Lediglich Dijon, Erminig d’Oliverie - beide nach Gewinnsumme zu leicht für den Amérique - und Montdore als einziger gebürtiger Schwede waren neu dabei und spielten erwartungsgemäß keine Rolle.
Das hatte er bei seinem explosiven Spurt zum Amérique-Sieg bewiesen, und erneut legte der Ready-Cash-Sohn finale 200 Meter hin, dass selbst einem mit allen Wassern dieser Traberwelt gewaschenen Mann wie Bazire Angst und Bange wurde (siehe Interview). Nur lag der von Rainer Engelke gezüchtete Fünfjährige eben nicht wie im Amérique direkt im Windschatten Davidson du Ponts, sondern viele Positionen hinter diesem, so dass der finale Umsturzversuch haarscharf ins Leere lief. Am Ende war’s ein „Hals“, der die Beiden trennte - und ein Triumph der Taktik und „rohen Gewalt“.
Der Rennverlauf
Bazires entscheidendes Plus war die Startnummer. Von der „4“ setzte er alles auf eine Karte und war er nach wenigen hundert Metern am Guarato-Trio Valko Jenilat (1), Billie de Montfort (2) und Bold Eagle (3) vorbeigedüst, doch wurde dann Uza Josselyn fast zur Spielverderberin. Pierre Vercruysse drückte mit der französischen Dänin in Schweizer Diensten von der „7“ wie besessen. Vorbeilassen oder gegenhalten, das war die 100.000-Euro-Frage für Bazire, der sich für Variante eins entschied, Davidson jedoch mit Face Time Bourbon als Anhängsel in zweiter Spur hielt und erst mal schaute, was sich um ihn herum so tat.
Genauso hatte jedoch „JMB“ gerechnet. An der letzten Ecke ein letzter ausgiebiger Studienblick zurück - dann machte der 48-jähriger seinem Partner die Socken rasiermesserscharf. Er ahnte wohl, dass und vor allem wie Face Time Bourbon kommen würde, und unterstützte seinen Hengst ab 250 Meter vorm Ziel gewaltig. Wie wohl er daran tat, wurde auf jedem weiteren Meter augenfällig: Face Time Bourbon, durch Erminig d’Oliveries Schwächeanfall aus dem Gefängnis entkommen, schaltete den Turbo zu und fetzte mit Siebenmeilenstiefeln heran.
Ähnlich spektakulär war die Flugshow, die Délia du Pommereux weit außen von ganz hinten anzettelte. Die Niky-Tochter unterstrich mit Platz drei einmal mehr, dass sie in der Haute Volée nach geschontem Transport auf jeder Distanz für eine bessere Prämie gut ist. Nicht minder imponierend, wie sich Bahia Quesnot als eisenharte Kämpferin durch die Todesspur zu Rang vier eine halbe Länge vor den Kopf an Kopf fightenden Vitruvio und Bold Eagle durchbiss, und auch Billie de Montfort gab weit außen für die kleinste Prämie eine gute Figur ab.
Vom Rest hielt sich der elfjährige Valko Jenilat deutlich am besten. Die im Hintertreffen liegende Chica de Joudes versiebte zu Beginn des Einlaufs ihre Chancen im Galopp und gesellte sich zu Bélina Josselyn. Die zeigte einmal mehr, wie sehr sie auf die Hand Bazires angewiesen ist, wenn’s hart auf hart kommt: In der rasanten Startphase versagte „La Ballerina“ Alexandre Abrivard die Gefolgschaft, sah sofort rot und konnte Kräfte für den in 14 Tagen anstehenden Prix de Paris sparen. Allzu viel erwartet hatten die Fachleute von der bei 23-fachem Einsatz notierten Füchsin ohnehin nicht.
Vollauf gelohnt hat sich der schonende Aufbau für Davidson du Pont, der erst am 13. Januar 2018 erstmals auf Gruppe-Niveau vorstellig geworden ist: Siebenjährig hat er 41 Starts auf dem braunen Buckel; mit dem 13. Sieg stemmte er sein Konto auf 1.297.310 Euro. Dank der langsamen Zwischenetüden durfte Kool du Caux seinen Uralt-Renn- wie Bahnrekord behalten: Seit dessen Triumph im Prix de France am 11. Februar 2007 scheint die 1:09,8-Marke in Stein gemeißelt und wird vermutlich auch dieses Meeting überdauern.
Steinig ist Bold Eagles Weg, Timokos Gewinnsummen-Rekord von 5.006.731 Euro zu knacken. 7.000 Euro kamen heute hinzu - ergibt 4.963.617 Euro für den Adler. Seinem Nachfolger als Stolz der Franzosen ist hingegen kein Zacken aus der Krone gefallen: Es war erst Face Time Bourbons dritte reelle Niederlage (dazu kommt eine Disqualifikation) aus 23 Prüfungen; sein Guthaben beläuft sich aktuell auf 1.561.050 Euro.
Prix de France ( Gruppe I int., vier- bis elfj. Hengste und Stuten)
2100m Autostart, 350.000 Euro
1. Davidson du Pont 11,1 Jean-Michel Bazire 23
7j.br. Hengst von Pacha du Pont a.d. Laguna du Pont von Pélican du Pont
Be / Zü: Albert Rayon; Tr: Jean-Michel Bazire
2. Face Time Bourbon | 11,1 Björn Goop | 24 |
Sieg: 23; Richter: Kampf Hals - 1½ - 3 – ½ - k.Kopf - ½ - 1½ - 1½ Längen; 16 liefen
Zw-Zeiten: 07,8/600m - 10,8/1100m - 11,7/1600m
Wert: 157.500 - 87.500 - 49.000 - 28.000 - 17.500 - 7.000 - 3.500 Euro
Ein ausgesprochen seltenes und vorab eher unerwartetes Ergebnis bekamen die „turfistes“ im ersten Klassiker des Tages präsentiert. Evangelina Blue war nach Tidalium Pélo (1968/69), Oligo (1984 und 1985) sowie Scipion du Goutier erst die Vierte, die sich in der Siegerliste des Prix des Centaures zum zweiten Mal verewigte. Wobei es die Älteren in diesem klassischen Vergleich der vier- bis sechsjährigen Satteltraber seit 2014 etwas einfacher haben, denn der jüngste angesprochene Jahrgang geht seitdem nur mit 25 statt wie zuvor 50 Meter Vorgabe auf die 2175 bzw. 2200 Meter weite Reise. Vorwerfen, sie hätten ihren Vorteil nicht rigoros genutzt, konnte man zumindest Zwei aus der Riege der jungen Garde nicht.
Während die ebenso laufgewaltige wie kapriziöse Grâce de Faël nach zwei abgebrochenen Startversuchen nicht zum ersten Mal mit den Nerven am Ende war und im Galopp ausfiel und auch Gladys des Plaines stotternd begann, fegte Goforme de Houëlle los wie von der Tarantel gestochen. Nach 1:06,4 für die ersten 700 Meter betrug ihr Vorsprung auf den ersten Verfolger 20 Meter, noch einmal so viel waren es auf den zweiten Gangster du Wallon, der am tiefsten Punkt der Piste schwer aus dem Rhythmus geriet. Bergauf saugte sich Gospel Pat allmählich an die Fuchsstute heran. Stück um Stück kamen auch Feeling Cash und Evangelina Blue näher, doch an der Einmündung der „petite piste“ waren die beiden Jungspunde den gestählten „Alten“ noch immer 15 Meter voraus.
Laut Standardreiter Mathieu Mottier „war das Rennen wie gemacht für Evangelina. Sie liebt es, wenn unentwegt Tempo gebolzt wird und sie sich ohne Taktwechsel ziehen lassen kann. Mit Jean-Philippe war abgesprochen, sie wegen des langen Meetings nie hart anzufassen, doch war unser Fokus von Beginn an auf dieses Jagdrennen gerichtet. Bergan lief sie ein wenig nach außen und war etwas wacklig, so dass ich entschied, sie dort noch an Feeling Cash anzulehnen. Ziemlich sicher war ich mir für den Sieg, als Erics Pferd aus dem Takt geriet.“ Total happy war Jean-Philippe Mary: „Einfach phantastisch - wir haben das Double geschafft wie vor 50 Jahren mein Vater (Jean Mary/Anm.d.Red.) mit Tidalium Pélo!“ Wobei man über die im Überschwang der Gefühle rechnerisch nicht ganz korrekte Aussage geflissentlich hinwegsehen sollte.
Prix des Centaures - Monté - (Gruppe I nat., vier- bis sechsj. Hengste & Stuten)
2200m Bänderstart; Vierjährige erhalten 25 Meter Vorgabe; 200.000 Euro
1. Evangelina Blue 2200 12,1 Mathieu Mottier 79
6j.br. Stute von Speedy Blue a.d. Happy Blue von Workaholic
Be / Tr: Jean-Philippe Mary; Zü: Cathérine Dabouis-Mary
2. Feeling Cash | 2200 12,2g Eric Raffin | 18 |
Sieg: 79; Richter: sicher 1½ - ½ - 11 - 12 - 2½ Längen; 9 liefen
Zw-Zeiten: 06,4/675m - 09,5/1175m - 12,8/1675m
Wert: 90.000 - 50.000 - 28.000 - 16.000 - 10.000 - 4.000 - 2.000 Euro