90.000 Euro lockten lediglich acht Interessenten in den Vorort der flandrischen Hauptstadt Lille. Als Publikumsmagnet fungierte Bold Eagle, doch sollte es wiederum nicht zum 46. Treffer des mit 4.686.020 Euro gewinnreichsten aktiven Trabers der Welt reichen, der im Gegensatz zu früheren Zeiten in den letzten Jahren weitaus mehr Niederlagen als Siege kassiert hat.
In einem extrem taktisch geprägten Match sprang im entscheidenden Moment für den lange eingekesselten Ready-Cash-Sohn sein Trainingskamerad Tony Gio in die Bresche, so dass es für Sébastien Guarato trotzdem zum Doppelschlag reichte. Dem Trainer dürfte dies durchaus recht gewesen sein, Pierre Pilarski, dem Sprachrohr von „Boldies“ Besitzergemeinschaft eher weniger. Auf dem dornigen Weg zum gewinnreichsten Traber aller Zeiten kam sein Schützling nur um 22.500 Euro voran; es mangelt, um Timoko vom Thron zu schubsen, noch immer an rund 300.000 Euro, die in dieser Verfassung selbst im reich gedeckten Frankreich nur mit langen Zähnen zu verdienen sind.
Nach einem Kilometer spannte sich Bel Avis als Zugpferd für Looking Superb auf Gleis zwei. Schlusslichter waren Express Jet und Altius Fortis, die nach einer Runde nicht mitkamen, als der Braune mit der langen schmalen Blesse brüsk zu einem Zwischenspurt bat, der ihn auf Augenhöhe mit dem Leader führte. Unter Druck setzte Bazire den nicht, sondern war bis zum Erreichen der Zielgeraden einzig darauf erpicht, Bold Eagle gemeinsam mit Bel Avis in der selbst gewählten Falle festzunageln. Einen Stich durch diese Rechnung machte ihnen Eric Raffin, der Tony Gio aus der misslichen Innenlage hinten herum befreit hatte und in dritter Spur zur Attacke schritt. Nun musste auch der „Maestro“ reagieren, was Anzi des Liards vor enorme Probleme stellte und Bold Eagle ermöglichte, zunächst in Spur zwei zu wechseln.
Beim wenig später erfolgreichen Versuch, den Prix-d’Amérique-Zweiten innen zu passieren, kam „Boldie“ dem müden Anzi des Liards mächtig in die Quere, der erheblich an Schwung und dadurch vielleicht sogar Platz drei verlor, was nach deutschen Gepflogenheiten zumindest eine Überprüfung durch die Rennleitung, vielleicht gar eine nachträgliche Zurücksetzung des „Adlers“ zur Folge gehabt hätte. In Frankreich ticken die Uhren bzw. die Gehirne der Herren „Commissaires“ manchmal anders. Weder erfolgte eine „Enquête“ noch eine Bestrafung Goops, der seinen Partner fairerweise umgehend um eine halbe Spur nach außen lancierte. An Tony Gios leichtem Sieg war ohnehin nicht mehr zu rütteln. Dem in Italien geborenen Sprössling der beiden Gruppe-I-Sieger Ready-Cash und Ilaria Jet, den Guarato erst seit Anfang Juni in der Mache hat, gelang nach dem Punkt im Prix Chambon P bereits der zweite Streich in neuer Regie, nachdem er zuvor fast zwei Jahre ohne Ehrenrunde hatte darben müssen.
Video: https://www.letrot.com/fr/replay-courses/2019-09-18/5901/3
Für Looking Superb kam es knüppeldick. Der Orlando-Vici-Sohn, seit Dezember ohne größeren Zwischenstopp auf Achse, ließ sechs Längen zurück jede Frische vermissen, musste Trainingskamerad Bel Avis vor sich dulden und wäre wohl ohne Anzi des Liards‘ empfindlichen Stopp nur Fünfter geworden. „Alles bestens“, strahlte Guarato, „ich habe meinen beiden Fahrern mit auf den Weg gegeben, sie mögen sich innen halten. Der Einlauf ist lang genug, um frei zu kommen. Anzi des Liards war ein toller Hase. Bazires Armada musste weite Wege gehen - das hat bei einem Tempo von 1:10,8 über diesen Monsterweg den Ausschlag gegeben. Wenn er ein verdecktes und wie heute extrem zügiges Rennen hat, ist Tony Gio super und kann sogar im Prix d’Amérique weit vorn mitmischen. Bold Eagle hatte auf ihn zu Beginn der Zielgeraden drei Längen Rückstand und musste erst auf Touren kommen. Da war mehr einfach nicht drin. Auch mit ihm bin ich super zufrieden.“
Grand Prix de la Fédération Régionale du Nord (Gruppe III int., Vier- bis Zehnjährige)
2700m Autostart, 90.000 Euro
1. Tony Gio 10,8 Eric Raffin 78
7j.br. Hengst von Varenne a.d. Ilaria Jet von Pine Chip
Be / Zü: Scud. Bivans, IT; Tr: Sébastien Guarato
2. Bold Eagle | 11,0 Björn Goop | 26 |
Sieg: 78; Richter: leicht 1½ - 6 - Hals - ½ - 1½ Längen; 8 liefen
Wert: 40.500 - 22.500 - 12.600 - 7.200 - 4.500 - 1.800 - 900 Euro