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Derby wirft seine Schatten voraus

Es sind keine vier Wochen mehr, bis am 27. Juli in Berlin-Mariendorf die Derbywoche 2018 beginnt und bereits die Vorläufe zum 123. Deutschen Traber-Derby zur Austragung gelangen. Grund genug, um einen kleinen Ausblick zu wagen auf das wichtigste Rennen der gesamten Saison.

112 Dreijährige sind nach dem letzten Streichtermin am 1. Juni noch startberechtigt, davon 52 Stuten, 43 Hengste und 17 Wallache. Ob eine Vertreterin des so genannten schwachen Geschlechts die Konfrontation mit den Hengsten und Wallachen im Hauptderby sucht, wird sich spätestens am Tag der Starterangabe (20. Juli) entscheiden. Aufschlussreich ist sicher die Stuten-Abteilung des Buddenbrock-Rennens am kommenden Sonntag, denn mit Ausnahme von Isabella Boshoeve sind alle etablierten Stuten des Jahrgangs 2015 unter Order.

Besonders gespannt darf man auf das Laufen der Hagoort-Stute Avalon Mists sein, die bislang nur ein einziges Mal in ihrem Geburtsland antrat (dis.blau in der Zweijährigen-Breeders Crown). Danach egalisierte sie in Wolvega mit 1:14,0 noch den Uralt-Rekord von Sunset Lane als schnellste deutsche Zweijährige auf Sprinterdistanzen und begab sich dann in die Winterpause. Im März meldete sich die Pastor-Stephen-Tochter mit einem Probelauf in Wolvega in 1:13,3 / 2100 Meter zurück, bevor sie in Vincennes – jeweils über 2700 Meter – einen zweiten und einen fünften Platz belegte.

Im Buddenbrock-Rennen trifft Avalon Mists auf die Breeders-Crown-Siegerin Laura Vici (Michael Nimczyk), die im Stutenlauf des

 Adbell-Toddington-Rennens die favorisierte Isabella Boshoeve bezwang. Bei der Gelegenheit belegten die Steinhaus-Stuten Noelani und Natty die Plätze drei und vier, zwei Wochen später dominierten sie den Stutenlauf des Buddenbrock-Trials in Dinslaken. Bedauerlicherweise besitzen beide keine Derbynennung. Noch startberechtigt im Blauen Band sind die Lasbekerinnen Nonas Kiss und Nagama. Doch weder die Breeders-Crown-Zweite noch die „Winterfavoritin“ kommen in der laufenden Saison in Schwung.

Erstmals gegen die Jahrgangsspitze laufen im Buddenbrock-Rennen Queen for a Day und Cahaya. Der bei zwei Starts in München ungeschlagenen Halbschwester von Überflieger Orlando Jet eilt ein exzellenter Ruf voraus. Die Vollschwester von Breeders-Crown-Siegerin C’est bien gibt in Mariendorf nach einer 17er Quali in Gelsenkirchen ihr Debüt. Dion Tesselaar bringt junge Pferde in der Regel in erstklassiger Verfassung an den Ablauf. Seine erste Wahl für das Derby wird aber Isabella Boshoeve bleiben, die in der laufenden Saison bereits durch halb Europa tingelte und in vier verschiedenen Ländern am Start war, so dass ihr eine Verschnaufpause vor dem Derby sicher gut bekommt. In Vincennes verewigte sich die Ready-Cash-Tochter am 9. Juni mit 1:14,6 / 2700 Meter als schnellste deutsche Dreijährige auf der Steherstrecke.

Ebenfalls im Ausland auf das Derby vorbereitet werden die Mollema-Stute Intouchable, 2018 schon vierfache Siegerin, in Dinslaken gegen Noelani und Natty aber chancenlos, die österreichische Hoffnung Olena, mit Gerhard Mayr zuletzt vier Mal en suite nicht zu schlagen, sowie die bislang nur in Italien und dort ausschließlich auf kurzen Distanzen engagierte Pastor-Stephen-Tochter Saccarina BE, Zuchtgefährtin des Derbysiegers 2012 Dream Magic BE.

Den Jahrgangsprimus bekommt man indes tatsächlich erst zum Derby in Deutschland zu sehen, denn Mister F Daag nimmt auch seine Buddenbrock-Nennung nicht wahr. Zweijährig gewann der Conway-Hall-Sohn aus der Talentschmiede von Paul Hagoort in seinem Geburtsland die Breeders Crown und den Preis des Winterfavoriten, 2018 spielt man mit dem kapitalen Hengst ausschließlich auf den großen Bühnen in Frankreich. Nach einer 13,2-Wiederqualifikation in Wolvega belegte Mister F Daag beim Saisondebüt in Vincennes nach einem Startfehler noch Rang fünf. Fünf Wochen später bestätigte er den guten Eindruck, blieb – ebenfalls auf dem Plateau de Gravelle, diesmal in der Hand von Alexandre Abrivard – fehlerfrei und triumphierte in neuer deutscher Rekordzeit für Dreijährige auf langen Distanzen von 1:13,5 / 2700 Meter. Am Samstag wechselt Mister F Daag auf die Pariser Sommerbahn Enghien und soll sich im Prix de Berlin (70.000 Euro / 2875 Meter) weitere Reputation und den letzten Schliff für die Derbywoche holen.

Sowohl in Enghien als auch in Berlin trifft Mister F Daag auf die Dubois-Hengste City Guide und Laurel Park. Beide haben im

Frühjahr eine äußerst erfolgreiche Italien-Kampagne absolviert, bei ihren Engagements in Paris blieben sie jedoch blass. Sehr wahrscheinlich laufen in diesem Jahr vier Zuchtprodukte von Jean-Pierre Dubois im Deutschen Traber-Derby. Neben City Guide und Laurel Park erblickten nämlich auch die Nimczyk-Schützlinge Emilion und Chapter One in der Normandie das Licht der Welt. Ersterer unterlag zweijährig in der Breeders Crown lediglich Mister F Daag, 2018 gewann er zwei Mal in Gelsenkirchen, ein Adbell-Toddington-Trial und eine PMU-Prüfung. Im Adbell-Toddington-Hauptlauf scheiterte der hübsche Sam-Bourbon-Sohn an einem Startfehler. In die Bresche sprang mit einem famosen Tempolauf Chapter One, der dafür im Buddenbrock-Trial als 11:10-Favorit patzte, nachdem ihn im Rennen nach halber Distanz ein Stein traf und aus dem Konzept brachte.

Chapter Ones Ausfall nutzte Very Impressive S zu einem klaren Erfolg, der ihm nicht allzu viel abverlangte, so dass sich Cees Kamminga auch zur Teilnahme am Buddenbrock-Hauptlauf am kommenden Sonntag entschieden hat. Neben Emilion trifft der SJ’s-Caviar-Sohn dort zwei noch wenig geprüfte Trainingsgefährten von Mister F Daag, den in Dinslaken ungemein imponierenden Ids Boko und den am Bärenkamp fehlerhaften Charmeur Royal. Etwas gutzumachen hat im Buddenbrock-Rennen der Tesselaar-Schützing Fabio de Pervenche, der den gewaltigen Vorschusslorbeeren im Adbell-Toddington als Fünfter nicht entsprach. Undigious Diamant wagt am Sonntag erstmals die Konfrontation mit der Jahrgangsspitze, die der fleißige Kjeld von Haithabu bei fehlerfreiem Einsatz bislang nicht zu scheuen brauchte.

Mehr als nur ein Wermutstropfen ist der Ausfall des Lasbekers Northern Charm. Zu gern hätte man den in diesem Jahr schon in Schweden und Dänemark siegreichen Muscle-Hill-Sohn im Derby gegen Mister F Daag & Co. gesehen. Nach seiner Skandinavien-Tournee zeigte der Hengst Lahmheitserscheinungen, worauf ein komplizierter Gelenkchip festgestellt wurde, der Renneinsätze bis auf weiteres ausschließt.  

(04.7.2018 Fotos: traberpixx.de)