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Uppfödningslöpning: Tetrick Wania für Deutschland
21. November 2021

Jägersro, Samstag, 20. November 2021.  Dramatischer als das nackte Ergebnis hergibt liefen die knapp zwei Minuten im Uppfödningslöpning, Schwedens 1926 erstmals ausgetragenem und damit ältestem Zuchtrennen, ab, über dem kein günstiger Stern zu stehen schien. Erst durften Adrian Kolgjinis Kandidaten Hepburn und Urban Africa nicht mitmachen, weil sie 45 Minuten zu spät im Überwachungsstall ankamen - als „Dead-Line“ war 10.00 Uhr angeordnet, ein ähnliches Missgeschick war vor Wochen auch Sybille Tinter widerfahren.

Dann zog Johnny Takter sehr zum Verdruss von Trainer und Besitzer Henry Roergemon den Brillantissime-Sohn Custom Cheval unmittelbar vorm Start wegen Ungebärdigkeit zurück, und schließlich jagte Tetrick Wania, dem die rund fünfminütige Verzögerung zunächst nichts auszumachen schien, als haushoher Favorit und Tipp des V75-Tages Riina Rekilä, Karin Walter-Mommert und allen, die aus wett- und Sympathiegründen mit dem Walner-Halbbruder gefiebert hatten, mit einem Startfehler, der ihn aus dem Bild verschwinden ließ, einen hochprozentigen Adrenalin-Stoß durch die Adern.

Als er nach 200 Metern wieder sichtbar wurde, lag der kompakte wie muskelbepackte Muscle-Hill-Sohn rund 50 Meter hinter Global Diplomacy, die sich eingangs der ersten Kurve um Kopf und Kragen sprang, womit die Spitzenreiter-Rolle an Julia Sisu fiel. Nach 600 Metern hatte Tetrick Wania den Kontakt hergestellt, 200 Meter weiter beorderte ihn die 40-jährige Finnin in Spur drei, und was in der zweiten Halbzeit geschah, ließ selbst die einiges gewohnten Moderatoren im ATG-Studio zwischen baff und begeistert zurück.

Als habe es die unfreiwillige Zulage nicht gegeben, ließ Rekilä ihr vor acht Tagen nach Deutschland verkauftes Juwel durch die dritte Spur fliegen. 600 Meter vorm Pfosten war sie auf Augenhöhe mit Julia Sisu, weitere 250 Meter später vorbei, und noch immer war nicht Schluss mit „Onkel Wanias“ Gala, der sich ohne einen Handschlag seiner Steuerfrau auf sechs Längen von der kämpfenden Meute empfahl. Man konnte die Steine, die Riina Rekilä vom Herzen plumpsten, von Jägersro nach Deutschland und wieder zurück förmlich hören, die mühsam nach Worten rang.

Screenshot 2021-11-21 at 07-25-37 Vann överlägset – trots stor startgalopp

(Foto: travronden.se)

„Ich wusste, dass er ein unglaublicher Typ ist, ein Pferd, wie ich es noch nie in Händen hatte. Am Start musste ich ihn ein wenig korrigieren - das hat er mir wohl übel genommen und die Konzentration verloren. Ich bin überglücklich, dass wir dieses Ding für die neue Besitzerin doch noch nach Hause geschaukelt haben. Als ich ihn wieder im Trab hatte, dachte ich: Okay - so weit weg sind die Anderen nicht. Ich weiß nicht, wo seine Grenzen liegen. Talent jedenfalls hat er genug, er muss nur gesund bleiben und sich konstant weiterentwickeln.“

Was sollte Rekilä auf die in Schweden wohl unvermeidliche Frage nach einem Auftritt im Elitloppet antworten? „Natürlich - wenn alles so läuft, wie man sich das vorstellt, sind aus solchem Holz Elitloppet-Pferde geschnitzt.“

Zunächst wird er nach Aussage seiner neuen Besitzerin in die Winterruhe gehen, „und dann soll sich Michael Nimczyk mit ihm anfreunden, der ihn fortan trainieren wird. Wir lassen alles in Ruhe auf uns zukommen und werden im Januar erste Planungen vornehmen. Der Kauf war innerhalb weniger Minuten perfekt - Riina und ich, wir haben uns auf Anhieb verstanden.“

Riina Rekilä och Karin Walter-Mommert

(Foto: atg.se)

Private Messungen ergaben für den „neuen Deutschen“ auf den letzten 1.200 Meter eine Zeit von 1:11,9; vermutlich hätte er ohne den anfänglichen Aussetzer Coin Perdus seit 2016 bei 1:12,7 stehenden Rennrekord gebrochen. So sind es nur 1:13,8, mit denen der nunmehr aus sieben Versuchen fünffache Sieger in den Annalen steht. Dank der Premiechansen sind 1,4 Millionen SEK des gigantischen Kaufpreises wieder drin.

Lange durfte Hans Ulrich Bornmann mit Platz zwei liebäugeln. Erst mit dem letzten Schritt erwischte der von Robin Bakker mit einem waghalsigen Schlenker Mitte der  Zielgeraden von innen bis in die vierte Spur dirigierte und dort ungeheure Fahrt aufnehmende Monastery Boko (von Chelsea Boko) seine tapfere Kadabra-Tochter Julia Sisu, die sich die unermüdlich durch die Todesspur ackernde Jigsaw Sisu (von Walner) nicht minder knapp vom Leib hielt. Maßloses Pech hatte die auf Lasbek geborene und ins schwedische Register eingetragene Sommerbrise; hinter einer Wand von Pferden konnte sie ihre Kapazitäten nie ausspielen und blieb mit Rang sechs sehr deutlich unter Wert bezwungen.

Svenskt Uppfödningslöpning (Gruppe I nat., Zweijährige)

1640m Autostart, 1.400.000 SEK**

1.      Tetrick Wania*               13,8g  Riina Rekilä                        12

         2j.br. Hengst von Muscle Hill a.d. Random Destiny von Ken Warkentin

         Be: Karin Walter-Mommert, DE; Zü / Tr: Riina Rekilä

2.      Monastery Boko            14,5     Robin Bakker                   447

3.      Julia Sisu                       14,5     Per Nordström                 159

4.      Jigsaw Sisu                   14,5     Thomas Uhrberg            924

5.      Beat It                              14,6     Magnus Djuse                 395

6.      Sommerbrise*              14,8     Peter Ingves                       77

7.      Mr Grappa                      15,2     Christoffer Eriksson     1149

         Escada                           agh.     Markus Svedberg           307

         Global Diplomacy        dis.r.    Johan Untersteiner         125

*Vorlaufsieger

Sieg: 12; Richter: überlegen 6 - k.Kopf - Kopf - 1 - 1½ - 3 Längen; 9 liefen (NS Hepburn, Urban Africa / zu spät im Überwachungsstall; Custom Chef / wegen Ungebärdigkeit zurückgezogen)

Zw-Zeiten: 12,3/500m - 14,1/1000m - 13,6/letzte 500m

Wert: 700.000 - 350.000 - 175.000 - 87.500 - 52.500 - 35.000 SEK**

**durch die Premiechansen, für die alle Finalisten nominiert waren, werden sämtliche Geldpreise verdoppelt

Video 1: https://www.youtube.com/watch?v=WAIkk-ZgLkA

Video 2: https://www.youtube.com/watch?v=AribfXmpUaU

Maue Gulddivisionäre

Vor dem jungen Gemüse waren neun ältere Herren an der Reihe, die im Meadow Prophets Minne bis auf eine Ausnahme um Gold wenig Erbauliches zustande brachten. Vagabond Bi versäumte sich weit vor der Startmarke, Speedy Face patzte beim „Ab“, Partizan Face nach 500 Metern, Benjamin Evo ging nach 1.500 der geforderten 2.140 Meter gründlich die Puste aus, und Harran Boko unterstrich einmal mehr, dass Distanzen jenseits von 1.640 Meter ganz und gar nicht nach seinem Geschmack sind.

Screenshot 2021-11-21 at 07-38-32 Segersviten fortsätter för Mindyourvalue W F

(Foto: travronden.se)

Obwohl er über weite Strecken seinen Part an der Spitze recht gemütlich vor Mindyourvalue W.F. und Gareth Boko durchziehen durfte, weil sich außen Dragster vor  VästerboontheNews dezent zurückhielt, streckte er beim Generalangriff Mindyourvalue W.F.s zu Beginn der Zielgeraden sofort und unwiderruflich die Waffen. Genau der Bergh-Schützling war der leuchtende Stern dieser müden Gesellschaft, mit dem Björn Goop keinerlei Mühe hatte, den vierten Sieg in Folge und 21. der Karriere einzuklinken, der den bulligen Braunen auf 9.258.405 Kronen brachte.

Auch weite Reisen scheinen dem Hövding-Lavec-Sohn nichts auszumachen, denn erst am 8. November hatte er sich in Vincennes an einem 100.000-Euro-Monté - natürlich im Sturmlauf vorneweg - gütlich getan.

Meadow Prophets Minne-Gulddivisionen - (int.)

2140m Autostart, 306.500 SEK

1.      Mindyourvalue W.F.     12,1     Björn Goop                         27

         8j.br. Wallach von Hövding Lavec a.d. Mind Your Manners von Dahir de Prélong

         Be: Christer Englund & Jacob Markström; Zü: WF Förvaltning AB; Tr: Robert Bergh

2.      Gareth Boko                  12,3     Magnus Djuse                   53

3.      Dragster                         12,4     Erik Adielsson                    73

4.      VästerboontheNews    12,6     Johnny Takter                  655

5.      Harran Boko                  12,9     Per Nordström                   26

6.      Speedy Face                 13,5g  Wilhelm Paal                   183

7.      Benjamin Evo               13,9     Stefan Persson               936

8.      Vagabond Bi                 18,6g  Kevin Oscarsson             491

         Partizan Face                dis.r.    Dante Kolgjini                  632

Sieg: 27; Richter: leicht 2 - 2 - 1 - 3 Längen; 9 liefen (NS Upstate Face / Husten)

Zw-Zeiten: 08,4/500m - 11,7/1000m - 11,3/1000m - 14,5/letzte 500m

Wert: 150.000 - 75.000 - 37.500 - 19.000 - 12.000 - 8.000 - 5.000 SEK

Überhaupt keinen Geschmack konnte in der Diamant-Stoet Bruno-Cassirer-Siegerin In Style (Michael Nimczyk) dem Bänderstart abgewinnen, die bei beiden Fehlstarts wie beim gültigen „Ab“ im Galopp explodierte und die rote Karte sah. Mariendorfs Bahnrekordler Major Ass (Victor Gentz) bekam die Härten des schwedischen Bronsdivisionen-Geschäfts über 2.640 Meter zu spüren. Von der „1“ ohnehin in die Innenspur verbannt, hatte der Major beim souveränen Sieg Kurri Jari Bokos nach zwei Kilometern alle Munition verschossen und trudelte endlos abgehängt als „Bummelletzter“ ein.

V75-1 (Klass I):       Ideaal / Erik Adielsson                             104

V75-2 (Diam-Sto):   Eight Hour / Stefan Persson                     95

V75-3 (Guld):            Mindyourvalue W.F. / Björn Goop            27

V75-4 (2jähr):          Tetrick Wania / Riina Rekilä                      12

V75-5 (Klass II):      Rare Magic / Erik Adielsson                      43

V75-6 (Brons):         Kurri Jari Boko / Björn Goop                     21

V75-7 (Silver):         Rackham / Christoffer Eriksson               46

Umsatz V75: 88.137.410 SEK

1. Rang: 3.731 Systeme à 6.141 SEK

2. Rang: 82 SEK

3. Rang: Jackpot 22.915.726 SEK

Umsatz Top-7 (Klass II): 1.447.620 SEK

Zwei jeweils 11.000 Kronen wertvolle dritte Plätze gab’s für deutsche Interessen vor der Königswette durch Cora Sun und Michael Nimczyk in der Klasse bis 206.000 SEK hinter Linares/Adrian Kolgjini und dem für die Merwestaal Moerdijk antretenden Lucky Steel/Peter Untersteiner. Eine ebenso gute Figur gab Victor Gentz‘ Blizzard PS ab, der nach einer Runde Todesspur vom Favoriten Junior abgelöst wurde, mit dem Rick Ebbinge Tempomacher Crown Wise As auf der Zielgeraden leicht um zwei Längen links liegen ließ. Nimczyk kam hier mit Bavaro nie aus dem Hintertreffen weg und belegte den brotlosen siebenten Platz.

Bestens „unter Waffen“ war hingegen Stall Adamas‘ Under Armour, der mit Joakim Lövgren nach dem dritten Sieg in Folge, zugleich dem sechsten „lifetime“, um 35.000 Kronen reicher war.

Zum Malheur der beiden Kolgjinischen Zweijährigen äußerte sich Mattias Falkbåge, Equipage-Chef bei Svensk Travsport: „Für Zuchtrennen haben wir nun mal die Überwachungsställe. Natürlich wollen wir keine Nichtstarter produzieren, und es tut mit wirklich leid für Adrian, aber so sind die neuen Regeln. Leider muss es sein, wollen wir den Kampf gegen Doping ernst nehmen.“ Gestartet werden sollte der Uppfödningslöpning um 17.27 Uhr, Anwesenheitspflicht im Überwachungsstall war ab 10.00 Uhr.