++ Heute: Neun Rennen ab 14:00 Uhr am Weltfrauentag in Karlshorst ++ ++ Aufgrund steigender Inzidenzzahlen erhält Mönchengladbach keine Genehmigung für Amateurfahren am Samstag, 13. März - Die als Amateurfahren vorgesehenen Prüfungen werden Profirennen - Die Starterangabe läuft bis Dienstag, 11:00 Uhr ++ ++ Die Vierer-Karte in Hamburg teilen sich Robbin Bot und das Gestüt Lasbek mit je zwei Siegen ++ ++ Wien: Josef Sparber mit Gwendoline Go Zweiter in 1:16,4/2100 Meter ++ ++ Mittwoch: Prolog zum Grand National du Trot 2021 in Reims (85.000 Euro/2550 Meter) - Im Rahmen Gestüt Lasbeks Mac Smiley mit Eric Raffin im Prix du Grand Reims (24.000 Euro/2550 Meter) aus dem ersten Band ++
Goldener Brückenbauer
15. Januar 2021

(nn) Cagnes-sur-Mer, Donnerstag, 14. Januar 2021. Die Mini-Pause von zwei Tagen im ansonsten extrem stramm gespannten Vincenner Rennkalender nutzt alljährlich Cagnes-sur-Mer, um mit dem zweitwichtigsten Objekt seines Winter-Meetings dazwischen zu grätschen. Zum mit 120.000 Euro dotierten Prix de la Côte d’Azur, der unter Handicap-Bedingungen über zwei Runden des 1288-Meter-Ovals plus eine Gerade „Anlauf“ ausgetragen wird, hatte sich ein im Großraum Paris stationiertes Quartett auf die 900 Kilometer weite Reise in den Süden begeben, das von der Grundmarke loslegen durfte.

Philippe Allaire schickte Golden Bridge und Fashion Queen, Jean-Michel Bazire Freyja du Pont und Valzer di Poggio, womit im Umkehrschluss klar war, das Frankreichs Meistertrainer die Amérique-Ambitionen des schmucken Italieners endgültig aufgegeben hat. Nach elf Siegen in Serie hatte der Fuchs mit dem großen Stern die Qualifikation in den Prix de Bretagne und du Bourbonnais im Galopp vermasselt, und über die Gewinnsumme von 304.130 Euro ist ein Platz im Kreis der Erlauchten eine Fata Morgana.

Dass er bei den Niederlagen gegen die Cracks der Zunft keine moralischen Federn gelassen hat, hatte er beim wenn auch zentimeterknappen Sieg im Prix Hersilie bewiesen. Mit Nicolas Bazire hatte er zudem bereits sieben Ehrenrunden gedreht, passte fast auf den Cent genau ins erste Band - kein Wunder, dass er am Toto bei 24:10 zum besten Freund der Wetter wurde.

Den ersten Dämpfer gab’s am Start, den der Love-You-Sohn nicht sonderlich schwungvoll hinbekam und als Achter seines Crops auf die Reise ging. Am schnellsten auf die Beine fand Eden Basque vor Golden Bridge und Comtesse du Clos, wurde auf der ersten Überseite von Freyja du Pont bedrängt und ließ die Quinoa-du-Gers-Tochter in der zweiten Kurve endlich vorbei. Umgehend tastete sich Valzer di Poggio in vordere Gefilde und begleitete die Reise- und Trainingsgefährtin. Ihm im Nacken saßen Fashion Queen, Alcoy als bis dahin Stärkster des zweiten Bandes, Dona Viva und Cagnes-Spezialistin Bulle de Laumont.

Im Schlussbogen hatte das Abtasten ein Ende, als Christophe Martens Alcoy in Spur drei dirigierte und ruckartig zum finalen Tänzchen bat. Dem enormen Takt des für belgische Interessen antretenden gebürtigen Schweden konnte zunächst niemand folgen: Freyja du Pont konnte nicht verhehlen, weiterhin in ihrer langanhaltenden Schaffenskrise zu stecken, und warf abrupt das Handtuch im Galopp. Auch Valzer di Poggio wurde regelrecht überrumpelt. Es gelang Bazire junior jedoch, seinem Partner bald wieder Beine zu machen.

Bis Mitte der ewig währenden Zielgeraden ließ er ihn im Sog von Alcoy clever Luft schöpfen, dirigierte ihn dann nach außen und schien mit dieser Taktik blendend hinzukommen, denn Alcoy ging auf den letzten 100 Metern überraschend deutlich die Puste aus. Doch auch der „Walzer“ sollte nicht ganz vorn landen. Im wahrsten Sinn Gold bzw. 54.000 Euro wert war das Versteckspiel, das David Thomain Golden Bridge hatte angedeihen lassen. Für den Ready-Cash-Sohn, kein Siegertyp, doch aus vielen Gruppe-Aufgaben mit guten Gagen entlassen, tat sich rechtzeitig die Tür auf.

Mit viel Mumm raufte er sich an Valzer di Poggio um eine halbe Länge zum siebenten Sieg vorbei, mit dem er nun 346.650 Euro reich ist. Einen ähnlichen Speedwirbel entfachte Bulle de Laumont, die weit außen auf Platz drei flitzte, und selbst Eden Basque sammelte den müden Alcoy ein. An der Gangart des Singalo-Sohnes hatten die Stewards einiges auszusetzen - zu Recht, wie die Zeitlupe des „flash enquête“ zeigte. So rückte Alcoy am grünen Tisch auf Rang vier; die Quinté-Wette vervollständigte die ziemlich blass bleibende Dona Viva.

Wie betulich es lange Zeit zugegangen war, bewies der Chronometer: Mit 1:13,6 blieb Golden Bridge bei idealen Bedingungen - laues Lüftchen, Sonnenschein, 10 Grad - deutlich über dem seit 2019 von Bel Avis gehaltenen 1:12,5-Rennrekord.

Hellauf begeistert war Thomain vom Endspurt seines Schützlings, hatte ihm aber auch einen taktischen „Maßanzug“ verpasst: „Alcoy hat Ende der Überseite den entscheidenden Schwung in den gemütlichen ‚Bazire-Laden‘ gebracht. Das entzerrte den Pulk ein wenig und ich konnte bequem warten. Das Finish war das Tüpfelchen auf dem I. So oft ist Golden Bridge, der schon im Critérium des Jeunes mit Platz zwei deutlich hat aufhorchen lassen, noch nicht rundum barfuß gelaufen, und außerdem mag er flache Pisten lieber als Vincennes, wo es bergab und bergauf geht. Es hat also schon vorher einiges für ihn gesprochen.“

Prix de la Côte d’Azur (Gruppe III int., Fünf- bis Elfjährige)

2925m Bänderstart; 25 Meter Zulage ab 305.000, 50 Meter ab 655.000 Euro (unbesetzt); 120.000 Euro

1.      Golden Bridge               2925   13,6     David Thomain                  90

         5j.dklbr. Hengst von Ready Cash a.d. Usenza von Coktail Jet

         Be / Zü: Michel Tessier; Tr: Philippe Allaire

2.      Valzer di Poggio           2925   13,6     Nicolas Bazire                   24

3.      Bulle de Laumont         2950   13,1     Stéphane Cingland        360

4.      Alcoy                               2950   13,3     Christophe Martens          48

5.      Dona Viva                      2925   13,9     Dominik Locqueneux    100

6.      Fashion Queen             2925   14,1     François Lagadeuc        200

7.      Comtesse du Clos       2925   14,2     Eric Raffin                        280

8.      Eliséo                              2925   14,2     Alexis Prat                        750

9.      Christo                            2950   13,8     Michel Lenoir                1660

10.    Bad Boy du Dollar        2950   13,9     Jean-Charles Féron     1730

11.    Brelan du Vivier            2925   14,8     Steve Stefano               2000

         Eden Basque                2925   4.dai    Nicolas Ensch                 150

         Freyja du Pont               2925   dis.r.    Gabriele Gelormini           94

         Altéa de Piencourt        2925   dis.r.    Junior Guelpa                  310

         Colonel Bond                2950   dis.r.    Bruno Bourneil              2310

Sieg: 90; Richter: sicher ½ - 1½ - (1) - 1 - ¾ - 2 - 2 Längen; 16 liefen (NS Ange de Lune)

Wert: 54.000 - 30.000 - 16.800 - 9.600 - 6.000 - 2.400 - 1.200 Euro

Video: https://www.letrot.com/fr/replay-courses/2021-01-14/0601/1

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Tyrolean Dream (außen/3) guter, aber unglücklicher Vierter (Foto: geny.com)

Nur eine Länge hinter dem sich gegen Tyl Etoile / Eric Raffin um eine halbe Länge zum Sieg kämpfenden Diams de Bassière, mit dem Nicolas Ensch einen Kilometer vorm Ziel die Führung übernommen hatte (beide 1:14,4/2700m), verfehlte Rudi Haller mit Tyrolean Dream Platz drei um genau den Hauch, um den sich er die weit außen etwas spät auf Touren kommende Ensoleillée vom Leib hielt (alle 1:14,5). In jenem Prix Kaiser Sozé für sieben- bis zehnjährige Europäer, die keine 161.000 Euro gewonnen hatten, bekam das bayrische Gespann den Autostart vom idealen Startplatz „3“ am schwungvollsten hin, rochierte nach 300 Metern kurz mit Cash Drive und ließ sich nach einer halben Runde von Spickleback Face ablösen.

Die furiose Endphase war nichts für schwache Nerven. Der von Tyl Etoile bereits passierte Diams de Bassière drehte innen entlang den Spieß doch noch um, und auch das folgende Trio war Kopf an Kopf schwer auf Zack. Zum Pechvogel wurde Espoir de Bellouet, der vergeblich auf ein Loch in dieser Fünf-Gespanne-Mauer hoffte, durch das er seine Reserven hätte ausspielen können. Der von Ganymède gezeugte Diams de Basserie kassierte 13.050 der ausgelobten 29.000 Euro, Tyrolean Dream 2.320; am Totalisator wurden sie mit 52 bzw. 120:10 notiert.

Video: https://www.letrot.com/fr/replay-courses/2021-01-14/0601/6