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Diamanten überstrahlt die Gegner

Der Große Preis von Deutschland geht - wie schon so oft - nach Schweden. Diamanten und Kim Eriksson siegten Start-Ziel in souveräner Manier vor Generaal Bianco und Django Riff, Michael Nimczyk mit Dawana und der deutsche Starter Orlando Jet mit Rudi Haller nahmen die weiteren Gelder mit nach Hause. Auch das Rahmenprogramm war erlesen!

"Diamant" ist nun wahrlich kein ungewöhnlicher Namensbestandteil auf deutschen Rennbahnen - meist tragen sie aber einen Vornamen und stammen aus dem Stall MS Diamanten. Diamanten selbst ist ein schwedisch gezogener Hengst, knapp eine halbe Million Euro schwer und einer der besten, wenn nicht der beste schwedische Vertreter des Jahrgangs 2013. Er sicherte sich das Hauptereignis an einem an Highlights nicht armen Renntag in Hamburg, der in jedem Jahr nominal den Jahreshöhepunkt markiert, in diesem Fall aber als der bestbesetzte Renntag auf deutschem Boden seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten gelten darf.

Den Auftakt machten die Zweijährigen, die in einem Breeders Course-Vorlauf um die Teilnahmeberechtigung für das Finale in Wolvega. Jeroen Offeringa gelang als Besitzer, Trainer und Fahrer gewissermaßen ein Dreifachtriumph, mit Ivanhoe Charisma siegte der Niederländer mit dem ebenda gezogenen Hengst leicht mit drei Längen in flotten 14,7 / 1680 Meter und darf in seinem Geburtsland am Finale teilnehmen.

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Das Ada-Rennen für vierjährige Stuten wurde ebenfalls eine Oranje-Beute, Hugo Langeweg gewann für Ronald F. Nooteboom mit der italienisch registrierten Muscle Hill-Tochter Ula Mil nach Zielfotoentscheid denkbar knapp vor Galante Olandese und Good Girl AS. 6.250 Euro wurden in lockeren 15,5 / 2200 Meter eingesackt, der dickste Scheck der bisherigen Laufbahn der Stute. In Berlin war sie während der Derbywoche bereits Siegerin in einem Vorlauf zum Shootingstar-Cup und Zweite im Finale.

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Ein weiteres Mal waren die Zweijährigen im "Orakel" gefordert. Breeders Crown-Sieger Mister F Daag musste sich ganz zum Schluss etwas überraschend dem angreifenden Northern Charm aus dem Gestüt Lasbek mit einem kurzen Kopf geschlagen geben, mit dem Christian Lindhardt seinem Chef Günter Herz ein passendes Geschenk zum wichtigsten Renntag des Jahres auf der Heimatbahn machte. In 14,9 / 1680 Meter ging es alles andere als gemächlich zu, der Muscle Hill-Sohn legte gleich zum Debüt eine Klasseleistung auf den Hamburger Teppich. Northern Charm stammt aus der Mutterlinie von Timberland, dem Vater von Brioni - von diesem Pferd wird noch einiges zu hören sein!

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Im Klass I-Rennen bestätigte Noble Dolly ihren dritten Platz aus dem Vorlauf zum UET-Grand Prix, den sie nach Enquete verloren hatte. Neben einer Siegprämie von 11.000 Euro winkt auch die Startberechtigung am Finale der Serie in Solvalla - das Rennen dient in V75-Tradition als Qualifikation für die lukrativen Finalrennen in Schweden. Hinter der deutsch registrierten, in finnischem Besitz der I.M.T.-Talli Oy (die auch als Züchter verantwortlich zeichnet) befindlichen und vom Niederländer Cees Kamminga trainierten und gefahrenen Vierjährigen belegten die Lokalmatadoren Prince of Persia und Soccer die weiteren Plätze. Ihr bisher größter Erfolg war der Sieg im Stutenderby-Vorlauf 2016.

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Das Permit-Rennen ging an ein Team, das dieses Jahr fast das Deutsche Traber-Derby gewonnen hätte: Niels Thomsens Baltic Stable als Besitzer, Tomas Malmqvist als Trainer und Christoffer Ericsson als Fahrer von Flying Fortuna - plus Jens Janssen als Züchter von Broadwell, auch wenn es bei letzterem weniger knapp, aber wie sich später am Tag noch zeigen sollte, kaum weniger realistisch gewesen wäre. Ganz real war der Sieg von Crown Wood, der sich als Co-Favorit im Speed durchsetzte und leicht mit zzwei Längen in 14,7 / 2200 Meter gewann. Für den Cremona Way-Sohn war es der erste Auftritt in seinem Geburtsland.

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Im Deutschland-Cup, dem kleinen Bruder des Großen Preises, war nach den Absagen von Muscle Boy As und der frisch gekrönten Stutenkönigin Goldy Stardust sowie der Galoppade von Favorit Dice Man der Weg frei für den Co-Favoriten Urbanio, der mit Rick Ebbinge optisch überlegen, formal mit anderthalb Längen in 13,4 / 2200 Meter gewann. Mit 50.000 Euro war das Rennen einer der lukrativsten Wettbewerbe des Jahres in Deutschland. Uniko Power, Guillaume Boko und Stonewashed Diamant holten dahinter die weiteren Gelder.

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Broadwell is back!

Nach der unglücklichen Disqualifikation in der Breeders Crown zeigte Broadwell, zweijährig ungeschlagener Jahrgangs-Crack und in dieser Saison durch eine schwere Verletzung lange außer Gefecht gesetzt, dass er nichts verlernt hat und erteilte seinen Gegnern eine Lektion. Am Start hielt Michael Nimczyk mit Mc Arthur den Derbyzweiten Flying Fortuna in der zweiten Spur, ließ den Gegner gegenüber passieren und schien dahinter eine ideale Lage zu haben - doch eine Runde später erwies sich diese Lage als Gefängnis, denn "Allesstarter" Flying Fortuna hatte nach höllischer Fahrt genug von dieser Saison, war restlos geschlagen und hielt den St. Leger-Sieger auf. An der Außenseite war Broadwell da schon vorbei gezogen, nach einer Runde hatte Robin Bakker mit ihm die Außenspur eröffnet, gab im Schlussbogen Gas und verabschiedete sich auf Nimmerwiedersehen von seinen Gegnern. In 12,9 / 2200 Meter gewann Broadwell souverän vor Mac Smily und Mc Arthur, sackte in diesem mit 25.000 Euro dotierten Lord Pit-Rennen mit 12.500 Euro Siegprämie ein. Über 60.000 Euro hat der von Jens Janssen gezüchtete Hengst aus dem Stall Gerrits/Thomaskamp nun auf dem Konto und wird in den kommenden Wochen, Monaten und hoffentlich Jahren sicherlich noch für Furore sorgen!

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Goop siegt als Stellvertreter

Robert Bergh hätte igentlich seine zwei Starter des Tages persönlich pilotieren wollen. Im Hamburg-Cup stellte der Erfolgstrainer mit Uzo Josselyn einen Mitfavoriten, im Großen Preis mit Diamanten gar den Topfavoriten - doch der Schwede musste nach dem Check In erfahren, dass sein Flug gecancelt wurde. Also wurde kurzerhand Björn Goop als Catchdriver engagiert - und der verlieg Uzo Josselyn Flügel! Im Einlauf sauste der Fuchs außen an allen Gegnern vorbei und nagelte den Favoriten Star Advidor Joli genau auf der Linie fest. Der deutsche Vertreter Cash Hanover ging in diesem Rennen nach schwachem Start und einer Aufholjagd auf der Gegengeraden leer aus. 15.000 Euro nimmt der französisch gezogene Sieger mit nach Hause - leider fiel ausgerechnet in diesem Rennen die Zeitnahme aus.

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Diamanten erfüllt alle Erwartungen

Auch für Diamanten benötigte Robert Bergh also einen Ersatz - diesmal fiel die Wahl auf Kim Eriksson: "Als ich im Taxi saß, rief Robert an und fragte, ob ich Diamanten fahren kann. Was für ein Glück, was für eine Freude für mich! Ich konnte mich zurücklehnen und das Rennen genießen. Ohne Zweifel ist dies der größte Sieg meiner Karriere!" Mit einem Augenzwinkern gab er zu verstehen, dass er seinen geplanten Rückflug nun ohnehin verpasst habe und entsprechend in Hamburg den Sieg würde feiern können.

Zuvor hatte der Shootingstar am schwedischen Fahrerhimmel eine souveräne Leistung abgeliefert, mit dem Topfavoriten zeitig das Kommando übernommen und es bis ins Ziel souverän verteidigt. Die Attacken von Generaal Bianco und Django Riff liefen ins Leere, die stets im Rücken des Piloten platzierte Dawana sicherte sich den vierten Rang, gesteuert vom deutschen Goldhelm Michael Nimczyk. Die Ready Cash-Tochte war das einzige am Toto dreistellig gehandelte Pferd auf den ersten fünf Plätzen!

Diamanten siegte in 12,0 / 2200 Meter und nimmt nun 75.000 Euro mit zurück nach Schweden. Dabei war es nicht einmal der wertvollste, vielleicht aber der bedeutendste Sieg für den Adrian Chip-Sohn. In diesem Jahr gewann er unter anderem die SprinterMästaren, den Konung Gustaf V:s Pokal und den Eskilstuna Fyraåringstest. Mehr als eine halbe Million Euro hat der Hengst nun auf dem Konto, bei 26 Starts und nicht weniger als 19 Siegen!

Eine starke Leistung zeigte der deutsche Teilnehmer Orlando Jet als Fünfter. Schon bei der Startplatzauslosung hatte er viel Pech, Startnummer 11 ist in Hamburg alles andere als optimal. Im Rennen besorgte ihm Rudi Haller schnell eine ordentliche Lage in der zweiten Spur, nahm dann auf der letzten gegenseite sein Herz in die Hand und startete eine beherzte Attacke - musste dann jedoch im Schlussbogen durch die dritte Spur bei hohem Tempo und konnte die Gegner vorne nicht mehr erreichen. Der beste deutsche Vierjährige bleibt damit aber für die französischen Course Europeenne-Rennen startberechtigt, was ihm lukrative Möglichkeiten im Schlaraffenland des Trabrennsports eröffnet. Auf einer größeren Bahn unter fairen Startbedingungen muss er auch die Erstplatzierten aus diesem Großen Preis von Deutschland nicht fürchten!

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Last but not least gab es den obligatorischen Sieg des Stalles Nimczyk an großen Renntagen: Mit Skyfall legte sich der Goldhelm zunächst an die Seite von Trainingsgefährtin Senorita Diamant, als außen jedoch Gefahr drohte, gab Michael Nimczyk Gas und legte die Diamantin schnell zu den Akten, wehrte sich bis zum Pfosten tapfer gegen die Attacken von Kees Bokma (der jedoch durch einen Reifenschaden gehandicapt war) und gewann das traditionsreiche Kurt Hörmann-Memorial trotz Zulage in 15,2 / 2220 Meter gegen den 13:10-Favoriten. Der in den Farben von Ulrich Mommert laufende Skyfall stammt aus der Zucht von Jean Huls und gewann sein erstes großes Rennen, das ihm satte 10.000 Euro in die Kasse spült und seinen Kontostand auf einen Schlag verdoppelt! Die längste Außenseiterin Senorita Diamant hielt sich nach langer Führung auf dem dritten Platz.

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Fotos: Marius Schwarz (www.traberpixx.de)

(08.10.2017)