Als Kihlström sich für die Schlussrunde am Finnen vorbeitankte und zu Dijon vorrückte, rempelte sich Verbeeck in höchster Verzweiflung frei bzw. in seines erklärten Rivalen Rücken - eine Unsportlichkeit, die, obwohl eine Runde vorm Ziel, gerade in Skandinavien auch schon mit nachträglicher Disqualifikation geahndet worden ist. Die Stewards ließen Gnade vor Recht ergehen und bedienten den 62-jährigen mit schmalen 10.000 Kronen (ca. 950 Euro) Geldbuße und drei Tagen Fahrverbot - in Anbetracht des Rennpreises ein echter Witz. Witzig allerdings war Verbeeck nach dem Match ganz und gar nicht zumute, der wusste, dass überwiegend er selbst schuld an der Niederlage Aubrion du Gers‘ war, etwas von „hätte ich gewusst, dass Readly Express nicht starten kann, hätte ich selbstverständlich nicht die ‚1‘ gewählt. Zudem verstehe ich die Gangartrichter nicht: Dijon ging die letzten 50 Metern Pass“ von sich gab.
„Im Vorlauf ging es lediglich darum, sich fürs Finale zu qualifizieren. Dijon, den ich von Anfang an im Training habe, ist ein ausgesprochener Sprinter - das hat er schon in Italien und jüngst im Vitesse von Cagnes bewiesen, wo er nur Readly Express unterlegen war. Vor dem zweiten Heat hatte ich keine Angst. Er ist ein harter Knochen, der so etwas wegsteckt. Von vorn geht er am besten, und genau dorthin wollte ich mit seinem enormen Antritt. Ein fantastisches Pferd, ein grandioses Publikum“ - selbstverständlich war für Romain Derieux der Tag trotz der vielen Grautöne nicht nur des Himmels rosarot. Dijons 13. Sieg passte andererseits bestens zum kleinen Jubiläum von dessen 50. Start. „Die zehn Minuten Wartezeit auf das endgültige Ergebnis waren die längsten meines Sportlerlebens. Ich war mir nicht sicher, wie die hiesigen Rennrichter die Gangart auf den letzten Metern beurteilten. Er ist sehr empfindlich auf solchen Regenbahnen und verliert dann leicht den Stil, und genau das ist heute passiert“, gestand der 35-jährige, „umso glücklicher bin ich natürlich, dass es trotzdem gereicht hat. Der Elitloppet ist eines jener ausländischen Rennen, das ich von Kindesbeinen an verfolgt habe. Schon eine Einladung zu erhalten war ein Traum - und beim ersten Mal gleich ganz vorn zu landen, ist die Krönung.“
Der Rennverlauf
Zu spät merkte der Belgier, dass sein ernsthaftester Rivale nicht Propulsion, sondern der unverdrossen seines Wegs ziehende Dijon war. Als Aubrion du Gers im Scheitel der Schlusskurve endlich die wohlfeile Deckung aufgab - zum gleichen Zeitpunkt sprang sich Looking Superb als Laternenträger des Siebener-Feldes um Kopf und Kragen -, war es fast schon zu spät, Dijon noch einzufangen, der einen bequemen Vorsprung für die letzten 200 Meter mitbrachte. Der schmolz wie Schnee in der an diesem trüben Nachmittag kaum vorhandenen Sonne, als Bazires Wallach zur finalen Flugshow ansetzte. In Lichtgeschwindigkeit rauschte der Neunjährige heran und verpasste den 17. Sieg in Folge gegen einen wankenden Dijon, den Romain Derieux nach allen Regeln der Kunst zusammenhielt, um Haupteslänge. 1½ Längen dahinter hatte Makethemark, der als Profiteur von Verbeecks unfairem Manöver in den Sog des Taktgebers vorrücken durfte, mit eben diesem Abstand Propulsion im Griff.
68. Elitloppet (Gruppe I int., ab vierjährig; UET-Masters-Serie, Grand Slam)
1609m Autostart, 6.000.000 SEK
1. Dijon 10,3 RomainDerieux 277
6j.br. Hengst von Ganymède a.d. Sonate d’Aunou von Coktail Jet
Be: Mauricette de Sousa; Zü: Louis Derieux; Tr: Romain Derieux
2. Aubrion du Gers 3. Makethemark 4. Propulsion 5. Milliondollarrhyme 6. Next Direction 7. Looking Superb | 10,3 Joseph Verbeeck 10,5 Ulf Ohlsson 10,7 Örjan Kihlström 10,8 Fredrik Larsson 11,1 Iikka Nurmonen dis.r. Åke Svanstedt | 19 86 28 293 434 87 |
Sieg: 277; Richter: Kampf Kopf - 1½ - 1½ - 1 - 2 Längen; 7 liefen (NS Readly Express / lahm)
Zw-Zeiten: 08,1/500m - 09,9/1000m - 10,4/letzte 500m
Wert: 3.000.000 - 1.500.000 - 750.000 - 375.000 - 175.000 - 100.000 - 60.000 - 40.000 SEK
Rennvideo (mit Zeitlupen des Einlaufs): https://www.youtube.com/watch?v=v3F9lIscRiU
Readly Express‘ mächtige Muskelspiele
Pünktlich zum 1. Vorlauf ließ sich die Sonne sehen. Auf die brutale Tour steckte mit Readly Express einer der Vorausfavoriten auf den Gesamtsieg seinen Claim ab. Von der „7“ machte Björn Goop dem Ready-Cash-Sohn richtig Dampf, fegte in dritter Spur durch den ersten Bogen und bekam von Makethemark, der an der „1“ flink wie nie vor Disco Volante und Next Direction auf die Beine gefunden hatte, nach 500 Meter die Kapitänsmütze anstandslos überreicht. Damit war die Messe für den vermutlich lediglich wegen der anspruchsvollen Startnummer bei 19:10 gehandelten Braunen gesungen. Double Exposure bekam vor Uza Josselyn, Looking Superb und Sorbet der äußere Gegenwind denkbar schlecht. Lange konnte sie zwar den nach einer Runde in dritter Spur auf Eroberungstour gehenden Amérique-Zweiten Looking Superb draußen halten, bezahlte dies jedoch mit einem deftigen Rückzug, als es ans Eingemachte ging.
Elitloppet - 1. Vorlauf - (int.)
1609m Autostart, 500.000 SEK
1. Readly Express 10,2 Björn Goop 19
7j.br. Hengst von Ready Cash a.d. Caddie Dream von Viking Kronos
Be: Bro Byggnads AB (Rolf Andersson); Zü: Carlsson Ekonomi & AB Lavec; Tr: Timo Nurmos
Pflegerin: Inga Perk
2. Makethemark 3. Looking Superb 4. Next Direction 5. Uza Josselyn 6. Double Exposure 7. Sorbet 8. Disco Volante | 10,4 Ulf Ohlsson 10,4 Åke Svanstedt 10,5 Iikka Nurmonen 10,5 Gabriele Gelormini 10,7 Erik Adielsson 11,0 Carl Johan Jepson 11,8 Jorma Kontio | 225 39 369 341 47 209 187 |
Sieg: 19; Richter: leicht 1 - k.Kopf - 1 - Kopf - 2 Länge; 8 liefen
Zw-Zeiten: 08,4/500m - 11,7/1000m - 08,0/letzte 500m
Wert: 250.000 - 125.000 - 75.000 - 50.000 SEK
Der Hexer obenauf
Wer gedacht hatte, Propulsion habe von der „5“ nur eine Pflichtaufgabe für den Sieg in Vorlauf 2 zu erledigen, wurde gründlich eines Besseren belehrt. Für den mit 15 Siegen am Stück angereisten Aubrion du Gers, bislang nicht als Startrakete verschrien und vermeintlich mit der „1“ gefährlich bedient, „haben wir uns ein bisschen was einfallen lassen - keine Bange“, hatte „Ersatzmann“ Jos Verbeeck im Vorfeld berichtet. Der durfte mal wieder für Jean-Michel Bazire ran, weil Frankreichs Champion keine sonderliche Lust hatte, sich in Schweden ein Fahrverbot einzuhandeln, „was dort schneller geschieht, als du ‚A‘ sagen kannst.“ Der teuflische Belgier, in Frankreich weiterhin wegen Problemen mit den Finanzbehörden „persona non grata“, bewies, dass er als Startkünstler nichts verlernt hat. „Es war, als ob ein Ferrari gegen Citroën antreten würde“, grinste der 62-jährige nach verblüffend leicht vollbrachter Tat. In der Tat begann der Memphis-du-Rib-Sohn wie ein Torpedo. Keine Chance für den sich in sein Fahrwasser verkrümelnden Milligan’s School noch Bahia Quesnot oder Propulsion, ihm das Kommando abzujagen.
Elitloppet - 2. Vorlauf - (int.)
1609m Autostart, 500.000 SEK
1. Aubrion du Gers 10,2 Joseph Verbeeck 28
9j.br. Wallach von Memphis du Rib a.d. J’Arrive du Gers von Baccarat du Pont
Be / Tr: Jean-Michel Bazire; Zü: Marie-Brigitte Anty
2. Propulsion 3. Dijon 4. Milliondollarrhyme 5. Milligan’s School 6. Bahia Quesnot 7. Day or Night In Heavy Sound | 10,4 Örjan Kihlström 10,5 Romain Derieux 10,5 Fredrik Larsson 10,9 Ulf Eriksson 11,1 Junior Guelpa agh. Johan Untersteiner dis.r. Kenneth Haugstad | 19 476 332 422 211 425 60 |
Sieg: 28; Richter: leicht 1¼ - ¾ - ½ - 2½ Längen; 8 liefen
Zw-Zeiten: 10,5/500m - 10,7/1000m - 09,8/letzte 500m
Wert: 250.000 - 125.000 - 75.000 - 50.000 SEK
Nachschau des Rahmenprogramms folgt im Laufe des Tages