Der erste Weltrekord in Europa
1:07,1! Der Europarekord von 1:08,0, aufgestellt von Horsy Dream im Elitloppet 2024, wurde pulverisiert. Auch der absolute Weltrekord von 1:07,6, seit 2018 gehalten vom Amerikaner Homicide Hunter, fiel am Sonntag kurz vor 18 Uhr. Bemerkenswert ist, dass diese Zeit auf der „Red Mile“ in Lexington erzielt wurde, einer wahren Rekordfabrik.
Der Weltrekord über 1.000 Meter, der Länge des Ovals von Solvalla, lag bei 1:07,7 und wurde von Sebastian K. während seiner Zeit in den USA aufgestellt. Er hatte ihn im Juni 2014 in Pocono Downs erzielt. Novum: Zum ersten Mal in der Geschichte des Trabrennsports wurde der Weltrekord nicht auf einer nordamerikanischen Bahn, sondern in Europa aufgestellt.
Nicht zu hoch gepokert
Hinter Eagles Rising AB, dem Besitzer von Allegiant, steht der einstige Pokerprofi Tobias Persson, der die Stute im Dezember 2024 auf einer gemischten Auktion in Ohio für 925.000 US-Dollar erwarb. Allegiant hatte bis dahin bereits 1.043.347 US-Dollar verdient und eine Bestzeit von 1:08,5 erzielt. Zu ihren US-Erfolgen zählten die in der Breeders Crown Final (600.000 US-Dollar) und den Matron Stakes (146.050 US-Dollar).
Nachdem Tobias Persson Allegiant im vergangenen Jahr Daniel Redén für Rennen in Schweden anvertraut hatte, gewann sie ihre ersten fünf Starts in der neuen Heimat und war bis zu diesem Sonntag ungeschlagen. Am Sonntag erlebt sie sowohl ihre erste Niederlage in Schweden (sie wurde Vierte in ihrem Vorlauf) als auch ihren größten Sieg.
Anders Malmrots emotionale Reaktion
Letztes Jahr war Anders Malmrot noch Manager des Elitloppets, bevor er als Berater zum Stall Zet von Daniel Redén wechselte. Überglücklich zeigte er sich nach dem Finale auf dem Rücksitz des Golfwagens, der ihn zurück zu den Ställen brachte: „Es ist unglaublich. In Schweden antwortet man auf die Frage nach dem unvergesslichsten Elitloppet-Erlebnis oft mit Bold Eagles Ausscheiden 2017, aber jetzt wird jeder über 2026 und das, was wir gerade erlebt haben, sprechen. Es ist absolut unglaublich. Allegiant ist genau die Art von Pferd, mit der Daniel zu tun hat: Er bereitet sie perfekt vor, nimmt ihr die Hufeisen ab und legt ihr für das Finale einen Zugzaum an.“
„Ich kann meine Gefühle nicht beschreiben, weil sie unbeschreiblich sind. Stellt euch vor: 1:04,7 für die ersten 500 Meter, dann 1:06 für die ersten 1000 Meter – und das mit einer fünfjährigen Stute! Ich habe größten Respekt vor Daniel Redén, der den perfekten Plan entwickelt hat, um uns dahin zu bringen, wo wir heute sind. Es ist meisterhaft. Es grenzt an Perfektion.“
Auch Jörgen Westholm hochzufrieden
Wie sein Kollege Daniel Redén trat auch Jörgen Westholm mit zwei Pferden im Finale an: mit dem fünfjährigen Dream Mine und dem siebenjährigen Jobspost. Zurück im Stall wurde er von allen Seiten für den zweiten Platz des jüngeren Pferdes in der herausragenden Zeit von 1:07,3 und den vierten Platz des älteren Pferdes in 1:07,6 beglückwünscht.
„Ich bin sehr stolz auf die Leistung meiner Pferde in dieser historischen Ausgabe des Elitloppet!“, sagte er. „Es ist fantastisch, sie bei einem so wichtigen Rennen auf den Plätzen zwei und vier zu sehen. Auf der Zielgeraden dachte ich kurz, Dream Mine würde Allegiant überholen, aber sie war einfach besser. Ich wusste, dass meine Pferde bestens auf dieses Rennen vorbereitet und in Topform waren. Danach ist es immer schwer vorherzusagen, wie sich die Dinge entwickeln. Aber beide haben abgeliefert.“
Jörgen Westholm hat bereits die nächsten Schritte im Programm seines jungen Champions Dream Mine im Blick: „Er wird im Juni und Juli eine Pause einlegen. Vor dem Start beim Jubileumspokalen im September wird er ein Comeback geben. Danach beginnt die Vorbereitung auf das Wintermeeting in Vincennes mit dem Prix Ténor de Baune als erstem Ziel. Die große Bahn in Vincennes wird ihm gefallen.“
Bittere Enttäuschung im französischen Lager
Idao de Tillard, der sich mit dem vierten Platz im Vorlauf nur knapp für dieses historische Finale qualifiziert hatte, war praktisch nicht zu sehen. Der zweifache Gewinner des Prix d'Amérique galoppierte, noch bevor das Rennen überhaupt gestartet war. „Das Pferd war im Finale nicht in Bestform, nachdem es sich im Vorlauf nur mit Mühe durchgekämpft hatte, als Clément ihn ganz am Ende noch in eine Lücke zwängte“, kommentierte sein Trainer Thierry Duvaldestin und fügte hinzu: „Wenn wir wieder eingeladen werden, sind wir wieder dabei.“
Inexess Bleu, der sich im zweiten Vorlauf qualifiziert und trotz Startplatz 7 hinter dem Auto den dritten Platz belegt hatte, wurde im Finale schnell abgehängt und fand sich am Ende des Feldes wieder, eine Position, die er bis zu seinem Ausrutscher in der letzten Kurve nicht mehr verlassen konnte. „Wie befürchtet, hat er sich nicht angepasst“, kommentierte sein Trainer Laurent Abrivard. „Dafür ist er ein zu schwacher Beginner.“
Die französische Dominanz im Elitloppet, die von 2022 bis 2025 (Etonnant, Hohneck, Horsy Dream, Go On Boy) scheinbar unangreifbar war, fand ein jähes Ende.
Etwas positives hatte der Elitloppet für die Grande Nation dann doch, insbesondere für deren Züchter, die durch ein Losverfahren in den Deckperioden 2025 und 2026 an die jeweils 150 Samenportionen von Tactical Landing gelangten. Die ersten französischen Tactical-Landing-Nachkommen erblicken in diesen Wochen das Licht der Welt.
Daniel Redén und Örjan Kihlström an der Spitze
Trainer Daniel Redén feierte am Wochenende in Solvalla fünf Siege (drei am Samstag und zwei am Sonntag), vier davon mit seinem Stammfahrer Örjan Kihlström. Der 64-Jährige ist trotz wiederkehrender Rückenprobleme weiterhin in Topform. Am Sonntag gewann er seinen fünften Elitloppet. Er hätte sogar sechs Siege errungen, wäre ihm 2020 nicht aufgrund einer Neurektomie der Titel bei Propulsion aberkannt worden. Was soll man da noch sagen, wenn „Iceman“ dieses Mal verkündet: „Das ist der größte Sieg meiner Karriere“? Nichts.
Daniel Redén, nun zweifacher Elitloppet-Sieger, konnte zudem mit Paul Philippe Ploquin im Sulky den Sieg seines Don Fanucci Zet in seinem Vorlauf feiern. Der Trainer führte die Rangliste des Wochenendes mit einem Preisgeld von 6,79 Millionen Schwedischen Kronen. Er lag vor Jörgen Westholm (3,76 Mio.), dessen zehn Starter alle eine Prämie erhielten, darunter Dream Mine als Zweiter im Elitloppet, und Alessandro Giocciadoro (4 Siege und 3,3 Millionen).
Redén zertrümmert TV-Gerät
Daniel Redén sah sich das Finale am Bildschirm in seinem Stall an - in Schweden und auch Frankreich in Anbetracht der professionellen Bilder nicht ungewöhnlich. Später erzählte er, er hätte nach dem ersten Kilometer in 1:06 bereits resigniert. „Es war schlicht unmöglich, dass das gut gehen würde. Mir war klar, dass die Stute einbrechen würde. Ich war wütend und emotional, schlug mit der Faust gegen den Bildschirm, der sofort schwarz wurde, drehte mich ab und beschäftigte mich gedanklich schon mit dem nächsten Rennen. Ich ging zur Bahn vor, wo ich meine jubelnden Mitarbeiter sah. Von den letzten 500 Metern erlebte ich genau noch zehn live, um zu realisieren, was passierte. Der Besitzer muss mir einen neuen Fernseher kaufen...“
Video: https://www.facebook.com/reel/1503473704589675
Weniger Zuschauer, niedrigere Umsätze
Mit 12.427 Besuchern am Samstag und 14.352 am Sonntag (die niedrigste Zuschauerzahl seit 1975) waren die Besucherwerte 2026 enttäuschend. Dennoch ist die Atmosphäre in Solvalla nach wie vor unvergleichlich. Björn Goop, der herausragende Fahrer des Wochenendes mit drei Gruppe-I-Siegen, fasste seine Eindrücke gegenüber Travronden so zusammen: „Die Stimmung war von Anfang bis Ende unglaublich festlich.“
Der erhoffte Aufschwung für die umstrittene V85 blieb am Sonntag aus. Der Umsatz war deutlich niedriger als die vergleichbaren Wetten auf die alte V75 im Jahr 2025 (73.868.153 SEK gegenüber 82.579.372 SEK). Dieser starke Abwärtstrend bei Schwedens beliebtester Glücksspielart deutet auf einen allgemeinen Rückgang der Umsätze hin.
Auf Moni Makers Spuren
Seit Moni Maker im Jahr 1998 konnte keine Stute mehr den Elitloppet gewinnen. 28 Jahre später hat Allegiant diese Lücke geschlossen – eine weitere amerikanische Stute, die mittlerweile in Schweden lebt und zudem im gleichen Alter von fünf Jahren siegte. Es gab eine Zeit, da gewannen Stuten den Elitloppet recht häufig, auch im Alter von fünf Jahren, wie beispielsweise in den 1960er-Jahren mit Ozo, Elma, Roquépine und Eileen Eden.
Eine Hommage an Moni Maker und Varenne
Im Zusammenhang mit Allegiants Erfolg fällt immer wieder ein Name: der der legendären Moni Maker (v. Speedy Crown). Sie ist nach wie vor die gewinnreichste Stute in der Geschichte des Trabrennsports, deren Einnahmen Anfang der 2000er Jahre ihren Höhepunkt bei 5.590.000 US-Dollar erreichten.
1998 absolvierte Moni Maker die Meile in Solvalla in 1:10,6 und war damit die erste Finalsiegerin, die die 1:11-Marke unterbot und den Rekord von Cocktail Jet (1996 1:11,4) brach. Allegiant zollt ihrer Vorgängerin Tribut, indem sie als erste die Meile in unter 1:08 zurücklegte (1:07,1) und damit ein anderes französisches Pferd, Horsy Dream (2024 1:08,0), entthronte.
Gleichzeitig ist es eine Hommage an Varenne, den Großvater mütterlicherseits ihres Vaters Tactical Landing, der Anfang der 2000er-Jahre zweimal den Elitloppet gewann und damals den Rennrekord auf 1:10,2 verbesserte. Ein Vierteljahrhundert später war die Siegerin drei Sekunden schneller!
Die amerikanische Ära
Allegiant wurde als Jährling in den USA für 50.000 US-Dollar verkauft. Sie ist das 14. Fohlen der Stammstute Too Good For You (v. Yankee Glide) und bereits das zwölfte ihrer Nachkommen, das Rennen gewonnen hat. Die anderen elf Fohlen haben zusammen 2,65 Millionen US-Dollar verdient, darunter ein halbes Dutzend erfolgreicher Rennpferde, allen voran Beer Budget und Shape Shifter, die beide das Ontario Sire Stakes Super Final gewannen.
Allegiants damaliger Besitzer war der Amerikaner Ryan W. Smith, für den sich die Tochter von Tactical Landing schnell unter den Elitestuten ihres Alters etablierte. Sie gewann unter anderem den Breeders Crown für dreijährige Stuten sowie die Matron Stakes und belegte den dritten Platz in den Hambletonian Oaks.
Bereits am Ende ihres dritten Lebensjahres war sie Millionärin und wurde zur „Dreijährigen Stute des Jahres“ gekürt. Nach diesem Erfolg wurde sie auf der North American Standardbred Mixed Sale in Ohio zum Verkauf angeboten. Sie stieß auf großes Interesse und wurde schließlich für 925.000 US-Dollar dem schwedischen Unternehmen Eagles Rising AB zugeschlagen.











