Offener Brief der HVT-Präsidentin Maren Hoever
24. März 2020

Liebe Züchterinnen und Züchter,
liebe Freunde des Trabrennsports,

in diesen Tagen erblicken die ersten Fohlen des deutschen Jahrgangs 2020 das Licht der Welt – einer Welt in schweren Turbulenzen. Begleitet von Ungewissheit und Existenzangst fragen sich viele Züchter: In welche Zukunft werden diese Fohlen geboren? Soll ich meine Stute in der Krise decken lassen? Auch ich und meine Kollegen aus dem HVT-Präsidium suchen derzeit in der berühmten Glaskugel verzweifelt nach Antworten – und finden wenig. Eines jedoch ist sicher: Es gibt ein Leben nach Corona, auch für den Trabrennsport und die Zucht.

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Die Zucht bildet seit jeher das Fundament für diesen wunderbaren Sport. Und dieses Fundament darf nicht bröckeln oder gar wegbrechen. Deshalb bitte ich Sie: Blicken Sie nicht ausschließlich auf die kommenden Wochen und wenigen Monate, die von allen zweifellos Entbehrungen verlangen, sondern planen sie züchterisch für die Zeit danach. Nutzen Sie das große Angebot exquisiter Beschäler, nutzen Sie die Transportfreiheit für die Pferde. Kurzum: Geben Sie dem Trabrennsport nach Corona eine Chance - und lassen Sie auch im nächsten Jahr wieder Fohlen das Licht der Welt erblicken.

Eines haben wir Pferdeleute - bei allen gelegentlichen Differenzen - gemeinsam: Die meisten von uns denken in der Krise als allererstes an ihr Pferd. Das entnehmen wir auch den unzähligen Anfragen, die den HVT seit Zuspitzung der Krise täglich erreichen. Seien Sie versichert, dass wir sie alle ernst nehmen. Auf Hochdruck arbeiten wir daran, alle Fragen zu beantworten und Sie alle immer über den gerade aktuellen Sachstand auf dem Laufenden zu halten. Die Rennvereine teilen Nennungsverschiebungen oder Absagen größerer Rennen nach deren gefällten Entscheidungen mit.

Haben Sie aber auch Verständnis dafür, dass wir nicht auf jede Frage sofort die passende Antwort haben. Wie gesagt, die Lage ändert sich oft stündlich und auch die zuständigen Ministerien und Behörden müssen sich erst auf die Neuerungen einstellen. Wir geben unser Bestes, um die Interessen der Trabersportler, Besitzer und Züchter so gut wie möglich zu vertreten. Zum Wohle unserer Pferde, unserer Mitglieder, aber auch im Sinne unserer Gesellschaft.

Wir Pferdeleute müssen zusammenhalten, gerade jetzt. Paradoxerweise bedeutet dies, Abstand zu halten. Ich bitte Sie dabei um Geduld. Nach der Krise wird es genügend Zeit und Gelegenheit geben, gemeinsam zu trainieren, sich zum Rennen auf der Bahn zu treffen, unsere Begeisterung für Pferde zu teilen und auch zusammen zu feiern. Jetzt können wir uns und unseren Pferden am meisten helfen, wenn wir eine Weile auf unsere liebgewonnen Gewohnheiten verzichten. Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihr Mitwirken.

Bleiben Sie gesund – für Ihre Pferde.

Herzlichst
Ihre Maren Hoever