(nn) Solvalla, Sonntag, 30. Mai 2021. Es gibt wohl niemanden in Schweden, der dem Stall Zet um Daniel Redén den Erfolg in der 70. Auflage der inoffiziellen Sprinter-WM missgönnt. Ein Drehbuch mit der Geschichte um Propulsion und seinen „Rächer“ Don Fanucci Zet hätte wohl wegen zu viel Schmalz nur den Weg in den Papierkorb gefunden, doch das wahre Leben schreibt manches Mal die unglaublichsten Storys.
Dem Eigengewächs des Stalles, der sich bis vor drei Jahren ausschließlich durch US-Importe einen Namen gemacht hatte, blieb die kalte Rache vorbehalten in einem Stil, an dem es nichts zu deuteln gab.
"Der Versuch mit seiner aus dem Pacer-Lager stammenden Mutter Kissed by the West hätte genauso gut schief gehen können. Von Grund auf hab ich ihn aufgebaut, und bereits im Vorjahr hat uns Don gezeigt, dass er zu Außergewöhnlichem fähig ist. Bei der Vorlauf-Auslosung ist mir ein wenig das Herz in die Hose gerutscht, denn schlechter als die ‚8‘ geht’s nicht. Da musste Örjan ran, der diese erste Klippe perfekt gelöst hat - und auch die zweite. Schließlich hab ich im Finale alles auf eine Karte gesetzt und ihn erstmals in seiner Karriere vorne barfuß laufen lassen.“
Den so hoch gelobten 58-jährigen, für seine immense Anhängerschar der beste Driver der Welt, freute es „ganz besonders für Daniel, Ellinor und die gesamte Mannschaft, die nach der sportlich schwärzesten Stunde um Propulsion nur ein Jahr später endlich auf dem Gipfel stehen. Es ist unglaublich, was dort für großartige Arbeit rund um die Pferde geleistet wird. Dieser Hengst ist fantastisch, er kämpft wie tausend Teufel. Erstmals vorn barfuß wurde er in der harten Endphase tatsächlich etwas flatterig, hielt dann aber doch die Balance. Vivid Wise As war die erwartet harte Nuss, ein Hengst, der sich mit all seiner Klasse prächtig gewehrt hat. Doch Don war heute einfach aus dem härteren Holz geschnitzt.“
Keinen Grund zur Klage hatte Gocciadoro, der mit 37,3 gegen 37,9:10, die bei Don Fanucci Zet leuchteten, haarscharfe Favoritenehren genoss. Sein Vivid Wise As, für den er im Finale die bei nicht allen beliebte „1“ freiwillig gewählt hatte („Im Vorlauf hat’s so gut geklappt, das versuchen wir im Endlauf gleich noch mal.“), behielt völlig problemlos die Pole Position, hatte unterwegs, wo ihm Ecurie D. kaum mal ernsthaft auf den Zahn fühlte, alle Vorteile auf seiner Seite und war im Ziel sehr reell bezwungen.
Hochzufrieden mit seiner ersten Elitloppet-Teilnahme war Mats Djuse, der ziemlich unerwartet das Podest komplettierte: „Das war eine tolle Erfahrung, von der ich mein Leben lang geträumt habe - ein Teil dieses Starterfelds zu sein. Traurig nur, dass es keine Zuschauer gab. Ich hoffe, ich werde wieder verpflichtet, wenn Publikum dabei ist. Ich denke, wir haben das Maximum herausgeholt und natürlich das Quäntchen Glück gehabt, dass du immer brauchst, wenn du dich auf ein Rennen in der Deckung einlässt“, so der 22-jährige weiter.
Nicht ganz so happy dürfte sein zwei Jahre jüngerer Bruder Magnus, auch er Debütant auf diesem Parkett, gewesen sein, der mit Jerry Riordans zweiter Waffe Aetos Kronos an der ganz frischen Luft in dritter Spur herumgeisterte, den kleinen Schwarzen nach 800 Metern zurücknahm und Letzter wurde.
Desgleichen durfte Romain Christian Larue die Bücher zufrieden zuklappen. Wie von ihm prophezeit, erwies sich Gelati Cut, aktuell die Nummer zwei des französischen „G“-Jahrgangs hinter dem verletzten Gu d’Héripré, bestens geeignet für kleine Bahnen mit vergleichsweise engen, gut ausgebauten Bögen
Der Rennverlauf
Vivid Wise As‘, für den Gocciadoro als erster „Wahlberechtigter“ wiederum die „1“ genommen hatte, höchst vernehmliche Vorlauf-Ansage verfehlte seine Wirkung nicht. Selbst Gabriele Gelormini machte nicht die geringsten Anstalten, von der „2“ den Griff nach dem Taktstock zu wagen, und verpflümte sich mit Gelati Cut (2) sofort in den Windschatten des Italieners. Auch Ulf Ohlsson hütete sich, mit Ecurie D. (3) sein Mütchen an dem Yankee-Glide-Sohn zu kühlen, und bekam den Todessitz verpasst. Mit genau dieser Konstellation hatte wohl Örjan Kihlström gerechnet und mit dem Dänen in schwedischem Besitz und norwegischem Training ein ideales Führpferd für Don Fanucci Zet (4).
Nichts wurde es mit der italienischen Hymne: Leichtfüßig sprintete der Hard-Livin-Sprössling um eine Länge vorbei. Mit dem gleichen Abstand holte sich Gareth Boko Platz drei vor Gelati Cut, der hinter Vivid Wise As einen Hauch zu spät in die Freiheit kam. Den überforderten Ecurie D. sammelte Moni Viking ein, während für Titelverteidiger Cokstile, der nach langer Pause nur den Copenhagen-Cup-Start im Leib hatte, nur Platz sieben vor Aetos Kronos blieb.
Neben 3.000.0000 Kronen (ca. 296.000 Euro) darf sich Don Fannuci Zet mit 1:08,9 als schnellster Elitloppet-Sieger aller Zeiten feiern lassen. 1:09,0 lautete die alte Bestmarke - aufgestellt von Timoko 2016, egalisiert von Ringostarr Treb 2017.
70. Elitloppet (Gruppe I int., ab vierjährig; UET-Masters-Serie, Grand Slam)
1609m Autostart, 6.000.000 SEK
1. Don Fanucci Zet 08,9 Örjan Kihlström 37
5j.dklbr. Hengst von Hard Livin a.d. Kissed by the West von Western Terror
Be / Tr: Daniel Redén (Stall Zet); Zü: Brixton Medical AB
Pflegerin: Ellinor Wennebring
2. Vivid Wise As 09,0 Alessandro Gocciadoro 37
3. Gareth Boko 09,1 Mats Djuse 140
4. Gelati Cut 09,2 Gabriele Gelormini 114
5. Moni Viking 09,4 Björn Goop 70
6. Ecurie D. 09,4 Ulf Ohlsson 43
7. Cokstile 09,6 Vincenzo Gallo 323
8. Aetos Kronos 09,6 Magnus Djuse 115
Sieg: 37; Richter: leicht 1 - 1 - Kopf - 1¼ - Hals - 2 - Kopf; 8 liefen
Zw-Zeiten: 09,8/500m - 09,6/1000m - 07,8/letzte 500m
Wert: 3.000.000 - 1.500.000 - 750.000 - 375.000 - 175.000 - 100.000 - 60.000 - 40.000 SEK
Video: https://www.youtube.com/watch?v=Eya23nZwYqs
1. Vorlauf: Parademarsch für Vivid Wise As
In Vorlauf 1 bewies Vivid Wise As einmal mehr, dass er, eine akzeptable Startnummer vorausgesetzt, zum Besten zählt, was sich in Europa auf ebenen Pisten über nicht allzu lange Strecken so tummelt. An der „1“ gelang Alessandro Gocciadoro mit dem Yankee-Glide-Sohn der Scuderia Bivans von Antonio Somma der perfekte Abflug, um sich die Raketenstarter-Bande Milliondollarrhyme (3), Cyber Lane (7) und den mit der „8“ maximal schlecht bedienten Don Fanucci Zet ganz leicht vom Leibe zu halten.
Kurz nach Halbzeit dirigierte Magnus Djuse den Bold-Eagle-Sohn in Spur drei, wo der Riordan-Schützling bis zum Ende mit der Nase im Wind lief, sich zu Rang vier durchbiss und im Endlauf einen ähnlichen Run erwarten darf. Gocciadoro hingegen musste nicht einmal zum „Ast“ greifen, um ganz leicht in 1:10,0 zu dominieren, zumal Kihlström für Don Fanucci Zet überwiegend darauf bedacht war, Rang zwei festzuhalten. Das gelang gegen einen Moni Viking, der als Langstreckler zweifellos von Startrampe „2“ profitierte, die dem ohne Check aufgebotenen Fuchs sofort den Platz im Schatten des Taktgebers bescherte, wo er bis zum Zielstrich voll bei der Sache blieb.
Video: https://www.youtube.com/watch?v=Larz0uqI41A
2. Vorlauf: Gelati Cut mit Zittern und Zagen
Deutlich zackiger ging’s in Vorlauf 2 zur Sache, in dem Gabriele Gelormini bis Mitte der ersten Kurve gewaltig kurbeln musste, bis er Gelati Cut endlich am zähen Cokstile vorbei an die Spitze gewuchtet hatte. Dahinter suchte Gareth Boko sein Heil in der Innenspur, während Ecurie D. vor Click Bait, dem einzigen, der im dreistelligen Odds zu haben und dessen Steuermann als „Ausgleich“ mit einer Helmkamera ausgestattet war, und dem nicht so zügig wie sonst in Gang gekommenen Heavy Sound die zweite Garde anführte. Very Kronos, wie Don Fanucci Zet mit der „8“ gestraft, kam aus Spur drei nie weg und bahnte Geheimfavorit Seismic Wave (3) den Weg, der für beide zu dornig war.
Der Blick des um Haupteslänge unterlegenen Ulf Ohlsson ging sofort nach oben zu den Richtern, die es nach eingehender Beratung wie am Samstag - wohl zu Recht - beim Einlauf beließen. Seit einiger Zeit darf auch in Schweden der Störenfried hinter den Widersacher gestuft werden (früher war im Fall der Fälle die Disqualifikation zwingend), doch kam der Kontakt der beiden Sulkys erst auf den letzten Metern zustande, als die Partie zugunsten Gelati Cuts entschieden schien.
Platz drei fiel an Gareth Boko, womit Riordan auch seinen zweiten Aspiranten im Finale hatte, weil Click Bait sich auf der Zielgeraden in Spur drei versuchte, dort aber nicht entscheidend vorankam und erst das Loch zum Ausstieg für den einstigen Lugauer-Trainee schuf. Von Very Kronos und Seismic Wace war da schon nichts mehr zusehen.
Video: https://www.youtube.com/watch?v=CNmcaO_uN6E
Vorläufe
1609m Autostart, 500.000 SEK
Wert: 250.000 - 125.000 - 75.000 - 50.000 SEK
1. Vorlauf
1. Vivid Wise As 10,0 Alessandro Gocciadoro 28
7j.br. Hengst von Yankee Glide a.d. Temple Blue Chip von Cantab Hall
Be: Scud. Bivans; Zü: Scud. Wise H Sas; Tr: Alessandro Gocciadoro
2. Don Fanucci Zet 10,2 Örjan Kihlström 71
3. Moni Viking 10,2 Björn Goop 52
4. Aetos Kronos 10,3 Magnus Djuse 46
5. Milliondollarrhyme 10,4 Fredrik Larsson 86
6. Hickothepooh 10,4 Vidar Hop 194
7. Cyber Lane 10,7 Johan Untersteiner 125
8. Bahia Quesnot 10,8 Junior Guelpa 281
Sieg: 28; Richter: leicht 1 - Hals - ½ - ¾ - Hals - 2½ - 1 Länge; 8 liefen
Zw-Zeiten: 10,8/500m - 11,7/1000m - 06,9/letzte 500m
Rennleitung: A. Gocciadoro 1.000 SEK (Lärmen im Rennen)
2. Vorlauf
1. Gelati Cut 09,6 Gabriele Gelormini 95
5j. Fuchshengst von Coktail Jet a.d. Variety Cut von Mambo King
Be / Zü: Ecurie de Windcut, FR; Tr: Romain Christian Larue
2. Ecurie D. 09,6 Ulf Ohlsson 46
3. Gareth Boko 09,9 Mats Djuse 60
4. Cokstile 10,0 Vincenzo Gallo 91
5. Click Bait 10,1 Per Lennartsson 260
6. Very Kronos 10,7 Erik Adielsson 82
7. Seismic Wave 10,7 Claes Sjöström 32
Heavy Sound dis.r. Kenneth Haugstad 86
Sieg: 53; Richter: Kampf Kopf - 2 - 1 - 1 - 4 - ½ Länge; 8 liefen
Zw-Zeiten: 08,1/500m - 09,9/1000m - 08,4/letzte 500m
Rennleitung: G. Gelormini 10.000 SEK + 3 Tage Fahrverbot (Fahrspurveränderung im Einlauf)