(dk) In den Erbacher Wiesenmarkt, der als größtes Volksfest in Südhessen gilt und jährlich Ende Juli in der Kreisstadt im Odenwald über zehn Tage als nicht nur regionaler Publikumsmagnet gilt, ist traditionell in unmittelbar angrenzender Nachbarschaft zum Festplatz eine ländliche Veranstaltung eingebunden, die eine gemischte Karte von Trab- und Galopprennen bietet.
Die an diesem Samstag bei besten äußeren Bedingungen ausgetragenen insgesamt sieben Rennen (viermal Trab mit jeweils 3.200 Euro Dotation sowie dreimal noch höher dekorierte Galopprennen) verfehlten ihren Reiz neuerlich - zumindest auf Seiten der Zuschauer - nicht und waren an den Rails der Zielgeraden von Besucherscharen gesäumt, die sich gleich in mehreren Reihen dicht an dicht tummelten.
Auf Seiten der Aktiven mit den im Zweitakt diagonal Gleichfußenden machte Johanna Plankl den Auftakt, als sie mit dem familiären Eigengewächs Lots of Love den in der ersten Gegenseite an die Spitze gestrebten Favoriten Negresco (Marisa Bock) mit Erreichen der Zielgeraden dermaßen unter Druck setzte, dass dieser mit einem Fehler reagierte, woraufhin sie ihrem Schützling beim 47. Lebensstart endlich zum ersten vollen Erfolg verhalf, der sich vor zwei Wochen in Saarbrücken unter ähnlichen Bedingungen mit einem Ehrenplatz allerdings schon angekündigt hatte.
Überhaupt läuft es für die Amazone in diesem Jahr blendend, markierte der heutige Treffer nach Siegen in Magdeburg und Drensteinfurt doch bereits ihren dritten Punkt in der laufenden Saison, nachdem sie zuvor zwei Jahre sieglos geblieben war.
Im Rennen der besten Tagesklasse kam der Franzose Gamichel Ludois mit seiner Besitzerin Marion Dinzinger so gut um den teilweise tückischen Kurs wie kein anderer Traber an diesem Tag. Denn während den Favoriten Di Ospeo (Jochen Holzschuh) wie auch Teatox (Marisa Bock) der offensichtlich neuralgische Punkt der Linienführung im Scheitel des unteren Bogens jeweils zum Verhängnis wurde, als der Böker-Vertreter nach 800 Metern in Front dort aus dem Tritt geriet sowie exakt eine Runde später nachsprang und der Wieserhofer an dieser Stelle gut 400 Meter vor dem Ziel entscheidend patzte, als er den bei 111:10 gehandelten, gewinnreichsten Starter der gesamten Tageskarte unter Druck setzen wollte, zog der nach Di Ospeos erstem Fehler im zweiten Bogen ins Kommando gestrebte Gamichel Ludois seinen Stiefel ohne auch nur einen falschen Schritt konsequent durch.
Das führte schlussendlich zum ersten Erfolg des zehnjährigen Rieussec-Sohn für und mit seiner engagierten Besitzerin, die mit ihm beim »White Turf« in St. Moritz im Februar mit zwei Ehrenplätzen sowie einem vierten Rang schon für deutsche Verhältnisse ordentlich Kasse gemacht hatte.
Das mit Abstand laufgewaltigste Pferd des dritten Trabrennens hatte Marisa Bock mit Marie Lindingers Indy zur Hand, der sich folgerichtig trotz eines sehr verhaltenen Starts nicht stoppen ließ und der auch noch durch einen Fehler im ersten Bogen gehandicapten Lady Nele (Jochen Holzschuh) bei deren finaler Attacke die eiskalte Schulter zeigte.
Der 25. Karriere-Treffer (beim 98. Lebensstart) des schon vor Jahresfrist das Trabreiten des Odenwälder Rennverein Erbach beherrschenden Gino kam indes einem Spaziergang gleich.
Ronja Walter - Deutschlands Abonnement-Championesse im Monté und diesem Jahr weiterhin mit einem außerordentlichen Sieg/Start-Koeffizienten unterwegs - konnte mit dem Gramüller-Schützling, der für das Team Lila aus München ein Doppel perfekt machte, an der Spitze bis in die letzte Gegenseite beinahe das Tempo eines gemütlichen Waldspaziergangs vorlegen, bevor sie sich von dem nach allein 27 Galoppsprüngen um die letzte Ecke herum nachträglich aus der Wertung genommenen Fon Baron (Marisa Bock) und dem dadurch in den Genuss des Ehrenplatzes kommenden Julnick Shark (Carlin Swann) die Butter nicht einmal mehr ansatzweise vom Brot nehmen ließ.
Da sich Alina Schubert mit den jeweils von ihr selbst vorbereiteten Subway Sufer, Tabularasa und Comedy La Vega gleich auch noch alle drei Galopprennen der Veranstaltung sicherte, waren die Siegerparaden der diesjährigen Erbacher Rennveranstaltung ausschließlich Frauensache.





