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Orlandos kalte Rache

(nn) Wien-Krieau, Sonntag, 20. Oktober 2019. Bei der vorjährigen Austragung des Graf-Kálmán-Hunyady-Gedenkrennens hatte Deutschlands und Rudi Hallers internationales Aushängeschild Orlando Jet den alten Spruch am eigenen Leibe erfahren müssen, jedes, auch das noch so leicht daherkommende Rennen müsse erst gewonnen werden, und war als 13:10-Gemeinter verblüffend deutlich an Marc Elias‘ Breidabliks Nubbe gescheitert.

Die 120. Auflage des einstigen Europaklassikers kam auf dem geduldigen Papier noch ein bisschen simpler daher für den Orlando-Vici-Sohn, zumal Spielverderber Elias diesmal mit Bijou Bourbon HM passen musste. Ein klitzekleines Handicap war Platz „9“ in Reihe zwei hinterm Startauto, das aber über 2600 Meter nur eine marginale Rolle spielen konnte, zumal Orlando Jet dort als Solist postiert war.

Haller hatte denn auch zunächst keine Eile, sah interessiert zu, wie sich Othello Victory vor Raphael Venus, Dragon Darche und Jagaro Mo auf die Kommandobrücke schwang und bekam selbst in Cashback Pellini ein ideales Zugpferd für die zweite Gefechtslinie. Dort sollte er mit dem wie aus dem Ei gepellt daherkommenden Sechsjährigen nicht lange ausharren. Als es das erste Mal an den Tribünen vorbeiging, blies er zum energischen Zwischenspurt, und weil Gregor Krenmayr kein Phantast ist, ließ er den Jet widerstandslos vorbei düsen. Man soll den Tiger schließlich nicht unnötig reizen. Das tat indes wenig später Manfred Strebel, der bei mäßigem Tempo Dragon Darche vor Cashback Pellini und Lord Brodde in die Angriffsspur beorderte - und 1400 Meter weiter teures Lehrgeld zahlen musste: Als Rudi Haller es 600 Meter vorm Ziel an der Zeit befand, für glasklare Verhältnisse zu sorgen, bekam der Franzose umgehend Schwierigkeiten und schlug schließlich als Letzter an.

Für Orlando Jet wurden speziell die finalen 300 Meter zum Schaulaufen. „Normalerweise ist das nicht mein Ding, so weit vom Rest wegzufahren, aber er lag derart gut in der Hand, dass ich ihn ein bisschen marschieren lassen und dem Publikum eine kleine Show bieten wollte“, sprudelte es aus dem glückseligen „Haller Rudi“ im Interview hervor. Es war keine kleine, sondern eine große Show, wie er die international bestenfalls Mittelmaß verkörpernden Mitstreiter nach dem Motto „Wehe, wenn er losgelassen“ mal eben um zwei Weilen oder rund 30 Meter abhängte. So langweilig die Frage nach dem Sieger, so spannend ging’s um die besseren Preisgelder zu, um die sich ein Quintett raufte, zu dem Othello Victory überraschend nicht zählte. In vierter Spur schnappte sich dank ansehnlichen Speeds Jagaro Mo den Ehrenplatz vor dem innen engagierten Raphael Venus und dem zwischen diesen Beiden ackernden Cashback Pellini. Fast an den Außenrails brachte sich auch Lord Brodde recht gut ein.

Großer Bahnhof für einen großen Sieger

„Wenngleich die Gegner nicht von allzu üppigem Kaliber waren, hat er mir so gut wie schon lange nicht gefallen. Er lag selbst in den Kurven durchweg ideal, die ihm auf 1000-Meter-Bahnen stets leichte Probleme bereiten. Bleibt er weiterhin so exzellent bei der Sache, werden wir ihn einmal im Monat starten und haben als Fernziel den Prix du Luxembourg am 25. Januar im Visier. Der sollte ihm als Autostart-Aufgabe sehr viel besser schmecken als der Prix d’Amérique. Es macht ja wenig Sinn, gegen die Crème de la Crème anzutreten, wenn er den Bänderstart so mäßig hinbekommt und ich sofort hinten liege. Ist er bis dahin nicht hundertprozentig in Schuss, bekommt er die wohlverdiente Winterruhe“, steckte Haller den Winterfahrplan seines braunen Bombers in groben Zügen ab.

120. Graf-Kálmán-Hunyady-Gedenkrennen (int., frei für alle Drei- bis 14jähr.)

2600m Autostart, 25.000 Euro

1.      Orlando Jet                      14,3    Rudolf Haller                       11

         6j.br. Hengst von Orlando Vici a.d. Chicolina von Super Arnie

         Be: Stall Team Neuhof, AT; Zü: Peter Busch, DE; Tr: Rudolf Haller

2.      Jagaro Mo                  

3.      Raphael Venus           

4.      Cashback Pellini        

5.      Lord Brodde               

6.      Global Player                

7.      Othello Victory             

8.      Dragon Darche           

15,4    Mario Zanderigo           

15,5    Hubert Brandstätter jr   

15,5    Gerhard Mayr                

15,5    Christoph Fischer         

15,5    Erich Kubes                   

15,7    Gregor Krenmayr          

15,8    Manfred Strebel                  

203

495

168

183

320

147

76     

Sieg: 11; Richter: überlegen Weile - 1 - k.Kopf - Hals - ¾ - 1½ Längen; 8 liefen (NS Bijou Bourbon HM)

Wert: 12.500 - 6.500 - 3.500 - 1.700 - 800 Euro

 

Weniger „amused“ dürfte der 54-jährige zwei Rennen später im den Dreijährigen vorbehaltenen Andor-Beess-Gedenkrennen (1600m; 2.500 Euro) gewesen sein, als ihm der an der letzten Ecke innen springende Givemeanapple / Manfred Strebel voll in die Parade fuhr, was 16:10-Chance Rammstein ebenfalls aus dem Takt brachte. Den Ausfall der beiden Gemeinten nutzte Martin Redl mit der von Beginn führenden Aristote-Stute Atalanta zum leichten Drei-Längen-Sieg, den der Totalisator mit 209:10 notierte.

Das offizielle Zielfoto des Mautner-Memorials

Seinen „goldenen Schnitt“ hatte Haller da jedoch längst gemacht und sich im Theodor-Mautner-Markhof-Gedenkrennen für die Youngster mit Heck M Eck nach Kampf den früh in Front gezogenen Samuel / Franz Konlechner um eine halbe Länge zur Brust genommen. 7.500 der in der 1600-Meter-Aufgabe ausgelobten 15.000 Euro gingen auf das Konto des Odessa-Santana-Sprösslings, der von Marcus Gramüller und Gerhard Sporrer selbst gezüchtet worden ist.

Das mit 20.000 Euro überschriebene österreichische Flieger-Derby für die Generation 2015 wurde zu einer adligen Angelegenheit: 131:10-Longshot Kronprinz Rudolf hatte nach 1:13,6 5½ Längen vor den im Abstand von je einer halben Länge die Linie passierenden Mon Cherrie Venus, Hot Hulk und Amigo Venus 10.000 Euro im „Staatssäckel“. Im Sulky des Dream-Vacation-Wallachs saß Josef Gruber jr.

Alle Videos und Zielfotos der Veranstaltung gibt es hier: https://www.krieau.at/index.php/renntage/renntag?id=1725