In früheren Tagen ist der dritte Zacken der Triple Crown auch mal als Stichfahren ausgetragen worden, bei dem die Aspiranten bis zu dreimal an einem Nachmittag anzutreten hatten, bis der Sieger feststand.
Und wären da nicht die zwei knappen Niederlagen gegen Marseille im Earl Beal Memorial und Forbidden Trade im Hambletonian, so wäre dieses Jahr ein makelloses oder, wie’s die Amerikaner beschreiben, „a perfect season“. Wobei Ehrenplätze wohl nur mit kritischster Lupe als Makel zu werten sind. Beim zehnten Saisonerfolg - insgesamt ist es die Nummer 12 aus 16 Auftritten - war er der Konkurrenz wie fast immer souverän voraus, baute seine Gage für 2019 auf 1.164.550 „Greenbacks“ aus und steht damit an der Spitze aller nordamerikanischen Traber. Mit 1:08,2, erzielt vor einer Woche auf der Red Mile im Bluegrass Stake, ist er zudem der Schnellste seiner Generation und kann, geht bis dahin alles gut, in drei Wochen in der Breeders Crown allem die Krone aufsetzen.
Brian Sears, der ihn in guten wie in schlechten Zeiten bis auf eine Ausnahme - zum Ausklang 2018 saß Mike Wilder im Sulky - chauffiert und ob seiner Marotten nie die Nerven verloren hat, stellte ihm ein großartiges Zeugnis aus: „Ich bin überaus zufrieden, wie sich die Saison und der heutige Auftritt im Besonderen entwickelt haben. Nirgendwo kam ich in irgendeinen Trouble, konnte ihn ruhig vom Start bringen, ganz allmählich vorrücken und in Front ziehen. Und als ich dachte, es könne mal ein wenig schneller gehen, um jedweder Überraschung vorzubeugen, war er sofort bereit und ich hatte ’ne Menge Pferd in der Hand. Er kann enorm spurten - da kommt aus diesem Jahrgang keiner mit“, schrieb ihm der 51-jährige Sonnyboy ins Stammbuch, der mit Muscle Hill 2008 und 2009 einen ähnlich dominierenden Bomber in Händen hatte.
Bestätigt fühlen durfte sich fürs erste auch das Besitzerkonsortium um Brad Grant, das am 1. Oktober Maverick, den Vollbruder Greenshoes, für 1,1 Millionen Dollar erworben und zum teuersten Traber-Jährling aller Zeiten gemacht hat.
Der Rennverlauf
Voll auf ging der Masterplan der Melander-Trainees. Von der „2“ kam Marseille vor Chin Chin Hall am schnellsten in die Hufe, wogegen Sears in der Außenspur Dave Miller mit Gimpanzee den Vortritt ließ. Den härtesten Anfangspart hatte Green Manalishi zu bewältigen, der durch die dritte Spur dampfte und noch in der ersten Biege das Kommando an sich riss. Das war das Stichwort für Miller, Gimpanzee, dem zweijährigen König des Jahrgangs, die Sporen zu geben und zur Halbzeit selbst „in the lead“ zu schlüpfen, wodurch Greenshoe in zweiter Spur freie Fahrt voraus hatte mit Pilot Discretion, Union Forces und Don’t Let’em als „Hinterbänklern“. Es kam wie unzählige Male vorgeführt. Einmal in Gang gebracht, gab’s für Greenshoe keinen Stopp mehr. Natürlich ließ Miller den Stablemate nach einem Kilometer vorbei, der sich auf drei Längen abgesetzt hatte, als es auf die Zielgerade ging. Ohne einen Handschlag seines Piloten band der Father-Patrick-Sohn den Sack zu, wobei die Zeit von 1:09,1 auf der regendurchweichten Bahn, die im Rennbericht merkwürdigerweise als „gut“ ausgewiesen war, Nebensache blieb.
Platz zwei konnten weder der innen engagierte Gimpanzee noch Pilot Discretion halten. Bärenstark rackerte sich von hinten Don’t Let’em vorbei und zog Soul Strong, Svanstedts zweite Waffe, zu Platz vier. „Kung Åke“ selbst verpasste mit Marseille Rang fünf um einen „Hals“ und erhielt den nicht sonderlich begehrenswerten Titel „Bester ohne Geld“. Green Manalishi spürte den anfänglichen Kraftakt auf den finalen 100 Metern und fiel bis auf Platz sieben ab. „Marcus Melander - Nancy Johansson - Marcus Melander - Åke Svanstedt“ lautete die Viererwette, was die Übungsleiter betrifft. Die Skandinavier waren die großen Abräumer.
127. Kentucky Futurity - Finale - (Dreijährige)
1609m Autostart, 450.000 USD
1. Greenshoe 09,1 Brian Sears 11
3j.br. Hengst von Father Patrick a.d. Designed to be von Donato Hanover
Be: Courant AB, Hans Backe, Lars Granqvist, SE & Morten Langli, NO; Zü: Al Libfeld & Marvin Katz, CA; Tr: Marcus Melander
2. Don’t Let’em | 09,4 Yannick Gingras | 484 |
Sieg: 11; Richter: leicht 2 - ¾ - 3 - Hals - Kopf - ¾ - Kopf - 1 Länge; 12 liefen
Wert: 225.000 - 112.500 - 54.000 - 36.000 - 22.500 USD
So erfolgreich kann Sünde sein
Das 54. Kentucky Futurity Filly ging etwas an überraschend an Beautiful Sin, die Lennart Ågren für seinen SRF Stable vor zwei Jahren für 480.000 Dollar in Lexington an Land gezogen hatte und von deren Auftritt er selbst am meisten konsterniert war: „Bis vor zwei Monaten lieferte sie unter der Regie von Per Engblom eine Enttäuschung nach der anderen. Negativer Höhepunkt war Rang sieben im Oaks-Vorlauf. Als letzten Versuch hab ich den Trainer gewechselt, aber nie und nimmer gedacht, dass sie so weit nach vorn käme. Åke Svanstedt hat sofort viel von ihr gehalten, doch gemeint, die Probleme vielleicht nicht so rasch in den Griff zu bekommen. Beim ersten Start und Sieg unter seiner Regie nach sechs Wochen Rennpause in den Bluegrass Stakes war sie nicht wiederzuerkennen, und heute hat sie den bestätigt.“ Wobei die Muscle-Hill-Tochter, der beim neunten Auftritt erst der zweite Saisonsieg gelang, der ihr Jahressalär von 96.699 auf 230.199 Dollar springen ließ, zweifellos von Svanstedts Fahrership profitierte und sich auch bei Yannick Gingras bedanken durfte.
Nachdem ihr unter Engbloms Fittichen maximal 1:09,9 gelungen waren, hatte sie sich am 27. September in Dayton sofort auf 1:08,9 verbessert und drückte diese exquisite Marke um weitere vier Zehntelsekunden. Das verheißt für die Breeders Crown einiges.
54. Kentucky Futurity Filly (dreij. Stuten)
kommt nach einer durchwachsenen Saison mit vielen Aufs und Abs („Sie musste immer gegen die Besten ran; das hat ihr erstklassige Ergebnisse verhagelt“, nahm sie ihr Fahrer in Schutz.) gerade rechtzeitig in Schuss, um noch am großen Rad der Breeders Crown drehen zu können. Das ist die Erkenntnis der letzten Wochen über Jimmy Takters einstige Musterschülerin, die zweijährig bei zwölf Starts nie hatte bezwungen werden können und deren blütenweiße Weste bereits im Vorjahr einige unerwartete schwarze Tupfer bekommen hatte.
Vier Länge dahinter holte sich Svanstedts Nummer drei, Titelverteidigerin Ice Attraction, mit kernigem Endspurt aus siebenter Stelle Bronze vor Darling Mearas, der nominellen Nummer zwei des „grünen“ Quartiers. „Sieht so aus, als könnten wir die Sommersachen wegpacken und uns auf Regendresse einstellen“, grinste Dunn, „im Ernst: Ich bewundere die Bahnarbeiter, wie sie die Schlammbahn am Vormittag in einen befahrbaren Zustand bekommen haben, an dem es angesichts der Wetterlage nichts zu meckern gibt. Unterwegs hab ich versucht, das Tempo herauszunehmen, um Manchegos Reserven aufzusparen. Die brauchte sie auch, denn Åkes Pferd rückte in großem Stil an. Doch heute wollte sie niemanden vorbeilassen. Es ist mir eine Ehre, sie zu fahren.“
Allerage Farms Trot (int., Stuten)
1609m Autostart, 69.500 USD
1. Manchego 07,7 Dexter Dunn 20
4j.dklbr. Stute von Muscle Hill a.d. Secret Magic v. Cantab Hall
Be: Black Horse Racing; Zü: Brittany Farms; Tr: Nancy Johansson
2. Plunge Blue Chip | 07,9 Åke Svanstedt | 26 |
Sieg: 20; Richter: sicher ¾ - 4½ - 1 - 1½ - 3 - 6¼ Längen; 8 liefen
Wert: 34.750 - 17.375 - 8.340 - 5.560 - 3.475 USD