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Derby-Woche 2017: Die Nimczyk-Festspiele

Was am ersten Wochenende mit drei Vorlauf-Siegen im Stuten-Derby und ebenso vielen Final-Qualifikanten im Blauen Band sowie Cash Hanovers Demonstration begonnen hatte, setzte sich wÀhrend des zweiten Teils der Derbywoche nahtlos fort: Team Nimczyk war in Topform.

Schon am Mittwoch zeichnete sich ab, dass die Nimczyk-Form anhalten wĂŒrde, als Michael mit fĂŒnf Siegen aus fĂŒnf Starts die gesamte Mittagskarte des Lunch-Renntages fĂŒr sich verbuchen durfte. Die Nimczyk-V5-Wette zahlte schmale 69:10 – nicht wenige hatten auf das Goldhelm-FĂŒnferpack gesetzt.

Am Donnerstag Abend sollte es praktisch nahtlos weitergehen, sowohl in der Internationalen Derby-Meisterschaft der Amateure als auch im Shootingstar-Cup. ZunĂ€chst hatten die Aktiven und Zuschauer sintflutartige RegenfĂ€lle zu ĂŒberstehen. Keine halbe Stunde dauerte der Regenguss, der fĂŒr flĂ€chendeckende, teilweise ĂŒber 10 Zentimeter hohe Überschwemmungen sorgte. Danach riss der Himmel auf und zumindest fĂŒr die, die sich selbst wieder trockenlegen konnten, sollte es noch ein schöner Abendrenntag werden.

Der Himmel hatte genau pĂŒnktlich zur Parade zum dritten Rennen, dem zweiten Vorlauf (1. Abteilung) zur Derby-Meisterschaft seine Schleusen geöffnet – die Gespanne mussten das GelĂ€uf wieder verlassen, rund eine Stunde spĂ€ter als geplant ging es dann weiter. In den VorlĂ€ufen ließen es die beiden großen Sieger des Abends dann noch wenig spektakulĂ€r angehen und ĂŒberließen zwei W-Pferden den Sieg: Frank W schlug Out of the Slums im Vorlauf des höchstdotierten deutschen Amateurrennens, Galaxy W setzte sich gegen Bright Light BR durch.

Im Finale drehten Thomas Maaßen und Out of the Slums – seineszeichens Vorjahressieger im Shootingstar-Cup, den Spieß um und gewannen Start-Ziel souverĂ€n gegen Frank W, der sich am Ende vergeblich streckte. Die Nimczyk-Serie in den großen Rennen der Derbywoche hielt also weiter an, Trainer des schwedisch registrierten, aber vom Deutschen JĂŒrgen Hanke gezĂŒchteten Wallachs ist Wolfgang Nimczyk, Besitzer Ulrich Mommert. Auf dessen Konto wanderten allein fĂŒr den Finalsieg 12.500 Euro.

Thomas Maaßen freute sich sichtlich ĂŒber den "grĂ¶ĂŸten Erfolg meiner Karriere", den er gewissermaßen seinen Kindern versprochen hatte: "Ich habe ihnen gesagt, dass wir morgen frĂŒh Kakao aus einem Pokal trinken. Nachdem ich in zwei VorlĂ€ufen jeweils Zweiter war, musste es dann im Finale klappen!" Der Onkel des Goldhelms wurde von der Familie am Winner Circle mit einer Laola-Welle begrĂŒĂŸt und ließ seinen Emotionen freien Lauf.

Rennbericht und Video

 

Noch deutlich voller und kaum weniger emotional war es kurz zuvor im Winner Circle zugegangen, als Symphony Diamant fĂŒr die große Besitzergemeinschaft TraberParti (www.traberparti.de) ihren ersten Sieg errang. UnzĂ€hlige Anteilseigner waren mit vor Ort und stĂŒrmten nach dem Zieleinlauf in den Winner Circle. Mit-Initiator Alexander van Dijk gab stellvertretend fĂŒr rund 300 Teilhaber das Siegerinterview und kĂŒndigte bereits eine Fortsetzung des Projektes an. Siegerehrungen wie diese machen jedenfalls Lust auf mehr und emotional dĂŒrfte sich fĂŒr jeden Teilhaber die Investition in dieses Projekt bereits amortisiert haben!

 

Auch im Finale des Shootingstar-Cups durfte Team Nimczyk jubeln, diesmal mit der vierjĂ€hrigen Stute Bright Light BR, die erst vor kurzem aus dem Stall von Gregor Krenmayr aus Österreich nach Willich umgezogen war. Vollstrecker war diesmal Michael Nimczyk, der mit der Stute aus dem Stall Habo als 77:10-Chance gegen den 11:10-Favoriten Frank W fast fĂŒr eine Überraschung sorgte und sich diebisch ĂŒber diesen Coup freute, als es durch das Ziel ging.

7.000 Euro waren der Lohn fĂŒr den Finalsieg, womit die Stute ihre Lebensgewinnsumme verdoppelte. Sie stammt aus der Zucht von Bernhard Rosengarten aus dem westfĂ€lischen Marl und gehört nach diesem Erfolg zu den aufstrebenden Stuten des 2013er Jahrgangs.

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Wie auch ihre TrainingsgefĂ€hrtin Goldy Stardust, die dominierende Protagonistin des Bruno Cassirer-Rennens am Freitag. In Vor- und Endlauf hatte sie mit ihren Geschlechtsgenossinnen keine MĂŒhe, gewann den Vorlauf mit sieben und das Finale mit fĂŒnf LĂ€ngen Vorsprung. Die von Jan Scheffer gezĂŒchtete und im Besitz von Michael Nimczyks Onkel Hans Brocker befindliche VierjĂ€hrige hat nach dem 10.000 Euro wertvollen Finalsieg in diesem prestigetrĂ€chtigen Rennen ĂŒber 30.000 Euro auf dem Konto. Nur bei der Generalprobe musste sie sich Prince of Persia geschlagen geben, nun nahm sie ihre makellose Siegesserie wieder auf. Goldy gegen Gilda könnte demnĂ€chst das Duell heißen – Goldy Stardust gegen die Jahrgangskönigin Gilda Newport.

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Es trug ein wenig zur Beruhigung der Konkurrenz bei, dass auch das Team Nimczyk schlagbar ist, als im Derby-Marathon-Pokal des Goldhelms Paradepferd (also eins von mehreren) King of the World an einem Fehler und dem Rennverlauf scheiterte und der Weg frei war fĂŒr einen Start-Ziel-Sieg von Rossini Diamant und Thorsten Tietz. Der Vizechampionatsstall war ausgerechnet vor der wichtigsten Rennwoche des Jahres mit einigen Erkrankungen und Verletzungen konfrontiert, was zu einer fĂŒr Tietz‘sche VerhĂ€ltnisse eher unterdurchschnittlichen Ausbeute fĂŒhrte. Doch neben Abano H war auch auf Rossini Diamant Verlass, der ĂŒber mehr als drei Kilometer das Rennen dominierte und die HĂ€lfte der 15.000 Euro Dotation mit nach Hause nehmen durfte, zur Freude seiner Besitzergemeinsam um Wolfgang May und Klaus Bockhoff sowie seinen ZĂŒchter Max Schwarz.

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Am Samstag stand natĂŒrlich das Finale zum Deutschen Stuten-Derby im Mittelpunkt. Die dreijĂ€hrigen Ladies, die nicht den Sprung in den lukrativen Hauptlauf geschafft hatten, durften sich um ein Trostpflaster von insgesamt 10.000 Euro im Finale B bewerben. Stefan Schoonhovens C‘est la Vie C nutzte als 106:10-Außenseiterin ihre Chance und gewann sicher mit einer LĂ€nge vor der Favoritin Hostpot, die eigentlich Hotspot hĂ€tte heißen sollen und auch so ausgesprochen werden solle, wie Leendert Gerrits am ersten Derby-Wochenende im Interview betonte. Die in den Farben ihres ZĂŒchters Bas Michael Cremers laufende C‘est la Vie C gewann ihr erstes Rennen ĂŒberhaupt!

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Ausnahmsweise keinen Big Point gab es an diesem Samstag fĂŒr das Team Nimczyk: Auch das Auktionsrennen – an dem freilich kein Nimczyk-Traber teilnahm – ging in die Niederlande. Die reduzierte Dotation drĂŒckte merklich das Interesse der StĂ€lle, sechs Starter fanden sich um 10.000 Euro ein. Ein durchaus erwĂŒnschter Effekt, der freilich durch das am Sonntag durchgefĂŒhrte, mit 40.000 Euro dotierte Sonder-Rennen der Breeders Course-Serie konterkariert wurde. Dion Tesselaar und Isabella Boshoeve konnten es am besten und gewannen ĂŒberlegen, fĂŒr die von Wiebe D. Landman gezogene Ready Cash-Tochter war es beim ersten Start der erste Sieg.

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Zwei Derby-Revanchen standen am Sonntag auf dem Programm – die jedoch beide ihrem Namen nicht gerecht wurden. Bei den Stuten dominierte Gilda Newport nach Belieben und blieb damit in ihrem Heimatland ungeschlagen. Bei den Hengsten und Wallachen war der Derbysieger Muscle Scott selbst nicht am Ablauf, so dass Orlando Jet zwar formal die Revanche gewann, ohne sich jedoch an seinem Bezwinger aus dem Vorjahr revanchieren zu können. Dass Muscle Scott eine Chance gegen den Traber des Jahres 2016 gehabt haben könnte, ist indes nicht vorstellbar.

Orlando Jet gewann nach Belieben, erstmals ohne Eisen, aber dennoch mit fester Watte in den Ohren, unausgefahren und hochĂŒberlegen in 11,6 / 1900 Meter und knackte wohl nur deswegen nicht den Bahnrekord, weil Rudi Haller es nicht wollte. Der war ob der Beschleunigung seines Partners im Schlussbogen, wo er eine Zwischenzeit von 09,6 hinlegte, derart beeindruckt, dass er noch im Winner Circle um Worte rang. Dass diesem Orlando Jet die Zukunft gehört, dĂŒrfte außer Frage sein. Zu eilig hat das Team es glĂŒcklicherweise bisher nicht und begĂŒngt sich damit, im Inland abzurĂ€umen, was eben möglich ist, und erspart dem Hengst hĂ€ufige AuslandsausflĂŒge – wie erfolgreich diese in Zukunft sein können, bewies der Sieg im Paris-Vincennes Ende Juni. Seit dem Ehrenplatz im Derby 2016 ist Orlando Jet ungeschlagen und hat nach dem Sieg in der Derby-Revanche knapp 150.000 Euro auf dem Konto.

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Bei den Stuten bleibt es ebenso bei der Dominanz von Gilda Newport. Zwar hatte man Stonewashd Diamant zugetraut, am Thron zu rĂŒtteln – doch wie Orlando Jet kam Gilda Newport als 10:10-Favoritin an den Start und zu keiner Zeit in Gefahr. Die einzige echte Kontrahentin offenbarte Probleme in den Bögen und hatte keinen passenden Rennverlauf, so dass Gilda Newport vorn ein einsames Rennen lief, beim elften Start den neunten Sieg errang und nur unwesentlich weniger auf dem Konto hat als ihr mĂ€nnliches Pendant. Auch der Stute will man vorerst allzu strapaziöse Auslandsreisen ersparen, sich stattdessen auf die nationalen Highlights konzentrieren.

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Einen sehenswerten Fight auf den letzten 600 Metern lieferten sich zwei Altmeister: Jean-Pierre Dubois und Heinz Wewering. Im Finale B zum Deutschen Traber-Derby hatte der Franzose mit dem großen Namen selbst im Sulky von Classic Connection Platz genommen, mit dem Björn Goop im Vorlauf die Finalqualifikation verpasst hatte. Bis zur Linie behielt er einen Vorteil gegen den außen attackierenden deutschen Rekordmeister im Sulky von Mac Smily. Classic Connection bewies damit in der Hand seines berĂŒhmten Besitzers und ZĂŒchters, dass er nicht zu Unrecht als Favorit in seinen Vorlauf gegangen war. Bemerkenswert ist, dass der Hengst seine sieben Lebensstarts plus Qualifikation in sechs (!) verschiedenen LĂ€ndern absolviert hat. In chronologischer Reihenfolge: Frankreich, Belgien, Niederlande, Finnland, Italien und Deutschland.

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Mit dieser Reisefreudigkeit passt Classic Connection auch zum Prinzip der Breeders Course-Rennserie, die als „Einlagespiel“ am Derbytag mit einem 40.000 Euro-Rennen fĂŒr ZweijĂ€hrige in Berlin Halt machte. FĂŒr das Finale konnte man sich nicht qualifizieren, sondern „nur“ viel Geld gewinnen, was Gespanne von nah und vor allem fern anlockte. Die SiegprĂ€mie wanderte schließlich an Ze Doca mit Davide Nuti im Sulky. War zur Siegerehrung mit Altmeister Dubois noch der als Concierge von Berufs wegen sprachgewandte Nico Laaser zum Winner Circle gesprintet, um das Siegerinterview zu fĂŒhren, war in diesem Fall die Berliner Amateurfahrerin Katharina Kramer als Dolmetscherin mit dabei. Durch den Trainer Holger Ehlert, seit Ewigkeiten in Italien tĂ€tig, hatte dieser italienische Sieg zumindest eine kleine deutsche Note.

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EuropĂ€isch ging es weiter, mit dem Finale zum Super Trot Cup. Ausgerechnet zwei deutsche Vertreter, Ginger Heldia und der Lasbeker Hobard, mussten krankheitsbedingt passen. Doch am Ende jubelte trotzdem ein deutsches Team – und natĂŒrlich war es das dominierende des Meetings: Fahrer Michael Nimczyk und Besitzer Ulrich Mommert hielten die Pokale in den HĂ€nden, nachdem der von Michael Larsen trainierte Lighten up Today den europĂ€ischen GĂ€sten gezeigt hatte, wer in Mariendorf in dieser Klasse der Herr im Hause ist. Nach einem Rennen als zweites Pferd innen hatte Michael Nimczyk den von Thomas Kestel gezĂŒchteten SiebenjĂ€hrigen ausgangs des Schlussbogens auf freie Bahn manövriert und in einem sehenswerten Drei-Pferde-Finish die Oberhand behalten. Mit der SiegprĂ€mie von 30.000 Euro gewann der Wallach den mit Abstand grĂ¶ĂŸten Scheck seiner Karriere und verdoppelte beinahe seine bisherige Lebensgewinnsumme.

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Und noch einmal hatte Michael Nimczyk Grund zum Jubeln, denn auch mit Banks gelang ihm das KunststĂŒck, sich aus dem „GefĂ€ngnis“ als zweites Pferd an der Innenkante zu befreien. Er umkurvte den lange fĂŒhrenden und im Einlauf komplett einbrechenden Abano H, der noch zu Beginn der Derbywoche den Lauf zur Champions-Serie gewonnen hatte, und schoss innen an den sich beharkenden Aron the Baron und Stan Libuda vorbei, als seien sie Statisten. Die Beschleunigungskraft des Traber des Jahres von 2014 war zwar hinlĂ€nglich bekannt, sie beeindruckt jedoch stets aufs Neue. In 11,4 / 1609 Meter wurde der Renntitel Rekord-Meile nicht erfĂŒllt, aber die Breeders Crown kommt ja noch - der darf Banks selbst zwar aus AltersgrĂŒnden nicht mehr teilnehmen, aber der ein oder andere Kandidat steht bereit, den vor Jahresfrist aufgestellten Bahnrekord anzugreifen.

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Und dann war sie vorbei, die Derbywoche 2017. Es war wieder ein tolles Traberfest fĂŒr die Aktiven und Zuschauer aus ganz Deutschland und darĂŒber hinaus. Es wurde gemeinsam gefeiert, manchmal bis in den frĂŒhen Morgen, und toller Sport zelebriert. Manch einer wĂŒnscht sich, die Derbywoche wĂ€re mehr als nur einmal im Jahr. In etwas kleinerem Format kann man dieses GefĂŒhl erneut zur Breeders Crown erleben – doch tief im Innern fiebert Traberdeutschland schon der Derbywoche 2018 entgegen.

 

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Fotos: Marius Schwarz (www.traberpixx.de)

(08.08.2017)