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Glückliche Fügung eiskalt genutzt

(nn) Vincennes, Samstag, 7. September 2019. Nur eine Woche nach dem Critérium des 5 Ans rief das Plateau de Gravelle zum nächsten Höhepunkt - diesmal einem, der für ganz Traber-Europa hochinteressant war.

Der traditionsreiche Prix d’Eté, der große Sommerpreis des Vincenner Herbstmeetings, wurde um 180.000 Euro aufgestockt und als zum achten Mal ausgetragenes Finale der 2012 für den Grand Circuit International ins Leben gerufenen UET-Masters-Serieum 380.000 Euro gelaufen.

Über die Prix-d’Amérique-Distanz von 2700 Metern versuchte wie vor zwei Jahren Bold Eagle, endlich den „offiziellen“ Titel eines Europameisters an seine Fahne zu heften. War er damals in einer epischen Regenschlacht als 14:10-Favorit um einen „Hals“ an Aubrion du Gers gescheitert, so sah die Welt für den mit 4.632.820 Euro gewinnreichsten aktiven Traber des Erdballs diesmal anders aus. Mehrere unbefriedigende Resultate über Winter hatten den Handwechsel zu Björn Goop bedingt, doch auch unter den fahrerischen Fittichen des Hans-Dampf-in-allen-Gassen hatte der Ready-Cash-Sohn für seine Ansprüche eher mausgraue Vorstellungen abgeliefert und war selbst den eingefleischten „turfistes“ nur noch 5,5-fache Sieg-Odds wert.

Deutlich weniger als Jean-Michel Bazires neues, bei doppeltem Einsatz notiertes Erfolgspferd Cleangame, das mit einer ähnlich späten Erfolgsstory wie einst Aubrion du Gers im Sauseschritt in die „Liga der ehrenwerten Gentlemen“ gestürmt ist. Binnen 20 Monaten hatte der Wallach aus bescheidenen 163.670 Euro in 21 Auftritten dank 17 Siegen, drei Ehrenplätzen und einem dritten Rang 943.470 Euro gemacht. Bis 100 Meter vorm Ziel schien es, als sollten ihn frische 171.000 Euro zum neuen Millionär machen. Dann schlug unter dem enormen Druck Propulsions die Galopphexe zu und riss Bazire samt Anhang aus allen immer realistischer werdenden Träumen.

Ausgerechnet Propulsion, für den Trainer Daniel Redén nach dem vorjährigen Masters-Sieg im heimischen Östersund den sofortigen Rückzug vom Sport verkündet, diesen jedoch auf sanften Druck der Öffentlichkeit rückgängig gemacht und den einst für 220.000 Dollar von US-Trainer Tony Alagna erworbenen Muscle-Hill-Sohn wieder angeworfen hatte. Mit beachtlichem Erfolg: Sowohl im Åbergs Memorial, wo er nach miserablem Verlauf auf den Ehrenplatz sprintete, wie im Åby Stora Pris hatte er erstklassige Vorstellungen gegeben. Nun hat das Team endlich auch mit Vincennes seinen Frieden gemacht. Dort hat der wie Bold Eagle 2011 Geborene nach den Plätzen 4, 3 und 5 in den Prix d’Amérique der Jahre 2017 bis 2019 endlich ein ganz großes Ding gedreht, das sein Konto auf 3.2111.396 Euro ausbaute.

UET-Master 2019: Propulsion (Foto: letrot.com)

Ohne das nötige Quantum Glück geht bekanntlich wenig im Sport, und das hatte er nicht nur wegen Cleangames wüsten Patzers. Bis zum Pfosten war die nach ihrer ausgiebigen wie erfolgreichen Nordeuropa-Tour nach Frankreich zurückgekehrte Bahia Quesnot eine beinharte Widersacherin, mit der Junior Guelpa wie Kai aus der inneren Kiste kommend dem Ami alles abverlangte. Bold Eagle indes bot nach einer Glanzfahrt Goops eine solide, jedoch keine berauschende Leistung und hatte alle Mühen, sich an Mindyourvalue W.F. vorbeizuraufen, der in Frankreich um Klassen stärker auftrumpft als in seiner schwedischen Heimat. Dem letzten realistischen Ziel Pierre Pilarskis, ihn zum gewinnreichsten Traber aller Zeiten zu machen, ist er mit „Bronze“ um 53.200 Euro ein Stück näher gekommen. Zu Timokos 5.006.731 Euro fehlen etwas mehr als 300.000 Euro. Die einzusammeln dürfte sich als knochenhart und steinig erweisen.

Der Rennverlauf

Die ganz außen mit enormem Schwung loslegende Bahia Quesnot schnappte sich als erste das Zepter, doch war auch Bold Eagle sofort auf Zack und wurde von der Scipion-du-Goutier-Tochter, die Junior Guelpa erst im Dezember ins Training bekommen und sie fortan um Klassen verbessert hat, vor Erreichen der Tribünengerade anstandslos durchgewinkt. Goop wusste natürlich, dass „Boldie“ einen langen Run von der Spitze mittlerweile gar nicht mehr mag, und so durften mit Bel Avis und dem neuen Leader Mindyourvalue W.F. gleich zwei Aspiranten vorbei, als der Zielpfosten erstmals passiert wurde. Außen spielte Queer Fish die Lokomotive für Propulsion, Milligan’s School, Tony Gio und Détroit Castelets - bis Bazire auf den Plan trat und mittels eines geharnischen Zwischenspurts über Spur drei Cleangame als äußeren Leader installierte.

Bahia Quesnot (außen) kommt an Propulsion nicht mehr heran (Foto: canalturf.com)

Das schien der goldene Schachzug des französischen Meisters, denn nun war Propulsion im Zugzwang. 700 Meter vorm Ziel verließ Örjan Kihlström die wohlfeile Deckung, wurde in dritter Spur immer stärker, hätte gegen Cleangame vermutlich jedoch den Kürzeren gezogen, als der 100 Meter „vor Buffalo“ eine Länge voraus unvermittelt und mit dem hart erabeiteten Happy-End für den Muscle-Hill-Sohn sprang. Bahia Quesnot, von Guelpa ganz nach außen dirigiert, warf „zwei Herzen“ in die tobende Schlacht und unterlag lediglich um einen „Hals“. Eine solche Energieleistung hätte man aus der Deckung viel eher von Bold Eagle erwartet, der das Loch, dass der fair nach vorn galoppierende Cleangame schuf, nur bedingt zu nutzen wusste.

   

8. UET-Masters-Serie - Finale - (Prix d’Eté / Gruppe II int., Vier- bis Zehnjährige)
2700 Meter Bänderstart o.Z., 380.000 Euro
1.    Propulsion    11,9    Örjan Kihlström    27
    8j.br. Hengst von Muscle Hill a.d. Danae von Andover Hall
    Be: Stall Zet (Bengt Ågerup); Zü: Fredericka Caldwell & Bluestone Farms, US; Tr: Daniel Redén
    Pflegerin: Ellinor Wennebring

2.    Bahia Quesnot   
3.    Bold Eagle   
4.    Mindyourvalue W.F.   
5.    Tony Gio   
6.    Milligan’s School  
7.    Bel Avis   
8.    Détroit Castelets  
9.    Queer Fish   
10.  Eelis   
       Cleangame   
11,9    Junior Guelpa   
12,0    Björn Goop   
12,0    Robert Bergh   
12,1    Eric Raffin   
12,1    David Thomain   
12,2    Nicolas Bazire   
12,6    Matthieu Abrivard   
13,5    Tony Le Beller   
14,0    Alexandre Abrivard   
dis.r.    Jean-Michel Bazire   
640
55
720
340
490
1150
200
1320
1270
20

Sieg: 27; Richter: Kampf Hals - 2 - k.Kopf - 2 - Hals - 1½ - 5½ Längen; 11 liefen (NS Voltaire Gifont)
Zw-Zeiten: 11,4/1200m - 12,4/1700m - 12,6/2200m
Wert: 171.000 - 95.000 - 53.200 - 30.400 - 19.000 - 7.600 - 3.800 Euro

Gee im Prix de Basly überlegen (Foto: paris-turf.com)

Gee stramm vorneweg

Mit dem kollektiven Versagen der drei Gemeinten wurde der Renntag eingeläutet. Ein Fehlstart und vier abgebrochene Startversuche schienen im Prix de Basly für die dreijährige Kavallerie dem 18:10-Favoriten und bisherigen Jahrgangsprimus dieses Gewerbes gründlich den Nerv gezogen zu haben: Gala Téjy, der Fuchs mit der großen Blesse, verschwand sofort im Hintertreffen und tauchte nie wieder auf. Ganz anders Gee, die blendend aus dem Band kam, im ersten Bogen Galéo du Tordoir und die dahinter einscherende Greta du Châtelet überrannte und gleich am Drücker blieb. Bei Zwischenzeiten erst im 1:13er, dann im 1:12er Bereich baute Mathieu Mottier den Vorsprung zügig auf 20 Meter aus - zum hinten herum dümpelnden Gala Téjy waren es gar deren 40 - und ließ sich ihren zweiten Karriere- und Gruppe-Sieg nicht mehr madig machen.

Die Ohrenkapuze nur halb gezogen - ein Ohr blieb „versteckt“ -, kreuzte die für Trainer Bruno Bourgoins eigene Kasse laufende Brutus-de-Bailly-Tochter sieben Längen voraus in 1:13,4 die Linie und blieb damit deutlich über dem 1:12,8-Rennrekord, mit dem 2012 Vanishing Point am Horizont entschwunden war. Gainsborough, der sich schon vor 14 Tagen Gala Téjy zur Brust genommen hatte, war, aus vierter Position angreifend, eine knappe Länge stärker als Greta du Châtelet, die sich nach vier Nullnummern in Folge mal wieder von jener guten Seite präsentierte, mit der sie im Frühjahr ein Monté hatte gewinnen können. Vier Längen klafften dann zum von Grande Avenue vor Gospel Pat angeführten chancenlosen Rest.

Prix de Basly - Monté - (Gruppe II nat., dreij. Hengste und Stuten)
2175 Meter Bänderstart o.Z., 100.000 Euro
1.    Gee    13,4    Mathieu Mottier    250
    3j.br. Stute von Brutus de Bailly a.d. Qualine du Ru von Bassano
    Be / Tr: Bruno Bourgoin; Zü: Michel Sanchi

2.    Gainsborough 
3.    Greta du Châtelet 
4.    Grande Avenue  
5.    Gospel Pat   
6.    Gangster du Wallon   
7.    Gala Téjy  
8.    Go Go Gigi  
9.    Galéo du Tordoir   
10.  Gabana Blotaie 
       Gatsby Perrine   
14,0    Romain Derieux   
14,1    Antoine Dabouis   
14,4    Matthieu Abrivard   
14,5    David Thomain   
14,7    Benjamin Rochard   
14,8    Paul-Philippe Ploquin   
15,2    Eric Raffin   
15,4    François Lagadeuc   
15,9    Jean-Yann Ricart   
dis.r.    Anthony Barrier    
150
1070
370
40
83
18
310
1150
660
120

Sieg: 250; Richter: überlegen 7 - ¾ - 4 – 1 - 2 - 2 Längen; 11 liefen
Zw-Zeiten: 13,3/675m - 12,5/1175m - 12,7/1675m
Wert: 45.000 - 25.000 - 14.000 - 8.000 - 5.000 - 2.000 - 1.000 Euro

Taktikbesprechung zwischen Simon Gramüller und Jean-Michel Bazire

Gründlich entzaubert

... wurde Deutschlands Derby-Vierter und aktueller Sieger des Auktionsrennens River Flow, für den die Trainergemeinschaft Gramüller/Sparber niemand Geringeren als Frankreichs Champion Jean-Michel Bazire hatte gewinnen können. Der Prix Emile Wendling für Dreijährige, die keine 60.000 Euro gewonnen hatten, schien äußerst passend für den Baltimore-As-Sohn, der als 35:10-Favorit aufgezogen wurde und knallhart unter die Nase gerieben bekam, was für ein heftiger Wind in Frankreich im Allgemeinen und auf dem Plateau de Gravelle im Besonderen weht. Nach mäßigem Start im fünften Paar außen gelandet, kam das 3.000-Euro-Auktionsschnäppchen nie in vordere Gefilde und strich gerade mal die kleinste Prämie in Höhe von 530 Euro ein.

Deutlich stärker war Jason Dragon. Der deutsch-holländische Derby-Fünfte der Gerrits Group legte aus dem Hintertreffen auf der Zielgeraden den nächsten Gang ein und flitzte um sechs Längen an River Flow vorbei zu Platz sechs. Der Sieg ging an die rundum überzeugende Gondole Jenilou, die sich in zweiter Linie lange von Alcide Roc ziehen ließ. Louis Baudron ergriff vorm Schlussbogen wuchtig die Initiative, übernahm an der Einmündung der kleinen Bahn die Führung und war 1½ Längen voraus auch durch seinen Schattenmann Grand Art nicht mehr vom obersten Podest zu kippen. Für die Goetmals-Wood-Tochter, ein Eigengewächs Baudrons aus der 601.567 Euro schweren Piroge Jenilou, war es der fünfte Erfolg aus sieben Starts.

Prix Emile Wendling (int., Dreijährige, keine 60.000 Euro)
für Fünf- und Sechsjährige versagt blieb, beim zwölften Versuch jenseits des Rheins zum fünften Mal zu punkten. Dabei lief alles wie am Schnürchen für Marion Jauss‘ Fuchs, der im zarten Alter von fünf Jahren seine sattsam gefürchteten Tücken abgelegt zu haben scheint. Der Ganymède-Sohn kam blendend aus dem Band, knöpfte Inga in Heaven noch vor Einbiegen auf die Tribünengerade bei mäßiger Pace den Taktstock ab und hatte auch fortan nur bedingt Eile, denn ein Begleiter ließ bis zu Beginn des Anstiegs auf sich warten.

Violetto Jet ließ Portland keine Chance (Foto: turfomania.fr)

Der hieß Violetto Jet, hatte zuvor die äußeren Garden weit nach hinten versetzt angeführt und sollte nun, als 18:10-Chef des Wettmarkts immerhin dem Publikum etwas schuldig, mal ein bisschen weiter vorn nach dem Rechten sehen. Natürlich nahm Goop die Herausforderung an, und als sich die beiden Protagonisten ab 500 Meter vorm Ziel richtig zu beharken begannen, hatte der Rest zunächst das Nachsehen. Zwei, drei energische Ermahnungen Franck Nivards genügten, dass sich die Waage bis zum Ziel deutlich zugunsten des seit April dieses Jahres von Philippe Billard trainierten Italieners neigte, der zwei Längen voraus um 33.300 Euro reicher wurde. Portland rückten Inga in Heaven und Digne et Droit noch unangenehm auf die Pelle, der den mit 18.500 Euro versüßten Ehrenplatz jedoch mit Klauen und Zähnen verteidigte.  

Prix de Montier-en-Der (Gruppe III int., Fünf- & Sechsj., keine 270.000 Euro)
2850m Bänderstart o.Z., 74.000 Euro
1.    Violetto Jet    14,5    Franck Nivard    18        
    5j.br. Hengst von From Above a.d. Nocciolaia Jet von Pine Chip
    Be: Soc. All. R. D’Alessandro, IT; Zü: Az.Agr. Toniatti Giacometti, IT; Tr: Philippe Billard

2.    Portland   
3.    Inga in Heaven 
4.    Digne et Droit  
5.    Uncertain Age   
6.    Electra Jet  
7.    Diadème Atout   
8.    Diego Sautonne   
9.    Everly   
10.  Elino Bilou 
14,7    Björn Goop   
14,7    Franck Ouvrie   
14,7    Olivier Raffin   
14,9    David Thomain   
15,1    Bryan Coppens   
15,2    Christophe Martens   
15,2    Matthieu Abrivard   
16,3    Antoine Dabouis   
16,7    Paul-Philippe Ploquin   
25
230
120
630
330
360
220
1230
750

Sieg: 18; Richter: sicher 2 - Hals - ½ - 3½ - 2 - 1½ Längen; 10 liefen
Zw-Zeiten: 17,5/1350m - 16,9/1850m - 15,4/2350m
Wert: 33.300 - 18.500 - 10.360 - 5.920 - 3.700 - 1.480 - 740 Euro