Im schon vorab von Conrad Lugauer ausgesuchten Prix de Croix für die Fünfjährigen erlebte der Muscle-Hill-Sohn ein echtes Waterloo, das nach der exquisiten Vorstellung drei Wochen zuvor, dank der er auf den Titelseiten der französischen Pferdesportgazetten und den Internet-Seiten höchst präsent war, vielleicht nur medizinisch erklärt werden kann.
An „Ersatzfahrer“ Marc Elias kann es kaum gelegen haben. Den doch etwas ungewohnten Bänderstart, den er aus Schweden erst zweimal „geübt“ hatte, bekam der Berchtold-Traber im Gegensatz zu Wetterscheck Freyja du Pont, die mal wieder im Galopp begann, blendend hin. Nachdem sich Falcao de Laurma vor Feliciano, Frisbee d’Am und Fashion Queen die Spitze gesichert hatte, sah Franck Nivard keinen Grund, dem 25:10-Favoriten den Griff nach dem Taktstock ernsthaft zu verwehren, als der Mitte der Tribünengeraden darum nachfragte. Unblutig in Front gekommen, lief es auch weiterhin ideal für den Sieger des schwedischen Königspokals.
In trockenen Tüchern war das 45.000-Euro-Ding jedoch auch für den schmucken Fuchs aus dem Hause Duvaldestin nicht. Am Glanztag Philippe Allaires, dessen Youngster chronologisch unmittelbar zuvor die Dreijährigen-Prüfung nach Strich und Faden beherrscht hatten, punktete Feliciano. Dem Schwarzbraunen mit der langen schmalen Blesse hatte David Thomain einen Run in rigoroser vorderer Deckung verpasst, was der Ready-Cash-Sohn der Ecurie des Charmes dankend zum zehnten Treffer zu nutzen wusste, sein Konto auf 474.340 Euro ausbaute und damit nur noch hauchdünn hinter Falcao rangiert, der 475.230 Euro sein Eigen nennt. Dritte wurde mit Flèche du Yucca die Aufsteigerin der letzten Wochen, die bis auf das Intermezzo im unteren Bogen stets mindestens eine Zugmaschine hatte.
„Ein phänomenaler Erfolg, denn seine letzte Vorstellung am 17. November (7. im Prix de Bretagne/Anm.d.Rd.), aus der er lahm zurückkam, hat uns einige Kopfschmerzen bereitet. Das gesamte Team hat einen Super-Job vollbracht. Dass er so etwas wie heute kann, hat er ja im Herbst bei seinem 1:10,2-Sieg im Prix de l’Etoile gezeigt, nach dem wir eigentlich den ‚Amérique‘ im Blick hatten“, war Philippe Allaire happy. „Er war wieder ganz der Alte“, resümierte David Thomain, seit jenem Prix de l’Etoile sein Standardfahrer, „es passte im Rennen aber auch alles bis ins kleinste Detail“, wofür in erster Linie er selbst verantwortlich war. Das ließ der 31-jährige bescheiden unerwähnt.
Prix de Croix (Gruppe II int., fünfj. Hengste & Stuten)
2850m Bänderstart, plus 25m ab 466.000 Euro; 100.000 Euro
1. Feliciano 2850 13,4 David Thomain 109
5j.schwbr. Hengst von Ready Cash a.d. Ravanella von Jain de Béval
Be / Zü: Ecurie des Charmes; Tr: Philippe Allaire
2. Falcao de Laurma | 2850 13,4 Franck Nivard | 39 |
Sieg: 109; Richter: sicher ½ - 3 - 1 - 1 - 3½ - Kopf; 13 liefen
Zw-Zeiten: 14,0/1350m - 14,6/1850m - 14,3/2350m
Wert: 45.000 - 25.000 - 14.000 - 8.000 - 5.000 - 2.000 - 1.000 Euro
Parademarsch der Allaire-Armada
So etwas wie ein Erbhof ist mittlerweile der Prix Maurice de Gheest, der erste Halbklassiker für die Hengste der Generation 2017 über 2700 Meter, für Philippe Allaire und dessen Aushängeschild Ready Cash geworden. 2008 hatte der 4,2-Millionen-Traber die Lorbeeren das erste Mal für den 60-jährigen geholt, stellte mit seinen Söhnen Brillantissime, Django Riff, Eridan, Feeling Cash und Gotland die Sieger der Jahre 2014 sowie 2016 bis 2019 und nunmehr über seinen Enkel Helgafell auch jenen 2020. Bis auf Eridan waren alle in der „Mache“ Allaires, der als „Ersatz“ 2015 für den von Password gezeugten Cahal des Rioults verantwortlich war. Das Tüpfelchen auf dem I, das des „grauen Wolfs“ Dominanz bei den Nachwuchstrabern noch unterstreicht, war wieder einmal ein Grand Flush: Seine drei Musketiere, ohnehin die Reichsten im Zehnerfeld, beschlagnahmten das Treppchen für sich.
Heart Jewel in dritter, Helgafell in vierter und Holzarte Védaquais gar in fünfter Spur krempelten die Ärmel hoch, doch hatte sich Heaven’s Pride genügend Reserven bewahrt. Einzig gegen den wie immer von Eric Raffin gesteuerten Helgafell war dann doch nichts zu löten. Zug um Zug robbte sich der Braune mit dem großen Keilstern zum sechsten Sieg aus sieben Starts um eine halbe Länge vorbei und baute sein Konto auf 182.900 Euro aus; mehr hat noch niemand seines Jahrgangs verdient. Den Allaire-Triumph vervollständigte Holzarte Védaquais, der drei Längen hinter seinen Trainingsgefährten Heartbreaker One in Schach hielt.
Dank des enorm schnellen Endstücks blieb der Sieger mit 1:16,1 gar nicht so weit vom Rennrekord entfernt, den Gotland vor Jahresfrist auf 1:15,7 geschraubt hatte.
„Einfach genial“, grinste Allaire breit übers ganze Gesicht, „besser können wir unsere Deckhengste gar nicht publik machen. Helgafell ist von Charly du Noyer, die andern beiden sind von Brillantissime, also väterlicherseits alles Ready-Cash-Enkel! Diesen Helgafell liebe ich sehr. Er entwickelt einen enormen Schub aus der Hinterhand und ist charakterlich ein toller Typ, der rasch lernt - ein echter Profi eben. Schon als ich ihn im Gestüt für Gerard Augustin-Normand ausgesucht habe, hab ich mich total in ihn verknallt.“
mit Cleangame im schlanken Gang gewonnen. Auch heuer stellte der entthronte 20-fache Sulky d’Or in einer sehr viel ausgeglichener besetzten Prüfung den etwas überraschenden Sieger im spannendsten Finish des Tages. Wie fast schon üblich bei den reichen Älteren - diesmal waren jene bis 634.499 Euro Gewinnsumme gefragt -, schöpfte „JMB“ aus dem Vollen seines Quartiers und schickte ein Quartett ins 2700-Meter-Match, aus dem er sich nicht etwa den aktuellen Sieger Dorgos de Guez herauspickte. Den vertraute er Filius Nicolas an und knöpfte sich Valokoja Hindö vor. Jenen Dänen, den er seit Oktober 2018 vom Nobody zum - nach elf Siegen aus 24 Auftritten unter seiner Ägide - potentiellen Amérique-Anwärter geformt hat. Dass es mit der Qualifikation fürs Monsterrennen nichts wurde, „lag vielleicht auch an der falschen Taktik, die ich Christophe Martens im ‚Bourbonnais‘ wie im ‚Bourgogne‘auf den Weg gegeben habe“, wie der 48-jährige selbstkritisch geäußert und sich das Ticket für den „Jour J“ inzwischen abgeschminkt hatte.
Zu Beginn des Anstiegs quetschte sich Bazire senior in zwei halbseidenen Anläufen, bei denen Alamo du Goutier für ein paar Schritte den Takt verlor, hinter Tessy d’Eté in Spur zwei. Obwohl Mindyourvalue, der sich auf dem weiten Rund des Plateau de Gravelle sehr viel wohler fühlt als auf den viel engeren Pisten seiner schwedischen Heimat, weiterhin enorm Tempo bolzte, blieb der Pulk dicht beisammen und legte ein Finale hin, das nichts für Herzkranke war. Schien der Schwede ausgangs der Schlusskurve erfasst, so lief er unter Lebourgeois‘ kräftigen Rüttlern dann doch immer weiter - und passierte die Linie als Fünfter lediglich eine halbe Länge hinter dem Sieger.
Bestand hatte das Resultat jedoch erst nach rund 15 Minuten und doppelter Überprüfung. An der Fahrweise Nivards auf der Zielgeraden hatten die Rennrichter nichts auszusetzen und befanden zudem, dass Dreambreaker das Ziel bereits erreicht hatte, als er im engen Getümmel aus dem Strich geriet. Der Protest Héberts gegen Jean-Michel Bazire wegen der Fahrspurveränderung rund 1200 Meter vorm Ziel, die Alamo du Goutier eine entscheidende Position gekostet hatte, wurde zurückgewiesen; Bazire kam mit einer Verwarnung höchst glimpflich davon. Nächste Aufgabe für den wie Dreambreaker 1:11,9 auslaufenden Valokaja Hindö ist in 14 Tagen der Prix du Luxembourg, der ursprünglich auch für Orlando Jet als Ziel des Pariser Winters ausgegeben worden war.
Dreambreaker durfte sich über ob der außergewöhnlichen Leistung eher magere 1.600 Euro und den neuen deutschen Langstrecken-Rekord freuen, der seit 2013 mit ebenfalls in Vincennes erzielten 1:12,2 auf den Schultern Bagleys geruht hatte.
Prix du Forez (Gruppe III nat., Sieben- bis Elfj. bis 635.000 Euro)
2700m Bänderstart o.Z.; 80.000 Euro
1. Valokaja Hindö 11,9 Jean-Michel Bazire 77
9j.dklbr. Hengst von Great Challenger a.d. Hindö Enghave von Victor Victor
Be: Eirik Djuve, DK; Zü: Jeanette Jensen & Vagn Larsen, DK; Tr: Jean-Michel Bazire
2. Dorgos de Guez | 11,9 Nicolas Bazire | 65 |
Sieg: 77; Richter: Kampf ½ - k.Kopf - Kopf - Kopf - Kopf - 1 - Hals; 10 liefen
Zw-Zeiten: 11,3/1200m - 11,3/1700m - 11,8/2200m
Wert: 36.000 - 20.000 - 11.200 - 6.400 - 4.000 - 1.600 - 800 Euro