Triest, Dienstag, 5. Januar 2021. Natürlich ist es nach gerade mal fünf Tagen im neuen Jahr noch viel zu früh, dafür laut ins Horn zu stoßen. Doch hält das neuformierte Team um Robert Gramüller, Josef Sparber und Thorsten Tietz die beeindruckende Performance der vergangenen Wochen durch, könnte heuer erstmals wieder in den Kampf um das wie in Glanzzeiten des „ewigen Goldhelms“ Heinz Wewering in den letzten Jahren stets früh und souverän zugunsten Michael Nimczyks entschiedene deutsche Fahrerchampionat richtig Pep kommen. Dies gilt unisono für den von Wolfgang Nimczyk abonnierten Trainer-Titel.
Dazu muss die Truppe um Schlachtenlenker Marcus Gramüller weiterhin Kilometerfresser bleiben. Nach Siegen in der Wiener Krieau (3. Januar; Wotan Casei, Klaus Hazelaar, Serafino) und Straubing, wo Tietz tags darauf mit New Dawn die Nase vorn hatte, ging die Erfolgsgeschichte am Dienstag jenseits der Alpen im nordostitalienischen Triest weiter. Auf dem ihm bestens bekannten 800-Meter-Nudeltopf des Ippodromo Montebello legte der 43-jährige zwei weitere Hölzchen an.
Mit dem am 26. Dezember in München qualifizierten dreijährigen Gigolo la Marc übernahm er trotz zweiter Startreihe und eines ersten Bogens in dritter Spur nach rund 500 Metern die Führung. Fortan spulte der ins schwedische Register eingetragene Quite-Easy-Sohn seinen Part in beeindruckender Manier - Fahne hoch, Ohren gespitzt - herunter, passierte die Linie 4½ Längen voraus in 1:19,5/1660m und strich für den ersten Arbeitseinsatz bzw. die Kasse der Herren Tietz und Sporrer 2.530 Euro ein. Weil die Tifosi längst mitbekommen haben, mit welch scharfen Waffen die „tedesci“ einfallen, gab’s am Toto bei 16:10 nur Brosamen.
Nur 50 Minuten später stach auch der zweite Trumpf in identischem Stil. Mit Berenice Gar, die einen frischen Karlshorster Erfolg zur ersten Vorstellung in ihrem Geburtsland mitbrachte, hatte Tietz im Prix Mediterraneo ein ähnliches Geschoss zur Hand, das ebenfalls mit der „8“ nur suboptimal bedacht war. Es gelang ihm, die Maharajah-Tochter unfallfrei um vier auf den ersten 200 Metern vor und um ihn herum springende Klippen zu manövrieren. Wie ihr „Stablemate“ nach 500 Metern vorn, spulte die allzeit prächtig am Gebiss stehende Vierjährige ihren Part vier, fünf Längen voraus runter, baute den Vorsprung auf der Zielgeraden noch ein bisschen auf deren sechs aus und war mit angezogener Handbremse nach 1:18,3/1660m um 1.748 Euro reicher; erneut spuckte der Totalisator bei 1,7-fachem Einsatz nur Peanuts auf die Siegwette aus.
Blieb Haller in der Auftaktprüfung mit 235er Außenseiterin Belen Bye Bye (von Oropuro Bar) als Vierte (264 Euro) im Rahmen der bescheidenen Erwartungen, so kehrte der neue Silberhelm dennoch nicht mit leeren Sieghänden zurück nach Aschheim. Mit Rilana drückte er im Premio Crociere vom äußersten Startplatz „6“ so lange, bis Villiam Martinelli ein Einsehen hatte und ihn nach einer halben Runde vorbei ließ. Fortan war die Love-You-Tochter nicht mehr zu erschüttern und holte sich zwei Längen voraus in 1:16,0 für die zwei Bahnrunden ihren dritte italienische Schleife - diesmal mit 2.300 Euro garniert.
Sybille Tinter „doppelt“ am Mälarsee
Nachdem bei den Lunch Races in Eskilstuna Hera Eck mit André Schiller nur um eine halbe Länge am ersten Erfolg der Stute aus Zucht und Besitz von Gerhard Sporrer vorbeigeschrammt war - für ihren vierten Ehrenplatz kassierte die Look-de-Star-Tochter 12.500 Kronen - und Duglas mit Klaus Kern über Platz sieben und 2.000 SEK nicht hinausgekommen war, blieb es Carl Johan Jepson vorbehalten, für den chronologisch ersten Punkt des aus hiesiger Sicht erfreulichen Tages zu sorgen.
Mit dem nach fünf Engagements unter Wolfgang Nimczyks Regie nach Schweden zurückgekehrten Moncler Bo - zuvor war er bei Patricia van der Mer stationiert gewesen - übernahm wiederum Jepson im Scheitel der ersten Kurve das Kommando und „never looked back“ - bzw. nur um mitzubekommen, dass weder sein unmittelbarer Verfolger Another Lucky Day noch der in dritter Schlussbogenspur aufkommende Boycott zur ernsthaften Gefahr würden. Viel leichter, als die im Rennbericht notierte eine Länge Vorsprung aussagen mag, brachte Hans Ulrich Bornmanns Virgill-Boko-Sohn den vierten, mit 25.000 SEK gewürzten Sieg in mäßigen 1:17,1/2140m unter Dach und Fach und sparte etliche Körner für zukünftige Taten.
Und der zweite folgt sogleich…
Ausgiebig Zeit, Zidanes Erfolg aus der Ferne zu feiern, hatte Mike Lenders nicht, denn zwei Stunden später war seine Voyage d’Amour in Vincennes im Prix de Charleville (siebenjährige Stuten, keine 165.000 Euro; 2850m; 37.000 Euro) wiederum mit Yoann Lebourgeois engagiert. Die am Strand der Normandie trainierte Quick-Wood-Tochter hatte am 7. Dezember endlich den Fluch besiegt, der ihr 17 Mal den ersten französischen Sieg verwehrt hatte. Das scheint die Breeders-Crown-Zweite des Jahres 2018 auf den Geschmack gebracht zu haben, denn nach einer ausgeschlafenen Fuhre des sonst oft so ungestümen „Bürgerlichen“ legte sie umgehend nach.
Die letzten 400 Meter musste Voyage d’Amour sich dann selbst gegen den „Kopfwind“ stemmen, bekam dies bestens hin und zwang mit viel Verve Romain Derieux‘ 25:10-Favoritin Eileen um eine Länge in die Knie. 16.650 Euro brachten das Konto der für Jürgen Jochem antretenden kompakten Braunen auf 136.914 Euro voran.
Video: https://www.letrot.com/fr/replay-courses/2021-01-05/7500/5
Damit war der schwarz-rot-goldene Geldrausch noch nicht erschöpft. Am Abend in Jägersro setzte Conrad Lugauer in einer Sprintprüfung für Stuten, die maximal 136.000 Kronen gewonnen haben durften, mit der vom in den Niederlanden ansässigen Bros Stable der Gebrüder Stefan und Danny van der Klij ins deutsche Gestütbuch eingetragenen Ka Ching Bros seinen ersten Saisontreffer. Nachdem Zugmaschine Jatzie R.D. nach 500 Metern das Kommando übernommen hatte, wehte der Holland-Deutschen der äußere Fahrtwind kräftig ins Gesicht.
Das störte die Donato-Hanover-Tochter keineswegs, mit der Lugauer 600 Meter vorm Ziel Ernst machte, zu Beginn der Schlusskurve die Tempomacherin überrannte, sich bis ins Ziel auf 3½ Längen absetzte und der Vierjährigen nebst 35.000 Kronen für den dritten Erfolg „lifetime“ mit 1:13,4/1640m eine neue Bestmarke bescherte. Deren Windschatten nutzte Marita Röttigs Eigengewächs Gypsy Eyes, mit der Bernardo Grasso unterwegs war, und schnappte sich den mit 17.500 SEK belohnten Ehrenplatz eine Länge vor dem Rest.