Eine Stunde, nachdem Aubrion du Gers als erster Tipp des Nachmittags seine 12:10-Pflichtaufgabe 1300 Kilometer südwestlich in Argentan erledigt hatte, vollstreckte die chronologische Nummer zwei: Für 14:10 war „Europameister“ Propulsion, nach dem Gewinn des Masters-Finales am 16. September in Östersund vom Stall Zet um Trainer Daniel Redén in Rente bzw. ins Deckgeschäft entlassen und dann doch noch einmal angeworfen, im „Feuchtgebiet Mölndal“ Chef im nassen Ring. Wie sehr sich der Rücktritt vom Rücktritt gelohnt hat, wurde an diesem kühlen, verregneten Nachmittag im Süden Göteborgs offenbar. Mit den heutigen 1.500.000 Kronen hat der Achtjährige seither schon wieder 2.753.745 Kronen zur Seite geschafft (insgesamt 24.939.062 SEK) und damit mehr als so manch einer seiner neun Mitstreiter im Lauf der gesamten Karriere.
So weit hinten wollte und durfte der Favorit nicht lange verharren, und so machte sich der „Iceman“ auf der ersten Überseite schwungvoll in dritter Spur auf die Strümpfe. Offensichtlich hatte Goop von Robert Bergh die Order erhalten, auf Gedeih oder Verderb gegenzuhalten oder gar selbst „von Kraft geträumt“. Jedenfalls nahm Muscle Hustle, der bereits in Umeå nach ähnlicher Taktik die Überlegenheit des Amis deftig zu spüren bekommen hatte, die Herausforderung an, so dass Propulsion die zweite Kurve in dritter Spur beackerte und erst 1100 Meter vorm Ziel an die Flanke Cyber Lanes herunterkam - ein immenser Kraftakt, der bei Einigen tiefe Sorgenfalten hinterlassen haben dürfte.
Kihlström indes wusste offenbar, was dieser Propulsion auch in harten Zeiten drauf hat. Hatte Goop bereits im Schlussbogen lange Arme - Muscle Hustle wurde für die Majestätsbeleidigung mit Platz acht abgestraft - und war Cyber Lane zu Beginn der Zielgeraden Geschichte, so schüttelte Propulsion den Überlandtransport ab wie die lästigen Regentropfen. Zwei-, dreimal die Peitsche sanft auflegen genügte, ihm, der tags zuvor stolzer „Papa“ eines Stutfohlens aus der 6,7 Millionen Kronen schweren Viola Siolas geworden war, die nötigen Reserven zum sicheren oder gar leichten Eine-Länge-Sieg zu entlocken.
Vom Rest am meisten im Angebot hatten Handsome Brad, der die erste innere Überholspur nutzte, und Bahia Quesnot, die auf der zweiten aktiv war. Beide lieferten sich ein brandheißes Kopf-an-Kopf-Duell, das haarscharf zugunsten des erst vor kurzem in die Gulddivisionen aufgestiegenen Brad-de-Veluwe-Sohnes ausging. Mit Day or Night In schnappte der vierte „Innenspurler“ nach einem gewagten Slalom Trainingskamerad Cyber Lane die vierte Prämie vor der Nase weg. Als Sechster bot Atupem keine schlechte Partie, doch bekam Finnlands Hoffnungsträger bei der ersten Saisonniederlage nach fünf „Dingern“ an der Strippe recht deutlich aufs Brot geschmiert, dass es in derart hochkarätigen Aufgaben viel härter zur Sache geht als in seiner Heimat.
Wohl kein Thema ist die Sprinter-WM am letzten Mai-Sonntag für Handsome Brad, obwohl sich der Sechsjährige dafür nachdrücklich empfahl. Carl Johan Jepson: „Ich bin nur der Fahrer, doch ich denke, der ist eine Stufe höher anzusiedeln als der Olympiatravet und kommt ein Jahr zu früh. Handsome Brad ist ja noch nicht so lange in dieser gehobenen Gesellschaft aktiv.“ Bei 1:10,9 stand Ringostarr Trebs im Vorjahr auf blanke 1:10 gedrückter Rennrekord nie zur Disposition; kein Wunder bei dem Gewaltmarsch außen herum auf der etwas schmierigen Piste.
39. Olympiatravet - Finale (Gruppe I int., UET Masters)
2140m Autostart, 2.780.000 SEK
1. Propulsion 10,9 Örjan Kihlström 14
8j.br. Hengst von Muscle Hill a.d. Danae von Andover Hall
Be: Stall Zet (Bengt Ågerup); Zü: Fredericka Caldwell & Bluestone Farms, US; Tr: Daniel Redén
Pflegerin: Ellinor Wernebring
2. Handsome Brad | 11,0 Carl Johan Jepson | 308 |
Sieg: 14; Richter: sicher 1 - k.Kopf - 1½ - 1½ Längen; 10 liefen dis.r.
Zw-Zeiten: 09,6/500m - 11,0/1000m - 10,8/1500m - 11,6/letzte 500m
Wert: 1.500.000 - 700.000 - 325.000 - 150.000 - 75.000 - 30.000 SEK
Bequemer Saisoneinstand
Eher einem Galopp-Festival denn einem Trabrennen glich der 2010 installierte Lovely Godivas Lopp für fünfjährige Stuten, in dessen kurzer Siegerliste Namen wie Tamla Celeber (2012) und Wild Honey (2017) stehen. Dibaba fiel vor Erreichen der Startstelle aus, im Bemühen, die Spitze zu behaupten, patzte Carna Sensei Ende der ersten Geraden, 100 Meter weiter war’s um Calamara’s Girl und Valchiria OP geschehen. Bei dem ganzen Durcheinander brauchte Björn Goop mit Favoritin Mellby Free schlappe 1:13,6 für die ersten 500 Meter zu investieren, um vor Commit Boom Bay und Havefunwithme locker in Front zu ziehen und fortan gemütlich zu regieren. Nach hinten versetzt führte Catch my Love die äußeren Gespanne an und wurde für die Schlussrunde von der Norwegerin Calina abgelöst, die gegenüber vergebens Druck auf die Leaderin auszuüben suchte.
Lovely Godivas Minne (Gruppe II int., fünfjährige Stuten)
2140m Autostart, 589.000 SEK
1. Mellby Free 14,4 Björn Goop 23
5j.dklbr. Stute von Muscle Hill a.d. Mellby Ticket von Windsong’s Legacy
Be / Zü: Mellby Gård AB; Tr: Björn Goop
2. Calina 14,5 | 14,5 Frode Hamre | 371 |
Sieg: 23; Richter: leicht 1 - ½ - ½ - Hals - 1½ Längen; 12 liefen
Zw-Zeiten: 13,6/500m - 17,0/1000m - 16,0/1500m - 11,2/letzte 500m
Wert: 300.000 - 150.000 - 68.000 - 33.000 - 19.000 - 11.500 - 7.500 SEK
Im einleitenden Olympiastayern über mindestens 3140 Meter nutzte Örjan Kihlström mit dem von Robert Bergh trainierten Whipped Eggs konsequent die bis zu 40 Meter Vorsprung, die ihm die Ausschreibung zugestand. Sofort das Dirigat übernehmend, stellte der 56-jährige den Tempomat auf 1:14 und zog stets mindestens 20 Meter vorneweg seine einsamen drei Runden. Als Antonio Trot 600 Meter vorm Ziel endlich ernsthaft nachzusetzen begann, war der Drops für den Ready-Cash-Sohn längst gelutscht, der sogar noch einen Zacken zulegte, rund 30 Meter voraus in 1:14,2/3140m um 150.000 Kronen reicher und damit für so manches Pech entschädigt wurde, das ihm bei den letzten vier Auftritten widerfahren war. Der von Joakim Lövgren gesteuerte Lasbeker Juan, wie Antonio Trot und einige andere mit 40 Meter Zulage bedacht, trug lange die rote Laterne und ergatterte mit gepflegtem Endspurt Rang fünf und 12.000 Kronen.
Sehr achtbar hielt sich in einer hammerhart bestückten Bronsdivisionen der zu Björn Goop gewechselte Pelle Barosso, den der zwölffache Schweden-Champ beim dritten Auftritt unter seiner Regie erstmals selbst an die Hand nahm; in Vincennes hatte ihn Eric Raffin zu den Plätzen zwei und fünf geführt. Goop lancierte den Jauss-Traber ins dritte Paar innen, wo er aus weiter Ferne zusah, wie sich der von Markus Waldmüller von der „7“ an die Spitze katapultierte Harran Boko und Vincero‘ Gar 40 Meter vor dem Rest in irrwitzigem Tempo beharkten. Nach 700 Meter hatte Alessandro Gocciadoro ein Einsehen und parkte nach Partialen von 1:07,8 für 500 und 1:09,9 für 1000 Meter dahinter ein.
Auf der zweiten Überseite, als die rasende Fahrt auf 1:11,8 für 1500 Meter gedimmt war, rückte das Feld dichter zusammen. Als Italiens „Mann in Gelb“, der bereits die Silverdivisonen mit Varieta‘ Luis abgeräumt hatte, 500 Meter vorm Ziel dem Lugauer-Schützling ein zweites Mal auf den Zahn fühlte, war‘s um den rasch geschehen: In 1:13,5 erreichte er ausgepumpt als Neunter die Linie. Anders der SJ’s-Photo-Sohn, der sich unverdrossen reinhängte und vier Längen vor dem durchweg ersten Verfolger Cobbys Olifant nach 1:11,9/2140m hart erarbeitete 125.000 Kronen einsackte. Pelle Barosso rannte, was die Lungen hergaben, und hatte als Fünfter (1:12,6 / 10.000 SEK) das nötige Quäntchen Glück, dass Gina Schermer und Martin de Bos um einen Hauch zu spät kamen.
V75-1 (Stayer): | Whipped Eggs / Örjan Kihlström 63 |
Umsatz V75: 101.650.149 SEK
1. Rang: 5.256 Systeme à 5.028 SEK
2. Rang: 51 SEK
3. Rang: Jackpot
Umsatz Top-7 (Klass I): 1.642.537 SEK