Wer den für bare Münze genommen hatte, konnte im Prix du Luxembourg auf Anzi des Liards, den großrahmigen Wallach aus dem Süden der Republik, bei 187:10 ein schönes Schnäppchen landen. Im „kleinen Amérique“, der mit dem „echten“ allerdings wenig gemein hat, weil er mit dem Auto gestartet wird, demzufolge über 2100 Meter führt und auch offen für hochkarätige Wallache ist, holte sich der mit zehn Jahren älteste Teilnehmer mit dem 17. zugleich den renommiertesten Erfolg seiner Karriere, schraubte sein Konto auf 822.680 Euro und rächte sich umgehend an Jean-Michel Bazire für die kürzliche Niederlage. Der wurde mit 18:10-Favorit Dorgos de Guez, nachdem er sich an der letzten Ecke erst rustikal freirempeln musste, Zweiter vor Earl Simon, für den es für den Prix d’Amérique nicht gereicht hatte, und Mindyourvalue W.F., der seinem Ruf als unbarmherziger wie unbequemer Tempomacher zum x-ten Mal gerecht wurde und einmal mehr bewies, dass ihm die Weiten des Plateau de Gravelle um Lichtjahre besser munden als die vergleichsweise engen Parcours seiner schwedischen Heimat.
Haller hielt sich mit der innersten Startnummer durchweg im fünften Paar innen auf, und obwohl es bei 1:11,0 für 1500 Meter dank Mindyourvalue W.F., der im Bogen von Joinville Earl Simon das Kommando abgeknöpft hatte, alles andere als im Schlafwagentempo zur Sache ging, blieb das Feld ganz dicht beieinander, so dass sich für Orlando Jet kaum eine Passage öffnete. Als er ab 250 Meter vorm Ziel nach vorn etwas Luft hatte, konnte sich sein Chauffeur für Momente Hoffnungen auf eine kleine Prämie machen, die jedoch rasch wieder zerstoben.
Anders Romain Derieux, der Anzi des Liards zwar seit 4½ Jahren fährt, ihn jedoch erst vor kurzem ins Training bekommen hat, nachdem der Look-de-Star-Sohn zu seinem Züchter Richard Padovani zurückgekehrt war: „Er hat einen solchen Hochkaräter allemal verdient, speziell nach seiner bärenstarken Leistung zu Cleangame. Ein bisschen überrascht bin ich allerdings schon, denn allzu viele Autostarts hat er nicht bestritten, weil er eher langsam auf Touren kommt und ein Typ für längere Distanzen ist.“ So blieb der Prix du Luxembourg, in dessen Siegerliste sich zahlreiche prominente Ausländer tummeln wie Exploit Caf (2007), Yarrah Boko (2012), On Track Piraten (2015) oder Trebol (2016), zum zweiten Mal in Folge im Lande. Schneller als Anzi des Liards mit 1:10,9 holten sich lediglich 1:10,6-Rennrekordler Urlo dei Venti sowie Rapide Lebel und Cleangame (beide 1:10,8) Lorbeeren und ersten Scheck ab.
Zwei Längen hinter diesem Quartett war das Getümmel gewaltig. Letztlich trennten Orlando Jet von Platz fünf, den sich der lange Zeit als Amérique-Kandidat gehandelte Détroit Castelets haarscharf vor Belle Louise Mabon und dem sich ausnahmsweise mal jeden Aussetzer verkneifenden Black Jack From krallte, nur etwas mehr als eine Länge.
Prix du Luxembourg (Gruppe III int., Fünf- bis Elfjährige, keine 800.000 Euro)
2100 Meter Autostart, 100.000 Euro
1. Anzi des Liards 10,9 Romain Derieux 187
10j.br. Wallach von Look de Star a.d. Nausicaa du Sud von Ganymède
Be / Zü: Richard Padovani; Tr: Romain Derieux
2. Dorgos de Guez | 11,0 Jean-Michel Bazire | 18 |
Sieg: 187; Richter: sicher ¾ - Hals - ½ - 2 - ¼ - Hals - Hals - Kopf - ½ Länge; 14 liefen
Zw-Zeiten: 07,9/600m - 10,0/1100m - 11,0/1600m
Wert: 45.000 - 25.000 - 14.000 - 8.000 - 5.000 - 2.000 - 1.000 Euro
Coupe d’Europe des Amateurs an Österreich
Popeye guter Zweiter
Die deutsche Fahne hielt 500 Kilometer südlich auf dem 1200 Meter langen Rechtskurs von Saint Galmier wenige Minuten später Popeye Diamant hoch. Lange bitten ließ sich Gerd Biendl mit dem „Spinatmatrosen“ im Prix du Parcours Gourmand (2000m Autostart, Sechs- bis Zehnjährige, keine 170.000 Euro) nicht, entriss dem knapp zum Favoriten erkorenen Whole Lotta Love ausgangs der ersten Kurve das Zepter und führte fortan souverän um die Runden. Als Whole Lotta Love, inzwischen nach außen beordert, ausgangs der Schlusskurve aus dem Takt geriet, hing der Himmel für den Diamanten endgültig voller Geigen. Philippe Daugeard brachte seinen Schützling nach neun Galoppsprüngen rechtzeitig vor der Enquete-Marke zur Räson, wogegen sich bei Popeye eine alte Unsitte bemerkbar machte: So einsam und allein voraus, stellte er den Betrieb fast ein und wurde prompt vom noch mal tief Luft holenden einzigen ernsthaften Rivalen um eine halbe Länge aus allen Siegträumen gerissen. Nach 1:13,9 zu 1:14,0 flossen nur 6.500 statt durchaus möglicher 11.700 Euro in seine Schatulle.