Maria Port galt im holländischen Trabrennsport als Pionierin. Gegen alle Widerstände erhielt sie in den 1970er Jahren als erste Frau vom NDR eine Berufsfahrer- und Trainerlizenz.
Auch im Traberwesten war sie ein gern gesehener Gast. Ihr letzter deutscher Sieg datiert vom 8. Januar 2007 mit Upstagy Kingly in Dinslaken.
Am 10. Juni ist Maria Poort nach schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren verstorben.
Anlässlich ihres Todes veröffentlichen wir einen Artikel aus der Frühjahrsausgabe 1997 von „Drafvizier“, der Zeitschrift der Rennbahn Hilversum.
Maria Poort bleibt bescheiden
Trotz ihrer bereits beeindruckenden Erfolgsliste bevorzugt Maria Poort Bescheidenheit. Die Fahrerin der Champions Prizefighter, Wanda Pluto und nun Flower Flora hat bereits rund 400 Siege errungen, doch sie lässt sich nicht von ihrem Erfolg blenden. Ihr Charakter spiegelt sich in ihrem Umgang mit Pferden wider: vorsichtig, bescheiden und umgänglich.
„Ein persönlicher Ansatz“, sagt die erste Frau in den Niederlanden, die nach großen Schwierigkeiten eine Trainerlizenz erwarb. „Das ist auch für ein Pferd angenehmer. Ich glaube an diesen Ansatz.“
Maria Poort war seit ihrem sechzehnten Lebensjahr Amateurfahrerin, doch sie wollte mehr. Sie wollte eine Trainerlizenz erwerben und Trainerin werden. Kurz gesagt: Maria Poort wollte Profi werden. „Beim NDR war man alles andere als begeistert und noch lange nicht bereit dafür.
Buddy de Vries, wo ich damals arbeitete, beantragte meine Lizenz. Als ihm plötzlich zwei Passfotos von mir aus dem Portemonnaie fielen, hieß es: ‚Oh nein, das wird nichts.‘ Also wurde ich im ersten Jahr abgelehnt, im zweiten auch, und erst im dritten Jahr bekam ich eine Probezeit.“
„Meine Berufsfahrerprüfung machte ich in Deurne; ich fuhr Illya Kuryakin, ein sehr umgängliches Pferd. Das machte einen großen Unterschied; erst dann bekam ich meine Profilizenz für ein Jahr.“ Da ihr der ganze finanzielle Aufwand einer professionellen Trainerkarriere zu viel ist, ist Maria Poort bei Rinus van Leeuwen angestellt. Deshalb kann sie sich voll und ganz dem Pferd widmen. „Das ist es, was ich am liebsten mache: mit Pferden arbeiten. Ein persönlicher Ansatz, daran glaube ich. Und das lieben auch Pferde.“
Mit Prizefighter und Wanda Pluto feierte Maria Poort zahlreiche Siege. Ihr aktueller Star ist Flower Flora, ein großes, talentiertes Kraftpaket, das nach einigen Verletzungsproblemen mit einem Gesamtgewinn von rund 185.000 Gulden wieder in Topform ist. „Er ist ein Pferd mit echtem Charakter“, sagt der Stammfahrer des neunjährigen Hengstes.
„Das hat er von seinem Vater Kameraad geerbt. Er will alles, vor allem gewinnen. Aber man muss ihn respektieren. Eigentlich muss man ihn gar nicht antreiben; er gibt von ganz allein alles. Ein kräftiger Tritt macht ihn nicht schneller. Flower Flora war kein einfaches Pferd. Anfangs wollte er nicht eintreten und dem Wagen nicht folgen, aber jetzt ist er leicht zu handhaben. Man muss ihn aber bei Kopf haben; er muss das Leinengefühl im Maul spüren. Deshalb habe ich, obwohl ich ihn nie berühren muss, eine Peitsche dabei.“
„Denn ohne die Peitsche müsste ich mit den Leinen etwas machen, um ihn ein wenig anzutreiben. Aber dann verliere ich wieder die Kontrolle über das Gebiss, also ist das nicht möglich.“ Maria Poort erwartet von Flower Flora eine weitere Entwicklung und noch größere Erfolge. „Er hat von Natur aus einen raumgreifenden Schritt und benötigt daher etwas Gewicht. Das macht es ihm nicht leichter, denn barfuß läuft er am schnellsten.“
„Obwohl er hier in Hilversum stationiert ist, ist Duindigt seine Lieblingsrennbahn. Dort wurde er kürzlich Zweiter (am 16. März 1997) hinter dem fünfjährigen John F. Boko, und eine Woche zuvor konnte er sich mit einem dritten Platz hinter dem überragenden Paul Trot, dem Top-Pferd von 1997, und dem französischen Wallach Ulysse de Laleau behaupten.“
„Flower Flora gezüchtet von Herrn G. van Delft und im Besitz des Stalls Flora Flower (hinter dem der bekannten Besitzer Dirk Gooijer steht), ist wieder ganz oben mit dabei, auch dank des Hilversumer Trainers Rinus van Leeuwen. Wir erwarten noch viel mehr von ihm, obwohl er mit seiner Gewinnsumme zu kämpfen hat. Viele Rennen seiner Klasse stehen an, werden dann aber abgesagt, weshalb er oft gegen deutlich stärkere Pferde antreten muss. Es herrscht einfach ein großer Mangel an guten, älteren Pferden.“
Laut Maria Poort ist dieser Mangel größtenteils auf den verfrühten Einsatz junger Rennpferde zurückzuführen. „Zweijährige sind in ihrer Entwicklung mit Babys vergleichbar. Man sollte sie wirklich nicht im Rennsport einsetzen. Man muss ein Pferd erst wachsen und stark werden lassen. Das kann man in jedem Buch nachlesen. Was sieht man denn heute noch von diesem fantastischen Jahrgang an Grand-Prix-Pferden? In Schweden zum Beispiel ist das Derby nur für vierjährige Pferde, und mit Zweijährigen wird kaum noch etwas gemacht. Dort sieht man viele gute, ältere Pferde.“








