++ Heute: Neun Rennen ab 14:00 Uhr am Weltfrauentag in Karlshorst ++ ++ Aufgrund steigender Inzidenzzahlen erhält Mönchengladbach keine Genehmigung für Amateurfahren am Samstag, 13. März - Die als Amateurfahren vorgesehenen Prüfungen werden Profirennen - Die Starterangabe läuft bis Dienstag, 11:00 Uhr ++ ++ Die Vierer-Karte in Hamburg teilen sich Robbin Bot und das Gestüt Lasbek mit je zwei Siegen ++ ++ Wien: Josef Sparber mit Gwendoline Go Zweiter in 1:16,4/2100 Meter ++ ++ Mittwoch: Prolog zum Grand National du Trot 2021 in Reims (85.000 Euro/2550 Meter) - Im Rahmen Gestüt Lasbeks Mac Smiley mit Eric Raffin im Prix du Grand Reims (24.000 Euro/2550 Meter) aus dem ersten Band ++
Prix de France: „Merci à Madame Délia“
15. Februar 2021

Vincennes, Sonntag, 14. Februar 2021. Unmittelbar vor dem Prix de France hatte Eric Raffin dem Italiener Zerozerosette Gar im Prix de Chambord ein perfekt verdecktes Rennen verpasst und mit dem Wishing-Stone-Sohn sehr zur Freude von dessen Trainer Vitale Ciotola haarscharf zugeschlagen.

Screenshot_2021-02-15 prix de France – Google Suche

(Foto: rennes.maville.com)

Auf die Frage, was er in der Amérique-Revanche von Délia du Pommereux erwarte, hatte der doppelte französische Fahrerchampion eine klare Ansage im besten Wewering-Stil: „Wir treten nicht an, um vor den beiden Granden zu kuschen. Natürlich hängt alles vom Rennverlauf ab, aber eine Chance rechne ich mir schon aus. Die Stute ist in der Form ihres Lebens. Was am Start passiert, interessiert mich nicht. Das Feld ist mit neun Teilnehmern klein genug - da kann ich ihr das Match in Ruhe von hinten aufbauen. Und dann sehen wir mal, was passiert.“

Es dürfte den 39-jährigen allerdings schon interessiert haben, wie aufgekratzt Davidson du Pont vor dem Start war, ganz im Bold-Eagle-Stil buckelte und hüpfte. Jean-Michel Bazire hatte ihn richtig scharf gemacht und sich offensichtlich vorgenommen, von der „8“ volle Pulle  an die Spitze zu donnern. Ein Unterfangen, das Billie de Montfort (4) glatt vereitelte. Kaum hatte sich Davidson bei irrwitzigem 1:06er Tempo hinter der großen alten Dame eingereiht, als der befürchtete Überschlag des Co-Favoriten kam, der zum Salto mortale Richtung Disqualifikationsturm wurde.

Darauf hatte Björn Goop nur gewartet, der mit dem 1.790.242 der 1.984.227 Euro an Platzwetten auf seinen Schultern tragenden „FTB“ mit angezogener Handbremse losgefahren war. Der vermeintlich größte Kontrahent früh aus der Party - diese Chance nutzte Schwedens frisch gekürter Fahrer des Jahres 2020, dem seit Monaten Vieles gegen den sonst so erfolgreichen Strich geht, sofort. Blitzschnell polte er auf „Vorwärts“ um und jagte Trainingskameradin Billie de Montfort, mit der Gabriele Gelormini darauf gewartet hatte, Mitte des Joinviller Bogens von der Kommandobrücke.

Das wiederum lockte Bahia Quesnot aus der Reserve, die bergauf bei abflauender Pace angriff, aber nicht am Ready-Cash-Sohn vorbeikam, mit dem sich Goop im Schlussbogen abzusetzen begann. Rasch war er drei Längen voraus, während sich Délia du Pommereux und der am Start von der „9“ zurückgehaltene Aetos Kronos noch immer als Vorletzte und Letzter tummelten. Warum Goop bei einer 1.600-Meter-Durchgangszeit von 1:08,8 rigoros weiterfuhr, wird im Nachhinein sein Geheimnis bleiben. Bei mittlerweile sechs Längen Vorsprung schien der 30. Treffer des braunen Kraftpakets dennoch früh ausgemachte Sache - bis Délia du Pommereux auf Höchsttouren kam.

In Windeseile fraß die Niky-Tochter Meter um Meter. Letztlich war dies nicht der Face Time Bourbon des Prix d’Amérique, sondern jener aus den Prix du Bourbonnais und de Bourgogne, die er zwar gewonnen hatte, jedoch längst nicht als der alles verschlingende Überflieger dahergekommen war. Obwohl Goop rechtzeitig kraftvoll rüttelte und schüttelte, war die sechste Niederlage „FTBs“ unvermeidlich - und perdü die Chance, wie Bold Eagle 2017 als Sechsjähriger nach der dreifachen Krone zu greifen, zu der nach Siegen in den Prix d‘Amérique und de France auch jener des in 14 Tagen entschiedenen Prix de Paris binnen eines Winters zählt.

unnamed

Grenzenloser Jubel bei Eric Raffin (harnesslink.com)

Bei der Zieldurchfahrt völlig losgelöst, beim Siegerinterview noch im Sulky zu Tränen gerührt war Eric Raffin, dem ein Erfolg in diesem 1956 begründeten Rennen - neben jenem im Prix d’Amérique - auf seiner Visitenkarte noch gefehlt hat. „Was für eine grandiose Kämpferin ist diese Délia! Das ist mein bislang schönster Sieg im Fahren, bei dem natürlich alles gepasst hat - passen musste, sonst kann sie solch ein Pferd wie Face Time Bourbon nicht bezwingen. Aber ein mehr oder weniger üppiges Quäntchen Glück gehört nun mal zu unserem Geschäft. Ein Traum ist wahr geworden. Herzlichen Dank, ‚Madame‘“, stammelte der Mann, der mit 3.778 Siegen in Sattel und Sulky alles andere denn ein unbeschriebenes Blatt ist und 31 Jahre nach seinem Vater Jean, der 1990 mit Pussy Cat die Lorbeeren geholt hat, ganz oben stand.

Mit 1:09,8 verbesserte Délia du Pommereux beim bedeutendsten ihrer lediglich 14 Treffer, der ihr bzw. das Konto von Züchter und Besitzer Noël Lolic auf 1.321.220 Euro hievte, ihre persönliche Bestmarke um 0,4 Sekunden und egalisierte Kool du Caux‘ Uralt-Rennrekord von anno 2007. Bis 2020 war dies der Vincenner Bahnrekord, ehe ihn Face Time Bourbon am 21. Juni im Prix René Ballière auf 1:09,4 katapultierte.

Dessen Trainer Sébastien Guarato war ob der Niederlage sichtlich konsterniert: „Vielleicht hätte Björn nach den höllischen ersten 700 Metern Bahia Quesnot gegenüber vorbei und Face Time Bourbon in ihrem Windschatten einen Moment verschnaufen lassen sollen.“ Fast ein bisschen trotzig klang die Ankündigung, dass „FTB“ in drei Wochen im Prix de Sélection am Ablauf sein werde.

Happy war Frohnatur Jerry Riordan: „Franck (Nivard) hat Aetos Kronos einen Vortrag serviert, wie ich’s mir perfekter nicht hätte wünschen können. Im solch einem prestigeträchtigen Rennen von der schlechtestmöglichen Ausgangslage auf dem Podium zu landen - einfach fantastisch!“

Der Rennverlauf

So heiß Bazire seinen Davidson du Pont gemacht hatte - an Billie de Montfort kam er einfach nicht vorbei, die so unmissverständlich wie fast spielerisch die Spitze behauptete. Kaum hatte der 20-fache Sulky d’Or dies eingesehen und den bulligen Braunen halb dahinter eingeparkt, als der sich auch schon um Kopf, Kragen und die weitere Teilnahme sprang.

d201e64889c53b902ea1814402ab62ee

(Foto: paris-turf.com)

Der verhaltener losdüsende Goop schickte im Scheitel des Joinviller Bogens den direkt dahinter liegenden Face Time Bourbon mit Schmackes in Front, so dass seiner „Schattenfrau“ Bahia Quesnot mal wieder der Marsch durch die Todesspur zufiel, bei dem sie das Zugpferd für Frisbee d’Am, Feliciano, Délia du Pommereux und den am Start von der „9“ sofort zurückgehaltenen Aetos Kronos spielte. Innen versuchte Romanesque so gut es ging dran zu bleiben, verlor jedoch bereits kurz nach „Halbzeit“ den Kontakt. Weil Junior Guelpa seine Stute nicht schonte und bergauf kräftig drückte, flaute die Fahrt dort nur unwesentlich ab - pures Gift für Billie de Montfort, die am Gipfel am Ende ihrer Kräfte war und zurückfiel. Das ermöglichte Bahia, hinter Face Time Bourbon einzuparken.

500 Meter vorm Ziel ging Goop aufs Ganze und setzte sich rasch auf zwei, drei Längen von der müde werdenden Scipion-du-Goutier-Tochter ab. Sogar sechs waren es zu Beginn der Zielgeraden, als sich Délia du Pommereux mit Aetos Kronos im Schlepptau endlich auf die Verfolgung machte. Was sollte da noch schief gehen? Doch so, wie dem haushohen Favoriten auf den finalen 100 Metern die Beine schwer und schwerer wurden, schien Délia förmlich zu fliegen. Die bekannten, selbst für französische Usancen wuchtigen „Hilfen“ Goops nützten nichts - im Ziel hatte ihn Délia um eine halbe Länge gefressen.

2½ Längen später raufte sich Aetos Kronos, der solche Hetzjagden als nicht sonderlich startschneller, jedoch extrem zäher Kämpe liebt, an Bahia Quesnot vorbei, die mal wieder wenig rücksichtsvoll vorgetragen wurde. Feliciano und Frisbee d’Am wurden für blasse Vorstellungen mit 20.000 bzw. 8.000 Euro üppig beschenkt. Traurig war der 120. Auftritt Billie de Montforts, der der alsbaldige Wechsel ins Gestüt zu wünschen ist.

Prix de France ( Gruppe I int., vier- bis elfj. Hengste und Stuten)

2100m Autostart, 400.000 Euro

1.      Délia du Pommereux  09,8     Eric Raffin                        146

         8j.br. Stute von Niky a.d. Noune du Pommereux von Halimède

         Be / Zü: Noël Lolic; Tr: Sylvain Roger

2.      Face Time Bourbon     09,8     Björn Goop                         12

3.      Aetos Kronos                 10,0     Franck Nivard                  320

4.      Bahia Quesnot              10,2     Junior Guelpa                  460

5.      Feliciano                        10,4     David Thomain               510

6.      Frisbee d’Am                 10,8     Anthony Barrier             1110

7.      Billie de Montfort          13,0     Gabriele Gelormini         980

8.      Romanesque                13,8     Christophe Martens     2250

         Davidson du Pont         dis.r.    Jean-Michel Bazire           50

Sieg: 146; Richter: sicher ½ - 2½ - 2 - 1½ - 4½ - 22½ - 9 Längen; 9 liefen

Zw-Zeiten: 06,7/600m - 07,3/1100m - 08,8/1600m

Wert: 180.000 - 100.000 - 56.000 - 32.000 - 20.000 - 8.000 - 4.000 Euro

Video: https://www.letrot.com/fr/replay-courses/2021-02-14/7500/4

Die Flamme nach epischem Finish

Es gibt Endkämpfe, die man nie vergisst. Schon jener im Prix de France war nicht gerade ein Heilmittel für Herzkranke. Noch einen drauf setzten die Satteltraber im ebenfalls über die Sprintstrecke führenden Prix des Centaures, bei dem die mit 25 Meter Vorsprung auf die Reise gehenden Vierjährigen nicht den Hauch einer Chance gegen die entfesselten Fünf- und Sechsjährigen hatten, die sich die ersten vier Plätze krallten.

arrivee_centaures21

Kampf kK - kK (Foto: letrot.com)

„Kampf kurzer Kopf - kurzer Kopf“ oder Flamme du Goutier geschätzte zwei Zentimeter vor der unerwartet starken und zähen Fame Music sowie deren zehn vor Freeman de Houëlle lautete das Resultat des 200.000ers, und als sei es der atemraubenden Spannung bis zur Auswertung des Zielfotos noch nicht genug, musste die seit einem halben Jahr kometengleich aufsteigende Ready-Cash-Tochter noch eine Gangart-Überprüfung der Stewards über sich ergehen lassen, bis nur eine Woche nach dem Erfolg im Prix de l’Île de France Sieg Nummer 14, zugleich der dritte der höchsten Kategorie I, in trockenen Tüchern war.

Wie am 7. Februar schmetterte die kapitale Braune 1:10,8 aufs Tapet - in so kurzer Folge eine Duftmarke der besonderen Art -, doch was vor Wochenfrist ein Triumph mit Hurra war, hing diesmal am seidenen Faden. „Hätte ich ausgangs der letzten Kurve nicht innen an Freeman vorbei schlüpfen können, wär’s mit dem Sieg nichts geworden. Dort die goldrichtige Entscheidung getroffen zu haben, macht mich schon ein bisschen stolz“, kommentierte Antoine Wiels das Wimpernschlag-Finale, bei dem der neue Rennrekord (zuvor Athéna de Vandel 1:11,0/2016) das Sahnehäubchen war.

c47f8cf1f0af1f119954c7a11eb52919

Aus der Innensicht (paris-turf.com)

Dass es nicht einfach werden würde, hatte Trainer Thierry Duvaldestin schon vorab gewähnt und höllischen Respekt vor den beiden Schützlingen von Franck Leblanc gezeigt. Dem 25 Meter vorneweg beginnenden Helitlopet traute er 1:11,5 zu, und Freeman de Houëlle hatte dreimal in Folge bewiesen, wie geschaffen er vornehmlich für kurze Distanzen ist.

Mit eben diesem Helitloppet gedachte Adrien Lamy den 25-Meter-Vorteil rigoros zu nutzen. Ganz außen eindrehend, legte der Fuchs los wie die Feuerwehr, aber auch Héros de Fleurs Antritt war nicht von Pappe. Helitloppet war noch nicht ganz vorbei, als ihn eine Galoppade in der Senke aus allen Hasen- und/oder Siegträumen riss und er sich zum beim „Ab“ ausgefallenen Hudson Védaquais in die Sünderkartei gesellte.

Rasch dicht dabei waren aber auch die vier Aspiranten des Zulagenbandes mit Fame Music vor Freeman de Houëlle, Flamme du Goutier und Girly Béco, während Héra Landia bergauf galoppierte und Hopla des Louanges Mühe hatte, der irrwitzig dahinpreschenden Truppe zu folgen. Noch vor der Finalkurve brach Freeman de Houëlle den Gänsemarsch auf, wenige hundert Meter weiter setzte sich völlig unerwartet Fame Music vor ihn, mit der Mathieu Mottier ein echtes Pfund in Händen hatte. Die mit nichtssagenden Formen angereiste Singalo-Tochter überrannte Héros de Fleur wie nix und nutzte Freemans Schwächemoment an der letzten Ecke, um sich aus  dessen Würgegriff zu befreien.

Dort hatte Wiels die geniale Idee, sich innen vorbeizutanken, was ihm den Windschatten der weiterhin unverdrossen dahin jagenden Fame Music sicherte. Es war ein knüppelhartes Stück Arbeit, bei dem der 32-jährige, so leid es ihm tat, ein paar Mal den „Stock“ sprechen ließ, bis die haushohe Favoritin mit dem allerletzten Schritt vorbei war. Das war jedoch noch längst nicht das Ende der Fahnenstange. Nach dem kurzen Stopp, der ihn zwei, drei Längen kostete, nahm Freeman de Houëlle das Gebiss wieder an, kam rasant zurück und hätte den Temple du Trot zehn Meter weiter als Sieger verlassen. Der Zielpfosten steht aber nun mal dort, wo er steht, und das bedeutete für den Pechvogel eben nur Platz drei.

Zwölf Längen hinter diesem Trio infernale lief Girly Béco am ausgepumpten Héros vorbei und machte den Durchmarsch der Älteren komplett.

Flamme du Goutier ist nicht ganz unerwartet eine der großen Entdeckungen dieses Meetings. Sechsmal war die Allrounderin, die sich auch vorm Sulky ausgezeichnet zu schlagen versteht, unter Order, holte vier Siege, je einen zweiten und fünften Platz und steht mit einer Winter-Gage von 426.750 Euro - insgesamt sind’s 720.570 - blendend da.

Prix des Centaures - Monté - (Gruppe I nat., vier- bis sechsj. Hengste & Stuten)

2200m Bänderstart; Vierjährige erhalten 25 Meter Vorgabe; 200.000 Euro

1.      Flamme du Goutier       2200   10,8     Antoine Wiels                         19

         5j.br. Stute von Ready Cash a.d. Utopie du Goutier von Kaisy Dream

         Be: Ecurie Saint Martin; Zü: S.C.E.A. des Bissons; Tr: Thierry Duvaldestin

2.      Fame Music                    2200   10,8     Mathieu Mottier                    250

3.      Freeman de Houëlle     2200   10,8     Eric Raffin                               61

4.      Girly Béco                        2200   11,8     Guillaume Martin                 390

5.      Héros de Fleur                2175   12,8     Yoann Lebourgeois            490

6.      Hopla des Louanges     2175   13,0     Damien Bonne                  1310

         Héra Landia                    2175   dis.r.    Paul-Philippe Ploquin        320

         Hudson Védaquais        2175   dis.r.    Florian Desmigneux         1200

         Helitloppet                       2175   dis.r.    Adrien Lamy                           27

Sieg: 19; Richter: Kampf k.Kopf - k.Kopf - 12 - 1 - 4 Längen; 9 liefen (NS Heartbreaker One)

Zw-Zeiten: 09,6/675m - 10,0/1175m - 09,7/1675m

Wert: 90.000 - 50.000 - 28.000 - 16.000 - 10.000 - 4.000 (- 2.000) Euro

Video: https://www.letrot.com/fr/replay-courses/2021-02-14/7500/7