(nn) Jägersro, Samstag, 4. April 2020. Er war und ist vielleicht noch immer einer der meistunterschätzten aktiven Traber Schwedens, der nicht eben eine imposante Erscheinung darstellende Cyber Lane. Acht Siege hat der braune Wallach mal in Serie geschafft, darunter Vor- wie Endlauf des Svenskt Travderby, Breeders Crown, Solvalla Grand Prix (2017), Copenhagen Cup (2018) sowie diverse Gulddivisionen. Stets war er nach einer Pause aus dem Stand topfit, und wohl nur die Tatsache, dass er im zweiten Ausscheidungslauf zum Paralympia-Travet, der als L.C. Peterson-Broddas Minne an den ersten Züchter und Großbesitzer im Süden Schwedens erinnert, der sich eine eigene Trainingsanlage hat bauen lassen, aus der zweiten Startreihe los musste, ließ die Wetter in ihrer Gunst schwanken. Erst kurz vorm „Ab“ schwenkten sie mit 41:10 knapp zu seinen Gunsten und gegen die für 4,3-fache Odds gehandelten Norton Commander und Velvet Gio um.
Für die Schlussrunde löste Velvet Gio den norwegischen Fuchs, der sich 400 Meter weiter nach einem halbherzigen Ausflug in Spur drei aus der Verteilung der Prämien sprang, als Lokomotive der zweiten Gefechtslinie ab, doch zu packen bekam auch er den Commander zunächst nicht. Mit Einbiegen in die finale Kurve war der Spuk des Lugauerschen Fuchses jedoch passé - etwa zu jenem Moment, als Portland endgültig den Kontakt verlor und sich sein Nachbar Onceforall Face im Galopp verabschiedete. An der letzten Ecke war der Tank des auf dem Helenenhof geborenen Gift-Kronos-Sohnes komplett leer, der als Neunter lediglich Portland hinter sich ließ.
Vor einem Jahr war er in diesem Match als Zweiter in die Saison eingestiegen und hatte im damals noch „Olympiatravet“ benannten ersten schwedischen Saisonhöhepunkt Platz fünf belegt. Heuer scheint Cyber Lane etwas weiter zu sein, wie sein Trainer und Fahrer Johan Untersteiner befand, und es könnte in drei Wochen etwas weiter nach vorn gehen: „Das war gar nicht so einfach, denn ab 600 Meter vorm Ziel musste er sich das Match durch die dritte Spur selbst gestalten. Auf diesem Abschnitt hatte ich für ihn deutlich unter 1:10 auf der Uhr. Er hat unglaublich gekämpft. Ich hab immer den Eindruck, er weiß ganz genau, wo das Ziel steht. Fantastisch, wie er Velvet Gio mit den letzten Schritten in die Knie gezwungen hat. Du trainierst den ganzen Winter über bei Regen und Schnee und gewinnst dann auf Anhieb solch ein Rennen - ein schöneres Gefühl kann’s nicht geben“, strahlte der 35-jährige von einem Ohr zum anderen.
L.C. Peterson-Broddas Minne -Gulddivisionen - (int., 2. Vorlauf zum Paralympia-Travet)
2140m Autostart, 306.500 SEK
1. Cyber Lane 11,4 Johan Untersteiner 41
7j.hlbr. Wallach von Raja Mirchi a.d. Sybaris Hanover von Cantab Hall
Be: Levaux AB; Zü: Prestera International AB; Tr: Johan Untersteiner
2. Velvet Gio 3. Tae Kwon Deo 4. Island Life 5. Racing Mange 6. Lucifer Lane 7. Giveitgasandgo 8. Lionel 9. Norton Commander 10. Portland Stepping Spaceboy Onceforall Face | 11,5 Carl Johan Jepson 11,6 Adrian Kolgjini 11,6 Robert Bergh 11,6 Joakim Lövgren 11,7 Johan Nilsson 12,1 Thomas Uhrberg 12,2g Göran Antonsen 12,8 Conrad Lugauer 13,4 Björn Goop dis.r. Kim Eriksson dis.r. Jeppe Juel | 70 301 750 43 202 671 98 43 123 338 865 |
Sieg: 41; Richter: Kampf k.Kopf - 1½ - k.Kopf - k.Kopf - ¾ - 3½ - 1 Länge; 12 liefen
Zw-Zeiten: 10,1/500m - 11,1/1000m - 11,1/1500m - 12,1/letzte 500m
Wert: 150.000 - 75.000 - 37.500 - 19.000 - 12.000 - 8.000 - 5.000 SEK
Video: https://www.youtube.com/watch?v=QWe0TZ5dtXE
Das spielte Kolgjini junior - der Herr Papa hatte Redneck Woodland nicht fehlerfrei in die Partie gebracht - blendend in die Karten. Der 26-jährige brauchte nur noch Obacht zu geben, dass Power nicht zu früh aus der Falle schlüpfte. Auf den letzen 100 Metern setzte sich Upset Face ganz leicht zum achten Erfolg aus 13 Versuchen ab und hatte zum Saisoneinstand nebst 150.000 Kronen die Gewissheit, auch für die bald anstehenden Vorläufe zum Konung Gustaf:s Pokalen sehr ordentlich gerüstet zu sein. Västerbo Lexington wurde vom außen an ihm vorbeispurtenden Brake Cooling um einen „Hals“ auf Platz vier expediert.
Zufrieden mit seinem Derby-Aspiranten war Robert Bergh: „Für den Anstart war‘s vollkommen okay. Natürlich hätte ich ihn zur Halbzeit herausnehmen können, doch die Saison ist lang und wir haben noch viel vor. Da passte die defensive Strategie zum Einstand sehr gut.“ Adrian Kolgjini griente: „So wie alles lief, war‘s ein exzellentes Training für Upset Face. Nächstes Ziel ist der Kungapokalen, doch im Grunde ist der Fokus nur auf ein Rennen ausgerichtet: das Derby. Ich denke, wir haben mit ihm ein Pferd, das das Blaue Band gewinnen kann.“
Derby Trial 2020 (nat., Vierjährige)
2640m Autostart, 306.500 SEK
1. Upset Face 15,7 Adrian Kolgjini 21
4j.hlbr. Hengst von Joke Face a.d. Iona LB von Supergill
Be: Ellerströmgruppen AB; Zü: Anna Svensson & Lutfi Kolgjini; Tr: Adrian Kolgjini
2. Power 3. Brake Cooling 4. Västerbo Lexington 5. Trix on Line 6. Galantis Redneck Woodland | 15,8 Robert Bergh 16,0 Björn Goop 16,0 Christoffer Eriksson 16,2 Kevin Oscarsson 16,2g Johan Untersteiner dis.r. Lutfi Kolgjini | 20 142 249 566 174 277 |
Sieg: 21; Richter: leicht 2 - 2 - ½ - 2 - ½ Länge; 7 liefen
Zw-Zeiten: 14,6/500m - 17,7/1000m - 18,6/1500m - 17,1/1500m - 11,4/letzte 500m
Wert: 150.000 - 75.000 - 37.500 - 19.000 - 12.000 - 8.000 - 5.000 SEK
Glatt scheiterte Marc Elias in der Klass II mit Knowledge’em am vierten Sieg in Folge. Mit Co-Favorit Fredric Palema schnappte sich Mikael Andersson zügig die Pole Position, während Elias durch Spur drei erst nach 700 Metern an seine Flanke kam. Der anschließende Marsch durch die Todesspur zeitigte beim 18:10-Favoriten auf dem letzten Abschnitt deutliche Wirkung. Konnte sich Fredric Palema in 1:13,8/2140m ganz leicht auf vier Längen zu 110.000 SEK absetzen, so durfte Knowledge’ems Umfeld von Glück sagen, dass zwei muntere Kandidaten auf der Zielgeraden aus dem Takt kamen. Dem Timoko-Sohn blieben Platz zwei und 55.000 Kronen vor einem ganzen Rudel, das ihm mächtig ans Leder wollte.
Ausgerechnet auf der Heimatbahn sollte es für das Lugauer-Quartier, das in letzter Zeit so gründlich abgegrast hatte, nicht zu einem vollen Erfolg reichen. Den Bänderstart der über 2640 Meter führenden Bronsdivisionen bekam Nero Maximus ordentlich hin. Nach einer Runde verließ Marc Elias mit Österreichs Derbysieger 2019 die Innenspur, doch ließ sich Björn Goop mit dem die Winterpause beendenden Giant Shadow nicht aus der zweiten Position hinter Neelix herauslocken, so dass „Nero“ mit Ganyboy im Nacken die Außenspur selbst beackern musste. Das tat der Rappe ganz hervorragend, ließ an der letzten Ecke Neelix locker links liegen - und wurde von Giant Shadow, hinter dem Goop sein ganzes Finishregister auspackte, um einen „Hals“ vom obersten Podest gekegelt. Nach 1:14,1 war der 23. Treffer aus lediglich 27 „Schüssen“ samt 110.000 Kronen unter Dach und Fach. Nero Maximus erhielt die Hälfte, der erstmals für die Kolgjinis antretende deutsche Derby-Dritte 2017 Ganyboy, gezüchtet von Steve Krüger, biss sich ebenso tapfer wie unerwartet zu Platz vier und 14.500 SEK durch.
In jeder großen Krise gibt es auch Gewinner. Ohne dies als Wertung zu sehen, ist dies in Zeiten der Corona-Epidemie die schwedische ATG. Als einziger Rennveranstalter europaweit durfte sich die staatliche Aktiengesellschaft zum zweiten Mal in Folge über ein neunstelliges Umsatzergebnis in der Königswette freuen - und das ohne Jackpot! 112.386.535 Kronen scheuchte das ausgehungerte Wettvolk durch die fast überall nur noch virtuellen Totokassen, und das für die ATG Gute folgte auf dem Fuß: Weil sich die Favoriten die Klinke zum Winner Circle praktisch in die Hand gaben - üppigster Sieger war für 5,1-fachen Einsatz Fredrik Palema -, wurde Rang drei mangels Masse nicht ausbezahlt. 29.220.499 Kronen wandern in den großen Jackpot des „Easter Burn“, der am Ostersonntag (12. April) in Romme beendet wird. Weil zu jener Zeit im restlichen Europa der Trabrennbetrieb weiterhin ruhen wird, ist ein Umsatz von mehr als 150 Millionen Kronen durchaus realistisch - es sei denn, der schwedische Staat untersagt Pferderennen. Bei einer Steigerung von 3.700 auf 6.443 nachweislich Infizierte bzw. 105 auf 373 Tote (Stand 4. April 18.00 Uhr) binnen einer Woche mehren sich in Schweden die Stimmen, den vergleichsweise weichen Kurs der Regierung zu verschärfen und die sozialen Kontakte wie in den Nachbarländern massiv einzuschränken.
V75-1 (Derby-Tr.): V75-2 (Diam-Sto): V75-3 (Klass I): V75-4 (Klass II): V75-5 (Silver): V75-6 (Guld): V75-7 (Brons): | Upset Face / Adrian Kolgjini Waiting Hill Hall / Thomas Uhrberg Van Gogh ZS / Robert Bergh Fredric Palema / Mikael Andersson Prosperous / Björn Goop Cyber Lane / Johan Untersteiner Giant Shadow / Björn Goop | 21 43 21 51 34 41 19 |
Umsatz V75: 112.386.535 SEK
1. Rang: 12.236 Systeme à 2.388 SEK
2. Rang: 46 SEK
3. Rang: Jackpot
Umsatz Top-7 (Silver): 1.965.260 SEK