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Des deutschen Misters nächste Gala

(nn) Oslo-Bjerke, Sonntag, 9. Juni 2019. Wenn im Vorfeld auch nicht alle Träume gereift waren, so war es doch wie üblich Arnlioth Heltberg, dem Manager der Bahn von Oslo-Bjerke, und seinen Mannen gelungen, den Oslo Grand Prix mit zahlreichen erstklassigen Zutaten zu würzen.

Aus deutscher Sicht waren dies 4-årings-Elite und das Finn Tack Europamatch für Vier- und Fünfjährige. Allmählich darf man sich hierzulande mit dem erfreulichen Gedanken abfinden, dass Paul Hagoort, Stammgast im Winner Circle des deutschen Traber-Derbys, mit dem 123. Gewinner des „schwarz-rot-goldenen blauen Bandes“ einen Crack internationaler Güte weitergeformt hat, der noch für einige Ahs und Ohs sorgen sollte.

„Mister F Daag ist richtig gut drauf und geht zur Not auch durch die Todesspur, die ihm von Startplatz ‚5‘ vielleicht blühen könnte. Obwohl ich die Mitteldistanz bevorzugen würde, sollten ihm auch die 1609 Meter keine Probleme bereiten. Das hat er ja im Vorjahr beim Orsi-Mangelli als Vorlauf-Sieger wie Final-Zweiter bewiesen“, steckte Robin Bakker vor der 4-årings-Elite, zu der er als 20:10-Favorit antrat, seine Erwartungen optimistisch ab - und ließ entsprechende Taten folgen. Seinen vielen Anhängern blieb ziemlich die Spucke weg, denn den Run als äußerer Anführer vor Zelig Kronos und Missle Hill, dem Sieger der Stockholmer Fyraåringseliten, stand er brillant durch.

Ganz im Gegensatz zum fürs Tempo verantwortlichen Samo Different Day, den Björn Goop im 1:10er Tempo um die Kurven scheuchte. Ab der letzten Ecke erlebte der in Nordamerika geborene Cantab-Hall-Sohn tatsächlich einen „gebrauchten Tag“ und wurde gründlich rasiert, wogegen Mister F Daag wie ein Chippendale dort erst richtig die Muskeln spielen ließ. Zwei, drei Wipper Bakkers genügten - schon legte der Conway-Hall-Sohn fast spielerisch einen gehörigen Zacken zu und holte sich fast überlegen zwei Längen vor dem an zweiter Position innen lauernden Patent Leather und dem aus dem dritten Paar außen nur mühsam zulegenden Missle Hill 200.000 Kronen für Platz eins.

In erstklassigen 1:10,9 unterbot er, wie’s aussah im schlanken Gang, Norton Commanders deutschen Vierjährigen-Mitteldistanzrekord für Hengste um 0,2 Sekunden. „Fernziel des Jahres ist das Europachampionat der Vierjährigen. Ich hoffe, er bleibt bis dahin gesund. Im Heat war er Paul (Hagoort) etwas zu phlegmatisch. Darum haben wir einen Klappzaum aufgezogen - schon marschierte er wie aufgezogen. Mitte der Schlusskurve wusste ich, dass ihn niemand mehr holen würde“, lautete Bakkers Fazit.

4-åringselite (int., Vierjährige)
1609m Autostart, 390.000 NKR
1.    Mister F Daag    10,9    Robin Bakker    20
    4j.br. Hengst von Conway Hall a.d. Miss Love von Love You
    Be: Joseph Vanduffel, BE; Zü: Jean Huls, NL/DE; Tr: Paul Hagoort

2.    Patent Leather   
3.    Missle Hill   
4.    Park View   
5.    L.A.‘s Magic Moment   
6.    Samo Different Day  
       Zelig Kronos   
11,1    Frode Hamre  
11,2    Örjan Kihlström   
11,3    Tom Erik Solberg   
11,9    Magnus Teien Gundersen   
12,0    Björn Goop   
dis.r.    Pietro Gubellini   
65
32
468
497
46
181

Sieg: 20; Richter: leicht 2 - ¾ - ¾ - 4½ - 1 Länge; 7 liefen (NS Night Rhythm)
Zw-Zeiten: 09,1/500m - 10,6/1000m - 12,2/letzte 500m
Wert: 200.000 - 100.000 - 50.000 - 25.000 - 15.000 NKR

Heart of Steel mit harter Hand

Im Vorjahr hatte sich Peter Untersteiner mit dem holländischen Generaal Bianco das Finn Tack Europamatch für Vier- und Fünfjährige, bei dem heuer der Jahrgang 2014 unter sich blieb, geholt und sah keinen triftigen Grund, nicht zum Wiederholungstäter in der 2100-Meter-Aufgabe zu werden. Erneut hatte er mit Heart of Steel einen Holländer an der Hand, der schon bei Rob de Vlieger kein Schlechter war und sich unter seiner Regie um Quantensprünge verbessert hat. „Ich halte ihn für einen Elitloppet-Kandidaten“, hatte der gebürtige Österreicher jüngst nach dem vorneweg ebenso leichten wie spektakulären Sieg im Silverdivisionen-Finale aus dem Nähkästchen geplaudert.

Nach dem Motto: „Warum die erfolgreiche Taktik ändern?“ machte er ihm erneut von der „6“ mächtig Beine, eroberte im Handstreich vor Casino Gardenia an die Spitze und entging damit dem hinter ihm tobenden Kuddelmuddel, das durch die springende Dibaba ausgelöst wurde. Der direkt dahinter postierte Tsunami Diamant stutzte kurz und geriet mit Nachbar Vincero‘ Gar aneinander, der mit Verzögerung - nunmehr bereits eingangs der ersten Kurve - aus der Balance kam. Das alles kümmerte den Wallach der Meerwestaal Moerdijk BV des Michel de Bruin ebenso wenig wie der Besuch, den er nach 700 Metern vom am Start extrem hibbeligen Favoriten Alcoy bekam. Der in Vincennes viel Furore machende Rappe erlöste Hambo Transs R, dem Vainqueur R.P. und Elvis d’Evron folgten, aus der Todeslage, die ihm selbst 300 Meter vorm Ziel den Garaus machte.

Der Ready-Cash-Sohn, in Vincennes mehrmals restlos überzeugend, hatte für die kleine Piste heute nicht das nervliche Rüstzeug gepackt und seilte sich nach hinten ab. Als Untersteiner an der letzten Ecke entschlossen aufs Gaspedal trat, legte Heart of Steel einen gehörigen Zahn zu und verabschiedete sich wieselflink in bestechender Manier, wobei Untersteiner senior auf sein Markenzeichen, die kerzengerade hochgereckte Peitsche, verzichten musste. Die ist in Norwegen auch für Jubelposen nicht erlaubt.
Drei Längen dahinter tat sich aus deutscher Sicht Erfreuliches: Während Hambo Transs R und Hard Times aus dem Takt gerieten - eingangs der Schlusskurve war dies auch Speedy Face widerfahren -, dankte Tsunami Diamant die bei Startplatz „10“ erzwungenermaßen innere Schonung mit feinem Sprint auf den Ehrenplatz knapp vor dem unterwegs nicht minder unsichtbaren Franzosen Elvis d’Evron.

Finn Tack Europamatch (int., Vier- und Fünfjährige)
2100m Autostart, 565.000 NKR
1.    Heart of Steel    12,9    Peter Untersteiner    48
    5j.br. Wallach von Cantab Hall a.d. Angel Heikant von Open the sky
    Be / Zü: Michel de Bruin (Meerwestaal Moerdijk BV), NL; Tr: Peter Untersteiner

2.    Tsunami Diamant   
3.    Elvis d’Evron   
4.    Vainqueur R.P.   
5.    Casino Gardenia   
6.    Alcoy   
7.    Speedy Face  
       Dibaba   
       Hard Times   
       Hambo Transs R   
       Vincero’ Gar   
13,1    Robin Bakker   
13,2    Olivier Raffin   
13,3    Björn Goop   
13,3    Knud Mönster   
13,8    Christophe Martens   
15,1g  Adrian Kolgjini   
dis.r.    Torbjörn Jansson   
dis.r.    Ulf Ohlsson   
dis.r.    Rick Ebbinge   
dis.r.    Jorma Kontio   
215
654
95
343
25
155
110
492
346
38

Sieg: 48; Richter: überlegen 3 - Hals - 1 - Kopf - 4½ Längen; 11 liefen
Zw-Zeiten: 12,0/500m - 13,6/1000m - 14,1/1500m - 10,5/letzte 500m
Wert: 300.000 - 150.000 - 60.000 - 30.000 - 15.000 - 10.000 NKR

Fest in norwegischer Hand…

…war zur Freude der Gastgeber der Energima-Cup (ehemals Bjerke-Cup), der mit einem Ergebnis endete, wie es nach den knappen Ausgängen der Vorläufe nicht leicht auszurechnen war. Der Totalisator bewertete sechs der acht Qualifikanten im zweistelligen Bereich, doch letztlich vermochte sich keiner der Vorlauf-Besten das Mäntelchen des Gesamtsiegers umzuhängen.

Für einen gewaltigen Donnerschlag sorgte in Vorlauf 1 Mario Minopoli jr, der mit der unterirdische Formen aus Frankreich mitbringenden Une Etoile Gar den lange führenden Michelangelo Ås / Örjan Kihlström mit knackigem Endspurt für 53,5f-ache Sieg-Odds aus allen Träumen riss und Italien zum ersten Mal an diesem denkwürdigen Tag hochleben ließ. Dicht dran waren Gigant Invalley, Tango Negro und Cash Okay, der als Fünfter das Finale um nicht mal eine Länge verfehlte. Mit 1:11,2 legte die Varenne-Tochter eine veritable Richtschnur, an die Norwegens in den USA geborene 14:10-Hoffnung Donatomite bei seinen 1:12,0 vorneweg nicht annähernd heran musste, um den vorjährigen Erfolg in Vorlauf 2 zu wiederholen. Um eine Länge hielt Frode Hamre sich mit dem Donato-Hanover-Sohn den schwungvoll gebrachten Photo Lavec, den innen gefesselten The Last Ticket und Testimonial OK locker von der Pelle.  

Im Finale fetzte sich ein Trio um die Pole Position, dass es eine wahre Freude war. Der erste Bogen rettete dem fast schon überlaufenen Donatomite die Führung, hinter den „Mittelsmann“ Gigant Invalley schlüpfte, wogegen mit The Last Ticket der dritte und äußerste Streithammel „zur Strafe“ durch die Todesspur musste - bei blanken 1:07 für die ersten 500 Meter kein Vergnügen. Auf Teil zwei ging’s nach Klärung der Fronten sehr viel betulicher zu, so dass der Kilometer in 1:11,8 und damit dem gewohnten Rahmen dieser Sprintprüfung lag und das restliche Quintett, das kurzzeitig bis zu 20 Meter Rückstand hatte, aufschließen konnte. Hinter The Last Ticket postierten sich Une Etoile Gar, Michelangelo Ås, Photo Lavec und Tango Negro, innen rückte Testimonial OK bis ins dritte Paar vor.

500 Meter vorm Ziel wurde Michelangelo Ås mit Photo Lavec als Anhängsel in Spur drei beordert, wo es für Beide bei nun wieder anziehender Fahrt zunächst nicht recht voran ging. Zu hoch gepokert hatte bei der anfänglichen Hetzjagd Frode Hamre, wie sich auf der Zielgeraden herausstellte. Donatomite hatte rasch keine Reserven mehr und wurde auf Platz sechs entsorgt - den ersten, für den es keine Öre Belohnung gab. Umso besser hatte Gigant Invalley das frühe Gemetzel verkraftet. Für Gunnar Austevoll stand die Fluchttür nach Une Etoile Gars Rückzug weit offen. Der Gigant-Neo-Sohn schlängelte sich in Spur drei und kämpfte, kaum gerade gestellt, den bereits mit dem Triumph liebäugelnden The Last Ticket um eine Länge nieder.

1½ Längen dahinter machte der weit außen heranfliegende Photo Lavec um einen „Kopf“ gegen Michelangelo Ås und den im Slalom zu Platz fünf finishenden Tango Negro die norwegische Glückseligkeit perfekt: Das Stockerl war fest in der Hand der Rot-Blauen, für die der „Gigant aus dem Tal“ so etwas wie eine Wundertüte ist: Erst in diesem Jahr rückte der für seinen Züchter und Trainer Truls Desserud laufende Neunjährige außerhalb der Landesgrenzen in den Blickpunkt, als er zu Ostern mit dem Klosterskogen Grand Prix für 250.000 Kronen sein erstes bemerkenswertes Ergebnis erzielte. Nun kamen nochmals 300.000 Kronen oben drauf. 34 Siege aus 77 Starts und 1.450.743 NOK zieren das Fahrtenbuch des spät Erweckten, dessen erster Eintrag vor fast genau sechs Jahren ein15.000 Kronen wertvoller Sieg in Klosterskogen ist. Mit 1:11,3 blieb Gigant Invalley eine halbe Sekunde über dem 2015 von Repay Merci markierten Rennrekord.

Energima-Cup - Finale - (int., qualifiziert die jeweils ersten Vier)
1609m Autostart, 555.000 NKR
1.    Gigant Invalley    11,3    Gunnar Austevoll    97
    9j.dklbr. Hengst von Gigant Neo a.d. Fachi von J.R. Broline
    Be / Zü / Tr: Truls Desserud

2.    The Last Ticket   
3.    Photo Lavec   
4.    Michelangelo Ås   
5.    Tango Negro   
6.    Donatomite  
7.    Une Etoile Gar   
8.    Testimonial OK  
11,4    Dag-Sveinung Dalen   
11,5    Tom Erik Solberg   
11,6    Örjan Kihlström   
11,6    Wilhelm Paal   
11,7    Frode Hamre   
11,8    Mario Minopoli jr   
12,2    Jorma Kontio   
88
119
41
57
35
46
246

Sieg: 97; Richter: Kampf 1 - 1½ - Kopf - k.Kopf - ¾ - 1 Länge; 8 liefen
Zw-Zeiten: 07,2/500m - 11,8/1000m - 10,9/letzte 500m
Wert: 300.000 - 150.000 - 60.000 - 30.000 - 15.000 NKR

Nicht „Vorwärts Deutschland“, sondern „Forza Italia“ lautete das Motto der Klass I, die Gestüt Oesterdiekens Ofelia OE beim Fight um die Spitze mit einem kapitalen Startfehler eröffnete, der durchaus mit der roten Karte hätte gewürdigt werden können. Die Love-You-Tochter durfte am Ende des Pulks weitermachen, landete jedoch auf dem brotlosen Platz acht. Nichts anbrennen ließ hingegen Rene‘ Legati, dessen Zalie Gar ihrer bei 13:10 immensen Wertschätzung vollauf gerecht wurde, Leader Racing Ribb durch die Todesspur nach Strich und Faden zerlegte und auf der Zielgeraden allein auf weiter Flur war. Nach 1:12,3/2100m wanderten 125.000 Kronen aufs Sparbuch der von Alessandro Gocciadoro vorbereiteten Varenne-Tochter, für die es beim 13. Start der zehnte volle Erfolg war.

Wie tags zuvor in Östersund begann die länderübergreifend angebotene, von der ATG abgerechnete V75-Wette, in der 29,5 Millionen SEK umgesetzt wurden, mit einer eiskalten Dusche: Obwohl an der letzten Ecke des Stayer-Lopp durch den galoppierenden Bear Hope etwas aus dem Schwung gebracht, sammelte Åsbjörn Tengsareid mit Captain Morgan aus strenger Deckung den enorm wackelnden Tempomacher Outstanding O, an dem ein weiteres halbes Dutzend vorbeirannte, ein und siegte mit 3½ Längen Vorsprung. Bei 212:10 dürften sich nur die Wenigsten einen kräftigen Durchhalte-Schnaps für die kommenden sechs Prüfungen genehmigt haben; 93 Prozent aller Systeme landeten bereits „koppheister“ im Papierkorb.

Mit einem Blitzstart aus „Loch 5“ legte Weltmeister Rick Ebbinge in der Sto-Eliten die solide Basis für Gina Schermers vorneweg ganz leicht herausgelaufenen Drei-Längen-Sieg, der 200.000 Kronen in die Kasse der Varenne-Tochter spülte. Für die in 1:11,8 dominierende Sechsjährige entwickelt sich Skandinavien mehr und mehr als ausgesprochen günstiges Pflaster. Platz zwei hielt außen herum die eiserne Europabummler Shadow Gar gegen ihre Schattenfrau Normandie Royal fest, während Peace of Mind im zweiten Paar innen in der Finalkurve gründlich die Segel strich.

V75-1 (Stayer):   
V75-2 (Vierj.):   
V75-3 (Klass I):   
V75-4 (Kallblod):  
V75-5 (Sto): 
V75-6 (4- & 5-j.):   
V75-7 (Oslo GP):   
Captain Morgan / Åsbjörn Tengsareid   
Mister F Daag / Robin Bakker   
Zalie Gar / Rene‘ Legati   
Odd Herakles / Adrian Solberg Akselsen   
Gina Schermer / Rick Ebbinge   
Heart of Steel / Peter Untersteiner   
Vitruvio / Jorma Kontio   
212
20
13
69
50
48
71

Umsatz V75: 29.512.518 SEK

1. Rang: 139,9 Systeme à 54.843 SEK
2. Rang: 492 SEK
3. Rang: 45 SEK

Umsatz Top-7 (Sto): 530.552 SEK