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Aller guten Dinge sind drei für Mon Etoile

Was für ein Finish! In einem spannenden Finale sicherte sich Andre Pögel seine erste deutsche Amateurmeisterschaft und gewann mit der familieneigenen Mon Etoile das Finale knapp vor Montecore Mo und Christoph Pellander, die den Titel denkbar knapp verpassten. In ihrem dritten Finale ging Mon Etoile erstmals glatt und gewann sofort!

Bei idealen äußeren Bedingungen und bestem Frühsommerwetter traten in drei Vorläufen insgesamt 23 Pferde gegeneinander an. Ausgerechnet im ohnehin dünn besetzten dritten Vorlauf gab es zwei Nichtstarter, mit Obelix Diamant und Sire de la Creuse fehlten zwei von sieben Pferden. Obwohl hier Pferde ab 20.000 Euro Gewinnsumme ohne Beschränkung nach oben angesprochen waren, hatte schon das Nennungsergebnis in dieser Klasse zu Sorgen Anlass gegeben, die sich bei Starterangabe und schließlich Start ab bestätigten. Was an Quantität fehlte, war aber an Qualität mehr als ausreichend vorhanden – Montecore Mo, Wild Viking, Popeye Diamant, Helios und der gewinnreiche Ricmic de Val fanden sich hinter dem Startwagen ein.

Dr. Marie Lindinger und Wild Viking sicherten sich zeitig das Kommando, während Popeye Diamant bereits vor der Startmarke sprang und dem Feld mit gewissem Rückstand folgte. Ende der Startgeraden gab es eine Schrecksekunde, als Ricmic de Val ebenfalls ansprang und fast Montecore Mo mit ins Verderben gerissen hätte. Es ging alles gut, der Sieger von 2014 erhielt mit dem schnell ausparierten französischen Geldschrank ein Führpferd und die vier Pferde absolvierten das Rennen zunächst in Zweierpärchen. Popeye Diamant konnte den Anschluss bald wieder herstellen, denn vorne hatte man es nicht eilig – was Christoph Pellander hinter Montecore nach einer Runde zu einer Attacke auf die Spitze motivierte, die Dr. Marie Lindinger jedoch abwehrte. Der „Tiger“ reihte sich dahinter ein, das Feld marschierte im Gänsemarsch in Richtung Zielgerade. Dort sammelte Popeye Diamant noch Ricmic de Val ein und qualifizierte sich als Vierter für das Finale, während vorne die finale Attacke von Montecore Mo auf Wild Viking ins Leere lief. Dr. Marie Lindinger hatte in diesem Vorlauf alles auf Sieg gesetzt, was in einer Zeit von 14,3 / 2200 Meter zum Ausdruck kam. Dem Finale blieben der Sieger und der drittplatzierte Helios fern – womit Günther Lühring und Ricmic de Val dank der HTZ-Sonderregelung, dass im Finale A nachgerückt werden darf, im DAM-Finale starten durften. Günther Lühring hatte übrigens auf den Tag genau vor 45 Jahren die Deutsche Amateurmeisterschaft gewonnen!

Im zweiten Vorlauf kamen nicht weniger als elf Starter an den Ablauf, viele Formpferde waren mit dabei. Am Ende gewann ein Riesenaußenseiter – Katie Beer hatte Diablo Limburgia, der immer für eine Überraschung gut ist und als 859:10-Außenseiter am Toto sträflich vernachlässigt wurde, ein verdecktes Maßrennen serviert und am Ende den Tietz-Trabern Muscle Design (Sarah Kube) und Mon Etolie (Andre Pögel) den Sieg noch weggeschnappt. Die längste Außenseiterin (1589:10) Xenia Frei und Marlene Matzky komplettierten das Quartett der Finalqualifikanten, das gute Pferde wie Hofnarr, Out oft he Slums, Billy the Kid TP oder Replay Diamant (um nur einige zu nennen) verpassten.

Zum Abschluss der Vorläufe kam der nominell erste, der die Gewinnsummenklasse bis 8.000 Euro ansprach – hier fanden sich nur sieben Pferde ein, in einem spannenden Finish rettete sich Unforgettable (DK) mit Sarah Kube vor den heranrauschenden Pompano Julian (Dr. Marie Lindinger) und Grazia Greenwood (Afsoon Amirfallah) ins Ziel, das letzte Finalticket schnappte sich Skyfall (Thomas Maaßen). Mit einem kurzen Kopf verpasste Cascada das Finale nur knapp – nach sieben Siegen en suite und einem Ehrenplatz reichte es ausgerechnet im Saisonhöhepunkt nicht zum Weiterkommen. Die Siegzeit von 18,3 / 2200 Meter bringt zum Ausdruck, dass es das Feld zwischendurch alles andere als eilig hatte, was den Pferden im hinteren Teil desselben einige Schwierigkeiten bereitete.

Das Finale bot Spannung vom ersten bis zum letzten Meter. Schon am Start fiel Pompano Julian aus, der als Favorit ins Rennen gegangen war. Dr. Marie Lindinger konnte ihn noch einmal ausparieren, dann sprang er ein weiteres Mal und wurde disqualifiziert. Vorne richtete sich das „Team Tietz“ gemütlich ein. Zunächst fuhr Sarah Kube mit Unforgettable (DK) in Front, ließ dann Andre Pögel mit Mon Etoile passieren, bevor Catchdriver Hans-Jürgen von Holdt mit Muscle Design das Kommando übernahm. So fand sich Marlene Matzky mit Xenia Frei in der Todesspur wieder, bot damit Montecore Mo und dem dahinterliegenden Popeye Diamant Deckung. Auf der letzten Gegenseite hatte Andreas Schwarz dann keine Lust, weiter abzuwarten und packte seine Chance beim Schopf, schickte Popeye Diamant im Rush nach vorne und gab damit die Lokomotive für Montecore Mo.

Der kam wie auf Schienen aus dem Schlussbogen und spurtete an allen vor ihm liegenden vorbei – viele Betrachter fühlten sich an die DAM 2014 erinnert, als er und sein Pilot (oder Beifahrer, wie er selbst sagt) Christoph Pellander die Deutsche Amateurmeisterschaft für sich entschieden hatten. Doch innen schlüpfte auf dem Open Stretch Mon Etoile mit Andre Pögel durch, kam ordentlich auf Touren und schnappte sich auf den letzten Metern ihren ersten Finalerfolg im dritten Versuch!

 

Deutsche Amateur-Meisterschaft (Hansi Stamp-Memorial) / Finale A

Dotierung: 16.000 € | Distanz: 2.200 m | Bänderstart | Startzeit: 17:44 Uhr

1. Mon Etoile Andre Pögel 2.220 m 1:16,2 138
2. Montecore Mo Christoph Pellander 2.240 m 1:15,5 71
3. Unforgettable (DK) Sarah Kube 2.200 m 1:17,0 43
4. Popeye Diamant Andreas Schwarz 2.240 m 1:15,8 76
5. Muscle Design Hans-Jürgen von Holdt 2.220 m 1:16,5 43
6. Grazia Greenwood Afsoon Amirfallah 2.200 m 1:17,2 166
7. Skyfall Thomas Maassen 2.200 m 1:17,3 272
8. Diablo Limburgia Katie Beer 2.220 m 1:16,6 346
9. Xenia Frei Marlene Matzky 2.220 m 1:17,5 729
10. Ricmic de Val Günther Lühring 2.240 m 1:17,0 1313
Pompano Julian Dr. Marie Lindinger 2.200 m dis.r. 25
 
Einlauf: 8-10-3 Richterspruch: Kampf H - 1 - 1 ½ - ½ - 1 Lg.
Sieg: 138:10 --- Platz: 41-25-27:10 --- ZW: 752:10 --- DW: 6.460:10

Rennvideo - Video Siegerehrung

 

„Ein Traum ist wahr geworden!“, jubelte Andre Pögel im Winner Circle, nachdem seine Stute in 16,2 / 2220 Meter Bänderstart mit Halsvorsprung triumphiert hatte. Die familieneigene Stute – gezüchtet von Pögels Lebensgefährtin Angela Hahn („Ich bin stolz auf Pferd und Fahrer, sie haben alles richtig gemacht!“) und im Besitz von Tim Hahn und Andre Pögel selbst – hat damit im dritten Anlauf endlich ein Finale im Trab beendet. Als Vorlauf-Zweite im Stuten-Derby 2016 endete sie ebenso am Turm wie als Vorlaufsiegerin im Fritz-Brandt-Rennen 2017. Generell gilt bei der Dream Vacation-Tochter „hopp oder top“ – bei 18 Starts vor der DAM erzielte sie fünf Siege und fünf zweite bzw. dritte Plätze – landete jedoch auch acht Mal am Turm.  Ausgerechnet in den gehobenen Rennen versagten ihre Nerven – im Buddenbrock-Trial, Buddenbrock-Rennen, St. Leger-Trial, Breeders Crown-Hauptlauf sowie in den genannten Finals. Glattgehend war sie nie schlechter als Dritte, hatte auf diese Weise schon fast 14.000 Euro verdient und heute im Vorlauf (500 Euro) und im Finale (8.000 Euro) einiges draufgepackt. Der Finalsieg ist natürlich der wertvollste ihrer jungen Karriere – für einen Volltreffer in Jägersro vor sechs Wochen gab es aber bereits rund die Hälfte dieses Betrages auf’s Konto.

Andre Pögel: „Am Start hatte ich eine Schrecksekunde, als Marie Lindingers Pferd direkt vor uns ansprang. Dann landeten wir in der Todesspur – aber Sarah hat mich vorbei gelassen, dann konnte ich mit Muscle Design noch ein Führpferd bekommen. Ein idealer Rennverlauf. Bei der Einfahrt in den Open Stretch bin ich nochmal ein Risiko eingegangen, aber heute lag Mon Etoile auf jedem Meter perfekt und hat alles richtig gemacht!“

„Ich habe Andre Pögel und Mon Etoile innen gesehen, doch Montecore Mo dachte wohl, nachdem wir an Popeye Diamant vorbei waren und er kein Pferd mehr vor sich hatte, die Arbeit sei getan“, gab Christoph Pellander nachher zu Protokoll. Der Wahl-Hamburger war mit dem Ergebnis dennoch mehr als zufrieden, hat es doch seit 1991 kein Pferd in der Deutschen Amateurmeisterschaft in Hamburg geschafft, eine Doppelzulage aufzuholen und aus dem dritten Band zu gewinnen. Ein Kunststück, das 2011 freilich Perl’s Fortune und Peter Platzer gelungen war – da fand die DAM jedoch in Berlin-Mariendorf statt. Drei Jahre nach dem gemeinsamen Sieg den Vize-Titel zu erreichen, ist eine bemerkenswerte Leistung von Publikumsliebling Montecore Mo!

Unforgettable (DK) und Sarah Kube behielten „Bronze“ vor dem tapferen Popeye Diamant. Muscle Design als Fünfter sorgte für eine starke Ausbeute des Teams Tietz, das Platz eins, drei und fünf belegte und alle Finalstarter mit Geld zurück nach Berlin transportieren durfte.

Das Finale der Deutschen Amateurmeisterschaft wird seit mehreren Jahren mit dem Untertitel „Hansi Stamp-Memorial“ ausgetragen. Seine Töchter Birte und Tanja Stamp nahmen die Siegerehrung vor und freuten sich, bei dem traditionellen jährlichen Rennbahn-Besuch viele alte Bekannte wiederzutreffen.

Als Sieger der Deutschen Amateurmeisterschaft ist Andre Pögel für die Europameisterschaft der Amateurfahrer 2018 qualifiziert, die in Ungarn stattfinden soll. Als bestplatzierte Fahrerin darf Sarah Kube deutsche Farben bei der EM der Amateurfahrerinnen 2018 vertreten. Als Austragungsort ist aktuell Italien vorgesehen.

 

Fotos: Uwe Stelling (www.foto-stelling.de)

(18.06.2017)