er erstmals am 8. September bewiesen, obwohl er dort ‚nur‘ Zweiter war. Bezwungen hat ihn mit Real Cool Sam nur ein echter Champion, der diesmal bei dem irrwitzigen Tempo das wesentlich anspruchsvollere Rennen hatte.“

 

Breeders Crown - Trot - (dreijährige Hengste & Wallache)

1609m Autostart, 600.000 USD

Wert: 300.000 - 150.000 - 72.000 - 48.000 - 30.000 USD

1.      Amigo Volo                     11,2    Dexter Dunn                      35

         2j.dklbr. Wallach von Father Patrick a.d. Margarita Momma von Yankee Glide

         Be: Pinske Stables & David J. Miller; Zü: Kentuckiana Farms & Jörgen Jahre, NO; Tr: Carter Pinske

2.      Rome Pays Off          

3.      Chestnut Hill               

4.      Real Cool Sam          

5.      Synergy*                   

6.      Third Shift                  

7.      Port Perry                     

8.      Capricornus              

9.      Moon Bridge              

         Beads                         

11,7    Mattias Melander          

11,7    Brian Sears                      

11,8    David Miller                      

11,8    Yannick Gingras            

12,1    Åke Svanstedt               

12,2    Bob McClure                  

12,5    Tim Tetrick                        

12,6    Sylvain Filion                 

hdF     Paul Macdonell           

370

78

20

150

250

248

94

450

1107

*Vorlaufsieger (ein Vorlauf, aus dem sich die besten Sieben qualifizierten)

Sieg: 35; Richter: überlegen 4¼ - ¼ - ¾ - Kopf - 1½ - 2 Längen; 10 liefen

 

So klar die Kronen bei den Trabern vergeben wurden, so hauchdünn ging es bei den Pacern zur Sache. Noch einmal Tony Alagna als Vorbereiter und Andrew McCarthy als Vollstrecker trugen sich in die Ehrenliste der Fillys ein. Ihre Reflect With Me (von Captaintreacherous) kämpfte mit tollem Einsatz von ganz hinten kommend 20:10-Favoritin Lyons Sentinel und Marloe Hanover um einen „Hals“ nieder und bescherte ihren Anhängern 28,1-fachen Sieg-Einsatz zurück.

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Tall Dark Stranger (innen) gewinnt nach Inquiry (Foto: ustrottingnews.com)

Auf den letzten Drücker schleppten die Schweden die vierte am ersten Tag vergebene Krone ab - jene für die männlichen Pacer-Youngster. Nancy Johanssons Bettors-Delight-Hengst Tall Dark Stranger gab mit Yannick Gingras vom Fleck weg die Fahrt vor, geriet jedoch im messerscharfen Fight der beiden bei 29 und 22:10 fast identisch gehandelten Favoriten durch Papi Rob Hanover gehörig unter Druck und musste den von Dave Miller gesteuerten Somebeachsomewhere-Sohn nach epischem Finish um Haupteslänge vor sich anerkennen. Gingras‘ Protest wegen einer minimalen Störung bewog die Stewards, das Ergebnis „aufm Platz“ nach langer Beratung umzudrehen; da dürfte das letzte Wort über diese Breeders Crown vielleicht noch nicht gesprochen sein.