++ Achtung: Heute ist Nennungsschluss für die drei gehobenen Rennen des Pfarrkirchener Pfingstmeetings 2022 ++ ++ Erster Nachwuchs für Goldy Stardust - Die Brocker-Stute brachte auf dem Gestüt von Arne Fiedler ein gesundes Stutfohlen zur Welt - Vater ist der Halb-Pacer Googoo Gaagaa ++ ++ Berlin: Nach der Zielgaloppade von Major Ass gewinnt die 257:10-Außenseiterin Kiss Me Bo mit Dennis Spangenberg in 1:11,3/1609 Meter den 3. Lauf der Gold-Serie - In der Silber-Serie holt erneut Purple Rain mit Thorsten Tietz die volle Punktzahl - Im zweiten Vierjährigen-Rennen überrascht Luna Scott (309:10) mit Massimo Arickx in 1:13,2/1900 Meter - München: Doppelerfolge für Josef Franzl und Rudi Haller ++ ++ Duindigt: Klarer Erfolg für Ronja Walter mit Fiobano in einem Grasbahn-Monté in 1:15,1/1900 Meter ++ ++ Wien: Sabine Jacksons Charmy Charly AS startet mit Michael Schmid siegreich in die österreichische Derbysaison und gewinnt nach Kampf gegen Shining Star in 1:16,0/2100 Meter den Hambletonian-Preis ++ ++ Mittwoch: Vier voll besetzte PMU-Rennen plus zwei Rahmenprüfungen ab 11:35 Uhr ++ ++ Achtung: Am Freitag, 20. Mai, ist Anmeldeschluss für den Amateurfahrer-Lehrgang in Berlin am 20. und 21. Juni ++
Blick Richtung 26. Juni
14. Mai 2022

Vincennes, Freitag, 13. Mai 2022. Sieben Prüfungen an einem ganz gewöhnlichen Freitagabend, davon drei der Kategorie zwei um jeweils 120.000 Euro ausschließlich für einheimische Traber - wenn so etwas auf dem Programm steht, kann es sich nur um Vincennes, den selbsternannten Temple du Trot, handeln.

Nach Geschlechtern getrennt waren die dreijährigen „Fahr-Pferde“ über anspruchsvolle 2.700 Meter unter Order, während sich die Fünfjährigen unterm Sattel über 2.175 Meter kurz und knackig austoben durften.

Der Gigolo tanzt alle aus

Los ging’s mit dem Prix Paul Karle für die 2019 geborenen Hengste, in dem der Primus, der nur zwei seiner neun Aufgaben nicht mit einer Ehrenrunde (die es in Vincennes so gar nicht gibt) beendet hatte. Just a Gigolo, von seinem Trainer, Züchter und Besitzer Philippe Allaire mit einem grünen Smiley versehen, machte am Freitag, dem 13. den Unglücksunken einen dicken Strich durch die „Wehe“-Rufe und tanzte zur Quote von 18:10 seine zehn Mitbewerber, von denen Javanais Délo nach schwerem Startfehler umgehend nach Hause fahren durfte, souverän an die Wand.

Beim „Ab“ weit außen war der mächtige Braune sofort im Vordertreffen zu sehen, doch hatte es Franck Nivard, der in der Auftaktprüfung schon mal mit Fée Lucernaise das Gewinn-Maß angelegt hatte, mit dem Sprung ans Regiepult nicht eilig. Interessiert sah er zu, wie der Taktstock von Jakartas des Prés über Jag Stryck zu Jaguar Wit wechselte, der zu Beginn des Joinviller Bogens vorn war. Ausgangs desselben machte „Franckie mit der kalten Hand“ Nägel mit Köpfen und schob Just a Gigolo bei gleichmäßigem Tempo für den Anstieg nach vorn.

Jaguar Marancourt rackerte vor Juninho Dry, Jambier d’Ourville und Josh Power durch die Todesspur. Hoffnungen auf eine Überraschung erstickte Nivard im Keim, weil er auf den finalen 400 Metern die Schlagzahl kontinuierlich erhöhte. Ohne auch nur einmal gefordert werden zu müssen, holte sich der Gigolo im schlanken Gang 1¼ Längen vor dem in dritter Spur munter werdenden Juninho Dry und dem innen bestens aufgehobenen Jaguar Wit den achten Treffer, mit dem er 318.750 Euro reich ist.

Erwähnenswert, mit welcher Spritzigkeit Jambier d’Ourville zum vierten Scheck flitzte, wogegen Jaguar Marancourt nach drei Siegen am Stück kräftig die Krallen gestutzt wurden. Für Allaire war der Erfolg in der erstmals über 2.700 Meter ausgetragenen Prüfung „business as usual“: Sein Quartier hat mit Brillantissime, Dollar Macker, Gotland und Italiano Vero bereits die Sieger der Jahre 2014, 2016, 2019 und 2021 gestellt.

„Gigolo war schlichtweg perfekt. Die drei Monate Startpause haben ihm sehr gut getan. Er war frisch, munter, sehr aufmerksam und gewann ganz leicht. Ich musste nicht mal die Ohrenwatte ziehen. Er und Jazzy Perrine - das sind wohl bisher die beiden Besten dieser Generation“, schwärmte Nivard.

Prix Paul Karle (Gruppe II nat., dreij. Hengste)

2700m Bänderstart o.Z., 120.000 Euro

1.      Just a Gigolo                 14,0     Franck Nivard                    18

         3j.br. Hengst von Boccador de Simm a.d. Blue Valentine von Ready Cash

         Be / Zü / Tr: Philippe Allaire

2.      Juninho Dry                   14,1     Paul-Philippe Ploquin    410

3.      Jaguar Wit                      14,2     Tony Le Beller                 460

4.      Jambier d’Ourville        14,2     Laurent Koubiche           330

5.      Jag Stryck                      14,2     Matthieu Abrivard              83

6.      Jakartas des Prés         14,2     Eric Raffin                        210

7.      Jaguar Marancourt       14,3     Jean-Philippe Monclin     58

8.      Jazzy Dancer                14,5     Alexandre Abrivard        510

         Javanais Délo               dis.r.    Louis Baudron                 400

         Josh Power                    dis.r.    Benjamin Rochard            90

         Joyner Sport                  dis.r.    David Thomain               160

Sieg: 18; Richter: leicht 1¼ - 1 - Hals - k.Kopf - Kopf - 1 - 2 Längen; 11 liefen

Zw-Zeiten: 14,6/1200m - 14,7/1700m - 14,8/2200m

Wert: 54.000 - 30.000 - 16.800 - 9.600 - 6.000 - 2.400 - 1.200 Euro

Video: https://www.letrot.com/fr/replay-courses/2022-05-13/7500/2

Den Sieg fast verzockt

Mehr schwitzen um ihre 80 Prozent Rendite mussten die Favoritenwetter im Prix Masina für die Demoiselles, denn „Madame Zuverlässig“ Jazzy Perrine, die von Anfang an auf höchstmöglicher Ebene unterwegs war, aus zehn Versuchen vier erste und sechs zweite Plätze mitbrachte, steuerte Eric Raffin in die Bredouille.

Die Rotschimmelstute hielt sich wie die übrigen Schwergewichte nicht mit langen Vorreden auf, war früh in der Todeslage vor Joke, Judith Reine und Jet Set Bond unterwegs und setzte sich nach einem Kilometer vor Tempomacherin Just Love You. Wie zuvor bei den Hengsten war der nächste Wachwechsel am Fuß des Anstiegs durch Joke fällig. Zügiger ging auch sie nicht zu Werke, und weil Raffin seine Partnerin sklavisch innen hielt, schnappte die Falle 600 Meter vorm Ziel durch die außen vorrückenden Jérusalem, Jet Set Bond und Justine Vive fast ausbruchssicher zu.

Zu Beginn der Zielgeraden lugte Frankreichs Champion verzweifelt nach einem Schlupfloch, das eher außen zu entstehen schien, wo Jet Set Bond sich hängen ließ. In letzter Sekunde erspähte Raffin dann jedoch, dass Joke im Kampf mit der extrem hartnäckigen Jérusalem von der Innenkante wich. Die Tür ging gerade so weit auf, dass Pferd und Wagen hindurch passten, und mit ihrem bewährten Speed quetschte sich die Django-Riff-Tochter doch noch um eine halbe Länge vorbei.

masinabien-scaledartikelbild-1280

(Foto: sulkysport.se)

Ihre Fortune fehlte der direkt dahinterliegenden Just Love You, die sich nie entwickeln konnte und hinter der speedigen Junon mit Scheck Numero fünf abgespeist wurde.

Tief durchatmen hieß es für die Anhänger der Schimmelstute, wogegen Raffin die kitzlige Situation gelassener sah: „Sie ist eine tolle Lady, und der Karriereweg ist lang. Sie muss nicht besser werden, sondern nur so bleiben, wie sie ist. Ich hab heute bewusst die schonende Variante gewählt. Es ist besser, ein Rennen zu verlieren, als zu offensiv alles zu zerstören.“ Gut reden hat er über eine Dreijährige, die 303.250 Euro für die Ecurie Hunter Valley um Matthieu Millet verdient hat und deren großes Ziel der 26. Juni ist: An jenem Super-Sonntag geht’s im Prix Albert Viel gegen die Hengste um 200.000 Euro.

Prix Masina (Gruppe II nat., dreij. Stuten)

2700m Bänderstart o.Z., 120.000 Euro

1.      Jazzy Perrine                16,7     Eric Raffin                           18

         3j. Fuchsschimmelstute von Django Riff a.d. Trendy Perrine von Goetmals Wood

         Be: Ecurie Hunter Valley (Matthieu Millet); Zü: Jean-François Mary; Tr: Tomas Malmqvist

2.      Joke                                16,7     Gabriele Gelormini           86

3.      Jérusalem                      16,8     Franck Nivard                  480

4.      Junon                              16,9     David Thomain               650

5.      Just Love You                16,9     Alexandre Abrivard           95

6.      Joyful Diva                     16,9     Franck Ouvrie                  190

7.      Jamaïca Brown             17,1     Matthieu Abrivard           900

8.      Jet Set Bond                  17,1     Jean-Michel Bazire           95

9.      Justine Vive                   17,2     Anthony Barrier               420

10.    Just for Life                    17,3     Julien Dubois                1290

11.    Judith Reine                  17,4     Pierre Belloche               950

         Jurella de Palm            dis.r.    Alexis Garandeau           850

         Jamaïca Turbo              dis.r.    François Lagadeuc           63

Sieg: 18; sicher ½ - 2 - Hals - 1 - Kopf - 2 - Kopf; 13 liefen

Zw-Zeiten: Zw-Zeiten: 19,3/1200m - 18,6/1700m - 18,3/2200m

Wert: 54.000 - 30.000 - 16.800 - 9.600 - 6.000 - 2.400 - 1.200 Euro

Video: https://www.letrot.com/fr/replay-courses/2022-05-13/7500/4

Furiose Sattel-Premiere

Was für ein Einstand in der ungewohnten Disziplin, den Handy Bourbon über die 2.175 Meter des Prix Jean Gauvreau für die fünfjährige Kavallerie bei seinem ersten halbklassischen Erfolg aufs Tapet schmetterte. Dass da was im Busch sein müsse, ahnten die „turfistes“, denn der Fuchs mit den blonden Strähnen in Schweif und Mähne wechselte sich am Totalisator mit Hirondelle du Rib in der Favoritenrolle ab - und die war das Schwerstgewicht dieser Prüfung und hatte mit furiosen Monté-Auftritten nicht gegeizt.

Beim Match des unerschrockenen Newcomers gegen die etablierte Grande Dame des 2017er Jahrgangs fiel die Vorentscheidung am Start - der einzigen schwächeren Stelle der Braunen aus dem Stall von Monté-Altmeister Joël Hallais. So vergleichsweise schwerfällig, wie seine „Schwalbe“ in die Gänge kam, so fulminant legte andererseits Handy Bourbon los und sicherte sich im breiten Gefecht ums Kommando selbiges gegen Happy and Lucky, Hilyrose d’Iceléa und Héros de Fleur.

Rund 25 Meter hinter dem Spitzenreiter, über dem Alexandre Abrivard die Gunst des Moments nutzte und nicht die geringste Veranlassung sah, Dampf aus dem Kessel zu lassen, fand sich Hirondelle du Rib wieder, die von Glück sagen konnte, in Héra de Banville eine Schlepperin durch die Außenspur zu finden. Als die sich eingangs des Schlussbogens allmählich nach hinten abseilte, musste Hirondelle selbst zur Tat schreiten - kein einfaches Unterfangen bei dem unerhört hohen Takt, den Handy Bourbon weiterhin auf der Pfanne hatte.

Der Kaisy-Dream-Sohn aus Zucht und Besitz des Hamburger Kaufmanns Rainer Engelke ließ nichts mehr anbrennen und krönte seine überragende Monté-Premiere mit einem neuen Rennrekord: Mit 1:10,4 war Draft Lifes Marke aus dem Jahr 2018 um eine Zehntelsekunde Geschichte.

diapo_arrivee_1311933_03

(Foto: geny.com)

Während Happy and Lucky trotz des idealen Runs im Windschatten des Leaders nichts zuzusetzen hatte und klar distanziert auf Platz vier landete, hielt die wankelmütige Hilyrose d’Iceléa sehr viel besser durch. Wäre sie zum Schluss nicht so weit nach außen gedriftet, wäre der Ehrenplatz wohl der Quopeck-Tochter zugefallen. So brauchte Hirondelle du Rib nur geradewegs durchzustoßen, um den Kopf einen „Hals“ eher an die imaginäre Linie zu strecken.

Enttäuscht hat die große Braune keinesfalls; sie ist ohnehin ein Pferd für längere Wege und gut gerüstet für ihr Ziel im Frühlings-Meeting schlechthin: den am 26. Juni anstehenden Prix de Normandie, in dem es für die Generation „H“ über volle 3.000 Meter um 240.000 Euro geht.

Ob ihr Handy Bourbon dann neuerlich die Siegsuppe versalzen kann? Trainer Sébastien Guarato ist da skeptisch: „Er hat ja schon im Fahren bewiesen, dass er aufgrund seines Beschleunigungsvermögens und seiner Gänge ein ausgesprochener Sprinter ist. Da wird er zweifellos mal einen ganz großen Wurf (der Kategorie I/Anm.d.Red.) landen. Die letzten Aufgaben vorm Sulky, wo er das Tempo drosselte oder sich im Feld versteckte, waren nicht so toll. Heute wollten wir‘s wissen.“ Nach dem zehnten Volltreffer parkt der Rote mit der großen Blesse bei 214.590 Euro, wogegen Hirondelle du Rib mit 457.810 Euro protzen kann.

Prix Jean Gauvreau - Monté - (Gruppe II nat., fünfj. Hengste und Stuten)

2175m Bänderstart o.Z., 120.000 Euro

1.      Handy Bourbon            10,4     Alexandre Abrivard              38

         5j. Fuchshengst von Kaisy Dream a.d. Vendetta Bourbon von Love You

         Be / Zü: Haras Saint Martin (Rainer Engelke); Tr: Sébastien Guarato

2.      Hirondelle du Rib         10,8     Jean-Loïc Claude Dersoir  34

3.      Hilyrose d’Iceléa           10,8     Mathieu Mottier                     62

4.      Happy and Lucky         11,1     Adrien Lamy                          63

5.      Hytte du Terroir             11,6     Léo Abrivard                       410

6.      Héra de Banville           11,6     Camille Levesque                89

7.      Hora Bot Eur Moël        11,7     Benjamin Rochard             250

8.      Harley Charentaise      11,8     Pierre-Yves Verva              850

9.      Héros de Fleur              18,0     Yoann Lebourgeois           120

         Heartbreaker One        dis.r.    Hanna Huygens               1120

         Huwaga                          dis.r.    Jean-Yann Ricart                290

Sieg: 38; Richter: überlegen 4 - Hals - 4 - 6 - ½ Länge; 11 liefen

Zw-Zeiten: 06,6/675m - 08,1/1175m - 09,8/1675m

Wert: 54.000 - 30.000 - 16.800 - 9.600 - 6.000 - 2.400 - 1.200 Euro

Video: https://www.letrot.com/fr/replay-courses/2022-05-13/7500/5