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Wer wird Traber des Jahres 2021?

2. Januar 2022
1 Min. Lesezeit

SIE HABEN DIE WAHL!

Hier sind die sieben Kandidaten, welche nach alljährlichen Kriterien sowie unter Einbeziehung einer umfangreichen Experten-Jury nominiert wurden:

Wir stellen vor:

Die Wahl läuft vom 02.Januar 2022 bis zum 10. Januar 2022 um 24:00 Uhr

Hier geht es zur Abstimmung

Look of Love

Stute - geb. 2019  Ready Cash – Le Reve

„Blut lügt nicht” – das weiß auch und vor allem Jean-Pierre Dubois. Der 81-Jährige beherzigt dieses Motto seit Langem und kreuzt auf seinem Gestüt in der Normandie immer wieder beste Blutlinien, vorzugsweise nordamerikanische mit französischen. Eine seiner Zuchtperlen ist die kanadische Stute Le Reve (1:10,4), deren Mutter eine Vollschwester zur Weltchampionesse Moni Maker ist. 2018 ließ Dubois Le Reve erstmals von Ready Cash decken – am 5. Februar des Folgejahres und damit sehr früh erblickte eine hübsche Stute das Licht der Welt, die auf den Namen Look of Love hören sollte. Verkaufen konnte oder wollte Jean-Pierre Dubois Look of Love nicht, obwohl deren prominente Geschwister Le Miracle, Light the Fire, Laurel Park, Lancaster und Stutdenderby-Siegerin La Grace in Deutschland reißenden Absatz gefunden hatten. So erfreute sich Dubois nicht nur als Züchter, sondern auch als Besitzer an der Entwicklung von Look of Love, die bei nur zwei Starts in ihrer ersten Saison mehr als 30.000 Euro verdiente. Den Löwenanteil davon als Zweite im Breeders-Course-Finale in Jägersro, wo sie mit Wim Paal aus zweiter Reihe am Ende sogar noch dicht zum Sieger Gio Cash auflief und mit 1:13,2/1640 Meter überdies einen neuen deutschen Rekord für zweijährige Stuten aufstellte.

 

Gio Cash

Hengst - geb. 2019  Victor Gio – Give me Love

Wie Look of Love lief auch der gewinnreichste zweijährige Hengst aus deutscher Zucht in der Saison 2021 nicht ein einziges Mal in seinem Heimatland. Trainer Dion Tesselaar und der Berliner Besitzer Pierre Sagitz hatten für Gio Cash vor allem den Breeders Course und die neugeschaffene Trotting Classic Tour im Auge, nannten den bildhübschen Rapphengst für beide lukrative Serien – und lagen genau richtig. Gio Cash räumte zunächst den Breeders Course ab, gewann bei seinem Debüt den Wolvega-Vorlauf und einen Monat später das mit 1,2 Mio. Kronen üppig dotierte Finale in Jägersro mit neuem deutschen Zweijährigen-Rekord von 1:13,1/1640 Meter. Ein Doppelschlag gelang danach auch in der TCT. Vor- und Endlauf gingen in jeweils souveräner Haltung auf das Konto von Gio Cash, der damit bei nur vier Starts fast 90.000 Euro verdiente. Seine Abstammung liest sich nur auf den ersten Blick exotisch. Gio Cash ist das erste Produkt der Judge-Joe-Tochter Give me Love, die als Rennpferd zwar sieglos blieb, aber der direkten Mutterlinie von Diamond Way entstammt. Pierre Sagitz hatte als ersten Partner den Ready-Cash-Sohn Victor Gio ausgesucht, einen in Italien äußerst populären Beschäler. Der Hambletonian-Fünfte 2017 war eines der ersten Trabrennpferde in den USA mit einem Rekord von 1:09,0.

Lumumba

Stute - geb. 2018  Charly du Noyer – Demi‘s Mail

Zweijährig ungeprüft, startete Lumumba, die dem dreifachen Gruppe-I-Sieger Charly du Noyer und einer holländische Love-You-Stute mit deutschen Wurzeln entstammt, ihre Rennlaufbahn Ende Mai in Wolvega, wo sie aus dem Stand 1:14,8/2100 Meter trabte und um den Sieg nicht weit geschlagen war. Den guten Eindruck vermochte die Braune des niederländischen Logistikunternehmens Schavemaker im Adbell-Toddington-Stutenlauf nicht zu untermauern, sondern fiel nach einem Rennen in der Todesspur auf Rang fünf zurück. Nach einer weiteren mäßigen Vorstellung in Wolvega platzte eben dort Ende Juli der Knoten, gewann Lumumba derart überzeugend, dass ganz Holland nur noch von der Stute des jungen Michel Rothengatter sprach und sie sogar auf eine Stufe mit der bis dahin unangefochtenen ALL IN LOVE stellte. Die Auguren hatten sich nicht getäuscht. In ihrem Vorlauf des Stutenderbys deklassierte Lumumba die Gegner mit Weile-Vorsprung. Zwei Wochen später legte sie erneut einen atemberaubenden Tempolauf hin und blieb auch im Finale klar voraus. Zum Duell mit ALL IN LOVE kam es nicht mehr. Die Tesselaar-Stute wurde sowohl aus dem Stutenderby-Finale als auch der Breeders Crown, die Lumumba im gestreckten Galopp begann, verletzungsbedingt gestrichen.

 

Lorens Flevo

Wallach - geb. 2018 SJ‘s Caviar – Jolly Jane

Lange spielte der hübsche Fuchs, der sein Talent zweijährig als schlussstarker Dritter der Breeders Crown angedeutet hatte, in der Derbysaison keine Rolle. Zwei wenig aussagekräftigen Starts in Holland folgte einen Monat vor dem Blauen Band ein glücklicher Sieg in einem Berliner Alltagsrennen gegen Ältere, bei dem Lorens Flevo gerade noch rechtzeitig freikam. Trainer Paul Hagoort hatte offenbar genug gesehen und schickte den Wallach ohne weiteren Test in das Derby. Schon im Vorlauf war der SJ’s-Caviar-Sohn, der der Pink-Diamond-Tochter Jolly Jane, einer Vollschwester zu Großverdiener Sir Karan entstammt, nicht wiederzuerkennen, riss als 248:10-Außenseiter mit einer frühen Offensive die Spitze an sich, steigert sich auf 1.14,2/1900 Meter und hielt Jimmy Ferro BR ohne große Mühe auf Distanz. Ob Lorens Flevo das Finale auch unter „normalen Umständen“ gewonnen hätte, wird man nie erfahren. Er hat es gewonnen. Während bei einigen Gemeinten alles schief ging, was schief gehen konnte, wartete Lorens Flevo, diesmal 321:10-Chance, mit einer astreinen Leistung auf, wurde vom jungen Micha Brouwer perfekt eingesetzt, kämpfte wie ein Löwe und verbesserte sich auf 1:13,1/1900 Meter zum Sensationssieg. Im Hamburger Peter-Heitmann-Rennen vermochte er Jimmy Ferro BR die erste Reihe zwar nicht vorzugeben, enttäuschte als Zweiter aber keinesfalls.

Namanga Bo

Stute - geb. 2017 Maharajah – Here comes Bo

Auf eine im wahrsten Sinne des Wortes bewegte Saison blickt die von Hans-Ulrich Bornmann gezogene Maharajah-Tochter zurück. Ihre 14 Starts absolvierte Namanga Bo in fünf Ländern. Dabei hatte sie 13 verschiedene Fahrer bzw. Reiter an Bord. Anfang 2021 lief die Stute noch für Thorsten Weck und Roger Wittmann. Einem ansehnlichen Ehrenplatz im Wintermeeting in Vincennes folgte der misslungene Auftritt im Gran Premio Firenze, den Namanga Bo nach einem Run durch die Todesspur früh aufgab. In den Stall Habo zurückgekehrt, verbrachte Namanga Bo nach einem kurzen Intermezzo bei Michael Nimczyk den Sommer in Schweden bei Sybille Tinter, wo sie mit einigen Platzierungen nicht sonderlich auffiel und dennoch für Aufsehen sorgte. Am 22. Juni trabte Namanga Bo als Dritte eines mit nur fünf Pferden besetzten 130.000-Kronen-Sprints in Solvalla 1:10,3/1640 Meter und brach den mehr als vier Jahre alten deutschen Stuten-Rekord von Gilda Newport. Anlässlich des Hamburger Grand-Prix-Meetings kehrte die Vierjährige nach Deutschland zurück, spielte im Monté als chancenlose Vierte allerdings keine Rolle. In Halver auf dem Habo-Hof folgten Regeneration und Vorbereitung auf die Breeders Crown, in der sich Namango Bo wieder von ihrer Schokoladenseite zeigte, allerdings auch mit Fortuna im Bunde war. Im Schlussbogen noch hoffnungslos festsitzend, öffneten sich auf der Zielgeraden alle Türen, worauf sich Jaap van Rijn mit seinem Killerinstinkt nicht zwei Mal bitten ließ und mit den letzten Schritten einen 98:10-Coup landete.

 

Venture Capital

Hengst - geb. 2017  Broad Bahn – Voulez Vous Corner

Nachdem der schon früh als hochveranlagt geltende Sohn von Hambletonian-Sieger Broad Bahn sowohl das Derby als auch die Breeders Crown durch Unsicherheiten verpatzte, ließ man den zweijährig nicht und dreijährig wenig geprüften Hengst im Rennstall. Der Breeders Crown folgte – saisonübergreifend – eine Serie von elf Siegen, zunächst im Alltagssport mit immerhin drei PMU-Treffern. Dies ermutigte das Umfeld von Venture Capital im Mai zu einem Start im Rahmenprogramm des Copenhagen Cups. Ein selbst verursachter Fehlstart, den Michael Nimczyk mit dem 109:10-Außenseiter erst spät realisierte, schien alle Chancen zunichte zu machen. Doch auch im zweiten Anlauf schoss Venture Capital an die Spitze, trommelte sensationelle 1:11,8/2000 Meter auf die Piste von Charlottenlund und erstickte alle Angriffsversuche im Keim. Mit diesem Sieg qualifizierte sich der Schützling von Karin Walter-Mommert für das mit 480.000 Kronen dotierte STL Klass II-Finale am Vortag des Elitloppets in Solvalla. Und wieder trumpfte Venture Capital auf wie ein wahrer Champion, wurde vom Goldhelm aus zweiter Reihe früh nach vorne beordert und erhielt als souveräner Sieger in 1:12,9/2140 Meter runde 22.000 Euro gutgeschrieben. Als Übergang zwischen Skandinavien und Derbymeeting folgte ein scheinbar leichtes Vierjährigen-Rennen in Berlin gegen nur vier Gegner, in dem die lange Serie jedoch riss und Venture Capital im Endkampf unter Druck auseinanderfiel. Ein Missgeschick, das dem Hengst zum Abschluss der Saison in der Breeders Crown noch einmal widerfahren sollte. Dazwischen lag allerdings ein glanzvoller Speederfolg in der Derby-Revanche in 1:11,6/1900 Meter über Wild West Diamant und Keytothehill. 

 

Mister F Daag

Hengst - geb. 2015  Conway Hall – Miss Love

Nach einer eher durchwachsenen Saison 2020 legte der Derbysieger des Jahres 2018 eine fast zwölfmonatige Startpause ein, aus der sich der Conway-Hall-Sohn erst Ende September zurückmeldete – mit Rang fünf in einer von Norton Commander gewonnenen PMU-Prüfung in Wolvega. Nach einem Startfehler in zweiter Reihe ließ Robin Bakker den Hagoort-Trainee allerdings nur noch mitlaufen – und konnte die blendende Verfassung von Mister F Daag dennoch nicht verbergen. Der Eindruck hatte nicht getäuscht. Nur acht Tage später gewann der Sechsjährige das Hamburger Banks-Rennen außen herum mit viel Autorität und in schnellen 1:11,6/1680 Meter. Drei Wochen danach setzte sich Mister F Daag bzw. seinem Züchter Jean Huls die dritte Breeders Crown auf, indem er Norton Commander trotz eines kompletten Rennens in der Todesspur mit viel Kampfgeist niederrang. Treffer Nr. 3 seiner brillanten Herbstserie markierte Mister F Daag schließlich in Wolvega. Auf der Heimatbahn bezwang er im reputationsreichen Preis der Giganten in einem epischen Finish mit Vernissage Grif einen Vertreter Europas erster Garnitur in 1:11,5/2100 Meter. Nicht gewinnen konnte der Vanduffel-Schützling am 9. Dezember in Vincennes, doch war Rang drei im 80.000er Prix Jean Boillereau in 1:11,3/2100 Meter von ungünstiger Startnummer 9 nicht hoch genug einzuschätzen.