(mw) Solvalla, Mittwoch, 18. August 2021. Wie fast immer hatten Solvallas Macher eine überwältigende Party kreiert zum Wiegenfest der schwedischen National-Arena. Mittlerweile dem 94. jener Bahn, die sich seit 1927 aus kleinen Anfängen zum Vorzeige-Objekt ganz Nordeuropas gemausert hat: Nicht nur für schwedische „Aficionados“ ist sie „världens bästa travbana“. Und zur Freude Aller durften nach dem Corona-Lockdown, bei dem von April 2020 bis 31. Mai 2021 Besucher durchgehend von Schwedens Rennbahnen verbannt waren, endlich auch wieder Zuschauer „live“ mitfiebern.
Kleiner Schwarzer ganz groß
Fürs eigentliche Geburtstagsrennen, den seit 1977 zum 50. Jahrestag gegründeten und seit 2009 ausschließlich Fünfjährigen vorbehaltenen, mal eben von 1.965.000 auf runde drei Millionen Kronen ordentlich erhöhten Jubileumspokalen mussten die Zuschauer in nah und fern bis um „halb Zehn“ ausharren. Drei Derby-Sieger (Alrajah für Italien, Iggy B.R. für Norwegen, Hail Mary für Schweden), Elitloppet-Triumphator Don Fanucci Zet, Italiens gefallener Derby-Favorit Axl Rose, dazu Aetos Kronos, der an Ort und Stelle vor zwei Jahren mit dem Breeders-Course-Finale das erste von vier Rennen der Kategorie I gewonnen hatte - das Experten-Trio im ATG-Studio (u.a. Wim Paal) kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus.
Bereits eingangs der ersten Überseite durfte der Italiener mit dem schwedischen Reisepass nach vorn - die ersten 500 Meter wurden in 1:06,9 gestoppt - und hatte damit früh die bombenfeste Basis für den 16. und wertvollsten Erfolg seiner 38 Starts umfassenden Laufbahn gelegt. „Natürlich haben wir im Training gemerkt, dass er jetzt viel mehr Grundschnelligkeit entwickelt als noch vor einem halben Jahr. Es ist das Franzosenblut, das jetzt zu wirken beginnt. Aber dass er nach nicht mal 500 Metern ohne sonderliche Anstrengung die Nase vorn hat, hätte auch ich nicht erwartet“, gestand Super-Optimist Jerry Riordan als „Mastermind“ des kleinen Schwarzen anschließend freimütig.
Des Bergh-Schützlings zeitiger Rückzug zwang Alrajah One und Don Fanucci Zet früher als geplant in Spur drei, doch auch ohne diesen weiten Weg hätten sie Aetos Kronos nie erreicht. Der Bold-Eagle-Sohn fegte dahin wie aus einem Guss, hängte den bis dahin ärgsten Verfolger Click Bait in der Schlusskurve um 20 Meter ab und blieb bis zum Pfosten, den er nach 1:09,9 - Rennrekord von niemand Geringerem als Readly Express (2017) eingestellt -, strong bei der Sache.
Nur zur Sicherheit befreite ihn Magnus Djuse für die letzten 100 Meter von der Zugwatte und pfefferte sieben Längen vor dem gedemütigten Rest ins Ziel, von dem Guzz Mearas zu Beginn und Upstate Face wie Hail Mary Mitte des Einlaufs die rote Karte sahen. Örjan Kihlström hatte früh gefühlt, dass es mit der Titelverteidigung nichts werden würde - 2020 waren er und Daniel Redén dank Missle Hill obenauf - und konzentrierte sich voll und ganz auf die Sicherung des Ehrenplatzes. Das gelang gegen Click Bait und Alrajah One, dem dann doch die Puste ausging und der sich um die vierte Prämie Iggy B.R. ganz knapp vom Leib hielt, bestens.
„The winner takes it all“ - Lorbeeren und große Gefühle sowieso und bei Magnus Djuse potenziert. Der 21-jährige fuhr „Daumen hoch“ durchs Ziel, schleuderte die Peitsche wie weiland Stig Johanssons nach Victory Tillys Elitloppet-Sieg in hohem Bogen davon - und ließ Sekunden später seinen Tränen freien Lauf.
Riordan blickte mit Genugtuung weit zurück: „Es war ein Trostpflaster für jene Startgaloppade, die ihn vor zwei Jahren aus dem Travkriterium geworfen hat und die mich noch immer wurmt. Für die Snyders freut mich dieser Sieg ganz besonders, die extra aus New York eingeflogen sind. Sie lieben es, ihr Pferd live zusehen, sie lieben Europa, doch mussten sie wegen der Corona-Auflagen und -Restriktionen ein ganzes Jahr auf diesen Besuch warten. Und dann bekommen sie solch eine grandiose Vorstellung geboten. Und es freut mich für Magnus, der mit seinen 21 Jahren ein unerhört talentierter Fahrer ist."
"Ich gebe zu, dass er nicht meine erste Wahl war - das war Johan (Untersteiner/Anm.d.Red.), der Aetos beispielsweise zum Triumph im Wallner-Memorial chauffiert hat. Johan wollte es mit dem eigenen Guzz Mearas versuchen, was völlig okay ist, und so bin ich bei Magnus geblieben, obwohl auch Björn Goop frei gewesen wäre. Ich bin der Meinung, Magnus ist für Aetos der passendere Partner, was nichts gegen die Qualitäten Goops sagt. Doch wir reden hier über Profi-Sport auf höchstem Niveau, bei dem es um viel Geld geht. Dafür ist das Beste oder am besten Passende gerade gut genug.“
Nichts zu meckern hatte Daniel Redén: „Örjan hat sofort gespürt, dass Don Fanucci Zet nicht in jener Super-Form des Elitloppet war, derer es zumal mit der bescheidenen Ausgangslage bedurft hätte, um Aetos Kronos zum Kampf zu stellen. Ob es überhaupt möglich gewesen wäre, ihn zu bezwingen, ist sehr fraglich, so wie der aufgetreten ist. Unser großes Saisonziel war der Elitloppet. Dieser Ehrenplatz fühlt sich wie ein halber Sieg an. Größere Ambitionen haben wir in diesem Jahr mit ‚Don‘ nun nicht mehr. Vielleicht spanne ich ihn noch einige Male in normalen Rennen an.“
45. Solvalla Jubileumspokalen (Gruppe I int., Fünfjährige)
2140m Autostart, 1.965.000 SEK
1. Aetos Kronos 09,9 Magnus Djuse 64
5j.schwbr. Hengst von Bold Eagle a.d. Will of a Woman von Muscles Yankee
Be: Team Snyder AB & Aetos Dios AB; Zü: Allev. Kronos S.R.L. Soc Agr; Tr: Jerry Riordan
Pflegerin: Heli Tarrimaa
2. Don Fanucci Zet 10,5 Örjan Kihlström 36
3. Click Bait 10,7 Per Lennartsson 128
4. Alrajah One 10,9 Alessandro Gocciadoro 194
5. Iggy B.R. 10,9 Magnus Gundersen 1003
Upstate Face dis.r. Adrian Kolgjini 132
Guzz Mearas dis.r. Johan Untersteiner 350
Hail Mary dis.r. Robert Bergh 48
Axl Rose dis.r. Erik Adielsson 312
Admiral As agh. Mats Djuse 37
Sieg: 64; Richter: überlegen 7 - 2 - 1½ - Kopf; 10 liefen
Zw-Zeiten: 06,9/500m - 10,6/1000m - 10,1/1500m - 09,4/letzte 500m
Wert: 1.500.000 - 750.000 - 375.000 - 200.000 - 110.000 - 65.000 SEK
Video: https://www.youtube.com/watch?v=rDeklBZW5oU
Trond Anderssen zum Gedenken
Chronologisch erster Höhepunkt war die um 200.000 auf 2.000.000 Kronen aufgestockte European Championship for Fillies and Mares, die ohne Stall Habos Kate Baldwin und Namanga Bo sowie die an Halsschmerzen leidende Finnin Willow Pride mit neun Ladys stattfand. Für die in diesem Jahr so erfolgreiche Sybille Tinter besonders bitter. Dem Vernehmen nach stand sie mir ihren Pferden im Stau und versäumte die Drei-Stunden-Frist zum Einrücken in den überwachten Bereich, der für die Teilnehmer der Gruppe-I-Rennen bestimmt war. Lt. einer offiziellen Mitteilung des schwedischen Verbandes trafen die Tinter-Pferde um 17:35 Uhr und damit eineinhalb Stunden zu spät ein. Der Verlust der Startberechtigung ist eine Kann-Bestimmung, die die Rennleitung konsequent auslegte und die beiden Habo-Stuten vom Start verwies.
Nach der Dauermassage hisste sie 500 Meter vor Schluss die weiße Fahne. Da die in dritter Spur auf Eroberungstour gehende Kali Smart auch bald an Grenzen stieß, hatte Erik Adielsson allen Platz der Welt für den Schlussangriff. Eingangs der Zielgeraden nach außen beordert, streckte Außenseiterin Miracle Tile die Tempomacherin um 1½ Längen nieder und verdoppelte mit diesem Riesenwurf fast ihr Einkommen, das nun 2.235.527 Kronen beträgt.
Prix Maharajah / European Championship for Fillies and Mares (Gruppe I int., drei- bis zehnj. Stuten)
2140m Autostart, 2.000.000 SEK
1. Miracle Tile 10,6 Erik Adielsson 192
7j.br. Stute von Cantab Hall a.d. Shambala Dream von Daguet Rapide
Be: Stall Grini AS, NO; Zü: Vestmarke AB, NO/SE; Tr: Kristian Malmin
Pflegerin: Jeanett Borgstein
2. Mellby Free 10,7 Björn Goop 34
3. Unique Juni 11,3 Mats Djuse 140
4. Allegra Gifont 11,6 Alessandro Gocciadoro 57
5. Kali Smart 11,6 Adrian Kolgjini 160
6. Chicharita 11,7 Jorma Kontio 140
7. Rebella Matters 12,1 Joseph Verbeeck 29
8. Dear Friend 12,7 Johan Untersteiner 122
Eenymeenyminymoe dis.r. Örjan Kihlström 241
Sieg: 192; Richter: sicher 1½ - 5 - 2½ - 1½ Längen; 9 liefen (NS Willow Pride / Halsinfekt; Kate Baldwin, Namanga Bo / beide andere Ursachen)
Zw-Zeiten: 08,4/500m - 10,9/1000m - 10,6/1500m - 10,6/letzte 500m
Wert: 1.000.000 - 500.000 - 250.000 - 135.000 - 75.000 - 40.000 SEK
Leuchtender Asteroid
Zum V75-Abschluss ließ im Big Noon Pokalen für Drei- und Vierjährige, bei dem die jüngeren Semester 20 Meter Vorsprung auf die 1.640 Meter kurze Reise nahmen, Asteroid sein Licht strahlend hell in den Nachthimmel leuchten. Der Creatine-Nachkomme, der erste schmale Meriten zweijährig bei Per Engblom in den USA gesammelt hatte und Anfang 2021 nach Norwegen zu Frode Hamre gekommen war, ließ sich auch durch den für ihn eher ungewohnten Bänderstart - es war erst sein zweiter - keinen Moment aus der Fassung bringen. Mit der „3“ flitzte er sofort an die Tête – und dort hatte sein Chauffeur Björn Goop die Idee, das Tempo enorm zu drosseln.
Die Gefahr drohte aus Asteroids Schlagschatten, denn Underdog Whothehillareyou, der gerade mal einen Volltreffer auf dem Kerbholz hatte, rückte peu à peu näher und stellte ihn zum Kampf. Der Umsturz schlug um eine halbe Länge fehl, so dass der Asteroid auch beim sechsten Versuch in Europa seine weiße Weste behielt und das etwas magere Konto um 300.000 auf 669.759 Kronen kräftig füllte.
Big Noon Pokalen (int., Drei- und Vierjähr.)
1640 Meter Bänderstart, 20m Zulage für Vierjährige; 608.000 SEK
1. Asteroid 1640 12,8 Björn Goop 17
3j.dklbr. Hengst von Creatine a.d. Ultimate Cameron von Yankee Glide
Be: Global Glide AB & Falkbolagen AB; Zü: Diamond Creek Farm LLC, US; Tr: Frode Hamre
Pflegerin: Amalie Lissham
2. Whothehillareyou 1640 12,9 Mats Djuse 496
3. Rome Pays Off 1660 12,1 Robert Bergh 55
4. Chestnut Hill 1660 12,2 Magnus Djuse 303
5. Boston Wise L 1660 12,8 Per Lennartsson 41
6. Sashay Kemp 1660 17,5g Claes Sjöström 568
Bidensky 1640 dis.r. Örjan Kihlström 93
Fire n’Fury 1660 agh. Rikard Skoglund 1076
Sieg: 17; Richter: Kampf ½ - 1¼ - ¾ - 3½ Längen; 8 liefen (NS Ciak Bi / Fesselentzündung; Crak di Girifalco / lahm)
Zw-Zeiten: 16,6/500m - 13,3/1000m - 12,4/letzte 500m
Wert: 300.000 - 150.000 - 75.000 - 37.000 - 20.000 - 13.000 - 13.000 SEK
Mit einem echten Knaller ging die zehn Prozent weniger Umsatz als 2020 generierende Königswette los: Mit dem bei 578:10 notierten Bransbys Juke Box hatte im Jubileumsstayern praktisch niemand gerechnet. Hans Crebas erbte mit dem achtjährigen Wallach das Kommando, als der mit dem ersten Schritt das Tempo vorgebende Reddington urplötzlich in der vorletzten Kurve ausfiel und das Feld über die seit diesem Jahr zur Pflicht gewordene innere Ausweichspur räumte. Schien die mit 40 Metern Zulage bedachte Racing Brodda im Windschatten des Außenseiters alles passend für ihren 13. Coup zu haben, so rieben sich Fachleute wie Laien im Einlauf verwundert die Augen.
200 Meter vorm Ziel auf Attacke gepolt, vermochte die Prodigious-Tochter den Underdog nicht im Mindesten zu erschüttern. Der machte die Juke-Box an, schmetterte ihr ein Liedchen, das sich gewaschen hatte, und machte überraschend leicht seinen zehnten und wertvollsten Sieg aus 56 Versuchen fix, der sein Konto nach 1:14,5/3140m um 100.000 auf 623.250 Kronen stemmte. Racing Brodda (1:13,8/3180m; 32:10) erhielt die Hälfte.
Nach dem Favoritensterben auf den ersten drei Stationen ging es anschließend etwas gemäßigter zu, doch blieb nach Aetos Kronos‘ Sieg nur noch ein System übrig - und genau das hatte mit Asteroid den einzigen Favoriten, der dieser Einschätzung gerecht wurde, nicht auf dem Schein. So werden fast 10 Millionen Kronen zusätzlich im ersten Rang am kommenden Samstag in Gävle ausgespielt.
V75-1 (Stayer): Bransbys Juke Box / Hans Crebas 578
V75-2 (drei. Sto): Lara Boko / Mika Forss 111
V75-3 (Elit-Sto): Miracle Tile / Erik Adielsson 192
V75-4 (Sto): Dixie Brick / Jorma Kontio 84
V75-5 (Sto): Eight Hour / Kevin Oscarsson 39
V75-6 (Jub-Pok.): Aetos Kronos / Magnus Djuse 64
V75-7 (3- & 4j.): Asteroid / Björn Goop 17
Umsatz V75: 38.406.108 SEK
1. Rang: Jackpot 9.985.588 SEK
2. Rang: 14.177 SEK
3. Rang: 432 SEK
Umsatz Top-7 (Sto): 805.920 SEK