Mikkeli, Sonntag, 18. Juli 2021. Da hatte sich das 55.000 Einwohner kleine Mikkeli, das eine der schnellsten Pisten Europas hat, für seine Verhältnisse ziemlich weit aus dem Fenster gelegt und nach etlichem Hin und Her zu Beginn des Juni, als man noch auf das dritte Duell zwischen Face Time Bourbon und seinem zweimaligen Bezwinger Zacon Gio gehofft hatte, zumindest dem Franzosen einen Charterflug spendiert. Als die Entscheidung „pro Flug“ endlich gefallen war, hatten Holger Ehlert & Co. längst umdisponiert und nahmen lieber am gleichen Abend den Gran Premio Due Mare zu Tarent ins Visier, in dem es um auch nicht zu verachtende 110.000 Euro ging.
So akribisch und mit viel Herz hatte der Veranstalter alles geplant - und dann spielte der Wettergott einen deftigen Streich. Die vorhergesagten 21 Grad waren ohnehin kein „Rekordwetter“. Schlimmer noch: Der sonst fast immer Mitte Juli blitzblanke Himmel über Nordosteuropa hatet sich bezogen, und einige kräftige Regengüsse prasselten zur Mittagszeit herab. Zwar war die Bahn um 16.45 Uhr (Ortszeit) abgetrocknet und so gut es ging präpariert, doch für einen ernsthaften Angriff auf die Bestzeit bedarf es neben einem Top-Athleten eben auch optimaler Bedingungen.
Dazu kam Startplatz „7“ für Face Time Bourbon und die Abwesenheit echter Rivalen, die ihn hätten wirklich fordern und von Beginn an für knackiges Tempo sorgen müssen. Gewappnet war der Stall Guarato dafür durchaus und hatte Face Time Bourbon - wie auch Billie de Montfort - sicherheitshalber mit Zugwatte und -klappen, dem sogenannten „Norweger-Zaum“, ausstaffiert.
Weil Iikka Nurmonen kein Selbstmörder ist, hatte er dem 12:10-Favoriten keinerlei Widerstand entgegengesetzt, als der in der zweiten Kurve mit Schmackes angebraust kam. Der Rest war Formsache: Auf den letzten 700 Metern war endlich richtig Zug im Beritt, setzte sich der Ready-Cash-Sohn Meter um Meter von der Konkurrenz ab, die nur aufs zweite Geld erpicht sein konnte. Ab 150 Meter vorm Ziel warf Eric Raffin Kusshändchen in die offiziell 6.934 Zuschauer große Menge und animierte sie zur Jubel-Welle, wobei er die Peitsche im Sack ließ - das hatte er offensichtlich aus dem Paralympiatravet gelernt.
Natürlich blieben beim Parademarsch die Ohrstöpsel drinnen und die Klappen oben - wie auch bei Billie de Montfort, die als innere Dritte gemeinsam mit ihrem ständigen Schattenmann Vitruvio nie das Tageslicht sah und unausgefahren im Herbst ihrer Kariere noch mal 16.000 Euro mitnahm.
Sein Steuermann trug sich zum zweiten Mal in die Ehrenliste ein: Vor zehn Jahren hatte Raffin mit dem gleichfalls von Sébastien Guarato trainierten Feuerstuhl Rapide Lebel in 1:09,4 dominiert.
St. Michels Ajo (Gruppe I int.)
1609m Autostart, 142.000 Euro
1. Face Time Bourbon 09,7 Eric Raffin 12
6j.dklbr. Hengst von Ready Cash a.d. Vita Bourbon von Love You
Be: Scud. Bivans Srl, IT (Antonio Somma); Zü: SARL Haras Saint Martin (Rainer Engelke); Tr: Sébastien Guarato
2. Next Direction 10,4 Iikka Nurmonen 151
3. Billie de Montfort 10,5 Gabriele Gelormini 135
4. Run for Royalty 10,6 Pekka Korpi 447
5. Vitruvio 10,8 Alessandro Gocciadoro 273
6. Grainfield Aiden 10,9 Hannu Korpi 570
7. Evaluate 11,6 Santtu Raitala 528
Seismic Wave dis.r. Hannu Torvinen 124
Sieg: 12; Richter: überlegen 5 - 1¼ - Kopf - 1½ - 1 Länge; 8 liefen
Zw-Zeiten: 09,0/500m - 10,2/1000m - 08,0/letzte 500m
Wert: 80.000 - 33.000 - 16.000 - 7.000 - 3.000 - 1.000 - 1.000 - 1.000 Euro