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Die "nächste" Generation

Deutsche Trabergestüte - Der Generationswechsel

2018 - Ein Blick in die Zukunft

Viele Trabergestüte und Zuchtstätten in Deutschland haben eine sehr lange und erfolgreiche Tradition. Aber ist die Fortführung ihrer Zucht auch in der Zukunft sichergestellt? Wir haben nachgefragt:

GESTÜT HELENENHOF

Auf dem Gestüt Helenenhof werden seit 4 Generationen erfolgreich Traber gezüchtet. Seit der Gründung des Gestütes gehört die Familie Frahm zu den erfolgreichsten Traberzüchtern in Deutschland. 13 bundesdeutsche Züchterchampionate, die Derbysieger Corsaro (1951), Ditmarsia (1961) und Pik König (1995), weit mehr als 100 Zuchtrennsieger, viele internationale Sieger und fast 2000 Fohlen, die auf dem Gestüt das Licht der Welt erblickten, sprechen eine eindeutige Sprache.  

Spät, aber jetzt mit doppelter Leidenschaft!

Arne Frahm (31), einziger Sohn auf dem Gestüt Helenenhof (Aukrug), ließ es mit seiner Pferdebegeisterung sehr langsam angehen. Seine Schwestern Christine und Inga kennt man bereits als erfolgreiche Züchterinnen im Trabrennsport!

Hallo Arne, die Pferde- Aktivitäten waren bei Dir ja eher zurückhaltend?

A.F.: „Natürlich bin ich auch schon früh auf unseren Ponys Black Jack und Napoleon geritten, oder es war bzw. ist spannend zu sehen, wie die Fohlen zur Welt kommen und sich entwickeln. Ich habe aber auch schon früh gesehen wie anstrengend das Leben mit den Pferden sein kann und wie schwer es ist, mit ihnen seinen Lebensunterhalt zu verdienen.“

Für meine Eltern Dirk und Uschi war es nicht weiter verwunderlich, dass ich nach meinem Schulabschluss  keine Ausbildung im Trabrennsport, sondern erst einmal eine  erfolgreiche Lehre als  Zimmermann absolvierte und ein paar Jahre gearbeitet habe.“

Aber so ganz ließ Dich die Landwirtschaft dann wohl doch nicht los?

A.F.: „Ja, ich stand irgendwann vor der Frage: - Was willst du eigentlich aus deinem Leben machen? - Weiter auf dem Bau und den Meister machen oder doch lieber studieren, oder ganz anders auf dem elterlichen Betrieb irgendwann die Zügel in die Hand nehmen.

Nach reiflicher Überlegung entschloss ich mich dazu, doch die guten, aber auch schwierigen Voraussetzungen auf dem elterlichen Betrieb zu nutzen und meine Zukunft in die Richtung der Hofnachfolge auszurichten.

Dazu habe ich dann eine Ausbildung zum Landwirt gemacht und anschließend die zweijährige Fachschule besucht. Nun bin ich unter anderem staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt.“ 

Mit Deiner Ausbildung hättest du ein vielfältiges Angebot an interessanten und auch lukrativen Berufen zur Auswahl, Du suchst Dir eine wirklich schwierige und z.Zt. unsichere Branche aus. Ist das gut durchdacht?

 A.F.: Ja, das ist es. Mit dieser sehr guten Ausbildung, die ich genießen durfte, und dem angesammelten Fachwissen von drei Generationen vor mir, aus dem ich schöpfen darf, bin ich der felsenfesten Überzeugung, dass ich den Helenenhof erfolgreich weiterführen kann. Wir haben diesen ursprünglich auf Traber spezialisierten Betrieb so umstrukturiert, dass wir nicht nur noch abhängig vom Trabrennsport sind. Und es wäre auch fatal bei der Entwicklung des Sportes und absolut verantwortungslos. 

Siehst Du denn für den Helenenhof eine Zukunft im Trabrennsport?  

A.F.: „Ja, die sehe ich. Ich glaube Marc Twain sagte mal: „Tradition ist nicht das Bewahren der Asche sondern das Schüren des Feuers.“ Ein Gestüt Helenenhof ohne Traber wäre denkbar, aber eigentlich will ich mir das nicht vorstellen, dieses würde bedeuten, dass es in Deutschland - jedenfalls für uns - keinen Trabrennsport mehr geben würde.

Die Trainingsbahnen (750m und 1200m komplett saniert), Stallungen und Paddocks, die wir hier haben, Futter und Einstreu aus eigener Produktion in sehr guter Qualität. Was kann sich ein Trabertrainer mehr wünschen, und das auch noch mit einer sehr guten Verkehrsanbindung.

Wir bewirtschaften über 83ha. Für die Zucht und Aufzucht haben wir hier allein über 40ha Weide arrondiert um den Hof liegen. Wir sind auf der Geest, d.h. ein relativ sandiger Boden, der schnell abtrocknet (lange Weidezeiten), und unser See-Klima ist ein Garant für gut entwickelte Lungen und eine hohe Abwehrkraft  der hier geborenen Fohlen.

Mit diesen Voraussetzungen, bei uns speziell für den Trabrennsport, mag sich keiner vorstellen, dass der Sport eines Tages so tot ist und wir irgendwann nicht mehr in der Lage sind unsere Pferde ordentlich zu vermarkten oder niemanden mehr finden, der auf dem Helenenhof seine Pferde trainieren will. 

Meine große Leidenschaft ist die Arbeit mit den Mutterstuten, die Aufzucht der Fohlen und Absetzer und die Arbeit mit den Deckhengsten, deshalb habe ich auf dem Landgestüt in Warendorf meinen staatlich geprüften Besamungswart gemacht und unsere EU-Besamungsstation reaktiviert.

Wo liegen Deine Ziele und was soll später Dein Schwerpunkt in der Traberzucht und dem Rennsport sein? 

A.F.: „Ich denke, um erfolgreich zu sein, muss man Spaß an einer Sache haben und so kann man dann auch Durststrecken überstehen. Wie gesagt, ich persönlich habe am meisten Spaß  bei der Arbeit mit den Mutterstuten, der Fohlenaufzucht und den Deckhengsten und bin damit auch völlig ausgelastet, daher werde ich wohl nicht anfangen Traber zu trainieren oder auszubilden, dafür ist das hier dann alles zu groß geworden und die Qualität der Arbeit würde darunter leiden und meine Passion dahingehend ist auch nicht sonderlich groß. Ich möchte lieber selber eine kleine aber feine Mutterstutenherde haben und auch sehr gerne, unser Wissen über Zucht und Aufzucht und vor allem die sehr guten Aufzuchtbedingungen die wir hier haben, anderen zur Verfügung stellen. Die EU-Besamungsstation wieder zum Laufen zu bringen und hoffen, dass wir weiterhin in Deutschland so gute Deckhengste anbieten dürfen." 

Gibt es weitere Planungen über die man sprechen kann?

A.F.: „Wir haben in den letzten Monaten sehr viel NEUES geschaffen! Z. B. unser großer, moderner Laufstall für die Absetzer. Mir schwebt auch eine Modernisierung der Stallungen vor, z.B. ein Aktivstall für die Mutterstutenherde. Das sind aber alles Zukunftspläne über die wir sprechen können, wenn es so weit ist. Erstmal bringen wir das angefangene zu Ende und sehen dann weiter.“

NEWS:

Christine Lampe geb. Frahm und ihr Mann Jens Lampe unterstützen die Vorstandsarbeit im Rennverein Quakenbrück sowie im Schleswig-Holsteinischer Verein. Christine möchte im nächsten Jahr weiter züchten und hat sich gerade wieder eine neue Mutterstute zugelegt.

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Arne Frahm (31) –Besamungswart-

Das Gestüt verfügt seit dem Jahr 2002 über eine Deckhengststation die als EU-Besamungsstation zertifiziert ist. In den Wintermonaten wird hier unter der Verantwortung der Firma VETART von Deckhengsten aller Rassen TG-Sperma gewonnen und eingelagert. Ab dem zeitigen Frühjahr werden die Hengste dann in der Frischbesamung eingesetzt. Seit dem 1. Mai 2017 verfügt der Helenenhof neben der EU-Besamungsstation auch über eine „nationale“ Besamungsstation, für Hengste, die ausschließlich innerhalb von Deutschland vermarktet werden sollen. Diese beiden Stationen sind streng voneinander getrennt. Mittlerweile macht sich Arne Frahm auch seinen eigenen Namen als Züchter, u.a. mit den dreijährigen NEW DAWN und NORTON COMMANDER.

ZUCHT- UND RENNSTALL MS DIAMANTEN

Wäre in Pfaffenhofen statt einer Trab- eine Galopprennbahn entstanden, wäre ich heute mit großer Sicherheit Besitzer und Züchter von Galopprennpferden und hätte von Trabern keine Ahnung
(Max Schwarz in der Traber-Rundschau 3/96)

Mit dieser Aussage, getroffen von Max Schwarz dem Besitzer des Stalles MS Diamanten, wird schon recht klar deutlich, dass die Familie Schwarz nicht schon seit Generationen mit dem Trabrennsport verbunden ist.
Angefangen hatte alles 1988 mit dem damals dreijährigen Fariant-Sohn Achaz (17.512.- €). Eine Besitzer-„Karriere“ also wie sie unspektakulärer nicht hätte beginnen können. Dies sollte aber nur der Anfang zu einer der größten dt. Ställe gewesen sein. Schon nach kurzer Zeit folgten einige andere mehr oder weniger talentierte Traber wie z.B. Edellord (v. Lord Iran a.d. Edelblüte, 7.158.- €). Mit diesem Edellord legte Max Schwarz 1989 die Amateurprüfung ab. Ein weiterer Meilenstein war die Mutterstute Rosaly (v. Mister Permit a.d. Romantica, geb. 1983). Mit dieser Stute begann die Karriere als Züchter von Max Schwarz. So ist z.B. als erstes Züchterprodukt von Max Schwarz Kronenbotschafter (v. Diamond Way a.d. Rosaly, geb. 1989, GWS: 17.205.- €) registriert.

Mittlerweile errang der Züchter Max Schwarz sechs Züchter-Championate!

Sein Sohn, Andreas (Andy) Schwarz ist wie sein Vater Max im Besitz einer Amateurfahrer-Lizenz. Im Jahre 1999 konnte er das Amateurfahrer-Championat für sich gewinnen und stellte mit seinen 229 Jahres-Siegen gleichzeitig einen neuen Weltrekord auf. Sein Ehrenamt als Vorstandsmitglied des Münchner Trabrennvereins ist genauso selbstverständlich wie die Suche nach immer neuen Ideen (z.B. die größte Besitzergemeinschaft TraberParti), um den Trabrennsport in Deutschland zu unterstützen.

Mit seiner Lebensgefährtin Daniela Fellner (selbst engagierte Amateurfahrerin) nimmt er die Aufgaben auf dem Gestüt wahr. Daniela ist hier die große „Fachfrau“ im Bereich Verwaltung und Vermarktung. In jedem Jahr wird den interessierten Käufern ein aktueller Jährlings-Prospekt des Gestüts an die Hand gegeben, denn der Verkauf über eine Auktion ist nicht das erklärte Vermarktungs-Ziel des Gestüts.

2017 war wohl emotional das erfolgreichste Jahr für die Familie Schwarz. Tsunami Diamant gewinnt das Deutsche Traber-Derby in Berlin! Gezogen vom gestütseigenen Deckhengst Gustav Diamant. Dieser Sieg ist die Krönung für das große Engagement des Zucht- und Rennstalls MS Diamanten!

Mit einem Blick in die Zukunft sieht Andy Schwarz für seine Mutterstutenherde mehr Qualität als Quantität. „Der Absatz für sehr gut gezogene Jährlinge ist noch da, die „normale“ Käuferschicht ist leider etwas zurückhaltender geworden!“ In 2018 werden trotzdem noch neun Fohlen erwartet, u.a. von Hengsten wie The Bank, Maharajah, Cantab Hall, Muscle Hill und natürlich Gustav Diamant! Und der Zusatz …“Diamant“ im Pferdenamen verspricht auch weiterhin viel Erfolg im Trabrennsport.

Über 100 Jahre Traberzucht - GESTÜT WEITKAMP

Die  ca. 50 ha große Landwirtschaft  wird geleitet von Josef (Staatlich geprüfter Landwirt) und Elisabeth Weitkamp (Besamungswartin), und Bruder Ludger Weitkamp (Staatlich geprüfter Landwirt, Pferdewirtschaftsmeister und Besamungswart). Aus der nächsten Generation sind bereits die Töchter Doris (Staatlich geprüfte Agrarbetriebswirtin) und Ulrike (Bankbetriebswirtin) mit ihrem Ehemann Daniel (Staatlich geprüfter Landwirt) mit für das Wohl der Pferde zuständig.

 

"Ein Pferd läuft mit seiner Lunge, hält durch mit seinem Herzen und gewinnt mit seinem Charakter"

(Frederico Tesio)

„In der wunderschönen Parklandschaft des Münsterlandes, im Herzen des Pferdelandes Westfalen liegt unser Gestüt am Rande der Stadt Billerbeck.

Seit über 100 Jahren werden auf unserem landwirtschaftlichen Familienbetrieb mit seinen denkmalgeschützten Gebäuden Rennpferde gezüchtet.

Weitläufige, kalkreiche Wiesen sowie intensive Betreuung und Pflege bieten ideale Bedingungen für die Aufzucht leistungsstarker Pferde.

Unser Gestüt zählt zu den ältesten Traberzuchtstätten in Westfalen. Seit dem Erwerb der ersten Traberstute „Susanne“, im Jahre 1911, sind inzwischen 100 Jahre vergangen. Viele große und bedeutende Sieger sind hier gezüchtet worden, namhafte Vaterpferde standen auf unserer Deckstation, so u.a. der Derbysieger Vinci, der Amerikaner Lucky Hanover oder der Franzose Fifi beau Gosse.

Die großen Weideflächen, deren kalkhaltiger Lehmboden beste Voraussetzungen für die Pferdezucht bietet, werden anhand regelmäßiger Bodenproben gedüngt und durch die Wechselbeweidung mit zwei Rinderherden zusätzlich stetig verbessert.

Das Füttern der Pferde mit dem selbst gewonnenen Grundfutter von unserem Grünland, kontrollierte ausgewogene Zufuhr von Nährstoffen  bei der Fütterung, Hufschmied, Fachtierarzt und nahegelegene Tierkliniken runden die optimale Betreuung ab.

Die Aufzucht der Jährlinge auf unserem Gestüt ist die Basis für ein erfolgreiches und gesundes Pferdeleben. Diese gibt den Jährlingen Zeit, sich optimal zu entwickeln.

Ihre Jugend genießen die Jährlinge z.T. ganzjährig auf unseren gepflegten Koppeln, bevor es im Herbst in die Ausbildung geht.

Mit qualifizierter Betreuung sorgen wir während der Aufzucht verantwortungsbewusst für das Wohlergehen der angehenden Cracks,“ so die Familie Weitkamp.