Mit einer siebenköpfigen Armada zog Italiens Champion Alessandro Gocciadoro am Sonntag in den 77. Gran Premio della Lotteria in Neapel, dessen drei Vorläufe, die Consolazione und das Finale mit insgesamt 830.000 Euro dotiert waren.
Der 51-Jährige entschied sich für Executiv EK, First of Mind und Dany Capar - und versenkte alle drei, so dass er im Endlauf, den er 2022 und 2023 mit Vernissage Grif gewonnen hatte, ohne eigene Fahrt da stand und sich nach Platz zwei mit Dany Capar im Trostlauf zu Working Class Hero (Gabriele Gelormini) vorzeitig umziehen konnte.
Allerdings hat Gocciadoro stets ein feines Näschen für gute Catchdriver, und so sah er seine drei Finalisten, Vorjahressieger Always EK, Funny Gio und vor allem Free Time Jepson in bewährten Händen. Letzteren hatte er schon in den Wochen vor dem Lotteria Andrea Guzzinati anvertraut.
Der Sohn des legendären Giuseppe Guzzinati bekam im Gran Premio Duomo (dis.rot) und im Gran Premio Costa Azzurra (2.) Gelegenheit, sich mit dem Face-Time-Bourbon-Sohn einzufahren - mit dem gewünschten Effekt. Im Lotterie harmonierten die beiden perfekt.
In der Batteria A sah sich der 58-Jährige das Geschehen in vorletzter Position gelassen an, bevor er den 80:10-Außenseiter an der letzten Ecke von der Leine ließ und weit außen Gegner um Gegner schluckte, darunter auch den favorisierten Frank Gio, der sich zu Beginn an Executiv EK die Zähne ausgebissen hatte.
Mit 1:09,7/1600 Meter war Free Time Jepson nicht nur der mit Abstand schnellste Vorlaufsieger, sondern auch nur eine Zehntelsekunde langsamer als Vernissage Grif bei seinem Bahn- und Rennrekordsieg 2023.
Im 715.000-Euro-Finale sah Andrea Guzzinati mit dem mäßigen Beginner keine Veranlassung, die Taktik zu ändern, sondern ließ sich trotz idealer Startnummer 2 sofort ins Hintertreffen zurückfallen. Da Santo Mollo mit dem von der Pole Position mühelos in Front geschnellten Dubhe Prav, Sieger der Batteria C in 1:11,1, relativ bald das Tempo herausnahm, griff Guzzinati diesmal aber schon 600 Meter vor dem Ziel an, wohlwissend, dass er damit Matthieu Abrivard mit Frank Gio aus der Reserve locken würde.
Auch dieser Plan ging auf: Frank Gio zog Free Time Jepson neben Dubhe Prav und Always EK, mit dem Magnus Djuse schon ausgangs der ersten Kurve neben dem Piloten aufgetaucht war, in dritter Spur durch den Schlussbogen, bevor der Gocciadoro-Hengst aus seinem Windschatten trat und ihn in 1:10,9 noch recht sicher in den Griff gekam.
Während Dubhe Prav und Always EK im Finish mit wehenden Fahnen untergingen, Cobra Killer Gar, Gewinner der Batteria B in 1:10,8 nicht wie gewünscht durchdrang, flog 214:10-Außenseiter Ernesto Spritz (Andrea Farolfi) vom Endes des Feldes auf Rang drei und ließ wie schon im Vorlauf Funny Gio (Antonio di Nardo) knapp hinter sich.
20 Jahre nach dem Überraschungs-Coup mit dem Riordan-Schützling Malabar Circle As über Lets Go und Ludo de Castelle trug sich Andrea Guzzinati zum zweiten Mal in die Siegerliste des Lotteria ein. Ob er den Hengst auch im Elitloppet, für den die Einladung nicht lange auf sich warten lassen dürfte, steuern wird, ist indes noch nicht bekannt.
Für Alessandro Gocciadoro war es als Trainer binnen fünf Jahren der vierte Lotteria-Triumph.
Seinen ersten Sieger im Lotteria (den Zweiten und Vierten gleich noch dazu) stellte Face Time Bourbon, der den Klassiker ein Jahr nach dem Ehrenplatz 2020 (zu Zacon Gio) selbst gewann und sich mehr und mehr zum erfolgreichsten Beschäler Europas entwickelt.
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