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Järvsöfaks ist nicht mehr
20. Oktober 2020

(fido) Hudiksvall, Montag, 19. Oktober 2020. „In den letzten Monaten hat er immer schlechter gefressen und enorm abgenommen. Trotz aller Bemühungen seitens der Tierärzte war ihm nicht zu helfen. Es war unsere Pflicht, ihn auf die immergrünen Weiden zu entlassen“, ließ Jan-Olov Persson, nicht nur Züchter, sondern (Mit-)Besitzer, Fahrer, Trainer und - ja - auch sein Mädchen für alles, am Montagfrüh Svensk Travsport und die rennsportinteressierten Medien wissen.

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© sv.wikipedia.org

Geboren am 23. Juni 1994, sollte Järvsöfaks auf der Rennbahn Rekorde für die Ewigkeit aufstellen, worauf allerdings zu Anfang jener schillernden Karriere auch abseits der Pisten, die die Traber-Welt bedeuten, nichts hinwies. Das Produkt einer kostenlosen Bedeckung mit einem mittelmäßig vererbenden Vater - Trollfaks - wurde von Persson zu einem Spottpreis erworben und begann sein Arbeitsleben drei Jahre später am 20. April 1997 mit einem kapitalen Fehlstart: einer roten Karte, der ersten von drei (!) in seinem langen Berufsleben.

Auch in den folgenden neun Auftritten deutete nichts daraufhin, dass das stichelhaarige schwarzbraune Kraftpaket zum Aushängeschild seiner in Finnland, Norwegen und Schweden gezüchteten Rasse werden würde. Gerade mal zwei Siege und je einen zweiten und dritten Platz brachte er, dem später die Fans zu Füßen liegen sollten, zustande - bis der Knoten gewaltig platzte. Bei den nächsten 24 Versuchen landeten er immer auf einem der ersten beiden Ränge - 18 Mal ganz vorn. Es sollte der überaus nachdrückliche Hinweis sein, dass ihm etwas Einzigartiges blühen könnte, und diese Hoffnungen erfüllte der Liebling der Massen aufs I-Tüpfelchen.

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Seine 48 V75-Siegerschleifen dürften ebenso unerreicht bleiben wie die 42 Volltreffer in Folge, die er vom 3. April 2003 bis 21. April 2005 landete, nachdem er bereits vom 9. Juni 2001 bis 13. März 2003 33 Siege am Stück eingerannt und Ina Scots noch immer gültigen „warmblütigen“ Serienrekord für Schweden um zwei Zähler überboten hatte. „Time to say Goodbye“ hieß es am 28. Dezember 2009 - tatsächlich unter den hymnischen Klängen von Sarah Brightmans und Andrea Bocellis Ohrwurm.

Die Ehre, seinen 234. und letzten Start erleben zu dürfen, wurde dem kleinen Romme zuteil. Bei klirrender Kälte und Schneebahn wurde all jenen, die live vor Ort oder am Bildschirm dabei waren, ein letztes Mal warm ums Herz, als der Wonneproppen - natürlich mit Jan-Olov Persson im Sulky - die letzte Runde seines Rennpferde-Lebens vorneweg unter den Klängen eines eigens für ihn komponierten Liedes („Tack for all, Järvsöfaks!“) in Angriff nahm und sie wie so oft mit einem Vorsprung von „många längder“ unter Hipp-Hipp-Hurra-Rufen des Kommentators beendete. Zum 201. Mal als Bester seines Rudels.

Am 12. Juli 2005 in Gävle schraubte er den noch heute gültigen Weltrekord für Kaltblüter auf 1:17,9, wurde von 1998 bis 2009 ununterbrochen zu Schwedens Kaltblüter des Jahres gekürt, und wer sich die Siegerliste der Kaltblüter-Meisterschaft ansieht, könnte meinen, von 1999 bis 2009 hätte es außer ihm keine andere herausragende Breitnase gegeben. Nur 2004 prangt sein Name in dieser Ära nicht auf der Siegertafel: In jenem Jahr kämpfte er statt in Bergsåker in seiner Boxe um sein Leben, das nach einer Infektion mit der heimtückischen Baron-Gruff-Krankheit oder X-Disease auf der Kippe stand.

Diesen Kampf überstand der Knubbel mit der Wuschelmähne ebenso wie einen Sehnenschaden und eine Gaumensegel-Operation und kehrte immer wieder in alter Stärke auf die Bahn zurück - als Stehaufmännchen und Botschafter des schwedischen Trabrennsports sondergleichen.

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Wegen seiner überragenden Klasse durfte er nie am stets sehr stimmungsvollen Kaltblüter-Vergleich jener Jahre während des Vincenner Winter-Meetings teilnehmen, doch ließen sich die Pariser nicht lumpen: Als offizieller Anführer der schwedischen Equipe posierten er und Persson vorm und um den Eiffelturm ebenso, wie sie in einer Fernsehshow auftraten oder bei der Gala-Show des Pferdes im Stockholmer Johanneshov. Beide paradierten - Persson in der Uniform der königlichen Wache - vor dem Stockholmer Stadtschloss. Nicht zuletzt zog „Faksen“, den in jenen Jahren jedes am Trabrennsport in Schweden auch nur einigermaßen interessierte Kind kannte, die Hochzeitskutsche für Persson und seine Braut.

In seiner Heimat Hudiksvall bzw. Hagmyren ist eine öffentliche Straße nach ihm benannt sowie auf dem dortigen „Walk of Fame“ in der Gågatan ein Stern für ihn eingelassen. Eine Järvsöfaks-Ehrentafel gibt’s auf dem Liseberg von Göteborg: Dort steht sein Name neben solch prominenten wie Michael Jackson, Luciano Pavarotti, Björn Borg.

In der Zucht war der Hengst enorm begehrt. Die letzten seiner 759 ins schwedische und 425 ins norwegische Register eingetragenen Nachkommen kamen 2015 zur Welt. Mit jenem Jahr verzichtete Persson auf die Deckarbeit, weil Faksen an starken Hüftschmerzen litt „und er sich nicht quälen sollte beim Decksprung.“ Erfolgreichster seiner Nachkommen ist bislang Hallsta Lotus, der als zweiter kaltblütiger Schwede den Zehn-Millionen-Kronen-Hügel erklomm; am 14. August 2015 ging er nach 195 Versuchen mit 75 Siegen und 10.015.436 Kronen Gage in Rente.

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So viel er für seine Besitzer eingetrabt hat, so wenig konnte man am Wettmarkt auf Järvsöfaks ernten. 154 Mal notierte er am Toto 1,20 oder darunter; 46 Mal gab’s lediglich 1,00 Kronen für 1 Krone Einsatz zurück. Die höchsten Odds wurden am 24. August 1997 in Hagmyren (6,22), am 6. August 1999 in Östersund (4,95) und am 7. Juli 1998 in Bollnäs (4,60) notiert, also zu Beginn seiner Laufbahn; ganze fünfmal kehrte „Faksen“ ohne Futtergeld in den Stall zurück.

An diesem Montag ist das letzte Kapitel vom Märchen des „König vom Hälsingland“ vollendet worden; in der Hall of Fame Schwedens hat er längst seinen festen, immerwährenden Platz bezogen. Vielleicht gibt’s ja noch einen Epilog, verewigt ihn Schwedens Reichspost auf einer ihrer Briefmarken. Diese Ehre ist bei den Trabern bisher allein dem nicht minder charismatischen Victory Tilly zuteil geworden.

Ein Järvsöfaks-Porträt von Travronden: https://www.youtube.com/watch?v=KGSWzKwYq7g