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Daniel Redéns Statement zu Propulsion
06. Juni 2020

(nn) Solvalla, Samstag, 6. Juni 2020. „Ein kleiner Schnitt für ein Pferd, eine große Aufgabe für Juristen“, möchte man in Abwandlung des zum geflügelten Wort gewordenen Ausspruchs von Neil Armstrong sagen, kurz bevor der amerikanische Astronaut als erster Mensch am 21. Juli 1969 den Mond betrat.

Nicht nur der Elitloppet-Sieg, mit dem Stall Zets Propulsion am 31. Mai seine grandiose Karriere gekrönt hat und vermeintlich endlich in den Traber-Olymp eingezogen ist, sondern letztlich alle europäischen Ergebnisse des neunjährigen Muscle-Hill-Sohnes stehen nach der wohl mittlerweile unstreitigen tiefen Neurektomie auf dem Prüfstand und werden entsprechenden Juristen noch Sprünge großer Arbeit bescheren. Schließlich geht es um rund 33,5 seiner insgesamt 34.343.693 Kronen, die „Proppen“ zeit seiner Karriere unter den Fittichen Daniel Redéns bei 31 Siegen aus 58 Auftritten verdient hat.

Laut schwedischer Trabrennordnung sind Pferde mit Nervenschnitten von Leistungsprüfungen grundsätzlich ausgeschlossen. Ob für immer oder nur so lange, wie die Gefühllosigkeit anhält, die bei „Proppen“ spätestens im Vorjahr, als die Gerüchte erstmals aufgekommen waren, bei einer tierärztlichen Untersuchung ebenso nicht vorhanden war wie am Dienstag dieser Woche bei einer neuerlichen Examinierung, darüber werden Verbandsjuristen, Redéns Rechtsvertreter und vielleicht auch jene der nach Propulsion Platzierten trefflich streiten, sollte der Svensk Travsportens Centralförbund STC die Causa aufrollen. „Bis jetzt werden Fakten gesammelt und geprüft“, hatte dessen Vorsitzende Maria Croon in einer kurzen Presseerklärung am Mittwoch verkündet.

Auf seiner Internet-Seite www.stallzet.se hat Redén am Freitag seine Sicht der Dinge dargelegt („Propulsion und ich“) aus dem Bedürfnis, „die Geschichte einer achtjährigen Beziehung zu einem der großartigsten Pferde, dem ich in meiner Karriere je begegnet bin, erzählen zu müssen.“ Zu den laufenden Ermittlungen wolle er sich nicht weiter äußern. Bengt Ågerup und er nähmen diese Anschuldigungen sehr ernst und beauftragten Rechtsanwalt Jesper Arvenberg (der im Übrigen auch die Interessen Alessandro Gocciadoros nach dem Peitschen-Skandal eines seiner Mitarbeiter vertritt/Anm.d.Rd.) mit der Wahrung ihrer Interessen. Derzeit liegt der juristisch glitschige Ball eindeutig im Feld des STC.

„Eine Woche, die sportlich als eine der besten meiner Karriere begann, entwickelte sich zu einem Alptraum, der kein Ende zu nehmen scheint. Vor allem leide ich mit dem Pferd, sollte es in den USA tatsächlich einem Nervenschnitt unterzogen worden sein. Die Pferde - in diesem Fall Propulsion - sind für mich immer das Wichtigste….Wir haben eigene Untersuchungen begonnen, um verstehen zu können, was wie passiert ist, und natürlich werden wir auch den STC bei dessen Ermittlungen unterstützen. Die Einhaltung der Regeln hat für mich oberste Priorität.

Als ich erstmals mit Propulsion in Kontakt kam, hieß er noch Deyrolle, war ein Jahr alt und wurde auf der Auktion von Lexington (am 2. Oktober als Nummer 30 für 250.000 USD) angeboten. Nach meinen Notizen erhielt er sehr gute Bewertungen, aber ich hatte ein Budget, an das ich mich halten musste, und noch etwas besser gefiel mir Monarch Kemp, den ich dann für 360.000 Dollar ersteigerte. Es war trotzdem ein gutes Geschäft, denn jener Monarch Kemp hat als Trixton das Hambletonian gewonnen (und ist nun als Muscle-Hill-Sohn ein gefragter Deckhengst / Anm.d.Red.).

Drei Jahre später am 2. August 2015 tauchte Deyrolle plötzlich als Propulsion auf einer Mixed-Auktion in The Meadowlands auf. Er war in Nordamerika nicht sehr erfolgreich. Natürlich war mein Interesse geweckt, ich sah mir im amerikanischen Renn-Archiv einige Videos an und bemerkte sofort, dass er ein passendes Geläuf, aber Balance-Probleme hatte. Ich war mir sicher, wir würden ihn daheim in Europa hinbekommen.

Ich war selbst nicht in den USA, darum bat ich Marcus Melander (Stefan Melanders Neffe/Anm.d.Rd.), ihn anzuschauen und anzurufen, sollte er für Europa interessant sein. Marcus rief tatsächlich an, er habe bei Propulsion nur einige Kleinigkeiten entdeckt. Das Bietergefecht gegen zwei andere europäische Interessenten war eine harte Nummer - für 210.000 Dollar hatten wir ihn endlich. Propulsion ging für ein paar Tage auf Marcus‘ Ranch, wurde dort tierärztlich untersucht und über Belgien nach Schweden exportiert.

Wenn ein Pferd exportiert wird, sind es die jeweiligen Verbände, die den Papierkram erledigen. Wir haben im Lauf der Jahre viele Pferde nach Schweden eingeführt, und es ist nicht nur einmal vorgekommen, dass wir nicht mal eine Kopie des an den STC gesendeten Exportzertifikats erhalten haben. Es scheint jedoch kein Problem mit der schwedischen Registrierung gegeben zu haben, denn den vom STC ausgefüllte Pferdepass erhielten wir im November 2015 - und damit war für uns alles in Ordnung. Mein Tierarzt hat Propulsion untersucht und keine wesentlichen Anmerkungen gemacht. Nie bin ich auf die Idee gekommen, dass Propulsion an beiden Vorderbeinen Nervenschnitte bekommen hat, worüber es jetzt anscheinend Dokumente gibt.

Den Berichten zufolge sollen sie im April 2015 durchgeführt worden, aber erst am 18. August eingetragen worden sein - etwas mehr als zwei Wochen, nachdem wir ihn ersteigert hatten. Bei der Auktion selbst gab’s keinen Hinweis auf diese chirurgische Intervention, und ich glaube nicht, dass sich auch nur ein europäischer Käufer für Propulsion interessiert hätte, weil er in den meisten europäischen Ländern nicht hätte starten dürfen. Auch wir hätten auf Propulsion nicht geboten, und hätten wir bei der schwedischen Registrierung von den Nervenschnitten erfahren oder wäre er gar nicht erst für Trabrennen zugelassen worden, hätten wir das Geschäft rückabgewickelt.

Vor etwa einem Jahr kam mir die Geschichte zum ersten Mal zu Ohren, und ich erinner mich noch, dass ich laut gelacht habe, als mich ein Vertreter des STC darauf hingewiesen hat. Bei einer sofortigen Untersuchung fand mein Tierarzt keine Beeinträchtigung der Sensibilität. Damit dachte ich, die Geschichte sei erledigt. Wir haben uns spät entschlossen, ihn nochmals im Prix d’Amérique zu starten, und ebenfalls spät fiel die Entscheidung, es ein fünftes Mal im Elitloppet zu versuchen - Sie wissen, wie es ausgegangen ist.

Zwei Tage später brach für uns alle eine Welt zusammen. Ich respektiere die Vorschriften und bin der Erste, der sich für einen sauberen Sport einsetzt. Es ist uns äußerst wichtig, dass die Untersuchungen korrekt ablaufen - schließlich geht’s auch um Propulsions Ehre, dessen Erfolge nicht zu leugnen sind. Es tut mir auch leid um seine Pflegerin Ellinor Wennebring, die am Boden zerstört ist, und um den guten Namen, den der schwedische Trabrennsport hat.“