„Ich habe die Pferde nun mal im Blut!“ - Berlins Trabrennsport-Legende feiert runden Geburtstag
Ein Jahr später folgte ein erneuter spektakulärer Treffer: der Triumph im „Großen Preis von Mariendorf“, einem Zuchtrennen. Dass es im Sulky des Hengstes Haddy so toll für ihn ausging, hatte der vor Aufregung beinahe schlotternde Teenager vor 30.000 Zuschauern einem seiner Konkurrenten zu verdanken – dem unvergessenen Gerhard Krüger. Denn „Kwiete“ war in der über die Steherdistanz ausgetragenen Prüfung ein fataler Irrtum unterlaufen. „Ich war unendlich nervös und hatte mich schlichtweg vertan. Als wir auf das Ziel zuschossen dachte ich, es geht noch eine Runde weiter“, schildert Kwiet das damalige Geschehen. Doch der im Pulk nicht weit von ihm entfernt liegende Gerhard Krüger hatte diese Fehleinschätzung bemerkt und Mitleid mit seinem jungen Kollegen. „Worauf wartest Du denn noch – fahr endlich los!“, rief Krüger herüber. Kwiet wurde wachgerüttelt und gewann das Rennen nach Zielfoto.
Die bedeutendste Würdigung erhielt Kwiet aber nicht wegen seiner sportlichen Verdienste. 2009 wurde der Altmeister im Schloss Bellevue vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler empfangen und für sein gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet. Denn Kwiet hat sich stets auch für karitative Projekte eingesetzt. Mit seinem Lieblingspferd, dem Wallach Glückauf, verdiente der Sulkyfahrer bei den gemeinsamen Starts und über zusätzliche Spenden rund 40.000 Euro. Dieses Geld floss bis auf den letzten Cent auf das Konto der Tempelhofer Kinderklinik St. Joseph, und Kwiet ist sich sicher: „Glückauf muss gespürt haben, für welch guten Zweck er lief. Er hat in seinen Rennen immer alles gegeben und seine Sache grandios gemacht!“
Das Schicksal der Derby-Piste liegt ihm sowieso immer am Herzen. Als die Mariendorfer Bahn nach der Jahrtausendwende wirtschaftlich ins Trudeln geriet und nach dem Willen der damals Verantwortlichen aufgegeben werden sollte, war es Kwiet, der gemeinsam mit dem Berliner Unternehmer Ulrich Mommert maßgeblich den Widerstand organisierte und für den Erhalt gekämpft hat. Er ist seitdem Vizepräsident des Rennvereins – obwohl er viel lieber im Sulky als am Konferenztisch sitzt. Mit Ulrich Mommert verbindet ihn ohnehin seit langer Zeit eine berufliche und zugleich freundschaftliche Partnerschaft. „Es gibt immer mal ein Auf und Ab – aber 25 gemeinsame Jahre haben uns zusammengeschweißt und ein großes Lob muss ich vor allem Ulrich Mommerts Gattin Karin zollen. Auch wenn es mit den Pferden mal nicht so gut lief, hat sie stets zu mir gehalten“, sagt Kwiet voller Respekt.
Natürlich hatte sich seine verstorbene Frau auch dem täglichen Rhythmus voll und ganz angepasst. Denn im Hause Kwiet klingelt der Wecker schon seit Jahrzehnten täglich morgens um 4 Uhr und das wird auch zukünftig so bleiben. Dann heißt es: Raus aus den Federn und ab in den Stall! Auf dem nordwestlich von Berlin gelegenen Gestüt Eichstädt der Familie Mommert lässt es „Kwiete“ mittlerweile zwar etwas ruhiger angehen, denn dort führt Thomas Holtermann bei den Schnellfahrten die Regie und der Altmeister konzentriert sich mehr auf die fachgerechte Betreuung der edlen Vierbeiner. Doch ansonsten hat sich nichts verändert und es gibt keinen Grund, an seinen Worten zu zweifeln, wenn Peter Kwiet voller Überzeugung sagt: „Ich habe die Pferde nun mal im Blut und wenn sie mich in der Morgendämmerung mit einem fröhlichen Wiehern begrüßen, dann weiß ich, wofür sich die viele Arbeit lohnt!"