Vermissen wird man bei den Kandidaten die Zweijährigen, auf die diesmal verzichtet wurde. Nicht etwa mangels Klasse - ganz im Gegenteil, die Vorstellungen der Youngsters waren vielversprechend. Allerdings stach kein Vertreter des Jahrgangs 2016 wirklich heraus. Man hätte strenggenommen alle Sieger der gehobenen Rennen nominieren müssen: Gaya de Pervenche (Jugend-Preis), Orkan von Haithabu (Winterfavoriten), Marylin Monroe Bo (Orakel der Zweijährigen) sowie die beiden Breeders-Crown-Sieger Jacky Bros und Gladiateur. Fünf weitere Kandidaten hätten die Palette jedoch "aufgebläht" und unübersichtlich gemacht.
Ein Novum bei der Wahl ist auch die Nominierung eines Pferdes ausschließlich aufgrund von Leistungen unter dem Sattel. Nachdem er insbesondere in Frankreich mehrfach über sich hinauswuchs, führte an Zauni kein Weg vorbei. Er bekam die Wildcard 2018.

Mister F Daag
3-jähriger Hengst
von Conway Hall aus der Miss Love
Besitzer: Josef Vanduffel
Züchter: Jean L.P. Huls
Gewinnsumme: 288.539 Euro
Rekord: 12,3
Bilanz 2018: 9 Starts, 5 Siege
- 12,3 / 260.216 Euro
Größte Erfolge 2018:
Schon nach der Zweijährigen-Saison, in der er die Breeders Crown und den Preis des Winterfavoriten gewann, galt der elegante Braune als einer der heißen Anwärter auf den Derbysieg 2018. Die nötige Form und Härte für das Blaue Band holte sich Mister F Daag bei drei Starts in Frankreich. Beim Sieg in Vincennes am 9. Juni trabte der Conway-Hall-Sohn mit 1:13,5 / 2700 Meter deutschen Dreijährigen-Rekord auf Steherdistanzen. Der Frankreich-Kampagne folgte der Triumphzug durch Berlin. Erst gewann Mister F Daag seinen Derby-Vorlauf, eine Woche später das Finale in neuer Derby-Rekordzeit von 1:12,3 und am 23. September – nach dem Dopingbefund bei City Guide – auch die Breeders Crown. Rang fünf im Europachampionat der Dreijährigen in Paris war der einzige kleine Wermutstropfen einer ansonsten überragenden Saison, die Mister F Daag als Vorlaufsieger und Final-Zweiter des Gran Premio Orsi Mangelli in Turin abrundete und an deren Ende fast 290.000 Euro auf seinem Konto standen. |

Avalon Mists
3-jährige Stute
von Pastor Stephen aus der Sunshine Bi
Besitzer: Stable Why Not
Züchter: AGM Groot Beheer B.V.
Gewinnsumme: 147.139 Euro
Rekord: 13,1
Bilanz 2018: 9 Starts, 5 Siege
- 13,1 / 109.639 Euro
Größte Erfolge 2018:
Die Pastor-Stephen-Tochter ging 2018 eine sehr ähnliche Route wie ihr Trainingsgefährte Mister F Daag, häufig reisten die beiden gemeinsam zu großen Rennen an. Auch Avalon Mists bestritt zur Vorbereitung auf Berlin Prüfungen in Frankreich. Erstmals auf der Derbybahn präsentierte sie am 8. Juli, als sie das Stuten-Buddenbrock überlegen an ihre Fahnen heftete. Ihrer hohen Favoritenstellung im Stuten-Derby wurde sie sowohl im Vorlauf als auch im Finale souverän gerecht. Eng wurde es dagegen im Stuten-St.Leger, doch zeigte die Hagoort-Vertreterin gegen Isabelle Boshoeve Kämpferqualitäten. Deutlich leichter fiel Avalon Mists der Triumph in der Breeders Crown im strömenden Regen von Berlin. Im Europachampionat der Dreijährigen zog sie sich gegen die starken Hengst als Sechste sehr ordentlich aus der Affäre. Zum Saisonfinale ging es gemeinsam mit Mister F Daag nach Turin. Im Stutenlauf des Orsi Mangelli belegte Avalon Mists mit hoher Startnummer einen guten vierten Platz. |

Tsunami Diamant
4-jähriger Hengst
von Gustav Diamant aus der Glide Chip
Besitzer: Johann Holzapfel/Stall MS Diamanten
Züchter: Max Schwarz
Gewinnsumme: 221.110 Euro
Rekord: 11,4
Bilanz 2018: 8 Starts, 5 Siege
- 11,4 / 74.206 Euro
Größte Erfolge 2018:
Der Gustav-Diamant-Sohn wird zweifellos als einer der so genannten „würdigen“ Derbysieger in die Geschichte des deutschen Trabrennsports eingehen. Nach der ausgedehnten Winterpause lief er zunächst auf verschiedenen Bahnen in Dänemark. Einem bemerkenswerten 1:12,8-Probelauf in Wolvega folgte beim Saisondebüt ein Start-Ziel-Erfolg in Skive. In den Fyraaringseliten von Kopenhagen unterlag Tsunami Diamant lediglich Portland, der sich zu dieser Zeit in absoluter Top-Form befand, bevor sich der Hengst in den Sprintermesteren von Billund mit 1:11,4 / 1600 Meter einen neuen Rekord holte und dabei Flying Fortuna – wie im Derby-Finale 2017, nur viel deutlicher – in Schach hielt. In der Derby-Revanche drehte Tsunami Diamant den Spieß gegen Portland um. In der Breeders Crown musste der bayerische Hengst gegen den später wegen eines Dopingbefundes disqualifizierten Baxter Hill hart kämpfen. Nur im Großen Preis von Deutschland blieb der ‚Tsunami‘ als Vierter etwas unter den Erwartungen, was die tolle Gesamtbilanz aber nicht zu stören vermochte. |

Broadwell
4-jähriger Hengst
von Conway Hall aus der Boria
Besitzer: Gerrits Rec. Group/Thomaskamps
Züchter: Jens Janssen
Gewinnsumme: 177.610 Euro
Rekord: 12,1
Bilanz 2018: 6 Starts, 3 Siege
- 12,1 / 113.850 Euro
Größte Erfolge 2018:
Der mittlerweile Vierjährige bleibt der „Unvollkommene“, daran änderte auch die starke Saison 2018 nichts. Nachdem er als Youngster über seinem Jahrgang stand, warf ihn eine schwere Verletzung so weit zurück, dass das Derby zu früh kam. Dafür lief er seine Altersgefährten im Lord-Pit-Rennen in Hamburg in Grund und Boden und deutete an, was möglich gewesen wäre. Wie hoch die Wertschätzung des Conway-Hall-Sohnes ist, zeigt die Tatsache, dass ihn Trainer Paul Hagoort 2018 ausschließlich auf den großen französischen Pisten anspannte. Allerdings nur sieben Mal. Drei Siege, darunter die im Prix de Milan über Frankreichs Nr. 1, Earl Simon, und im Vorlauf des Grand Prix de l’U.E.T., sowie ein zweiter und ein fünfter Platz in Vincennes spülten 110.000 Euro in die Kassen seiner internationalen Besitzergemeinschaft. Allerdings gab es auch zwei herbe Dämpfer. Ein sechster Rang über die ungewohnte Steherdistanz in Enghien und der Totalausfall im U.E.T.-Finale nach verunglücktem Rennverlauf. |

Voyage d'Amour
4-jährige Stute
von Quick Wood aus der Daventry
Besitzer: Jürgen Jochem
Züchter: Mike Lenders
Gewinnsumme: 57.254 Euro
Rekord: 12,0
Bilanz 2018: 13 Starts, 6 Siege
- 12,0 / 56.834 Euro
Größte Erfolge 2018:
Die Quick-Wood-Tochter, die von Mike Lenders und Marina Vietgen am geschichtsträchtigen Utah Beach in der Normandie vorbereitet wird, gehört zu den Entdeckungen der Saison 2018. Zweijährig ungeprüft und erst Ende dreijährig in die Rennlaufbahn gestartet, marschierte die Vierjährige bei ihrer „Liebesreise“ durch Europa nur so durch die Klassen. Bei 13 Starts in fünf verschiedenen Ländern gewann Voyage d’Amour sechs Rennen und ging nicht ein einziges Mal leer aus. Der Durchbruch gelang Ostermontag in Hamburg, wo die Stute Vor- und Endlauf des Schwarzer-Steward-Rennens dominierte. Es folgten ein Ehrenplatz in Kopenhagen und ein sensationelles Laufen am Vortag des Elitloppets in Solvalla, als sie nach schwerem Startfehler noch Dritte wurde. Eine besondere Vorliebe entwickelte Voyage d’Amour schließlich für den Rechtskurs in Berlin. In der Derby-Revanche der Stuten unterlag sie Charlotte Newport nur hauchdünn, gewann danach Vorlauf und Finale des Vierjährigen-Zirkels, bevor sie in der Breeders Crown gegen Happy Steel den Kürzeren zog. |

Portland
4-jähriger Hengst
von Ganymede aus der Eiffel Bi
Besitzer: Marion Jauß
Züchter: Peter Heitmann/Christian Tausent
Gewinnsumme: 109.742 Euro
Rekord: 12,2
Bilanz 2018: 7 Starts, 3 Siege
- 12,2 / 71.938 Euro
Größte Erfolge 2018:
Der Pechvogel der Derbysaison 2017 holte als Vierjähriger fast alles Versäumte nach. Nach viermonatiger Pause, während der er in die französische Abteilung von Björn Goop wechselte, gewann der Ganymede-Sohn quasi aus dem Stand in der Hand seines neuen Trainers den Prix d’Issoire in Vincennes. Drei Wochen später hätte der hübsche Fuchs gleich nachlegen können, wurde im Prix d’Orthez allerdings das Opfer einer Behinderung. Als Entschädigung sicherte sich Portland den stark besetzten Prix de Gueugnon, in dem er mit 1:12,9 / 2700 Meter den deutschen Vierjährigen-Rekord für Steherdistanzen nur knapp verfehlte. In den Fyraaringseliten von Kopenhagen gelang dem Jauß-Hengst eine Art Derby-Revanche, indem er Tsunami Diamant in die Schranken wies. In der offiziellen Derby-Revanche in Berlin war indes der „Diamant“ stärker und ließ Portland keine Chance. Ein weiteres Duell der beiden Top-Vierjährigen in der Breeders Crown verhinderte eine Startgaloppade von Portland. |

Orlando Jet
5-jähriger Hengst
von Orlando Vici aus der Chocolina
Besitzer: Team Neuhof
Züchter: Peter Busch
Gewinnsumme: 293.679 Euro
Rekord: 11,7
Bilanz 2018: 8 Starts, 4 Siege
- 11,7 / 120.130 Euro
Größte Erfolge 2018:
Eine wahrlich aufregende Saison erlebte Deutschlands “Traber des Jahres 2016”. Ein Ballentritt in der Vorbereitung warf erste Pläne frühzeitig über den Haufen, worauf man das Comeback auf den 1. Mai verschob. Den BILD-Pokal gewann Orlando Jet derart überzeugend, dass eine Einladung zum Solvalla Elitloppet erfolgte. Ganz Deutschland drückte die Daumen und fieberte mit, doch machte ein kapitaler Startfehler im Vorlauf alle Hoffnungen zunichte. Es folgte eine überragende Serie mit Siegen in Vincennes, Berlin und Enghien. Ein Dämpfer versetzte im September Rang sechs in Paris, den Orlando Jet mit dem Ehrenplatz im Europachampionat der Fünfjährigen postwendend richtigstellte. Vielen galt der Orlando-Vici-Sohn als „moralischer“ Sieger, denn die Franzosen, die viel Respekt vor Orlando Jet und Rudi Haller haben, hatten das deutsche Gespann eingekesselt und zur Tatenlosigkeit verdammt. Dass Orlando Jet ausgerechnet in der Heimat seiner Besitzer das ruhmreiche Hunyady-Memorial nicht gewinnen konnte, setzte noch eine passende Pointe unter ein verrücktes Jahr. |

Goldy Stardust
5-jährige Stute
von Quick Wood aus der Timely Stardust
Besitzer: Hans Brocker
Züchter: Jan W. Scheffer
Gewinnsumme: 117.672 Euro
Rekord: 11,7
Bilanz 2018: 7 Starts, 4 Siege
- 11,7 / 67.884 Euro
Größte Erfolge 2018:
Insgesamt nur sieben Starts absolvierte die Quick-Wood-Tochter in der Saison 2018. Die hatten es jedoch in sich. Nach dem überzeugenden Jahresdebüt am 1. Mai in Gelsenkirchen bestritt Goldy Stardust im Rahmenprogramm des Copenhagen-Cups ihr erstes Auslandsengagement. Dabei triumphierte sie außen herum mit viel Kampfgeist in einem 200.000-DKr.-Stutenrennen. Nachdem dieser Härtetest bestanden war, ging es nach Vincennes, wo sie mit Rang zwei in 1:13,4 / 2850 Meter gleich einmal deutschen Distanzrekord für fünfjährige Stuten lief. Drei Wochen später reichte es in Paris „nur“ zu Rang sechs, aber immerhin einer neuen deutschen Bestmarke fünfjähriger Stuten auf der Mitteldistanz (1:11,7). Während der Derbywoche dominierte die Titelverteidigerin bei der Wahl zum „Traber des Jahres“ den Marathon-Pokal über 3200 Meter. Nach einer weiteren Top-Platzierung auf dem Plateau de Gravelle heftete die Brocker-Stute Ende September in Berlin die zweite Breeders Crown an ihre Fahnen. |

Dreambreaker
5-jähriger Hengst
von Offshore Dream aus der Brooke Boko
Besitzer: Stall Oberkracher
Züchter: Jean L.P. Huls
Gewinnsumme: 219.368 Euro
Rekord: 11,6
Bilanz 2018: 15 Starts, 6 Siege
- 11,6 / 157.223 Euro
Größte Erfolge 2018
Eine ähnlich sensationelle Entwicklung wie bei Zauni nahm die Rennkarriere im Jahr 2018 von Dreambreaker. Nach einer mehrmonatigen Schweden-Kampagne unter der Regie von Thorsten Tietz wechselte der einstige Adbell-Toddington-Sieger und Breeders-Crown-Zweite nach einem erfolgreichen Intermezzo in Berlin im Frühjahr in das Quartier des französischen Champions Jean Michel Bazire. Zum Einstand gab der hitzige Offshore-Dream-Sohn drei ernüchternde, überwiegend fehlerhafte Vorstellungen. Dann jedoch platzte der Knoten. Dreambreaker, offenbar akklimatisiert, gewann fünf Rennen, vier davon in Serie, alle in Paris-Vincennes, alle in derart souveräner Haltung, dass man den Schützling des norddeutschen Stalles Oberkracher sogar als aussichtsreichen Kandidaten für das Wintermeeting handelt. Mit den fünf Treffern verdiente der Fünfjährige fast 150.000 Euro und verbesserte sich überdies auf 1:11,6 / 2100 Meter. |

Zauni
5-jähriger Hengst
von Quite Easy aus der Nice Try Diamant
Besitzer: Thomas Freitag/Klaus Tamaschke
Züchter: Thomas Freitag/Klaus Tamaschke
Gewinnsumme: 143.984 Euro
Rekord: 12,8
Bilanz 2018: 19 Starts, 13 Siege
- 13,2 / 114.500 Euro
Größte Erfolge 2018:
Der Hengst sorgt für ein Novum bei der Wahl zum „Traber des Jahres“. Zum ersten Mal wird ein Kandidat ausschließlich aufgrund von Leistungen in Trabreiten nominiert. Im Dezember 2017 probierten Manfred Walter und seine Tochter Ronja den ehemaligen St.Leger-Sieger in Hamburg erstmals unter dem Sattel. Zauni „funktionierte“ auf Anhieb in der neuen Disziplin und gewann überlegen. Es begann ein unglaublicher Triumphzug. Nach drei Treffern in Belgien und den Niederlanden wagte man den nächsten Schritt, ging mit Zauni nach Frankreich, erstmal nur auf kleine Bahnen. Reims, Argentan, Mauquenchy – eine Top-Leistung reihtesich an die nächste. Also, warum nicht Paris? Beim Einstand in Vincennes zahlten Zauni und Ronja Walter Lehrgeld, nach verpatztem Start Rang fünf. Viel besser klappte es in Enghien mit einem mit fast 19.000 Euro dotierten Sieg, und anschließend auch auf der Cornulier-Bahn mit zwei zweiten Plätzen, die die Jahresbörse von Zauni auf über 100.000 Euro klettern ließen. Dass Zauni bei einem seiner seltenen Auftritte in der Heimat das Monté-Derby in Berlin mitnahm, verstand sich von selbst. Im Wintermeeting trat Zauni erstmals „Frei für Alle“ an, startete gleichauf mit dem Cornulier-Rekordsieger Traders und zog sich als Fünfter mehr als achtbar aus der Affäre. |