So lockten insgesamt 678.900 Euro, rund 140.000 weniger als vor Jahresfrist, nur ein paar vierbeinige B-Promis über die Alpen - und erstmals seit langem Jean-Michel Bazire. Der brachte aus seinem gestopften Lager schwerreicher Cracks Bel Avis mit, trug sich in atemberaubender Manier zum dritten Mal nach Exploit Caf (2007) und Gambling Bi (2008), damals jeweils für Fabrice Souloy, auf dem Scudetto ein und zeigte insbesondere Alessandro Gocciadoro, wo und vor allem wie hoch der Hammer hängt. Das Quartier von Italiens neuem „Wundertrainer“ stellte allein sieben der 24 Anwärter, von denen sich die jeweils besten Drei aus drei Vorläufen à 25.300 Euro fürs Finale grande qualifizierten. Der „Mann in Gelb“ brachte ein Quartett in den Endlauf und erlitt dort vor allem mit seinem Schlachtschiff Vitruvio gründlichen Schiffbruch, das in der Todesspur schwer auf Grund lief und als Letzter eintrudelte. Lediglich Außenseiterin Ua Huka strich als Vierte eine Prämie ein.
Der unersättliche Eddy Merckx war einst der Kannibale der Pedaleure, der Rennen um Rennen, Gegner um Gegner fraß, ein Jag de Bellouet in seiner Glanzzeit hat sich diesen Titel bei den Trabern - zum Teil unredlich, sprich mit Verstößen gegen Dopingbestimmungen -, verdient. „Jean-Mi“, wie ihn seine Freunde nennen, räumt seit einem Jahr in ähnlich gnadenloser Manier ab, was es abzuräumen gibt. Nun also auch im Ausland, um das er lange einen großen Bogen geschlagen hat.
Mit 18 Siegen aus 53 Starts und 685.890 Euro war der Wallach der Ecurie Wildenstein zu seinem ersten Auslandsstart aufgebrochen und hatte dank Vorlauf- (der hing nach einem kapitalen Startstotterer am seidenen Faden) und Finalsieg auf dem Rückweg 262.744 Euro mehr über die Alpen zu schleppen. Dass kein neuer Rennrekord dabei war - geschenkt: Mit 1:11,6 blieb der Ganymède-Sohn deutlich über jenen 1:10,5, die Timone EK 2017 markiert hatte. Dafür musste Bel Avis nicht im Entferntesten an seine Grenzen gehen - „schöne Aussichten“ also für weitere Auslandsauftritte des Braunen, der nun sogar für den Elitloppet schwer im Gespräch ist.
Einen dicken Strich konnte auch Björn Goop unter die Jubiläums-Ausgabe machen: Im Vorjahr Zweiter mit Dreammoko, holte er erneut den Ehrenplatz, diesmal mit dem von Stefan Melander trainierten Disco Volante, der in Schweden ein solider Golddivisionär ist, ohne zu den großen Kanonen zu zählen. „Ein Bel Avis in dieser Verfassung ist ein Elitloppet-Pferd, gar keine Frage. Wenn Bazire will, bekommt er sofort eine Einladung. Es wäre schön, würde er sich selbst nach Schweden wagen, denn er ist ein Super-Star, der, wie in Neapel ersichtlich, die Leute in Scharen anzieht“, kommentierte Solvallas vor Ort weilender Sportchef Anders Malmrot.
„Ich hatte einen nachgerade traumhaften Parcours, und war mir des Sieges im Scheitel der letzten Kurve sicher. Ich wollte nur mit einem siegfertigen Pferd zum Lotteria kommen. Wirklich alles hat perfekt geklappt. Tutto va bene“, griente der Maître von einem Ohr zum anderen und schob nach: „Wir müssen abwarten, wie Bel Avis die lange Reise und die beiden Heats wegsteckt. Das war für ihn eine Premiere; nie zuvor ist er über eine solch kurze Distanz angetreten.“ Das klang durchaus danach, als dürften sich die Schweden auf ein Engagement mindestens im Sweden Cup spitzen.
Der Rennverlauf
Die ersten dicken Striche durch Gocciadoras Rechnung machten der von ihm trainierte Attack Diablo, der im wilden Galopp begann, auspariert in dritter Spur hängen blieb und von Federico Esposito ans Feldende beordert wurde, und vor allem Disco Volante. Der Scarlet-Knight-Sohn eroberte von der „4“ verblüffend leicht die Spitze gegen Ua Huka, und weil an jener Timone EK, der als Solist in Startreihe zwei begann, klebte und Björn Goop in Front sofort das Tempo drosselte, blieb „Alex“ nichts anderes übrig, als mit Vitruvio den Part der äußeren Lokomotive zu übernehmen. Ausgerechnet mit Bel Avis im Nacken, hinter dem sich Bazire „volle Hände“ selbige früh reiben durfte und dem seinerseits Ursa Caf, Urlo dei Venti und Attack Diablo folgten.
70. Gran Premio della Lotteria - Finale - (Gruppe I int., Vier- bis Zwölfj., UET-Masters-Serie, Grand Slam)
1600m Autostart, 603.000 Euro
1. Bel Avis 11,3 Jean-Michel Bazire 24
8j.br. Wallach von Ganymède a.d. Gloria Maris von Workaholic
Be: New Blue 1 LLC (Wildenstein Stables Ltd.), FR; Zü: Comte de Bellaigue, FR; Tr: Jean-Michel Bazire
2. Disco Volante 3. Ursa Caf 4. Ua Huka 5. Urlo dei Venti 6. Vanesia EK 7. Attack Diablo 8. Timone EK 9. Vitruvio | 11,8 Björn Goop 11,9 Antonio Esposito 12,1 Rene‘ Legati 12,3 Antonio di Nardo 12,4 Pietro Gubellini 12,9g Federico Esposito 13,3 Roberto Vecchione 13,4 Alessandro Gocciadoro | 30 892 409 284 742 162 123 26 |
Sieg: 24; Richter: überlegen 4 - ¾ - 1¼ - 2 - 1¼ Längen; 9 liefen
Zw-Zeiten: 11,7/500m - 13,1/1000m
Wert: 252.164 - 120.600 - 65.782 - 32.891 - 21.927 sowie 109.636 Euro Züchterprämien
Rennvideo: https://www.youtube.com/watch?v=pxXPQeMxBrQ
Die Vorläufe
Batteria A
1600m Autostart, 25.300 Euro
1. Disco Volante 11,9 Björn Goop 81
6j.br. Wallach von Scarlet Knight a.d. Glorify von Super Arnie
Be: Stall Courant AB, SE; Zü: Jan Johansson, SE; Tr: Stefan Melander
2. Attack Diablo 3. Urlo dei Venti 4. Pantera del Pino 5. Arazi Boko 6. Specialess Ultra Wind Bi Lover Face | 12,2 Federico Esposito 12,3 Antonio di Nardo 12,3 Rene’ Legati 12,4 Alessandro Gocciadoro 12,6 Andrea Vitagliano dis.r. Gabriele Gelormini dis.r. Robin Bakker | 17* 24 135 17* 489 184 211 |
*Stallwette
Sieg: 81; Richter: überlegen 3 - 1 - ½ - 2 Längen; 8 liefen
Wert: 10.580 - 5.060 - 2.760 - 1.380 - 920 und 4.600 Euro Züchterprämien
Rennvideo: https://www.youtube.com/watch?v=omIzW1dUSgM
Batteria B
1600m Autostart, 25.300 Euro
1. Vitruvio 11,5 Alessandro Gocciadoro 11
5j.br. Hengst von Adrian Chip a.d. Tigre OM von Zebu
Be: Pink & Black; Zü: Scud. Sant’Andrea Srl; Tr: Alessandro Gocciadoro
2. Ua Huka 3. Ursa Caf 4. Very Joy 5. Voltaire Gifont 6. Deimos Racing 7. Abydos du Vivier | 11,7 Rene’ Legati 11,8 Antonio Esposito 11,9 Gaetano di Nardo 12,2 Pietro Gubellini 12,3 Björn Goop 12,7 Jean-Michel Bazire | 103 282 354 175 186 52 |
Sieg: 11; Richter: leicht 2 - Hals - 2 - 2 - Hals - 3½; 7 liefen (NS Tessy d’Eté)
Wert: 11.500 - 5.500 - 3.000 - 1.500 - 1.000 und 5.000 Euro Züchterprämien
Rennvideo: https://www.youtube.com/watch?v=M4R-Mnn0inY
Mit einer Schrecksekunde für die Favoritenwetter begann Batteria C, als Bel Avis vor Erreichen der Startmarke galoppierte. Von Jean-Michel Bazire ratzfatz in den Griff bekommen, trabte der Wallach nur wenige Meter, sprang - nun schon nach dem „Ab“ - erneut und wandelte am Rand der roten Karte, derweil Sonia sich flinken Schritts das Kommando vor Vernissage Grif und dem im ersten Bogen ausfallenden Vivid Wise As sicherte. Unter dem Raunen des Publikums kam vor den Tribünen Timone EK angefegt und klemmte sich für die Schlussrunde ohne viel Federlesens ins Kommando, so dass sich Björn Goop mit Dupree den Weg durch die Außenspur selbst bahnen musste. An ihn koppelte sich Bazire.
Batteria C
1600m Autostart, 25.300 Euro
1. Bel Avis 11,6g Jean-Michel Bazire 14
8j.br. Wallach von Ganymède a.d. Gloria Maris von Workaholic
Be: New Blue 1 LLC (Wildenstein Stables Ltd.), FR; Zü: Comte de Bellaigue, FR; Tr: Jean-Michel Bazire
2. Timone EK 3. Vanesia EK 4. Vernissage Grif 5. Tina Turner 6. Dupree Vivid Wise As Sonia | 12,0 Roberto Vecchione 12,0 Pietro Gubellini 12,1 Gennero Riccio 12,6 Gaetano Lo Verde 14,4 Björn Goop dis.r. Edoardo Loccisano dis.r. Rene’ Legati | 53 248 116 349 124 89 101 |
Sieg: 14; Richter: überlegen 3 - Hals - ¾ - 3½ Längen; 8 liefen
Wert: 11.500 - 5.500 - 3.000 - 1.500 - 1.000 und 5.000 Euro Züchterprämien
Rennvideo: https://www.youtube.com/watch?v=UrXEBYjbZSw
Zum Trost 13.800 Euro
Seiner Bezeichnung Trostlauf machte die mit 33.000 Euro ausstaffierte Consolazione zumindest für das Lot von Alessandro Gocciadoro alle Ehre. Der letztlich überlegene Arazi Boko war in 1:11,1 sogar einen Tick zügiger unterwegs als der große Dominator Bel Avis. 300 knochenharte Meter, bis er sich endlich gegen Vernissage Grif für die Pole Position durchgesetzt hatte, schadeten dem weitgereisten Schweden nicht. Obwohl „Alex“ bereits im Schlussbogen zur Peitsche greifen musste, hielt er in einer höchst unansehnlichen „Knüppel-Show“ nicht nur dem Druck des früh attackierenden Hintermannes statt, sondern befreite sich auf den letzten 100 Metern um drei Längen von ihm. 13.800 Euro wanderten in seine Kasse, 6.600 in jene Vernissage Grifs - davon kann man sicherlich etliche Kühlpackungen für die kräftig gegerbten Felle kaufen…
Rennvideo: https://www.youtube.com/watch?v=RHjxqL2fzos