Die Derbywoche ist ohne Zweifel das sportliche Highlight des deutsche Traberjahres. In diesem Jahr auf insgesamt acht Renntage ausgedehnt und damit umfangreicher als je zuvor, zieht sie Aktive und Fans aus ganz Deutschland und Europa nach Berlin-Mariendorf. Im Mittelpunkt standen am ersten Wochenende natürlich die Vorläufe zum Stuten-Derby und dem trotto.de 121. Deutsche Traber-Derby.
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Samstag: Königin Gilda und neun Prinzessinnen
Fünf Vorläufe waren bei den Stuten zustande gekommen, was den etwas unglücklichen Umstand mit sich bringt, dass es nur zehn Finalplätze zu vergeben gab. Denn um eine Zeitschnellsten-Regelung bei den Drittplatzierten zu vermeiden, qualifizieren sich bei vier Vorläufen die drei Erstplatzierten, bei fünf oder mehr die zwei Erstplatzierten.
Die in 15,3 / 1900 Meter siegreiche Ready Cash-Tochter Noble Dolly geht damit ungeschlagen ins Finale des Stuten-Derbys. Im Vorjahr hatte Oikarinen mit April Love noch den Vorlauf durch eine Galoppade verpatzt, sich dann jedoch das Finale B gesichert – in diesem Jahr geht er mit guten Chancen im Endlauf an den Start. Die gesetzte Jane Bo verpasste den Endlauf knapp – auch, weil Noble Dolly nach außen wich und so innen Platz für Stonewashd Diamant ließ, wofür Jorma Oikarinen von der Rennleitung zur Kasse geboten wurde.
Bemerkenswert ist, dass Likasi im Gegensatz zu Lesperanza nicht der eigenen Zucht des Gestütes Lasbek entstammt, sondern von den Bros Stables gezogen wurde und auf der Grand Prix Sale 2014 als Gwendolyn Bros für 28.000 Euro an Günter Herz verkauft worden war.
Die hoch eingeschätzte Mon Etoile erreichte als Zweitplatzierte zeitgleich mit der 15,4 / 1900 Meter trabenden Siegerin den Endlauf und fand damit genau rechtzeitig in die Erfolgsspur zurück. Der Stute galten in ihrem Quartier stets hohe Erwartungen, zuletzt konnte sie diese nicht ganz erfüllen. Mit der Siegerin des letztjährigen Auktionsrennens, Danedream, sowie Scullys Princess gehörten ein „reiches“ und ein „teures“ Pferd zu den nicht für den Endlauf qualifizierten Stuten dieses Vorlaufs. Danedream läuft weiter der Vorjahresform hinterher, Scullys Princess kann ihren Kaufpreis von 80.000 Euro auf der Grand Prix Sale 2014 dagegen noch nicht rechtfertigen.
Zu einem Hattrick des Gestüts Lasbek langte es nicht, die als Guanin F Boko geborene und für 16.000 Euro auf der Grand Prix Sale ersteigerte, inzwischen unter dem Namen Louisiane laufende Prodigious-Tochter konnte ihren Stallgefährtinnen nicht nacheifern und wurde disqualifiziert.
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Sonntag: Team Tietz triumphiert
Das Verhältnis zwischen Thorsten Tietz und dem Deutschen Traber-Derby ist nicht frei von Spannungen. Vier Jahre ist es her, da wurde ihm der sportliche Sieg mit Chapeau am grünen Tisch genommen. Noch heute sorgt dieses Rennen, das schlussendlich vor ordentlichen Gerichten entschieden wurde, für emotionale Diskussionen zwischen Trabrennsportfans. Und im Vorjahr saß Tietz hinter dem mit großen Erwartungen ins Rennen gegangenen Lokalmatador Cash Hanover, der dreijährig alles gewinnen konnte, was es zu gewinnen gab – eben außer dem Derbyfinale, aus dem er sich Ende der Gegenseite im Galopp verabschiedete.
In diesem Jahr brachte der seit wenigen Wochen als Trainer zeichnende Wahl-Berliner das Kunststück zustande, alle vier Vorlauf-Fahrten in Finalqualifikationen zu wandeln. Dreimal saß er dabei hinter selbst trainierten Pferden, einmal war er als Catchdriver aktiv. Ob die Tietz-Truppe diese Trümpfe am kommenden Sonntag auch ausspielen kann, wird sich zeigen – denn die Gegner sind nicht von Pappe.
Thorsten Tietz darf Geronimo T im Finale nicht fahren, schließlich hat er von ihm selbst trainierte Pferde im Endlauf. Von diesen entschied er sich wenig überraschend für Fiobano, Geronimo T wird wie schon im Mariendorfer Buddenbrock-Trial von Dennis Spangenberg gefahren. Nicht auszuschließen, dass am Sonntag der besonderen Derbyhistorie von Thorsten Tietz ein weiteres Kapitel hinzugefügt wird, sollte er dem von ihm ins Finale gebrachten Geronimo T unterliegen. Insgesamt hat der Berliner „Qualifizierte Berufsfahrer“ freilich die besten Karten, stammt doch ein Viertel der Finalteilnehmer aus seinem Stall. Eine besondere Leistung, die das „Team Tietz“ hier vollbracht hat!
Ohne jeden Zweifel steht uns ein spannendes trotto.de 121. Deutsches Traber-Derby (238.192 Euro) bevor, das am Sonntag von weiteren sportlichen Highlights umrahmt wird. Das Finale des Berlin-Jägersro Super Trot Cup und eine Derby-Revanche, die diesen Namen trotz der Abwesenheit von Ferrari Kievitshof absolut verdient, seien nur als Beispiele genannt.
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Launige Statements am Mikro
Die Europameisterschaft war auch sprachlich eine merkliche Herausforderung für das Moderatorenteam. Peter Fahrentholz brillierte dabei mit seinen Italienischkenntnissen beim Siegerinterview mit Enrico Bellei – zumindest klang es überzeugend für die Ohren von nicht Italienisch sprechenden. Hans Sinnige gelang es sogar, Björn Goop in ein echtes Gespräch zu verwickeln und entlockte ihm das launige Statement „we're used to fight against the finnish people“, wobei es dem Zuhörer überlassen war, ob der Schwede damit die Historie beider Länder oder die zahlreichen Wettstreite auf sportlicher Ebene, sowohl im Sulky als auch vor allem im Eishockey, meinte. All die Erfahrung half ihm freilich nichts, denn mit dem bekannten finnischen Kampfgeist („sisu“) setzte sich Mika Forss als neuer Europameister durch.
Sportlich grenzwertig kam das Siegerinterview von Tom Kooyman daher, der im Überschwang seine Fahrerkollegen, die ihren Pferden beim Kampf um die Spitze zu viel zugemutet zu haben schienen, als „Idioten“ titulierte. Ebenso emotional ging es am Sonntag weiter, als Rudi Haller erst einige Momente brauchte, im nach seinem Vorlaufsieg mit Orlando Jet die Fassung zurück zu erlangen, um dann in einem von ihm absolut unbekannten, scharfen Ton Gerhard Mayr für ein Foul in der Startphase zu attackieren. Das blieb zum Glück folgenlos, sonst wäre Mayrs vierstelliger Außenseiter Dandy As, der mit Müh' und Not das „hdF“ zu verhindern wusste, doch noch zu einem aktiv eingreifenden Protagonisten des Vorlaufs geworden.
In sachlichen Worten brachte Thorsten Tietz sein Unverständnis darüber zu Ausdruck, dass seinem Antrag auf ein Begleitpferd für Fiobano zwischen Parade und Start zunächst entsprochen worden war, um diese Sondergenehmigung kurz vor dem Rennen wieder zu verwehren. Ebenso wie bei Hallers Fall bleibt am Ende festzuhalten, dass es viel Lärm um nichts war – Fiobano gewann auch ohne einen beruhigenden Begleiter vor dem Start souverän. Aber beide Fälle zeigen deutlich, wie viel Druck zum Derby auf den Fahrern lastet – emotionale Statements gehören dazu, machen den Sport menschlich und lassen keinen Zweifel: Der deutsche Trabrennsport lebt!
Fotos: Marius Schwarz (www.traberpixx.de)
(02.08.2016)