Wer hätte das im Herbst 2014 erwartet? Nach dem Rückzug der RSM-Gruppe („Winrace“) befand sich der deutsche Trabrennsport in einer schweren Krise. Nur dem unermüdlichen Engagement der Verantwortlichen vor allem beim HVT, German Tote und den Rennveranstaltern im Schulterschluss mit den Aktiven war zu verdanken, dass innerhalb kürzester Zeit neue Vermarktungsstrukturen geschaffen werden konnten. In der Derby-Woche 2015 zeigten sich nun erste Früchte dieser Arbeit: Die Stimmung war hervorragend, der Wettumsatz konnte im zweistelligen Bereich gesteigert werden und das Ergebnis der Derby-Auktion zeigt, dass das Vertrauen in eine erfolgreiche Zukunft des deutschen Trabrennsports gegeben ist.
Der Berliner Trabrenn-Verein hat es erneut geschafft, das Mammut-Projekt Derby-Woche zu stemmen. Sieben Renntage galt es in diesem Jahr durchzuführen, mit einer PMU-Matinee begann das Meeting bereits am Freitag, den 24. Juli 2015. Auf die ersten drei Tage ist mein-trabrennsport.de bereits eingegangen (Bericht Freitag/Samstag, Bericht Sonntag).
Donnerstag: Stark Bi – Nomen est omen
Freitag: New York in Mariendorf
Vor 12 Monaten ging im Bruno Cassirer-Rennen (endgültig) der Stern einer gewissen Zelda Zonk auf, die am Donnerstag in Mariendorf als Dritte zu Top of the Rocks ein feines Comeback nach mehrmonatiger Pause gegeben hatte – zwischenzeitlich hatte die Stute als Seriensiegerin in ihrem Geburtsland Schweden aufgetrumpft. Auch ihre Nachfolgerin ist ein Import: Bernard Jonston, ehemaliger kanadischer Eishockey-Nationalspieler und -trainer, hat die Credit Winner-Tochter in seinem Heimatland selbst gezüchtet und in seine deutsche Wahlheimat importiert. In Tradition der Pferde seiner Lebensgefährtin Sigrid Velten trägt auch die Credit Winner-Tochter das Präfix „Velten“. Im Cassirer-Vorlauf ließ Michael Nimczyk mit der Sechsjährigen noch Sex and the City den Vortritt, im Finale gab es nach Fehlern beider Vorlaufsiegerinnen keine Opposition gegen Velten New York, die ihre Gewinnsumme mit der Siegprämie von 10.000 Euro auf einen Schlag fast verdreifachte.
Wochenende der großen Emotionen
Am Sonntag ging es nicht weniger emotional weiter – wenn auch aus weniger erfreulichem Grund. Dennis Spangenberg schleuderte seine Peitsche von sich, als die Disqualifikation seiner überlegenen Emma di Quattro in der Derby-Revanche verkündet wurde. Angesichts der Überlegenheit seiner Stute, die das Duell gegen die drei Erstplatzierten des Derbys 2014 nicht scheute, mehr als verständlich – dennoch war die Disqualifikation nach der Behinderung von Paymybills Diamant unausweichlich.
Wenig später waren dann wieder positive Emotionen zu beobachten – Mitbesitzer Roman Thomaskamp sprintete von der VIP-Tribüne auf das Geläuf und sprang seinem Trainer Paul Hagoort in die Arme. Auch der zweite Derbysieg innerhalb von 24 Monaten löst also noch große Gefühle aus!
Stuten-Derby, Finale B: Hyvää matka, April Love
Auktionsrennen: Auf den Spuren der Namensgeberin
Stuten-Derby, Finale: Indira Bo auf den Punkt fit
Zunächst setzt sich also Indira Bo ohne wenn und aber die Stuten-Krone der Generation 2012 auf - nach mit dem Sieg in der Breeders Crown und dem Stuten-Derby ist sie die klare Nummer eins. Wohl erst im kommenden Jahr kann es dabei zum Duell mit Global Fun kommen - die diesjährige "BC" kommt für die Vorab-Favoritin für das Stuten-Derby, die verletzungsbedingt den Vorläufen fern blieb, laut Betreuer Dirk Hafer wohl noch zu früh. Die hoch gehandelte Vorlaufsiegerin Georgeous Love stand das Pensum in der Todesspur nicht durch und endete auf dem letzten Platz des Finales.
Keine echte Derby-Revanche am Ende
Das Rennen lief dann ganz anders als erwartet, verpatzten doch die drei Final-Ersten schon den Start. Entschieden wurde das Rennen ausgangs der Gegengeraden, als Emma di Quattro zur Schlussattacke ansetzte und den führenden Paymybills Diamant überspurtete. Die einzige Stute im Feld strebte fortan einem überlegenen Sieg entgegen, Nileo kam als Zweiter vor Paymybills Diamant ins Ziel. Louisdor, Ewald F Boko und Expo Express folgten in respektvollem Abstand.
Nileo, der beim Derby 2014 noch nicht mal qualifiziert war und sich erst 2015 langsam über den „zweiten Bildungsweg“ Richtung Jahrgangsspitze entwickelte (Zweiter in der Beginners-Serie zum NRZ-Pokal in Dinslaken, Sieger in der Entlastung zum Buchmacher Albers-Pokal in Karlshorst), kam damit unverhofft zum größten Sieg seiner Karriere und strich 12.500 Euro ein.
Ferrari Kievitshof im Derby-Finale Start-Ziel eine Macht
Als Cash Hanover auf der Gegenseite den Angriff auf Ferrari Kievitshof unternahm und kurz vor dem Schlussbogen entscheidend von den Beinen geriet, war die geballte Enttäuschung der Berliner, wenn nicht aller deutschen Traberfans mit Händen zu greifen – ein kollektiver Seufzer der Enttäuschung erfasste zum Beispiel die VIP-Tribüne.
Dass sich alle vermuteten Konkurrenten selbst eliminierten, ist aus sportlicher Sicht bedauerlich – ob sie Ferrari Kievitshof, der natürlich in neuer Rennrekordzeit von 12,7 / 1900 Meter gewann, hätten am Zeug flicken können, darf aber bezweifelt werden.
Fast mehr als über den Derbysieg schien sich Leendert Gerrits über den zweiten Platz von Friendship Newport zu freuen, stammt dieser doch von seinem auf dem Gestüt Helenenhof stationierten Deckhengst Main Wise As ab. Als zweitlängster Außenseiter (941:10!) des Finales belegte er mit Jesse ter Borgh den Ehrenplatz, den dieser überschwänglich feierte.
Nun wird es spannend sein, in den möglichen Derby-Revanchen Bayern-Pokal, Breeders Crown und St. Leger die Protagonisten des 120. Deutschen Traber-Derbys erneut aufeinander treffen zu sehen.
Rebound verwandelt die zweite Chance
Wechsel auf die Zukunft: Die Derby-Auktion
Bleibt zu wünschen, dass dieser positive Effekt nachhaltig ist. Aufgrund der Neuterminierung der Breeders Crown in diesem Jahr auf Ende September ist das nächste trabrennsportliche Großereignis nur wenige Wochen entfernt!
hauptstadtsport.tv berichtete umfangreich über die Rennen in Mariendorf und hat der Derbywoche eine eigene Seite gewidmet: www.hauptstadtsport.tv/derby2015/
Auch in der Tagesschau war das Deutsche Traber-Derby ein Thema: Link zur Mediathek (ab Sendeminute 13:37)
(05.08.2015)