Der Elitloppet 2026 begann formgemäß und eher unspektakulär mit dem Start-Ziel-Erfolg von Don Fanucci Zet in bewährter Hand von Paul Philippe Ploquin, der am Ende allerdings am seidenen Faden hing, als der halb so alte Dream Mine mit Mats Djuse heranstürmte, gegen den 1:09,4 zulegenden Zehnjährigen aber zu spät kam. Für den Finalsieger von 2021 war es der insgesamt dritte Vorlauferfolg im Elitloppet.
Stark lief durch die Todesspur Diva EK mit Alessandro Gocciadoro, die bis zuletzt dicht dabei blieb, worauf Idao de Tillard hinter dem Piloten in der Falle saß und Clément Duvaldestin in einem Akt der Verzweiflung in die viel zu enge Lücke zwischen Don Fanucci Zet und Diva EK zu stoßen versuchte.
Ob er nur dadurch Vierter wurde und Borups Victory knapp aus dem Finale warf, bleibt Spekulation. Die Stewards ließen den zweifachen Amérique-Sieger nach Überprüfung jedenfalls in der Wertung. Dass Duvaldestin für das riskante Manöver straffrei blieb, verwunderte allerdings.
Mit 1:08,7 deutlich schneller war der 2. Vorlauf. Dafür verantwortlich war in erster Linie Dexter Dunn, der mit Gio Cash für den ersten Kilometer glatte 1:09 vorgab, in zweiter Linie Alexandre Abrivard, der mit Inexess Bleu früh die Flucht nach vorne antrat und die Pace neben dem Piloten nicht abflauen ließ.
Gio Cash, den die Wetter etwas überraschend zum 28:10-Favoriten auserkoren hatten, erreichte noch als Erster den Einlauf, doch wurde dann nicht nur der Druck von Inexess Bleu immer massiver, weiter außen kreuzten auch Go On Boy und Jobsppost auf. Als der deutsche Rekordhalter schließlich die Innenkante preisgab und nach außen driftete (10.000 Kronen Geldbuße für Dexter Dunn), kam, was kommen musste. Gio Cash ging im Galopp aus dem Finale.
Nur dadurch gelangte übrigens die innen eigentlich hoffnungslos eingemauerte Allegiant, die Örjan Kihlström in die offene Passage bugsierte, in das Finale – was noch Folgen haben sollte. Für die Fünfjährige war es nach fünf Siegen übrigens die erste Niederlage in Europa.
Bei der Startplatzauslosung für das Finale blieben für die Vorlauf-Vierten naturgemäß nur die Nummern 7 und 8. Da beide jedoch geschont aus den Qualfiern kamen, standen sie am Wettmarkt mit 89:10 (Allegiant) und gar nur 38:10 (Idao de Tillard) eher kurz.
Während Idao de Tillard mit der Außennummer gar nichts anzufangen wusste und weit vor der Startmarke Galopp ging, brannte Örjan Kihlström ein wahres Feuerwerk ab, machte der Tactical-Landing-Stute richtig Beine und riss zur allgemeinen Verblüffung noch vor dem Bogen die Spitze an sich.
Doch dabei beließ es der Iceman nicht. Erste 500 Meter in wahnwitzigen 1:04,7, den Kilometer in 1:06, stets mit Längen voraus. Doch konnte das gut gehen? Fragte man sich spätestens im Schlussbogen, wo Allegiant aber immer noch klar führte und keiner der wenigen Verfolger entscheidend näher kam.
Es ging gut, sehr gut sogar. Allegiant hatte für die finalen 500 Meter nochmal 1:08,2 in petto. Örjan Kihlström, den in den Wochen vor dem Elitloppet immer wieder seine chronischen Rückenbeschwerden plagten und der einige Renntage sausen ließ, spürte den großen Moment und legte sich früh für die Fotografen zurecht.
Knappe zwei Längen verteidigte Allegiant von ihrem großen Vorsprung, und das für’s Auge sehr souverän. Sollten die Zwischenzeiten gestimmt haben, war zumindest ein neuer Rennrekord fällig, den Horsy Dream vor zwei Jahren mit 1:08,0 aufgestellt hatte.
Video: https://www.youtube.com/watch?v=uNPzKWgIRHU
Allegiant pulverisierte nicht nur diese Marke, sondern auch gleich noch den Weltrekord. Acht Jahre hielten die 1:07,6, die Homicide Hunter 2018 auf der Roten Meile von Lexington im US-Bundesstaat Kentucky trabte. Die sind seit diesem historischen Sonntag nur noch Makulatur. Allegiant war mit 1:07,1/1609 Meter gleich eine halbe Sekunde schneller.
Unter der alten Marke blieben auch Dream Mine, neben der Siegerin der zweite Fünfjährige im Feld, der sich wie im Vorlauf exzellent verkaufte und ebenso 1:07,3 trabte wie Go On Boy. Beide werden jetzt – zumindest in Europa – als schnellste Hengste der Welt geführt (in den USA gelten nur Siegrekorde).
Jobspost und Don Fanucci Zet egalisierten als Vierter und Fünfter den Weltrekord von Homicide Hunter. Aber alle, auch die Schlusslichter Diva EK und Idao de Tillard sowie der in der letzten Kurve am Ende springende Inexess Bleu, hechelten von Beginn an nur der sensationellen Allegiant hinterher.
Einer hatte es geahnt: Trainer Daniel Redén, der nach Don Fanucci Zet 2021 seinen zweiten Elitloppet-Sieger stellte (für Kihlström war es der fünfte), trug schon zu Beginn des Renntags ein Basecap mit der Aufschrift: „ALLEGIANT - no limit - no mercy“.
Begonnen hatte die denkwürdige Veranstaltung traditionell mit dem Speedrace, bei dem in drei 640-Meter-Vorläufen zunächst die drei Finalisten ermittelt wurden, die unmittelbar danach auf der halben Bahnrunde gegeneinander antraten. Der elfjährige Beartime besann sich beim 126. Lebensstart seiner Qualitäten – sein größter Erfolg war Platz drei im Paralympiatravet 2024 – und ließ sich mit seinem Stammfahrer Carl-Johan Jepson in inoffiziellen 1:05,4 nicht die Butter vom Brot nehmen, wogegen sich seine beiden Kontrahenten Chapuy und Phoenix Photo im Finale solange duellierten, bis beide sprangen.
Eine faustdicke Überraschung setzte es danach in den Montéeliten. Nicht die mit den französischen Top-Reitern Alexandre Abrivard und Paul Philippe Ploquin favorisierten Hannah und Enaoz eroberten den 300.000-Kronen-Scheck für den Sieg, sondern der SJ’S-Caviar-Sohn Steady Victory, bei dem Conrad Lugauer Besitzer und Trainer in Personalunion ist.
Der hatte mit Emilia Leo eine Könnerin ihres Fachs verpflichtet, die mit dem zuvor nur einmal (bei einem Intermezzo in Frankreich) unter dem Sattel gelaufenen Wallach vom äußersten Startplatz 10 resolut das Kommando übernahm, das Tempo immer hoch hielt und schon im Schlussbogen nur noch die beiden französischen Kollegen direkt hinter sich wusste.
Während der Gocciadoro-Vertreter seine Chancen Mitte des Einlaufs versprang, rückte Hannah auf den letzten Metern immer dichter an Steady Victory heran, erreichte den 374:10-Außenseiter aber nicht mehr.
Das dicke Ende kam während der Siegerehrung, als die Siegerzeit auf 1:09,6/1640 Meter korrigiert wurde. Damit verbesserte Steady Victory den bis dato gemeinsam von Dreambreaker, Be Mine de Houëlle und Florida Sport gehaltenen Monté-Weltrekord um zwei Zehntelsekunden.
Wacker hielt sich übrigens der Holländer Moonshine Meadow (Luca van Toor), über dessen bloße Teilnahme schon geunkt worden war, nachdem der Wallach am 1. Mai in Gelsenkirchen nur bis in den ersten Bogen kam, bevor er wegen unreiner Gangart disqualifiziert wurde. Auf dem Linkskurs von Solvalla machte der Regio-Sohn keinen falschen Schritt und wurde als Fünfter in 1:11,2 mit einem schönen Platzgeld belohnt.
In den Amatöreliten zählte für deutsche Teilnehmerin Romina Geineder – wie bereits im Vorfeld befürchtet worden war - am Ende dann doch nur der olympische Gedanke. Zwar war die Niederbayerin am Start hellwach und brachte den 561:10-Außenseiter Cab Mystery blendend ab, konnte die Todeslage dennoch nicht verhindern und saß praktisch nach einer Runde schon hinter einem geschlagenen Pferd, das im letzten Bogen entkräftet sprang.
Gewonnen hätte die Partie um ein Haar Geineders holländischer Kollege Yanick Mollema, der mit dem Untersteiner-Schützling Due Due im Speed gegen den vom Fleck weg führenden Dencos D.T. (1:11,3/1640 Meter) in der Hand des Schweden Niclas Benzon aber wenige Schritte zu spät kam.
Die nächste Überraschung gab es bei den Elitkampen, für die fast zwei Millionen Kronen, umgerechnet rund 182.000 Euro, ausgeschüttet wurden. Stallone sollte nach zwei Ehrenplätzen im Elitloppet der Kaltblüter endlich der große Wurf gelingen, doch trat der 29:10-Favorit mit Santtu Raitala von der Pole Position nicht gut genug ein, landete zunächst im Mittelfeld und drang mit seinem Schlussangriff nur bis auf Rang fünf durch.
Besser machte es der ebenfalls aus dem Quartier von Antti Ojanperä stammende Pro, für den erstmals Björn Goop verpflichtet worden war. Der vielfache schwedische Champion installierte den neunjährigen ausgangs der ersten Kurve an der Spitze und ließ in 1:19,3/1640 Meter nichts anbrennen.
Alle Ergebnisse: https://sportapp.travsport.se/race/raceday/ts616364/results/all













