Sehenswertes Comeback
19. März 2020

(nn) Solvalla & Jägersro, Mittwoch, 18. März 2020. Weil die am Samstag in Momarken geplante länder-übergreifende V75-Serie wegen der in Norwegen kompletten Schließung aller Rennbahnen abgesagt wurde und kurzfristig Bergsåker mit sieben „klassenlosen“ Läufen um je 75.000 Kronen für Platz eins einspringen wird, war der V86-Doppelrenntag in Solvalla und Jägersro das sportliche Aushängeschild dieser Woche im einzigen Land Europas, das bis auf Widerruf der Behörden kontinuierlich Trabrennen durchführt.

Höhepunkt des Abends war der durch zwei Comebacks geadelte Kentucky Fibbers Lopp, mit dem an Knut Lindbloms einstigen Euro-Fighter erinnert wird, der unter anderem das Graf Kálmán Hunyady-Rennen (1967), das Gelsenkirchener Elite-Rennen (1968) sowie das Berliner Matadoren-Rennen (1969) an seine Fahne geheftet hat. Nach jeweils rund halbjähriger Pause stellten sich Perfect Spirit, Hambletonian-Sieger 2017 und Königspokal-Boss im Jahr darauf, sowie Makethemark erstmals wieder dem vor Fernseh- und Computerbildschirmen sitzenden Publikum vor. Schweden trabt bekanntlich vor leeren Rängen.

Einmal mehr bewies der Zeit seines Arbeitslebens von Petri Salmela in Boden, Schwedens nördlichster Rennbahn, perfekt vorbereitete bullige Braune, dass er keine lange Einrollzeit benötigt und sofort da ist, wenn er gebraucht wird. Seit 2016 ist er stets siegreich in die Saison eingestiegen, was von den Kommentatoren ausreichend durchgekaut wurde. Kein Wunder, dass er bei 15:10 die Bank der mit 28 Millionen Kronen Umsatz stark nachgefragten V86-Wette war, die erstmals auch in Frankreich auf dem Tippschein stand.

Makehema

Makethemark auf der Ehrenrunde (Foto: vf.se)

Ein wenig die Stirnen runzeln durfte seine Anhängerschar dennoch. Obwohl nur sieben Pferde unter Order kamen, von denen Ragazzo da Sopra wegen eines Patzers beim Beschleunigen des Startautos 20 Meter hinter dem Mini-Feld Tritt fasste, ging es für Maharajahs besten Nachkommen durchweg durch die Todesspur. Ausgangs der ersten Kurve hatte der unermüdlich drückende Cupido Sisu endlich Linus Boy den Taktstock entrissen, den dieser sich eine halbe Runde später ohne sonderliche Widerrede zurückholte. Dahinter lauerte Perfect Spirit vor Im Your Captain und dem Kanadier Tito, während der zügig wieder Kontakt findende Ragazzo da Sopra sich auf dem äußeren Gleis der Zugdienste Makethemarks bediente.

Der Siebenjährige, der 2018 mit Solvallas Jubileumspokalen sein einziges Gruppe-I-Rennen gewonnen und 2019 mit einem Einkommen von 3,2 Millionen Kronen seine beste Saison hatte, tastete sich nur allmählich in die Nähe des Leaders, der sich im Scheitel der letzten Biege - noch unbedrängt - in Galopp rollte. Das war der letzte Schlüssel zu Makethemarks 23. Treffer, der viel leichter zustande kam, als es der Vorsprung von lediglich einer Länge gegen die Kopf an Kopf kämpfenden Ragazzo da Sopra und Cupido Sisu aussagt. Nicht einmal wedelte Ulf Ohlsson mit der Peitsche. Zu lange ohne freie Bahn, musste Perfect Spirit sich mit Platz vier bescheiden.

„Er ist bombastisch - er löst alle Aufgaben so gut er kann. Genau diese Pferde sind es, auf die wir hoffen, für die wir uns Tag für Tag bei Wind und Wetter ins Zeug legen. Makethemark will einfach der Erste sein. In drei Wochen wird er noch besser, in fünf Wochen zum Paralympia-Travet dann in Höchstform sein“, versprach Trainer Petri Salmela und hofft wie alle Schweden, dass Trabrennen weiterhin stattfinden können.

Kentucky Fibbers Lopp (int., mind. 500.001 SEK)

2140m Autostart, 197.000 SEK

1.      Makethemark                13,4     Ulf Ohlsson                        15

         7j.dklbr. Hengst von Maharajah a.d. Global Naughty von Conway Hall

         Be / Zü: AB NIAN; Tr: Petri Salmela

         Pflegerin: Anne Raatikainen

2.      Ragazzo da Sopra  

3.      Cupido Sisu            

4.      Perfect Spirit            

5.      Im Your Captain        

6.      Tito                              

         Linus Boy                     

13,5g    Björn Goop                        

13,5     Tomi Haapio                

13,7     Örjan Kihlström                

13,9     Jorma Kontio                  

13,9     Per Lennartsson          

dis.r.    Rikard Skoglund               

63

1213

46

289

1625

84

Sieg: 15; Richter: leicht 1 - k.Kopf - 1½ - 2 - ½ Länge; 7 liefen (NS Digital Ink / in Behandlung; Charrua Forlan / Erkältung)

Zw-Zeiten: 09,7/500m - 13,9/1000m - 14,1/1500m - 11,6/letzte 500m

Wert: 100.000 - 50.000 - 25.000 - 13.500 - 8.500 SEK

 

Nur die siebte Prämie in Höhe von 6.000 SEK blieb Stall Habos Henriette Sisu in einem Vergleich für dreijährige schwedische Stuten bis maximal 100.000 SEK Einkommen. Mit Kim Eriksson im dritten Paar außen untergeschlüpft, war der Charly-du-Noyer-Tochter der Marsch ab 800 Meter vorm Ziel durch die dritte Spur eindeutig zu viel. Start-Ziel alle im Griff hatte Leif Witasps Chablis Ribb, die nach 1:15,9/2140m um 60.000 Kronen reicher war.

Sehr viel besser lief’s auch für Hans Ulrich Bornmanns Volare Gar nicht, mit dem Kim Eriksson am Ende des Neuner-Pulks kaum keinen Flug-Moment hatte und als Siebter landete. Freuen über einen Trainerpunkt durfte sich Klaus Kern, für den zum zweiten Mal in diesem Jahr Erik Adielsson verwandelte, in dem er über 2640 Meter mit Give me Ten vom Fleck weg die Hosen anhatte und den Niky-Sohn um 60.000 Kronen reicher machte.

 

Golfstrom Richtung Kunga-Pokalen

In der Auftaktprüfung der V86-Serie zu Jägersro bewies Marc Elias einmal mehr seine Nervenstärke. Der 26-jährige führte aus dem zweiten Paar außen Bonny Boy für 134:10 zum achten und letztlich bombensicheren Sieg der Karriere, wofür dem sechsjährigen Kiss-Francais-Sohn 60.000 SEK gutgeschrieben wurden. Für Elias war’s der 18., für Conni Lugauer als Trainer der 23. Saisonstreich. Wie bei Wilhelm Busch hieß es: „Und der nächste folgt‘ sogleich.“ „Gulfstream Am ist unsere beste Chance des Abends“, hatte Elias vor dem Fyraåringstoppen verkündet, und der muskelbepackte, wie aus dem Ei gepellt daherkommende Trixton-Sohn ließ diesen Worten eine Tat folgen, die die Kommentatoren im ATG-Studio mit der Zunge schnalzen ließen.

Gulfstream Am

Hinter Lugauers Gulfstream Am verspringt Osterc das zweite Geld (Foto: skd.se)

Von der „1“ ließ sich der Braune vom heftig attackierenden Sashay my Way die Führung nicht madig machen und erteilte dem Kolgjini-Schützling eine glatte Abfuhr. Für den kam es ganz bitter, denn innen waren alle Plätze besetzt, so dass ihn Adrian Kolgjini bis ans  Ende des Sechserfeldes zurücknehmen musste. Als aus dem Windschatten des Leaders 500 Meter vom Ziel Osterc nach außen beordert wurde und versuchte, das Blatt zu wenden, wurde auch der zwei- und dreijährig in 21 harten nordamerikanischen Schlachten gestählte Cantab-Hall-Sohn bei seinem Europa-Debüt mit zwei Längen glatt abgewimmelt und versprang zehn Meter vor dem Zielstrich auch noch den Ehrenplatz. Erneut gab’s für den Sieger 60.000 SEK und die Erkenntnis, auf bestem Weg zum ersten großen Saisonziel, dem Königspokal, zu sein: Fünf Siege aus sieben Auftritten und die Manier sind ein ernstzunehmendes Pfund.

Damit war der furiose Lauf der Deutschen beendet. Im Vårstayern über 3160 Meter zeigte bei Breidabliks Cognac der Marsch durch die Todesspur starke Wirkung; mehr als Platz fünf (5.700 SEK) weit hinter dem souveränen Tempomacher Neelix / Adrian Kolgjini waren nicht drin; der aus viermonatiger Pause kommende Comanche Moon holte mit seinem Trainer Joakim Lövgren nach einem Rennen auf Warten den dritten Scheck (15.000 SEK).