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Zum 100. ein Volltreffer
24. März 2024

Vincennes, Samstag, 23. März 2024. Hatten am Freitag zum Auftakt des Frühjahrsmeetings die dreijährigen einheimischen Satteltraber im Rampenlicht gestanden, so war an Tag zwei das Hauptereignis älteren internationalen Sulky-Granden vorbehalten. Den Prix du Bois de Vincennes der Kategorie III um 90.000 Euro schnappte sich wie erwartet Emeraude de Bais.

Der zehnjährige „Smaragd“ des Benjamin Goetz, erst vor einem Jahr ins Bewusstsein der breiteren Öffentlichkeit gerückt, krönte damit ihr famoses Winter-Halbjahr: Vierte Ränge im GNT-Finale wie im Prix de France, Zweite im Prix de Bourgogne und zuletzt im Grand Critérium de Vitesse in Cagnes-sur-Mer, dazu Platz acht im Prix d’Amérique waren die Pfunde, mit denen die großrahmige und speedstarke Braune wuchern konnte.

Den „turfists“ genügte dies, sie im nach Absage von Idéal Ligneries 15-köpfigen Feld bei 35:10 knapp auf den Favoritenschild zu hieven. Chronologisch hätte sich die Repeat-Love-Tochter für ihren hart erkämpften 19. Treffer kein besseres Ambiente aussuchen können, denn es war ihr 100. Auftritt. Nur der Wettergott zeigte wenig Gnade vor dem Jubiläum: Die Piste lag zwar im Sonnenschein, war nach vielen Regenschauern jedoch eher ein glitschiges Parkett denn ein roter Flanierteppich.

Es bedurfte Maßarbeit und der bewährten „kalten Hand“ ihres Lieblingssteuermanns Franck Nivard, bis die 40.500 Euro, mit denen sich Emeraude de Bais auf 828.260 Euro vorgearbeitet hat, in der Scheuer waren.

Fürs Tempo war Gamay de l’Iton vor dem zunächst am zackigsten in die Hufe gekommenen Dänen Eric the Eel und Echo de Chanlecy zuständig. Außen versuchte sich Desiderio d’Esi vor dem am Start bedenklich wackelnden Epsom d’Herfaie, Horsy Dream, Gaspar d’Angis, Usain Töll und dann erst Emeraude de Bais, die ziemlich weit von der Musik aufspielte, insbesondere deutlich hinter Horsy Dream untergekommen war.

Bergauf schnappte sich Desiderio d’Esi mit einigem Aufwand das Kommando, und weil Horsy Dream nach dem Gipfel Spur drei eröffnete und Usain Töll und Emeraude de Bais mitzog, besserte sich die Lage für die Favoritin allmählich.

Es wurde für sie dennoch ein beinhartes Stück Arbeit, denn Horsy Dream, der wegen einer langwierigen Erkältung einen Winter zum Vergessen hatte und erst am letzten Tag am 2. März mit dem Ehrenplatz im Prix du Plateau de Gravelle ein klein wenig Ergebniskosmetik hatte betreiben können, war eingangs der Zielgeraden deutlich enteilt.

„Nicht mit mir“, schien sich Emeraude de Bais zu denken, setzte in gewohnt wuchtiger Manier nach und bekam Pierre Belloches Schützling doch noch um einen „Hals“ zu packen. Zwei Längen dahinter ergatterte Dauerläufer Usain Töll „Bronze“ vor Gamay de l’Iton und Gaspar d’Angis, dem nach dem Goldrausch durch den Grand National du Trot 2023 mit der enorm gewachsenen Gewinnsumme das Siegen nicht mehr so leicht fällt.

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Foto: canalturf.com

Trotz des glitschigen Bodens strahlte Emeraude de Bais heller als je zuvor: Die uralte 1:12,0-Bestmarke von Euro-Fighter Rapide Lebel aus dem Jahr 2011 knackte sie um drei Zehntelsekunden.

Begeistert war Benjamin Goetz: „So und nur so war Horsy Dream zu bezwingen. Franck hat ihr eine großartige Reise serviert. Sie ist eine famose Lady, die sich sehr rasch erholt, sich an alles anpasst, prima zu steuern ist und das entsprechende Nervenkostüm mitbringt, vom Kampfgeist ganz zu schweigen. Wenn man bedenkt, was sie in diesem Winter geleistet hat, war dieser Sieg logisch und völlig verdient - und sie hat geliefert!"

"Dabei schien sie mir heute Morgen nicht mal in bester Stimmung, weil sie kurz vor der Rosse ist. Das war der einzige kleine Zweifel, den ich hatte, aber auch den hat sie prächtig überspielt.“

Was die nächsten Engagements anbelangt, ist sich ihr Trainer noch nicht schlüssig: „Eingeladen ist Emeraude zum Paralympiatravet am 4. Mai. Trotz 20 Stunden Fahrt bis Göteborg lockt es mich, dort anzutreten. Zudem hat sie am 20. April den Prix de l’Atlantique in Enghien im Angebot. Ich bin mir noch nicht sicher, ob wir beide Optionen wahrnehmen. Entscheidend ist, wie rasch sie den heutigen Kraftakt wegsteckt.“

Prix du Bois de Vincennes - (int., Vier- bis Elfjähr.)

2850m Bänderstart, 25m Zulage ab 850.000 Euro (unbesetzt); 90.000 Euro

1.    Emeraude de Bais      2850   11,7    Franck Nivard                35

       10j.br. Stute von Repeat Love a.d. Haute Tension von Biésolo

       Be: Hervé Carlus; Zü: Alisson Christel; Tr: Benjamin Goetz

2.    Horsy Dream             2850   11,7    Pierre Belloche              49

3.    Usain Töll                 2850   11,8    Benjamin Rochard          98

4.    Gamay de l’Iton          2850   11,9    François Lagadeuc       140

5.    Gaspar d’Angis          2850   12,0    Eric Raffin                     57

6.    Happy Valley             2850   12,3    Jean-Philippe Dubois     230

7.    Eric the Eel               2850   12,3    Franck Ouvrie              190

8.    Fakir du Lorault          2850   12,3    François Lecanu         1150

9.    Gaspar de Brion         2850   12,4    Matthieu Abrivard         510

10.   Desiderio d’Esi           2850   12,4    Marco Stefani                80

11.   Echo de Chanlecy      2850   13,0    Jean-Michel Bazire       420

12.   Jiosco de Phyt’s         2850   13,6    Romain Marty             1280

13.   Figaro de Larré          2850   13,7    Dylan Dulong             1550

14.   Fougue du Dollar        2850   13,7    David Thomain           1370

15.   Epsom d’Herfraie       2850   dis.r.   Louis Baudouin            160

Sieg: 35; Richter: Kampf Hals - 2 - 1½ - 1¼ - 3½ - ½ - Hals; 15 liefen (NS Idéal Ligneries)

Zw-Zeiten: 12,2/1.350m - 11,7/1.850m - 11,7/2.350m

Wert: 40.500 - 22.500 - 12.600 - 7.200 - 4.500 - 1.800 - 900 Euro

Video: https://www.letrot.com/courses/2024-03-23/7500/4

Vierter Treffer für Bélinas Tochter

Das erste Rennen des Nachmittags, an dem acht der neun Prüfungen international konzipiert waren, ging wie tags zuvor auf Jean-Michel Bazires Kappe. Der Prix de Châtillon (2700m; 70.000 Euro; dreijährige Stuten, keine 70.000 Euro) der Kategorie III wurde eine Beute Liza Josselyns, doch was für 13:10 im nackten Resultat nach einem lockeren Parademarsch der Tochter zweier Prix-d’Amérique-Sieger aussah, entpuppte sich als ein Test auf Herz und Nieren, bis der vierte Erfolg aus fünf Versuchen feststand.

Und das, obwohl sich aus dem schmalen Achterfeld Lamie du Mesnil, Lizy Josselyn und Layla umgehend im Galopp eliminierten. „JMB“ bekam sofort die rote Laterne des Mini-Feldes angehängt und machte sich vor Publikum auf den Weg nach vorn. Er musste jedoch einiges investieren, bis ihn Eric Raffin mit Lotta Bourbon zu Beginn des Anstiegs endlich in Front ließ.

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Foto: canalturf.com

Ende der Überseite flog Lara du Goutier im Rush heran und vorbei, und man musste schon fürchten, Bélina Josselyns erstes Fohlen würde die zweite Niederlage kassieren. Die Braune mit der langen Blesse nahm das Gebiss jedoch noch mal an, raufte sich in 1:14,6 - Rekordverbesserung um 0,6 Sekunden - je eine Länge vor Lotta Bourbon und Lara du Goutier nach Hause und ist nun bei 78.300 Euro angekommen.

Mehr als Platz fünf im Prix de Gabarret (2700m; 53.000 Euro; sechs- und siebenjährige Stuten, keine 159.000 Euro), in den sie mit ihren 157.780 Euro fast auf den Cent genau passte, war für Reinier Feelders‘ Icone de’Avenir nicht drin.

Mit der Niky-Tochter übernahm Eric Raffin vor Publikum die Spitze, trat sie Ende der Tribünengeraden an Ixora ab und war nach einem weiteren Führungswechsel zu Icamora de Houëlle  innere Dritte. Weil sich der Pulk im Einlauf dicht an dicht ballte, fand die Braune erst spät wenigstens ein bisschen Freiraum, um ihre Reserven einzubringen, was ihr 2.650 Euro bescherte.

Hemma überrascht

Satisfaktion fürs Team Feelders gab’s 70 Minuten später im Prix du Tréport um 59.000 Euro für sieben- bis elfjährige Stuten, die keine 238.000 Euro auf dem Sparbuch hatten und in dem Hemma de Brikvil ebenfalls mit Eric Raffin auf die für sie 2.875 Meter weite Reise ging.

Frankreichs Sulky d’Or verpasste der Tornado-Bello-Tochter, die am besten aus Band zwei schnellte, ein Traumrennen in strenger Defensive erst in zweiter, ab 800 Meter vorm Ziel hinter Hautentica in dritter Spur. Die für Heike Feelders antretende Braune dankte dies mit einem bombensicheren 1½-Längen-Sieg, der weitere 26.550 Euro in die schon zuvor mit 186.700 Euro bestens gefüllte Familienkasse spülte.

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Foto: canalturf.com

Am Toto war die nunmehr siebenfache Frankreich-Siegerin für 10,8-fache Odds zu haben.

Video: https://www.letrot.com/courses/2024-03-23/7500/5

Yahoo Diamant im Glück

Ein drittes Mal stieg Raffin im Prix d’Auxerre für deutsche Interessen in den Sulky. In der für fünfjährige Europäer, die keine 160.000 Euro verdient hatten, offenen Aufgabe war er von den Nimczyks für Yahoo Diamant verpflichtet worden, der beim dritten Anlauf endlich das Plateau de Gravelle erobern wollte.

Der Stall-Express-Traber tauchte vor Publikum kurzfristig an der Spitze auf, die er im Bogen von Joinville nach einer langen Rochade an Jasmin Précieux zurückgab. Ab dem Schlussbogen hielt Raffin im dichten Getümmel, das sich auf der Zielgeraden auflöste, nach einem Schlupfloch Ausschau, das nicht kam.

Am überlegenen Sieg von 27:10-Favorit Jazzman Debailleul, mit dem sich Franck Ouvrie rasch deutlich absetzte, war ohnehin nicht zu rütteln. Auch Platz zwei schien für den Indigious-Sohn außer Reichweite - bis Jabalpur 80 Meter vorm Pfosten die Balance verlor.

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Yahoo Diamant - hier noch Vierter, am Ende Zweiter

Für den geschenkten Ehrenplatz musste die deutsche Equipe dann doch noch zittern, denn Jibi du Fruitier erzwang mit gewaltigem Endspurt ein Foto-Finish, das zugunsten des Diamanten ausging. 15.000 Euro waren der Lohn für die 1:13,6/2850m-Performance des deutschen Derby-Vierten, der bei 36:10 als zweite Wettmarkt-Chance fungierte.

Video: https://www.letrot.com/courses/2024-03-23/7500/9