Dank guten Zuhörens zum Champion
19. März 2020

Er war einer der erfolgreichsten Berliner Amateurfahrer, dieser schmale Mann aus Adlershof. In seiner Laufbahn brachte es Manfred Schulz auf 836 Siege. Auf der Karlshorster Piste war er von den 1960er Jahren bis zur Wende 1989 eine schier uneinnehmbare Bastion und holte sich das Amateurchampionat auf der einzigen Trabrennbahn der DDR 26 Mal. „Dem kannste auch ‘n Esel vor den Wagen spannen, der gewinnt“, schwärmten seine Fans nicht nur einmal über ihn. Manne Schulz sah das im Rückblick etwas realistischer: „Ein Pferdeflüsterer war ich sicher nicht, aber bei dem meist nicht erstklassigen Pferdebestand war es schon sehr wichtig, sich auf die reichlich vorhandenen Ecken und Kanten der Traber einzustellen und gut zuzuhören, was die Trainer mir mit auf den Weg gaben. Ich denke, das ist mir eben besser als meinen Kollegen gelungen.“

Schulz Manfred groß

Der Jubilar bei einem Besuch in Karlshorst (Foto: Marius Schwarz)

Der Weg zum Trabrennsport war gewissermaßen von der Familie vorgezeichnet. Schon der Vater, ein Fuhrunternehmer, hatte mit Trabern zu tun, und so war es kein Wunder, dass der Sohn zeitig die Luft der Wuhlheider Renne schnupperte. Er wollte sogar den Weg des Berufsfahrers und Trainers einschlagen, doch war ihm der als Kind eines Unternehmers in der sozialistischen DDR verwehrt; so blieb ihm nur der Amateursport. Mit 18 Jahren bestritt Manfred Schulz, Spitzname „Knochen“, sein erstes Rennen. Es sollte der Anfang einer bemerkenswerten Karriere werden. Zuchtrennen-Siege im Nikolai-Bersarin-Rennen, im Preis des Gestüts Prieros, in den frühen 1960er Jahren noch für Amateure ausgeschrieben, sind nur einige wichtige Stationen. Erfolge bei Amateur-Vergleichen in Budapest und Prag waren die internationalen Krönungen für den Berliner. „Mehr war nicht möglich. Starts im westlichen Europa, wie zur Amateur-EM, kamen für uns nicht in Betracht. Weil Traben nicht olympisch war und es damit auch keine Chance auf offizielle Medaillen gab, gab‘s für uns eben auch keine Auslandsreisen.“

Nach Fall der Berliner Mauer blieb Manfred Schulz zunächst als einziger Karlshorster Amateur ein gefragter Mann im Sulky. Rund 200 Siege in den kommenden Jahren, viele auch auf der Mariendorfer Derbybahn, untermauerten seine Extraklasse im Sulky. Nicht das Erreichen des Rentenalters, sondern eine schwere Operation zwangen ihn vor 15 Jahren, die Fahrleinen endgültig aus der Hand zu legen und in den Ruhestand zu wechseln. Das bedeutete für beide Berliner Bahnen, dass er Renntag für Renntag seinen Stammplatz in den Renncasinos einnahm und seinem Sport als hoch interessierter Beobachter vor allem auch der französischen Rennen treu blieb.

Der Platz bleibt seit geraumer Zeit bis auf rare Ausnahmen leer, weil er auch aus gesundheitlichen Gründen in einen Seniorenwohnsitz am Müggelsee umgezogen ist. Dorthin, wo er sich bestens aufgehoben und wohl fühlt, gehen die Glückwünsche der Trabergemeinde am 20. März zum 80. Wiegenfest.