Nach dem Critérium des 5 Ans am 31. August und dem Prix d’Eté am 7. September standen an diesem Samstag sogar zwei Gruppe-I-Karäter um jeweils 200.000 Euro auf der neun Rennen umfassenden Karte. Nummer eins war der Prix de l’Étoile, jener Klassiker für die Drei- bis Fünfjährigen, bei dem die Jüngsten - heuer folglich die Generation „G“ - mit 50 Meter Vorsprung auf die für sie 2150 Meter kurze Reise gehen und dies in Gestalt von Green Grass rigoros nutzten.
Nur kurz erfreute sich Good Boy Ligneries, der zweimal in Folge mit Gotland den bisherigen Primus der Generation abserviert hatte, der Führung. Noch vor dem Bogen von Joinville war Gabriele Gelormini mit Green Grass da und machte eine Fahrt auf, dass speziell den hinteren Chargen die Augen tränten - so sehr, dass Eugenito du Noyer, frischgebackener Sieger des Critérium des 5 Ans, völlig aus dem Ruder lief und sich aus der Wertung sprang. Gelormini blieb unerbittlich am Drücker mit der Bold-Eagle-Tochter, die zuletzt mit zwei eben solchen Parforce-Jagden gegen ihre Altersgefährtinnen Schiffbruch erlitten hatte. Es steht zu befürchten, dass ein so erfahrener Trainer wie Sébastien Guarato einer Dreijährigen mit solcher Taktik Moral und Schneid auf Dauer abkauft.
500 Meter vorm Ziel waren die Verfolger dran an der unterwegs mit bis zu 25 Meter Vorsprung führenden Braunen, die völlig ausgepumpt das Handtuch warf und bis auf den letzten Platz durchgereicht wurde. Ihrem steten Verfolger und Bandgefährten Good Boy Ligneries ging es kaum besser: Gerade war er an der müden Green Grass vorbei, wurde er von den Älteren kräftig ins Gebet genommen, eiskalt links liegen gelassen und ging als „Kompott“ nach Enquête der hart erarbeiteten vierten Prämie verlustig, weil seine Aktion auf müden Beinen sehr zu wünschen übrig ließ.
Prix de l’Etoile (Gruppe I nat., drei- bis fünfj. Hengste & Stuten)
2200m Bänderstart; Dreij. starten von 2150m; 200.000 Euro
1. Feliciano 2200 10,2 David Thomain 222
4j.schwbr. Hengst von Ready Cash a.d. Ravanella von Jain de Béval
Be / Zü: Ecurie des Charmes; Tr: Philippe Allaire
2. Falcao de Laurma | 2200 10,3 Thierry Duvaldestin | 77 |
Sieg: 222; Richter: leicht 2 - 2 (- 2) - ¾ - ½ - 1 Länge; 10 liefen
Zw-Zeiten: 10,3/650m - 09,2/1150m - 11,0/1650m
Wert: 90.000 - 50.000 - 28.000 - 16.000 - 10.000 - 4.000 - 2.000 Euro
Favoritensterben auch im Satteltraben
Mit dem Prix de Normandie, dem Gegenstück des Critérium des 5 Ans für die Sulky-Pferde, hatten zwölf fünfjährige Satteltraber ihren letzten Jahrgangs-Klassiker vor der Brust. Wie undurchsichtig die Gemengelage bei ihnen ist, erhellt die Tatsache, dass von den bisherigen vier Gruppe-I-Siegern allein Eye of The Storm dabei war - und an dem beißt sich gerade Jean-Michel Bazire als Trainer die Zähne aus. Eiffel Tower, Eveil du Châtelet, Elladora de Forgan - sie alle sind mehr oder weniger tief in der Versenkung verschwunden.
Um den Schrecken für die „turfistes“ komplett zu machen, ist gerade diese Aufgabe oft genug zum Friedhof der Favoriten geworden. Das sollte in dieser Auflage nicht anders sein. Liebling der Wetter war der im Monté unerfahrene Et Voilà de Muze, der allerdings zum Einstieg in dieses Geschäft den erfahrenen „Häsinnen“ Evangelina Blue und Exotica de Retz glasklar das Nachsehen gegeben hatte. Eric Raffin fackelte denn auch trotz der drei Kilometer weiten Strecke nicht lange. Kaum war die Tribünengerade erreicht, entwand er Etonnant den Taktstock und bekam am Ende dieser Geraden in Eye of The Storm den ersten Matador dieses Jahrgangs vor die Nase gesetzt. Der einstige Allaire-Schützling strafte die letzten katastrophalen Formen Lügen, stiefelte im 1:13er Tempo die Anhöhe hinauf und bekam an deren Ende Gesellschaft von Evangelina Blue, die sich allmählich mit Etoile de Bruyère, Estebane Sacha und Exotica de Retz als Anhängsel in zweiter Spur vorgetastet hatte. Innen lauerten Evening Star und Enneigée auf ihre Chancen, die spätestens in jenem Moment kamen, als Eye of The Storm unter Evangelina Blues wachsendem Druck doch wieder aus dem Tritt kam.
„Es freut mich ungemein nicht nur für mich - ein klassisches Rennen gewinne ich ja nicht alle Tage -, sondern auch für ihren Besitzer und Trainer Charles Dreux, der sie mir nun schon seit zwei Jahren fast ausschließlich anvertraut. Zug um Zug hat sich die kleine Stute nach vorn gearbeitet und war heute einfach reif für den großen Wurf“, gestand der 27-jährige Adrien Lamy, der sich zum dritten Mal in einem Klassiker verewigte - immer im Prix de Normandie, den er schon 2015 mit Astor du Quenne, 2017 mit Cassate gewonnen hat.
Prix de Normandie - Monté - (Gruppe I nat., fünfj. Hengste & Stuten)
3000m Bänderstart o.Z., 240.000 Euro
1. Etoile de Bruyère 13,5 Adrien Lamy 96
5j.br. Stute von Kénor de Cossé a.d. Reinette du Tijas von Ekir de Léau
Be / Tr: Charles Dreux; Zü: Jean-Jacques Levrard
2. Evening Star | 13,5 Anthony Barrier | 170 |
Sieg: 96; Richter: Kampf Kopf - 1 - (k.Kopf) - 1 - (4) - 4 Längen; 12 liefen
Zw-Zeiten: 13,8/1500m - 13,5/2000m - 13,8/2500m
Wert: 90.000 - 50.000 - 28.000 - 16.000 - 10.000 - 4.000 - 2.000 Euro
Der „Pfeil“ fliegt
Auch wenn das Trabreiten nicht ihre ureigenste Disziplin ist, hat Flèche Bourbon, die von Rainer Engelke auf seinem normannischen Gestüt Haras Saint Martin gezüchtete Saxo-de-Vandel-Tochter, nach einem ersten Galopp-Ausrutscher mit dem folgenden Triumph im Prix du Président de la République im Monté eine überaus nachdrückliche Spur hinterlassen. Weil nach zweimonatiger Pause die Fahrform beim Sieg im Prix Guy Le Gonidec exzellent war, ging die Braune mit der schmalen Blesse für ganze 17:10 ab - und sollte dieser enormen Wertschätzung auf jedem der 2175 Meter des Prix Cénéri Forcinal gerecht werden. Alexandre Abrivard setzte ganz außen eindrehend sofort volle Segel, die Stute spielte willig mit und hatte früh die Nase vorn, sah die Innenspur aber erst nach 500 Metern im Scheitel des Joinviller Bogens.
„Ich denke, im ‚Président‘ war sie sogar noch einen Tick stärker. Sie ist von außergewöhnlicher Klasse - und das in beiden Disziplinen. Ganz sicher hat ihr geholfen, dass es am Start bergab in die Senke ging. So konnte sie mächtig Schwung aufnehmen“, war Guarato mit seiner Musterschülerin nur zu 99 Prozent zufrieden.
Prix Cénéri Forcinal - Monté - (Gruppe II nat., vierj. Hengste & Stuten)
2175m Bänderstart o.Z., 100.000 Euro
1. Flèche Bourbon 10,9 Alexandre Abrivard 17
3j.br. Stute von Saxo de Vandel a.d. Uzara Josselyn von Goetmals Wood
Be / Zü: Ec. Haras de Saint Martin; Tr: Sébastien Guarato
2. Feeling Cash | 11,1 Eric Raffin | 45 |
Sieg: 17; Richter: überlegen 3 - 6 - 13 - 10 - 9 Längen; 9 liefen
Zw-Zeiten: 10,2/675m - 10,3/1175m - 11,1/1675m
Wert: 45.000 - 25.000 - 14.000 - 8.000 - 5.000 - 2.000 - 1.000 Euro
Auch Juan Bros unter „ferner liefen“
Vor einer Woche hatte Jean-Michel Bazire als Favorit keine Chance mit River Flow, dem unglücklichen, weil eingesperrten Vierten des deutschen Derbys, und war auf einem bescheidenen siebenten Rang gelandet. Mehr Massel hatte der 20-fache französische „Sulky d’Or“ auch nicht mit der zweiten „deutschen“ Fuhre, der für Alessandro Gocciadoro in der Auftaktprüfung, dem Prix de Montélimar für dreijährige Hengste und Wallache, die keine 85.000 Euro verdient hatten, die Fahrt mit dem lediglich um einen Hauch am Blauen Band vorbeigeschrammten Juan Bros übernommen hatte. Nach einem Startfehler sofort 30 Meter hinter dem erst von Good Friday, dann Amornero Roc, Good Morning, Golfe Juan, Aston Bar und bergauf erneut von Golfe Juan angeführten Pulk hinterher zockelnd, vermochte der in Italien stationierte Deutsch-Holländer zwar nach einem Kilometer den Kontakt herzustellen, hatte damit sein Pulver aber verschossen und nicht die Spur einer Chance, sich ins Geschäft um bessere Prämien einzumischen, was kein sonderlich gutes Licht auf die Qualität des deutschen Jahrgangs 2016 wirft.
Prix de Montélimar (Gruppe III int., dreij. Hengste & Wallache, keine 85.000 Euro)
2700m Bänderstart o.Z., 66.000 Euro
1. Gipson Creek 14,7 Alexandre Abrivard 153
3j.br. Hengst von Rieussec a.d. Ultiféda von Késaco Phédo
Be / Zü / Tr: Nathalie Gonin
2. Gallant Way | 14,7 Eric Raffin | 23 |
Sieg: 153; Richter: Kampf k.Kopf - 2½ - 4½ - 1 - ¾ - Hals - 7 Längen; 12 liefen
Zw-Zeiten: 14,7/1200m - 14,9/1700m - 15,5/2200m
Wert: 29.700 - 16.500 - 9.240 - 5.280 - 3.300 - 1.320 - 660 Euro