Unter Einstellung des im Vorjahr von Bold Eagle auf 1:08,9 gedrückten Rennrekords wurde der Tipp dieses sonnigen, schnuckeligen 24 Grad warmen Tages der 15:10-Einschätzung der „turfistes“ vollauf gerecht, schleppte bei seinem Jubiläumssieg - es war Numero 25 - die im Vergleich zum Vorjahr von 90.000 auf 76.500 Euro gesenkte Siegprämie ab und bescherte Björn Goop, seinem Mann für die französischen Fälle, zugleich den vierten Eintrag auf dem Siegerschild: Dreimal, von 2015 bis 2017, hatte der 42-jährige Timoko zu Triumphen verholfen.
Es zeigt vielleicht am besten das derzeitige Standing des schwächelnden Adlers, dass ihn Derieux fast als eine Art Majestätsbeleidigung nicht vorbeiließ; noch vor zwei Jahren wäre er bei ähnlicher Gemengelage sicher heilfroh gewesen, eine solche Lokomotive nutzen zu können. Hinter Bold Eagle hatten sich Bahia Quesnot, Readly Express sowie die eingangs der Schlusskurve kurz rumpelnde Cavalleria postiert, innen folgten auf Uza Josselyn Billie de Montfort, Unique Juni und mit Comète Darche die Ärmste des Neunerfeldes. Was 500 Meter vorm Ziel eintrat, wird (nicht nur) den eingefleischten Fans des gewinnreichsten Trabrennpferdes der Welt Tränen in die Augen getrieben haben. Vermutlich hätte er auch in seiner besten Zeit bei dem knackigen Tempo Dijon nicht „con brio“ links liegen gelassen, doch es folgte die bitterste Stunde seiner von so vielen begeisternden Vorstellungen geprägten Karriere.
Wie im Prix de Belgique, in dem sie zum Teil außen herum die Eintrittskarte zum Prix d’Amérique gelöst hatte, beeindruckte Bahia Quesnot mit einer Energieleistung, die ihr kaum jemand zugetraut hatte, und belegte mit identischem Abstand den dritten Stockerl-Platz vor Uza Josselyn, die aus der Deckung wenig anzubieten hatte, und Billie de Montfort. Die 1,8-fache Millionärin, bis zur Ablösung durch Bélina Josselyn Primadonna des überragenden „B“-Jahrgangs, hatte für Platz fünf nichts mehr zu halten, denn Unique Juni fiel im Galopp aus, Cavalleria vermochte den durch den Kurzfehler verlorenen Elan nicht mehr aufzubauen und Comète Darche hatte ohnehin längst genug.
Sollte der Adler tatsächlich in die Rente entlassen werden, was zu diesem Zeitpunkt reine Spekulation ist, kann er Billie de Montfort gleich mitnehmen, denn auch sie liefert eine bescheidene Vorstellung nach der anderen ab und lässt die früher so bemerkenswerte Spritzigkeit selbst am Start vermissen; in „Boldies“ übergroßem Schatten scheint dies nur bislang kaum jemandem aufgefallen zu sein - genauso wenig, dass Renntag wie Renntag Pferde am Ablauf sind, die im Leistungssport nichts mehr zu suchen haben und nur noch als Füllmasse dienen.
Die Hände rieb sich in freudiger Erwartung Anders Malmrot, der als „Elitloppet-General“ für die sportliche Seite der inoffiziellen Sprinter-WM am letzten Mai-Sonntag verantwortlich ist: „Ein fantastisches Rennen! Unglaublich, wie Readly Express auf den letzten 100 Metern die Zähne zusammen gebissen und die Partie doch noch aus dem Feuer gerissen hat.“ Nicht minder begeistert war er vom Vorjahrs-Dritten Dijon, den er auch gern akquirieren möchte: „Dieses Pferd stand schon im Vorjahr auf meinem Wunschzettel, aber dann floppte er im Finlandia Ajo (5. Mai), ging zurück nach Frankreich und gewann am 25. Mai den Prix Crépuscule. Hoffentlich gelingt es diesmal, ihn zu verpflichten.“
62. Grand Critérium de Vitesse de la Côte d’Azur (Gruppe I int., vier- bis zehnj. Hengste & Stuten)
1609m Autostart, 170.000 Euro
1. Readly Express 08,9 Björn Goop 15
7j.br. Hengst von Ready Cash a.d. Caddie Dream von Viking Kronos
Be: Bro Byggnads AB (Rolf Andersson); Zü: Carlsson Ekonomi & AB Lavec; Tr: Timo Nurmos
Pflegerin: Inga Perk
3. Bahia Quesnot 4. Uza Josselyn 5. Billie de Montfort 6. Cavalleria 7. Comète Darche Eric Raffin Bold Eagle | 09,0 Romain Derieux 09,0 Junior Guelpa 09,2 Gabriele Gelormini 09,3 David Thomain 10,1 Nicolas Ensch 11,3 Stéphane Cingland dis.r. Eric Raffin dis.r. Franck Nivard | 154 901 70 737 1210 2063 593 34 |
Sieg: 15; Richter: Kampf ¾ - ¾ - 1½ - 1½ - 6½ Längen; 9 liefen
Wert: 76.500 - 42.500 - 23.800 - 13.600 - 8.500 - 3.400 - 1.700 Euro
Link zum Rennvideo: https://www.letrot.com/fr/replay-courses/2019-03-10/0601/6
Fotos: LeTrot.com, Jörn Finger, Equidia