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Bilibili lässt nicht mit sich handeln

Vincennes, Sonntag, 6. Januar 2019. Spätestens an diesem Sonntag trat das Winter-Meeting von Vincennes in seine ganz heiße Phase. Was den Sulky-Pferden in einer Woche der Prix de Belgique ist, nämlich die Generalprobe für den Prix d’Amérique am 27. Januar, ist den Satteltrabern der Prix du Calvados.

Seit 2010 über 2850 Meter statt wie zuvor über 2175 Meter ausgetragen, hat die Société de Vincennes diesen 130.000er gemeinsam mit dem Cornulier und dem am 3. Februar terminierten Prix de l’Île de France wie 2018 zur „Triple couronne“ der Sattelspezialisten aufgewertet. Wer alle drei Zacken dieser dreifachen Krone gewinnt, erhält als Bonus 100.000 Euro.

Beim letzten Test vor dem mit 650.000 Euro lukrativsten Trabreiten der Welt war letztlich wie im Vorjahr Bilibili der eindeutige Herr des Verfahrens und unterstrich zugleich, dass er nach der vom 25. Februar bis 12. Oktober eingelegten Pause rechtzeitig in Schwung gekommen ist für die in 14 Tagen in Frage kommenden ganz großen Schecks. Am Ende war der Niky-Sohn, dessen Trainer Laurent-Claude Abrivard ihn rundum beschlagen laufen ließ und damit für den Cornulier noch ein Hintertürchen offen hat, in neuer Rennrekordzeit von 1:12,4 am Pfosten.

Dies allerdings war in erster Linie das Verdienst von Cornulier-Titelverteidiger Traders bzw. dessen Reiter Yoann Lebourgeois. Der nach seinem Knöchelbruch am 17. Dezember erstmals wieder in Sattel und Sulky vielleicht etwas zu früh aktive 33jährige war derjenige, der unerbittlich auf die Tube drückte, bis er mit Einbiegen in den Joinviller Bogen Bilibili endlich den Taktstock entwunden hatte. Ruhe gab der „Bürgerliche“ danach keineswegs, machte bergauf kräftig Dampf und sprengte das schmale Achterfeld. Einzig Bilibili klebte ihm rigoros am Hacken; Monté-Debütant Briac Dark führte 30 Meter dahinter den Rest an und bekam außen Besuch von Bohémian Rhapsody, die Mitte der Schlusskurve aus dem Takt geriet. Nur 200 Meter mehr hielt der von Mathieu Mottier mit aller Finesse im Hintertreffen um den Parcours lancierte Canadien d’Am durch und warf dann doch wieder das Handtuch im Galopp.

Konnte Philippe Allaire bis 200 Meter vorm Ziel auf den Sieg seines Italieners hoffen, so fehlte diesem augenscheinlich die nötige Unterstützung durch Lebourgeois. Es war ein Leichtes für Bilibili, dem Leader den Gnadenstoß´zu versetzen und um zwei Längen vorbeizumarschieren, ohne von Alexandre Abrivard ernsthaft an die Kandare genommen zu werden. Auch Briac Dark berappelte sich wieder und hätte dem müden Traders fast noch den Ehrenplatz entrissen. Zufrieden dürfte Thierry Duvaldestin mit dieser ersten Präsentation seines Schützlings im neuen Gewerbe dennoch gewesen sein: Der Start im Prix de Cornulier ist gesichert, für jenen im Prix d’Amérique - es wäre der dritte für den Prince-Gédé-Sprössling - müsste er am kommenden Sonntag im Prix de Belgique noch ein bisschen kurbeln…

„Wir sind mit den Vorbereitungen bestens im Plan, dürfen uns aber auf den Lorbeeren nicht ausruhen, wenn wir im Cornulier ans ganz große Geld wollen. Alles lief wie am Schnürchen - ich wollte ihm nach dem blitzschnellen Beginn einen Lauf im Rücken von Traders spendieren. Hätten wir den ziehen lassen, hätten wir ihn vermutlich nie wieder gesehen, deshalb bin ich im Windschatten bergauf das enorme Tempo mitgeritten. Am Ende war‘s ganz leicht. In 14 Tagen haben wir die Option, ihn rundum ohne Eisen laufen zu lassen - das werden wir reiflich überlegen“, war Alexandre Abrivard überaus zufrieden mit dem nun 1.169.600 Euro reichen Braunen.

Auch für den Runner-up war alles im Lot: „Für den Ehrenplatz müssen wir uns wahrhaftig nicht zu schämen. Er ist einer, der viel Arbeit braucht. Rundum beschlagen war das heute gut genug - das Timing für den Cornulier ist goldrichtig.“

Prix du Calvados - Monté - (Gruppe II int., fünf- bis zehnj. Stuten & Hengste)

2850 Meter Bänderstart o.Z.; 130.000 Euro

1.      Bilibili                                12,4*  Alexandre Abrivard            32

         8j.br. Hengst von Niky a.d. Quetty du Donjon von Coktail Jet

         Be / Zü: Jean-Pierre Barjon; Tr: Laurent-Claude Abrivard

2.      Traders  

3.      Briac Dark 

4.      Benjamine Gédé 

5.      Cassate  

6.      Alpha Saltor

Bohemian Rhapsody    dis.r.

Canadien d’Am            dis.r.

12,6    Yoann Lebourgeois

12,6    Matthieu Abrivard 

13,1    Eric Raffin

13,6    Adrien Lamy 

15,7    Damien Bonne 

Camille Levesque

Mathieu Mottier

24

45

270

380

260

86

290

*Rennrekord, seit über 2850m ausgetragen (2010)                       

Sieg: 32; Richter: leicht 2 - ¾ - 8 - 7 - 30 Längen; 8 liefen

Zw-Zeiten: 13,3/1350m - 12,4/1850m - 12,5/2350m

Wert: 58.500 - 32.500 - 18.200 - 10.400 - 6.500 - 2.600 (- 1.300) Euro

https://www.letrot.com/fr/replay-courses/2019-01-06/7500/5

Falcaos „Traumtor“

Falcao war von 2005 bis 2014 erst für River Plate, dann FC Porto, Atlético Madrid und AS Monaco einer der erfolgreichsten Torjäger auf hoher und höchster Ebene. Falcao de Laurma, dem vierbeinigen Namensvetter jenes charismatischen Kolumbianers, gelang es als 475:10-Underdog, im Prix de Tonnac-Villeneuve für die 2015 in Frankreich geborenen Stuten und Hengste einen der heißesten Favoriten dieses Wochenendes abzuschießen - nicht mit göttlicher Hilfe, sondern knallhart durch die Todesspur.

Neun Siege aus zehn Engagements, die Bilanz lediglich durch eine rote Karte getrübt, all jene, die ihm ans Leder wollten, zumeist mit enormer Autorität abgebürstet - wer außer der Galopphexe sollte dem vom Hamburger Kaufmann Rainer Engelke gezüchteten Face Time Bourbon am Zeuge flicken? Für 13:10 wurde der Ready-Cash-Sohn von Björn Goop schwungvoll in die 2175 Meter kurze Partie gescheucht und übernahm nach 400 Metern - da waren Fifty Kalouma, der unterm Sattel wohl besser aufgehobene Feeling Cash und Fric du Chêne bereits mit roten Karten ausgemustert - von Feliciano, dem Fly With Us, Fanina des Racques, Favorite Fligny, File Gin und Flore de Janeiro in der Innenspur folgten, das Kommando. Jene, die ihm eventuell in die zehnte Siegsuppe würden spucken können, direkt hinter sich wissend, legte Goop dennoch keinen Bummelgang ein.

Der prächtig daherkommende Falcao de Laurma, ein vor Muskeln nur so strotzender Hüne, schien in der Todesspur als Ärmster aller 14 und aus bislang 16 Auftritten lediglich zweifacher Sieger auf niederer Ebene ebenso wenig eine reale Gefahr wie Fend la Bise, Fighter Smart, Fakir du Lorault und File Gin, die in dieser Reihenfolge hinter ihm Spur zwei bevölkerten. Fend la Bise‘ zu Beginn der Zielgeraden angesetzten Endspurt konterte der Favorit lässig, ebenso Felicianos Versuch, innen durchzuschlüpfen, und Falcao de Laurma offenbarte leichte Schwächen. Dies war bei dem Uniclove-Sprössling jedoch nur eine Moment-Aufnahme, der das Gebiss noch mal annahm - und wie! Immer stärker wurde er unter Anthony Barriers dezenten Hilfen und riss den Tipp des Tages zu fast aller Verblüffung mit Halsvorsprung aus den Siegträumen. 2½ Längen dahinter verkauften sich Fakir du Lorault und Fend la Bise „zäh wie Leder“ sehr viel besser als die Armada des Monsieur Allaire: Feliciano als Sechstem ging in der Entscheidung genauso die Luft aus wie der als Achte ohne Geld heimkommenden Fly With Us.

Mit 1:12,1 egalisierte der nunmehr 169.030 Euro reiche Fuchs aus dem Quartier Thierry Duvaldestins, mit etlichen ordentlichen Gruppe-Platzierungen längst kein so unbeschriebenes Blatt war wie bei derartigen Odds zu erwarten, den 2017 von Doberman und Franck Nivard aufgestellten Rennrekord. „Natürlich war mir unterwegs etwas mulmig, als er bei dem knackigen Tempo mit der Nase im Wind ackern musste, weil uns niemand ablösen wollte. Aber da waren wir nun mal gelandet - was blieb mir anderes übrig? Auf der Zielgeraden hat er sich dann prächtig ins Zeug gelegt und ja - durchaus möglich, dass das Abnehmen der Hintereisen (die nunmehr Vierjährige durften erstmals ohne Eisen ran) das entscheidende Quäntchen ausgemacht hat“, zog Barrier Bilanz. Bei zehn der 14 Aspiranten waren zwei oder alle vier Eisen abgenommen worden; Face Time Bourbon gehörte nicht dazu.

Prix de Tonnac-Villeneuve (Gruppe II nat., vierj. Hengste und Stuten)

2175m Bänderstart o.Z.; 100.000 Euro

1.      Falcao de Laurma         12,1    Anthony Barrier                    475

         4j. Fuchshengst von Uniclove a.d. Rangoon von Capriccio

         Be: Armand Speisser; Zü: Emmanuel Lavielle; Tr: Thierry Duvaldestin

2.      Face Time Bourbon

3.      Fakir du Lorault 

4.      Fend la Bise

5.      Fanina des Racques

6.      Feliciano                                                              

7.      Fighter Smart  

8.      Fly With Us 

9.      File Gin

10.    Flore de Janeiro 

Fifty Kalouma                  dis.r.

Favorite Fligny                dis.r.

Fric du Chêne                 dis.r.

Feeling Cash                  dis.r. 

12,2    Björn Goop 

12,4    François Lecanu

12,4    Franck Anne 

12,6    Franck Nivard 

12,6    Eric Raffin 

12,7    Mathieu Mottier

12,7    Jean-Philippe Monclin

13,0    Guillermo Roig Balaguer

14,3    Franck Blandin

David Thomain

Sylvain Dieudonné

Gabriele Gelormini

Yoann Lebourgeois

13

110

550

410

210

420

260

1620

1470

1490

150

330

13

Sieg: 475; Richter: Kampf Hals - 2½ - Hals - 2 - k.Kopf - 1½  Längen; 14 liefen

Zw-Zeiten: 09,8/675m - 12,0/1175m - 13,3/1675m

Wert: 45.000 - 25.000 - 14.000 - 8.000 - 5.000 - 2.000 - 1.000 Euro

https://www.letrot.com/fr/replay-courses/2019-01-06/7500/3

Nummer acht für den „wertvollen Schweden“

Rasch erholt zeigte sich Björn Goop vom Schock der Niederlage und kühlte sein Mütchen im unmittelbar folgenden Prix de Lille für die Halbmillionäre, der über 2100 Meter wie erhofft echten Männersport bot und in ein mitreißendes Finish mündete, bei dem es auf jeden Zentimeter ankam und Mindyourvalue W.F. seinen Run durch die Vincenner Instanzen mit dem achten Treffer nahtlos fortsetzte. Fünf hatte der Hövding-Lavec-Sohn aus der französischen Abteilung Robert Berghs im vorigen Winter gesetzt, bei Nummer drei ist er heuer angekommen und scheint das Plateau de Gravelle im Gegensatz zu den engen Bahnen seines Geburtslandes geradezu zu lieben. Ein einfaches Unterfangen war es für den Wallach nicht, der zunächst an Landsmann Day or Night In nicht vorbeikam und, nachdem sich Jean-Michel Bazire mit Barrio Josselyn durch den Bogen von Joinville über Spur drei „mit Schaufel und Besen“ die Spitze gesichert hatte, kurzfristig durch die Todesspur turnen musste - mit gefährlichen Burschen wie Titelverteidiger Attacus, Ange de Lune und Abydos du Vivier im Nacken, der sich Mitte der Überseite in dritter Spur produzierte.(Foto: Jörn Finger)

Nach einem Kilometer in harten 1:09,2 hatte Mindyourvalue endlich das Sagen und tat das, was er am besten kann: unermüdlich weiter stiefeln. Während der bei 40:10 knapp auf den Favoritenschild gehobene Barrio Josselyn dem anfänglichen Kraftakt enorm Tribut zollte und als Zehnter weit außerhalb der prämierten Ränge anschlug, verdaute der Schwede den seinen sehr viel besser. Mit allem, was noch übrig war - wobei Goop mit bekannt wuchtigem Einsatz erheblich nachhalf -, hielt er Ange de Lune und die aus dem Nirgendwo heran fegenden Dragon des Racques und Sharon Gar ebenso in Schach wie Day or Night In, der, innen lange gefesselt, auf seiner Spezialstrecke erst halbwegs auf Touren kam, als die besseren Prämien vom Tisch waren. Ein erstes Ausrufungszeichen setzte beim zweiten Versuch nach fast zehnmonatiger Auszeit Bold Eagles kleiner Bruder Cash And Go, der sich mutig ins dicke Getümmel stürzte und als Sechster nicht weit entfernt von der vorderen Musike spielte.

„Ein unglaublich tapferer und mutiger Bursche. Ich musste ihn über weite Strecken bitten, doch er nahm meine Hilfen durchweg an. Riesig, was er heute geleistet hat“, strahlte Goop über seinen Partner, der für seine drei winterlichen Siege schon wieder 126.000 Euro kassiert hat.

Prix de Lille (int., Sechs- bis Zehnj., keine 505.000 Euro)

2100 Meter Autostart, 75.000 Euro

1.      Mindyourvalue W.F.       11,4    Björn Goop                           44

         6j.br. Wallach von Hövding Lavec a.d. Mind your Manners von Dahir de Prélong

         Be: Christer Englund & Jacob Markström, SE; Zü: WF Förvaltning AB; SE; Tr: Robert Bergh

2.      Ange de Lune

3.      Dragon des Racques

4.      Sharon Gar  

5.      Day or Night In 

6.      Cash And Go 

7.      Abydos du Vivier 

8.      Blooma d’Héripré

9.      Câlin de Morge 

10.    Barrio Josselyn

11.    Clif du Pommereux

12.    Captain Sparrow

13.    Coach Franbleu

14.    Chablis d’Herfraie

15.    Attacus 

11,4    Matthieu Abrivard 

11,4    Alexandre Abrivard 

11,5    Jean-Philippe Monclin

11,5    Johan Untersteiner

11,5    David Thomain

11,7    Benoît Robin

11,8    Eric Raffin

11,8    Franck Nivard  

11,8    Jean-Michel Bazire 

11,9    Damien Bonne 

11,9    Gabriele Gelormini

12,2    Yoann Lebourgeois

13,0    Jean-Pierre Thomain

13,3    Franck Ouvrie 

190

220

150

65

860

340

240

190

40

180

610

59

1740

580

Sieg: 44; Richter: Kampf Hals - k.Kopf - ½ - Kopf - ½ - 1½ Längen; 15 liefen (NS Ursa Caf)

Zw-Zeiten: 07,8/600m - 09,2/1100m - 10,8/1600m

Wert: 33.750 - 18.750 - 10.500 - 6.000 - 3.750 - 1.500 - 750 Euro

https://www.letrot.com/fr/replay-courses/2019-01-06/7500/4

Im Prix de Vic-sur-Cère für sechsjährige Europäer, die keine 215.000 Euro gewonnen hatten, wurde dem Umfeld des diesmal Alexandre Abrivard anvertrauten, als Sieger des Prix Ténor de Baune bereits für den Prix d’Amérique qualifizierten Looking Superb unter die Nase gerieben, dass dies noch lange kein Freifahrtschein zu weiteren großen Taten ist. Die Generalprobe auf den in drei Wochen heraufziehenden „Jour J“ vergaloppierte der Norweger kurz nach dem Start und war früh aus der über 2850 Meter führenden Partie. Seinen Ausfall nutzte Christian Bigeon zum siebenten Meeting-Sieg seines Lots  - im vorigen Winter hatte der 60jährige zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 20 auf der Habenseite -, der durch Dexter Chatho erst nach extrem harter Arbeit feststand. Als äußerer Anführer musste der Un-Amour-d’Haufour-Sohn sich bis zum Pfosten mit allem, was er hatte, ins Zeug legen, um den nach einem Kilometer die Regie übernehmenden und sich leidenschaftlich wehrenden Dollar Soyer in die Knie zu zwingen.

https://www.letrot.com/fr/replay-courses/2019-01-06/7500/6