70.000 Euro lockten zum Abschluss ihrer Dreijährigen-Rallye mit Gladiateur den in der Normandie bei Roman Krüger geborenen St-Leger- und Adbell-Toddington-Sieger und Juan Les Pins, den jeweiligen Zweiten in diesen deutschen Klassikern. Das Ranking aus den beiden Vergleichen blieb nach 2100 Metern bestehen, denn der Gladiator, den Michael Nimczyk aus der zweiten Startreihe glänzend als inneren Dritten hinter Tempomacher Alcide Roc und Gilmour untergebracht hatte, dankte die konsequente Schonung mit der fünften Prämie in Höhe von 3.500 Euro und kann mit 53.327 Euro in die Winterruhe gehen.
„Ich habe mich verhältnismäßig früh zum Angriff entschieden, weil bergauf die Pace völlig heraus war und ich eine Sprintankunft vermeiden wollte. Für Gu sind abrupte Tempowechsel noch schwierig umzusetzen, er liebt gleichmäßige Tempi. Er ist ein harter Bursche, der so eine Attacke locker wegsteckt, und kann mal ein richtig Guter werden“, kommentierte Nivard.
Prix de Mansle (Gruppe III int., dreij. Hengste & Wallache, keine 100.000 Euro)
für dreijährige einheimische Satteltraber begann der kurzweilige Nachmittag, an dem für viele Vierbeiner der mittleren Gewinnklasse reichlich Geld im Topf war. Nach sieben zumeist überlegenen Monté-Siegen, die nur durch eine rote Karte unterbrochen worden waren, schien Grâce de Faël unschlagbar. Und genauso einen desaströsen Aufgalopp wie am 9. November genehmigte sich die Sam-Bourbon-Tochter gemeinsam mit Gaston du Roc und Galéo du Tordoir und entschwand mit den beiden Außenseitern, die wie sie kaum zu beruhigen waren, früh an den Disqualifikationsturm. Die unerwartete Gunst der Stunde nutzte Mathieu Mottier mit Gee, die schon zwei halbklassische „Monté-Schleifen“ geerntet hatte, und flitzte vorneweg, dass den Anderen lange nur der Gänsemarsch blieb.
Eitel Freude bei Reiter und Trainer, die jeweils ihren ersten halbklassischen Sieg überhaupt feierten: „Benjamin hat ein tolles Rennen geritten und dem Gangster alles sehr passend serviert. Gerechnet hatte ich im Vorfeld gegen Grâce de Faël nicht mit einem Erfolg“, gestand Lecroq. Rochard ergänzte: „Von Mal zu Mal macht‘s mehr Spaß, ihn zu reiten, weil er immer weiter dazulernt und sich stets bis zum Letzten reinhängt. Ich drücke die Daumen, dass er bis zum Prix de Vincennes am 22. Dezember fit bleibt - das ist unser nächstes Ziel.“
Prix Raoul Ballière - Monté - (Gruppe II nat., dreij. Hengste und Stuten)
2175 Meter Bänderstart o.Z., 100.000 Euro
1. Gangster du Wallon 13,4 Benjamin Rochard 109
3j.br. Hengst von Let’s Go Along a.d. Umeda du Wallon von Nil du Rib
Be / Tr: Philippe Allaire: Damien Lecroq; Zü: Erick Dewaele
2. Gladys des Plaines | 13,4 Eric Raffin | 120 |
Sieg: 109; Richter: sicher 1 - 1½ - 4 - 12 - 5 Längen; 11 liefen
Zw-Zeiten: 12,7/575m - 12,3/1175m - 13,2/1675m
Wert: 45.000 - 25.000 - 14.000 - 8.000 - 5.000 - 2.000 - 1.000 Euro
Face Time Bourbon wie auf Schienen
Wesentlich besser versah 35 Minuten später im Prix Octave Douesnel, der letzten Pflicht für die 2015 geborenen französischen Hengste (die Mesdames sind am Sonntag dran) vor dem für den 22. Dezember terminierten Critérium Continental, der Tipp des Tages, ja des gesamten trabrennsportlichen Wochenendes weltweit seinen Dienst. 16 Siege aus 19 Starts hatte Face Time Bourbon in seinem Stammbuch stehen, dazu eine rote Karte und zwei „echte“ Niederlagen gegen Falcao de Laurma in Vincennes, Vitruvio in Modena. Der wie ein Porsche mit Automatik-Getriebe zu fahrende Ready-Cash-Sohn aus der Zucht Rainer Engelkes bzw. dessen Haras Saint Martin begann die 2700-Meter-Prüfung mit einem kernigen Sprint, der ihm sofort vor seinem als ernsthaftester Rivale ausgemachten Falcao de Laurma, Frisbee d’Am und Follow You die Tête sicherte.
Platz drei ging an den von Maik Esper vorbereiteten Fun Quick, der dafür das Glück des Tüchtigen hatte, dass sich 150 Meter nach Falcao de Laurma auch Frisbee d’Am, der Zweite des Grand Prix de l’UET aus Helsinki, und der sich erstmals auf diesem Niveau versuchende Fifty Black nur sechs Tage nach seinem Erfolg im Le Trot Open des Régions im Galopp um die besseren Prämien ausklinkten. „Heute musste er nur die letzten 250 Meter wirklich arbeiten, als ihn Björn etwas ernsthafter gefordert hat. (Die finalen 500 Meter wurden für Face Time Bourbon mit 1:07,6 gestoppt./Anm.d.Red.). Es ist etwas stressig, solche Pferde zu präsentieren, weil natürlich alle Welt einen Sieg erwartet, aber wir im Training nicht alles herausfahren wollen. Ich hoffe, er ist am 22. Dezember in einer Verfassung wie heute. Nach dem ‚Continental‘ werden wir entscheiden, ob es bereits heuer in den Amérique geht“, kommentierte Guarato.
Prix Octave Douesnel (Gruppe II nat., vierj. Hengste)
2700 Meter Bänderstart o.Z., 100.000 Euro
1. Face Time Bourbon 14,6 Björn Goop 13
4j.dklbr. Hengst von Ready Cash a.d. Vita Bourbon von Love You
Be: Scud. Bivans Srl, IT; Zü: SARL Haras Saint Martin (Rainer Engelke); Tr: Sébastien Guarato
2. Fakir du Lorault | 14,9 François Lecanu | 130 |
Sieg: 13; Richter: überlegen 5 - 2 - ¾ - 3½ - Kopf - 9½ Längen; 10 liefen
Zw-Zeiten: 17,1/1200m - 16,6/1700m - 16,3/2200m
Wert: 45.000 - 25.000 - 14.000 - 8.000 - 5.000 - 2.000 - 1.000 Euro
Weil Gewinnen auch nach fast 7.000 Siegen noch viel Spaß macht, legte der zwölffache schwedische Champion gleich noch einen nach. Die Quinté-Prüfung des Nachmittags, der über 2100 Meter führende Prix d’Hautefort um 58.000 Euro für sieben- bis zehnjährige Hengste und Wallache, die keine 251.000 Euro ihr Eigen nannten, wurde eine ganz leichte Beute des von seinen Eltern gezüchteten und für die Goops laufenden Bryssel. Nach 1400 Meter Abwarten im Mittelfeld gab Goop dem Ready-Cash-Sohn kräftig die Sporen. Der setzte sich willig ein und auf der Zielgeraden leicht auf 2½ Längen ab, was der Goopschen Familienkasse 26.100 Euro, den Taschen der Siegwetter 2,4-facher Einsatz bescherte.
Bazire-Zug rollt perfekt
Im Prix Narquois für Fünfjährige, die noch keine 305.000 Euro verdient hatten, griff endlich der sich ansonsten rar machende Jean-Michel Bazire ins Geschehen ein - und das mit einer dreiköpfigen Armada, die dem Rest mal wieder eine taktische Lehrstunde erteilte. Benoît Robin gab mit der eingangs des Bogens von Joinville endlich vor Vipera Killer Gar und Confidence in Front gekommenen Nummer drei Hard Times das bei 1:16,0 gleichmäßig mäßige Tempo vor. Hinter dem äußeren Anführer Violetto Jet lauerten Ghazi B.R., für den sich der noch drei Wochen amtierende Meister entschieden hatte, und die zuverlässige Calina. Weil weiterhin wenig Pep in der Party war - auch nach 2.200 Metern zeigte der Chronometer nur eine Durchgangszeit von 1:16,7 an -, lief alles auf eine kernige Spurtentscheidung hinaus, bei der für Hard Times die Zeiten ziemlich hart wurden.
Eisgekühlt bis ins Mark ließ Bazire der Trainingskameradin den Vortritt, und die kleine, ohne Check aufgebotene Norwegerin ratterte an der letzten Ecke los wie eine flinke Nähmaschine. Gewonnen hätte David Thomain mit ihr wohl kaum, hätte Bazire die Attacke vor ihr geritten. Der 48-jährige wartete bis Mitte Einlauf, beorderte Ghazi B.R. erst dort in Spur vier und scheuchte den zuvor ein paar Mal im Galopp ausgefallenen Cantab-Hall-Sohn nur einen „Hals“ hinter Norwegens Stutenderby-Siegerin 2018 auf den Ehrenplatz. Violetto Jet musste sich mit „Bronze“ vor Vipera Killer Gar begnügen, während Hard Times für die stete Führungsarbeit mit dem fünften Scheck entlohnt wurde.
Kurz und bündig war das Statement Jean-Michel Bazires: „Calina war für den Sieg überfällig und hatte die dafür nötige perfekte Ausgangslage. Bei Ghazi ging’s mir in erster Linie darum, ihn mal wieder glatt durchs Rennen zu bringen und seine Moral aufzubauen. Beider Vorstellungen waren völlig okay.“
Prix Narquois (Gruppe III int., Fünfjähr., keine 305.000 Euro)
2700 Meter Bänderstart o.Z., 80.000 Euro
1. Calina 15,2 David Thomain 24
5j.br. Stute von Archipelago a.d. Caltina Hall von Banker Hall
Be / Zü: Carl Gunnar Myhre, NO; Tr: Jean-Michel Bazire
2. Ghazi B.R. | 15,2 Jean-Michel Bazire | 50 |
Sieg: 24; Richter: sicher Hals - ½ - Hals - 1 - 1½ - 1½ Längen; 11 liefen
Zw-Zeiten: 16,0/1200m - 16,0/1700m - 16,7/2200m
Wert: 36.000 - 20.000 - 11.200 - 6.400 - 4.000 - 1.600 - 800 Euro